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Normaler Puls? Ab 120 Schlägen pro Minute wird es gefährlich!

Die rhythmische Durchblutung der Gefäße verursacht den Pulsschlag: Der Herzmuskel zieht sich zusammen und pumpt das Blut mit großem Druck in die Arterien.

Diese Blutwelle dehnt die Blutgefäße für Sekunden-Bruchteile aus. Und diese Ausdehnung spüren wir wiederum als Pulsschlag. Doch was ist ein normaler Puls und wie messe ich meinen Puls richtig?

Wichtige Aspekte bei der Pulsmessung

  • Pulsfrequenz: Anzahl der Pulsschläge pro Minute
  • Pulsrhythmus: schwankende Abstände zwischen den Pulsschlägen oder Extra-Schläge
  • Pulsqualität: gut oder schwach tastbar, kräftige oder schwache Schläge

Am leichtesten misst sich der Puls am Handgelenk unterhalb des Daumens. Bei Verdacht auf chronische Gefäßschäden (z. B. durch Arteriosklerose) sollten Sie besonders auf die Fußpulse achten, da diese aufgrund der Durchblutungsstörung in den meisten Fällen als Erstes nachlassen.

Gewöhnen Sie sich an, den Puls stets mit aneinander gelegten Zeige-, Mittel- und Ringfingern zu messen, niemals mit dem Daumen.

Wenn Sie nämlich mit dem Daumen bei einem Kranken den Puls fühlen, spüren Sie Ihren eigenen Daumenpuls. Zählen Sie die Pulsschläge 15 Sekunden lang und multiplizieren Sie das Ergebnis mit 4, um auf die Zahl der Pulsschläge pro Minute zu kommen.

Bei Bewusstlosen müssen Sie den Puls am Hals (auf einer Seite) messen, da der Körper das Blut in den lebenswichtigen inneren Organen und im Gehirn konzentriert.

Höherer Ruhepuls bei älteren Menschen

In der Regel misst man den Puls in körperlicher Ruhe (Ruhepuls). Bei Erwachsenen unter 70 Jahren liegt der Ruhepuls bei 60 bis 80 Schlägen pro Minute.

Wenn Sie über 70 sind, ist ein Ruhepuls von 80 bis 90 Schlägen pro Minute völlig normal: Im höheren Alter ist der Herzmuskel oft nicht mehr so kräftig, sodass das Herz einige Schläge mehr pumpen muss, um den Körper mit Blut zu versorgen.

Leichte Pulsschwankungen um 10 bis 20 Schläge pro Minute sind normal. Steigt der Puls jedoch auf Werte über 100 Schläge pro Minute, spricht die Medizin von einer Tachykardie (erhöhter Puls).

Ursachen für einen erhöhten Puls

  • körperliche Anstrengung
  • Aufregung und Angst
  • Sauerstoffmangel
  • Herzrhythmus-Störungen
  • hohes Fieber
  • Blutarmut
  • Flüssigkeitsverlust
  • Schilddrüsen-Überfunktion

Mit jedem Grad Fieber steigt der Puls um 8 bis 12 Schläge an.

Ursachen für einen verlangsamten Puls

  • guter Trainings-Zustand
  • chronische Herzschwäche
  • Digitalis-Überdosierung (Herzmedikament), Betablocker
  • Gelbsucht
  • Gehirnentzündungen
  • Unterkühlung

Bei weniger als 50 Schlägen pro Minute liegt eine Bradykardie vor, also ein verlangsamter Puls.

Krankhafte Pulsstörungen

Krankhafte Pulsveränderungen gehen in den meisten Fällen mit weiteren Beschwerden einher, die dem Arzt wichtige Hinweise auf die Grunderkrankung liefern. So weist etwa ein schneller, eher harter Puls zusammen mit Hitzegefühlen, Gewichtsverlust und Haarausfall auf eine Überfunktion der Schilddrüse hin.

Fehlende Fußpulse zeigen Durchblutungsstörungen der Beine an und ein schneller, weicher Puls mit eventuellen Extra-Pulsschlägen deutet auf eine Herzschwäche hin.

Suchen Sie ärztlichen Rat, wenn Sie den Verdacht haben, dass mit Ihrem Puls etwas nicht stimmt. Das gilt auch, wenn er zeitweise zu schnell schlägt.

Bei akuten starken Pulsstörungen (über 150 Schläge pro Minute oder kaum spürbarer Puls) zusammen mit starken Schmerzzuständen aller Art, hohem Fieber, Schwindel, Bewusstseinsstörungen oder Bewusstlosigkeit besteht die Gefahr eines Herzstillstands. Rufen Sie umgehend den Notarzt (Tel. 112).

Wie macht sich eine Herzrhythmus-Störung bemerkbar?

Das Gefühl kennen Sie bestimmt: Ihr Herz flattert und stolpert, es gerät aus dem Rhythmus und einen kurzen Moment lang erhält es Ihre ganze Aufmerksamkeit.

Diese kleinen Hopser sind normal. Wenn sich daraus Herzrasen oder ein beständig unregelmäßiger Herzschlag entwickelt, sollten Sie eingreifen. Dann ist es mehr als ein normaler Hopser.

Zu den Symptomen einer Herzrhythmus-Störung gehören:

  • Brustenge
  • Schwindelgefühle
  • Kurzatmigkeit
  • Müdigkeit

Ebenso gut kann die Krankheit allerdings auch still verlaufen. Darum sollten Sie Ihr Herz regelmäßig untersuchen. Besonders ab dem 65. Lebensjahr steigt das Risiko für Herzrhythmus-Störungen an. Zu den besonderen Risikofaktoren zählen:

  • zu hoher Blutdruck
  • koronare Herzerkrankungen
  • Schilddrüsen-Erkrankungen
  • Herzkammer-Erkrankungen
  • Lungen-Erkrankungen
  • Schlafapnoe

Darüber hinaus führen Kaffee, Alkohol und Tabak unter Umtänden zu Herzrhythmus-Störungen.

Vorhofflimmern

Pro Tag schlägt ein menschliches Herz circa 100.000 Mal. Dabei kann es, wie gesagt, zu Unregelmäßigkeiten, Stolperern oder Aussetzern kommen.

Es gibt Arten dieser Herzrhythmus-Störungen, die absolut ungefährlich sind. Lebensbedrohlich dagegen ist das Vorhofflimmern.

Zum einen fällt es dem Herzen mit zunehmender Häufigkeit dieser Störung schwer, seinen eigentlichen Rhythmus wiederzufinden, zum anderen erhöht das Vorhofflimmern die Wahrscheinlichkeit für Blutgerinnsel. Diese können dann einen Schlaganfall verursachen.

Vorhofflimmern ist darüber hinaus eine häufige Herzrhythmus-Störung und charakterisiert durch sehr schnelle und für den Blutstrom unwirksame Bewegungen der kleinen Vorkammer vor der großen Herzkammer.

Sie hat Auswirkungen auf die Pumpfunktion Ihres Herzens, birgt vor allem aber ein erhöhtes Risiko einer Thrombose/Embolie. In Winkeln des schnell fibrillierenden Vorhofs strömt das Blut nicht mehr, sodass es dort zur Blutgerinnung kommen kann; das Blut flockt praktisch aus.

Gerät eine dieser Flocken (Thrombus) durch die Herzklappe in die Herzkammer und von dort in den Körperkreislauf, droht ein Schlaganfall (Hirnembolie), gegebenenfalls mit tödlichem Ausgang.

Vorhofflimmern bleibt im Alter oft unentdeckt

Nun haben Wissenschaftler der Universität Göttingen herausgefunden, dass diese Art der Herzrhythmus-Störungen bei älteren Menschen über 80 viel häufiger auftritt, als man bisher dachte. Die Forscher hatten über 270 Schlaganfall-Patienten miteinander verglichen.

Ein Teil litt unter dauerhaftem bzw. vorrübergehendem Vorhofflimmern, die anderen hatten keine bekannten Herzrhythmus-Störungen.

Letztere erhielten nicht nur die übliche Überwachung des Herzens, sondern auch ein 7-Tage-Langzeit-EKG. Die Frage war: Wie viele Patienten litten unter bisher unerkanntem Vorhofflimmern?

Und: Spielt das Alter der Patienten hierbei eine Rolle?

Bei den Teilnehmern, die jünger waren als 60 Jahre, wurde bei einem von 20 Teilnehmern durch das EKG ein Vorhofflimmern entdeckt. Je älter die Studien-Teilnehmer aber waren, umso häufiger wurde die Herzrhythmus-Störung.

Bei den über 80-Jährigen hatte jeder vierte Patient ein bisher nicht entdecktes Vorhofflimmern, bei denen über 85 Jahre war es mehr als jeder dritte Patient.

Die Forscher weisen aufgrund ihrer Ergebnisse darauf hin, dass ein 24-Stunden-EKG nicht ausreicht, um Vorhofflimmern in jedem Fall zu entdecken. Je älter der Patient sei, umso eher solle ein Langzeit-EKG durchgeführt werden.

Behandlungsmöglichkeiten bei Vorhofflimmern

In seltenen Fällen hilft man Personen mit therapieresistentem und erschöpfendem Vorhofflimmern durch folgende invasive Techniken:

  • Verödungstherapie mittels Hochfrequenzstrom – Dabei bringt man die Energie von Radiowellen durch einen Katheter an den AV-Knoten ein, um ein kleines Gewebe-Areal zu zerstören. Dieser Eingriff hindert die Vorhöfe daran, zu viele elektrische Impulse an die Herzkammern zu senden. Das Vorhofflimmern bleibt jedoch weiterhin bestehen. Aus diesem Grund benötigt man eine blutverdünnende Medikation. Bei 98 Prozent der Personen verursacht dieser Eingriff einen kompletten Block der elektrischen Impulse des Herzens. Die Ärzte pflanzen dann einen Herzschrittmacher zur Herstellung eines normalen Rhythmus ein. In einer neueren Studie berichteten 85 Prozent der Teilnehmer nach einem solchen Eingriff über eine verbesserte Lebensqualität und bessere körperliche Belastbarkeit, beispielsweise beim sportlichem Training.
  • Maze-Operation – In dieser neuen Operationstechnik am offenen Herzen legt man in den Vorhöfen zahlreiche Schnitte an. Dadurch begrenzt man den Fluss exzessiver elektrischer Impulse in die Kammern. Die Erfolgsrate dieser Operations-Methode liegt bei 80 bis 90 Prozent. Einige Personen benötigen nach dieser Operation einen Herzschrittmacher.

Hilfe bei Vorhofflimmern

Das „Kompetenznetz Vorhofflimmern“ gab eine Broschüre heraus, die auf 52 Seiten umfassend über diese Rhythmus-Störung informiert. Darüber hinaus enthält die Broschüre nützliche Adressen, an die Sie sich wenden können.

Das „Kompetenznetz Vorhofflimmern“ ist ein interdisziplinärer Forschungsverbund, in dem Ärzte und Wissenschaftler bundesweit zusammenarbeiten. Wenn Sie ein Exemplar der Broschüre bestellen möchten, senden Sie einen großen frankierten Rückumschlag (DIN C4) an:

  • Kompetenznetz Vorhofflimmern, Zentrale am Universitätsklinikum, Domagkstraße 11, 48149 Münster, Tel.: 0251 / 83 45 341, Fax: 0251 / 83 45 343, www.kompetenznetz-vorhofflimmern.de

Vorhofflimmern und Sport

Der Sport kann in diesem Fall Vor- und Nachteile haben: Der Vorteil ist Ihre gute Fitness.

Der mögliche Nachteil liegt in der körperlichen Anstrengung mit einer Mehrbelastung Ihres Herzens, die sich aufgrund der Störung von Herzrhythmus und Hämodynamik nachteilig auswirken kann. Dabei stellt sich die Frage nach der Ursache des Vorhofflimmerns.

Es kann zum Beispiel entstanden sein durch:

  • eine Klappenverengung zwischen Vorhof und Kammer (Rückstau)
  • abgelaufene Infekte (Herzmuskelentzündung)
  • andere Faktoren (koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt)

Oft kommt es aber auch ohne eine eindeutig erkennbare Ursache zu Vorhofflimmern.

Das therapeutische Ziel besteht bei Vorhofflimmern in der Wiederherstellung eines regelmäßigen Herzschlags. Therapeutisch werden antiarrhythmisch wirkende Medikamente eingesetzt.

Auch die Versorgung mit einem Herzschrittmacher gehört zu den häufig ergriffenen Behandlungsformen. Und nicht zuletzt besteht die Möglichkeit, die chirurgische Durchtrennung einzelner Fasern des Erregungsleitungs-Systems im Herzen vorzunehmen.

All diese Fragen müssen die Betroffenen mit einem Kardiologen besprechen.

Nur er kann den individuellen Fall angemessen einschätzen und zu den richtigen medizinischen Schritten und zum richtigen Verhalten raten. Sicherlich ist es sinnvoll, wenn er über viel Erfahrung in der Behandlung von Sportlern verfügt bzw. am besten selbst läuft.

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