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Herzinfarkt: Die Symptome bei Frauen sind anders als bei Männern

Noch vor zehn Jahren unterschätzten selbst manche Ärzte das weibliche Risiko für einen Herzinfarkt und zogen es bei der Diagnostik seltener in Erwägung. Das ist heute anders. Aber immer noch missdeuten die Frauen selbst oder ihre Angehörigen die Anzeichen. Ein Herzinfarkt kommt meist nicht aus heiterem Himmel, sondern er schickt Vorboten. Weil diese bei ihnen oft anders als bei Männern sind, schätzen sie Frauen oft nicht richtig ein und erachten sie nicht für wichtig genug, zum Arzt zu gehen.

Ein Herz und ein Stethoskop© Rob Byron - Fotolia

Auch Frauen sollten es nicht auf die leichte Schulter nehmen!

Wie die Deutsche Herzstiftung angibt, haben die meisten Frauen Angst vor Krebs – in Bezug auf einen Herzinfarkt sind sie dagegen eher unbesorgt. Dabei ist schon seit 2002 nicht mehr der Krebs die Haupttodesursache bei Frauen, sondern vielmehr ein Herzinfarkt oder Schlaganfall. Umso besser sollten Sie daher die Anzeichen kennen, um im Notfall richtig handeln zu können.

Denn neben dem „Klassiker“ ausstrahlende Schmerzen in der Brust verursacht ein Infarkt bei Frauen eher unspezifische Symptome. Anders als Männer haben Frauen auch eher ein Druck- oder Engegefühl im Brustbereich als starke Schmerzen. Wenn diese Beschwerden in einer ungewohnten Heftigkeit auftreten, sollten Sie unbedingt an einen Herzinfarkt denken.

Angina pectoris als Vorbote

Sehr oft geht einem Herzinfarkt eine Phase voran, die durch Episoden von Angina pectoris (Brustenge) gekennzeichnet ist. Die Beschreibung der typischen Zeichen orientiert sich allgemein an den Erscheinungsformen bei Männern: Plötzliche Schmerzen hinter dem Brustbein nach oder bei körperlicher Anstrengung. Das gilt für Frauen natürlich auch, aber häufiger leiden sie unter einer chronischen Angina pectoris mit Anzeichen wie:

  • Schmerzen im Rücken oder Oberbauch
  • Kurzatmigkeit, Atemnot und Druckgefühl im Brustkorb
  • Übelkeit und Erbrechen

Die Beschwerden können schon in Ruhe auftreten. Frauen halten dann diese Vorstufe eines Herzinfarkts für eine Magenverstimmung. Begünstigt wird eine Angina pectoris durch Arteriosklerose, Koronare Herzkankheit (KHK), Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen. Deshalb sollten die aufgeführten Symptome, wenn sie länger als zehn Minuten anhalten, direkt zum Arzt führen. Er allein kann die Ursache abklären. Für die Behandlung stehen wirksame Substanzen zur Verfügung. Nutzen Sie ab 50 Jahren den regelmäßigen ärztlichen Check mit Kontrolle des Blutdrucks, Blutanalyse sowie EKG (wenn nötig, auch unter Belastung).

Nur eine Zeitverschiebung?

Im Durchschnitt treten bei Frauen Herzkrankheiten sieben bis acht Jahre später auf als bei Männern. Eine von neun Frauen zwischen 45 und 64 Jahren leidet an einer kardiovaskulären Erkrankung. Im Alter von 65 Jahren steigt das Verhältnis auf 1:3. Je älter sie sind, desto wahrscheinlicher tritt er auf. Bis zur Menopause (letzte Monatsblutung) geschieht ein Herzinfarkt bei Frauen seltener als bei Männern gleichen Alters.

Als Grund sieht man allgemein den Schutz durch die körpereigenen Östrogene an, die arteriosklerotische Veränderungen in den Gefäßen und deren Folgen verhüten (Koronare Herzkrankheit, Angina pectoris und Herzinfarkt). Und das trotz allem Stress, den viele Frauen erleben. Nach der Menopause steigt das Risiko der Frauen für einen Herzinfarkt stetig an, bis er ab dem 80. Lebensjahr die häufigste Todesursache darstellt.

Bei einem Herzinfarkt zählt jede Stunde!

Darüber hinaus leben mehr Frauen als Männer im Alter allein. In solchen Fällen ist niemand da, der zum Zeitpunkt des Ereignisses rechtzeitig den ärztlichen Notdienst ruft. So kommen sie später ins Krankenhaus und bis zum Einsetzen der Intensivbehandlung verstreicht kostbare Zeit.

Eine Thrombolyse (Behandlung zur Auflösung von Blutgerinnseln) muss in den ersten drei Stunden nach dem Ereignis erfolgen, um gute Ergebnisse zu erbringen. So stirbt jede dritte Frau über 65 Jahren mit einem Herzinfarkt, bevor sie die Klinik erreicht.

Bluthochdruck und Herzprobleme© Photographee.eu - Fotolia

Typische Anzeichen eines akuten Herzinfarkts

  • Bei Frauen sind es meist schwere langdauernde Schmerzen im Brustkorb, die in den linken oder beide Arme, den Bauch, zwischen die Schulterblätter und in den Unterkiefer ausstrahlen; oft heftiger Druck oder Brennen im Brustkorb, Schmerzen im Hals oder Oberbauch
  • fahle Gesichtsfarbe, kalter Schweiß im Gesicht, kalt-feuchte Hände
  • heftige Atemnot
  • Kreislaufzusammenbruch, manchmal Bewusstlosigkeit
  • Todesangst

Betroffene Frauen immer jünger

Immer mehr junge Frauen erleiden einen Herzinfarkt. Das ist die alarmierende Botschaft der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. Bereits seit 1999 ist zu beobachten, dass sich die Altersgrenze für einen Infarkt immer weiter nach unten verschiebt. Grund dafür sind unterschiedliche Faktoren. So spielt das Rauchen eine große Rolle und immer mehr jüngere Frauen sind an Adipositas erkrankt. Hinzu kommen Bewegungsmangel und in vielen Fällen bestimmte Stoffwechselstörungen.

All dies wirkt sich gravierend aus: Um die Jahrtausendwende waren nur rund 10 Prozent der Frauen, die einen schweren Herzinfarkt erlitten, jünger als 55 Jahre. Etwa 15 Jahre später sind es bereits 17 Prozent. Wie groß die Rolle ist, die das Rauchen spielt, sieht man daran, dass 80 Prozent von ihnen Raucherinnen sind. Ein Rauchstopp ist daher der perfekte Herzschutz.

Risikofaktoren für Frauen

Es zeigte sich, dass einzelne der folgenden allgemein geltenden Risikofaktoren für Frauen einen anderen Stellenwert als für Männer einnehmen.

Rauchen und Diabetes

Rauchen gilt insbesondere für jüngere Frauen als entscheidende Risikofaktor, noch schädlicher als für Männer. Rauchende Frauen katapultieren sich aus ihrer in jüngeren Jahren geschützten Position in die Risikosituation der Männer gleichen Alters. Rauchen vermindert den Östrogenspiegel und damit das herzschützende HDL. Dadurch kommt es schneller zu Gefäßschäden und Cholesterinablagerungen in den Arterien. Rauchen zusammen mit hormoneller Kontrazeption (die Pille) bedeutet einmal mehr Gefahr, selbst wenn es nicht zu Cholesterinablagerungen kommt. Es bilden sich Thromben, die sich unter Umständen lösen und eine Herzkranzarterie verstopfen.

Diabetes ist für Frauen mit einem stärkeren Infarktrisiko verbunden als für Männer. Achten Sie selbst auf eine gute Blutzucker-Einstellung. Dies gilt selbst, wenn dazu die Umstellung von Blutzucker-senkenden Tabletten auf Insulin, auf drei- bis viermal tägliche Blutzucker-Messungen und bis zu viermal tägliche Insulinspritzen erforderlich sein sollten.

Die Wechseljahre

Die Menopause spielt für den Herzinfarkt eine besondere Rolle: Je früher sie eintritt (z. B. mit 40 Jahren), desto größer ist das Risiko für einen späteren Herzinfarkt. Je später sie kommt (z. B. mit 55 Jahren), desto geringer fällt es aus. Eine Hormonersatztherapie in der Postmenopause (Zeit nach der letzten Menopause) galt jahrzehntelang in ärztlichen Fachkreisen als eine Möglichkeit, das Risiko älterer Frauen für einen Herzinfarkt zu senken.

Umso überraschender erscheinen die Ergebnisse einer neuen Studie. Sie stellen diesen speziellen Herzschutz bei Frauen mit einer Koronaren Herzkrankheit in Frage. Diese Studie (HERS 1998) mit über 2.700 Frauen mit einer Koronaren Herzkrankheit stellte einen schützenden Effekt einer kombinierten Östrogen/Gestagen-Behandlung gegenüber einem Scheinpräparat nicht fest. Vielmehr erhöht eine Hormonbehandlung zum Schutz vor Herzinfarkten in und nach den Wechseljahren nachweislich das Brustkrebsrisiko. Das Auftreten von Infarkten kann sie jedoch nicht verhindern, wie statistische Auswertungen gezeigt haben.

Seniorin hält Hand an die Stirn© Robert Kneschke - Fotolia

Selten ist die Pille schuld!

Immer wieder gerät die hormonelle Empfängnisverhütung in Verdacht, einen bei jungen Frauen sehr seltenen Herzinfarkt zu begünstigen. Nun untersuchten britische Ärzte bei 459 Frauen im Alter von 16 bis 44 Jahren, die einen Herzinfarkt erlitten, ob bei ihnen ein Zusammenhang mit der Einnahme der Pille bestand. (Die Pille ist nicht zu verwechseln mit der Hormonersatzbehandlung in den Wechseljahren.) Diesen Frauen stellte man 1. 700 Kontrollpersonen ohne Herzinfarkt gegenüber. Es stellte sich heraus, dass alle Anwenderinnen von empfängnisverhütenden Hormonen gegenüber den Kontrollpersonen ein 1,5-fach erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt hatten. Dies galt unabhängig davon, wie lang sie die Pille einnahmen oder wie hoch der Gehalt des Präparats an Gestagen ausfiel.

Umgekehrt ausgedrückt: 87 Prozent der jungen Herzinfarktpatientinnen nahmen keine empfängnisverhütenden Hormone ein. 88 Prozent von ihnen wiesen typische Risikofaktoren für einen Herzinfarkt auf: Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte, hoher Gehalt an Homocystein, starkes Übergewicht etc. Wenn sie zu einem oder zweien dieser Riskofaktoren zusätzlich rauchten, steigerte dies ihr Risiko für einen Herzinfarkt um das Zwölffache. Dass Rauchen die Einnahme der Pille herz- und thrombosegefährlich macht, wissen hoffentlich alle Frauen.

Hoher Ruhepuls

Der Ruhepuls bei Frauen im mittleren Alter kann ein Hinweis darauf sein, ob in späteren Jahren ein erhöhtes Herzinfarktrisiko besteht. Das ist das Ergebnis einer Studie, die in der medizinischen Fachzeitschrift „British Medical Journal“ (BMJ) veröffentlicht wurde. Über einen Zeitraum von acht Jahren wurden mehr als 129.000 Frauen untersucht, die die Wechseljahre schon hinter sich hatten und bis dato keinerlei Herzprobleme aufwiesen. Während der Studie traten nur bei einigen Frauen Herzinfarkte auf.

Die Forscher fanden jedoch Folgendes heraus: Frauen mit einem Ruhepuls von mehr als 76 Schlägen pro Minute hatten ein um 26 Prozent höheres Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden oder an einer Herzerkrankung zu sterben, als Frauen mit einem Ruhepuls von 62 Schlägen pro Minute oder weniger. Dieses erhöhte Risiko bestand auch dann, wenn diese Frauen Sport trieben. Ein erhöhter Ruhepuls hat keinen so großen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit eines Herzinfarktes wie die Risikofaktoren Rauchen und Diabetes. Dennoch hat die Studie gezeigt, dass der Ruhepuls im Hinblick auf die Herzgesundheit bei Frauen durchaus beachtet werden sollte. Auch die Experten der Mayo Clinic stimmen dem zu und empfehlen, dass der Ruhepuls bei einem Gesundheitscheck mit berücksichtigt werden sollte. Liegt er bei über 76 Schlägen pro Minute, so empfehlen die Ärzte der Mayo Clinic zusätzliche Untersuchungen, um weitere Risikofaktoren und Anzeichen für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung abzuklären.

Ihr Risiko senken Sie am besten mit Ihrem Lebensstil

Sie können Ihr Herz schützen, indem Sie ein paar einfache Spielregeln einhalten. Ihr Herzinfarktrisiko können Sie senken, wenn Sie:

  • eventuelles Übergewicht abbauen
  • nicht rauchen
  • Stress reduzieren
  • zu hohe Blutdruckwerte senken
  • sich viel bewegen oder regelmäßig Sport treiben

Wenn Sie dann noch mit ausgewogener Ernährung dafür sorgen, dass Ihr Cholesterinspiegel im grünen Bereich bleibt, haben Sie die besten Voraussetzungen für Ihre Herzgesundheit geschaffen. Grundsätzlich gilt: Warten Sie nicht zu lange. Da jeder Herzinfarkt zum tödlichen Herzstillstand führen kann, sollten Sie beim geringsten Verdacht die Notarztnummer 112 anrufen.

Ehefrauen von Infarktpatienten sind gefährdet

Ehefrauen von Infarktpatienten tragen in vielen Fällen ein erhöhtes Risiko für eine Herzerkrankung. Dies teilt die Deutsche Herzstiftung mit. Sie bezieht sich auf eine Studie, die amerikanische Wissenschaftler vom Regional West Medical Center in Scottsbluff (Nebraska, USA) durchführten. Die Forscher verfolgten das Schicksal von 170 Männern, die kurz zuvor einen Herzinfarkt erlitten oder eine Bypassoperation wegen verengter Blutgefäße hinter sich hatten. Das Besondere an dieser Studie ist, dass die Forscher die Ehefrauen der Patienten untersuchten und deren Lebensgewohnheiten unter die Lupe nahmen.

Dabei stellte sich heraus, dass beide Eheleute vor der Erkrankung des Ehemanns ähnliche Lebensweisen zeigten, was Ernährung, Gewohnheiten, Zigarettenkonsum und sportliche Aktivitäten betrifft. Bei einem Drittel der Paare waren beide übergewichtig. Nach dem Herzinfarkt oder der Operation gaben die Männer das Rauchen auf. Die meisten Frauen hingegen rauchten weiter wie bisher. Des Weiteren beteiligten sich wenige Ehefrauen an dem körperlichen Training, das die Ärzte ihren Männern verordneten. Lebensgefährtinnen von Infarktpatienten sollten die Warnung durch die Erkrankung ihres Mannes für sich selbst nutzen und konsequent mit ihm zusammen ihren Lebensstil umstellen.

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