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Durchfall nach Einnahme von Antibiotika

Nach der Einnahme von Antibiotika fragen Sie sich, ob die Behandlung schlimmer ist als die Krankheit. Die Infektion – der eigentliche Anlass der Behandlung – ging zurück. Jetzt bekämpfen Sie mehrere Male pro Tag den Durchfall. Er gilt als mögliche Nebenwirkung fast aller Antibiotika.

Im Allgemeinen ist er leicht und verschwindet nach Beendigung der Behandlung oder nach dem Wechsel zu einem anderen Antibiotikum. In manchen Fällen jedoch verursacht ein Antibiotikum eine ernstere, wenn auch behandelbare Erkrankung.

Störung des Gleichgewichtes im Darmtrakt

Ärzte verschreiben Antibiotika zur Behandlung von Infektionskrankheiten, die Bakterien verursachten. Es gibt viele Antibiotika. Einige wirken lediglich gegen wenige Bakterientypen. Andere weisen ein breites Wirkungsspektrum auf, das bedeutet sie wirken gegen eine große Bandbreite von Bakterien.

Landläufig herrscht ein negatives Bild über Bakterien vor. Dennoch existieren solche, die der Mensch zum Leben benötigt. Zum Beispiel besteht im Darm unter normalen Verhältnissen ein natürliches Gleichgewicht von „nützlichen” Bakterien. Sie fördern die Verdauung und wehren gleichzeitig „unerwünschte“ Bakterien ab.

Antibiotika bringen dieses Gleichgewicht durcheinander, indem sich schädliche, antibiotikaresistente Bakterien vermehren und die normale Verdauung stören. Die Patienten reagieren darauf unter Umständen mit flüssigem Stuhlgang oder leichtem Durchfall.

Bei etwa 1 bis 2% der Personen führt dieses Ungleichgewicht zu einer übermäßigen Vermehrung des Bakterienstamms Clostridium difficile. Im Normalfall kommen Bakterien dieses Stamms in kleiner Anzahl im Darm vor, da die „nützlichen” Bakterien sie in Schach halten. Bringen Antibiotika das natürliche Gleichgewicht durcheinander, vermehrt sich Clostridium difficile gegebenenfalls extrem.

Ab einer bestimmten Bakteriendichte setzt der Körper ein Toxin (Gift) frei, das die Schleimhaut von Dickdarm und Enddarm schädigt. Die Folge: eine Krankheit namens pseudomembranöse Colitis (PMC).

Diagnose der PMC

Im Normalfall verschwindet ein leichter Durchfall im Zusammenhang mit einer Antibiotikaeinnahme nach Beendigung der Behandlung. Suchen Sie Ihren Arzt auf im Falle der Besorgnis über den Durchfall oder bei dem Wunsch, die Antibiotikabehandlung abzubrechen. Eventuell verschreibt der Arzt Ihnen ein anderes Antibiotikum mit weniger Magen-Darm-Störungen.

Man muss die pseudomembranöse Colitis von diesen leichten Durchfällen eindeutig unterscheiden. Diese Erkrankung benötigt eine sofortige medizinische Diagnose und Behandlung.

Die Symptome einer pseudomembranösen Colitis fallen schwerer aus als bei einem leichten Durchfall. Zu ihnen gehören:

  • reichlicher, wässriger Durchfall (unter Umständen blutig)
  • starke Bauchschmerzen und – krämpfe
  • Fieber
  • Flüssigkeitsmangel (Dehydration)
  • Übelkeit

Die pseudomembranöse Colitis entwickelt sich unter Umständen jederzeit zwischen zwei Tagen nach Beginn der Antibiotikaeinnahme bis zu mehreren Monaten nach Beendigung.

Behandlungsmöglichkeiten

Man behandelt die pseudomembranöse Colitis mit Antibiotika. Ihr Arzt verschreibt eines der beiden folgenen Antibiotika: Metronidazol oder Vancomycin. In den meisten Fällen reicht ein Behandlungszyklus aus. Bei einigen Patienten muss man die pseudomembranöse Colitis im Krankenhaus behandeln.

Diese Infektion gilt als sehr ansteckend. Stellt der Arzt bei Ihnen eine solche Diagnose, sollten Sie besondere Hygienemaßnahmen ergreifen. Dazu gehört zum Beispiel gründliches Händewaschen nach jedem Toilettengang. Bereiten Sie kein Essen für andere zu, bis Sie die Krankheit überwunden haben.

Ernährung während der Einnahme von Antibiotika

Haben Sie nach einer Antibiotikaeinnahme Durchfall oder eine pseudomembranöse Colitis erlitten, heißt das nicht, dass Sie in Zukunft keine Antibiotika mehr nehmen können. Sie sollten sich an gewisse Vorsichtsmaßregeln halten. Nehmen Sie das Antibiotikum exakt so, wie Ihr Arzt es Ihnen verordnete.

Achten Sie darauf, die Dosis nicht zu verdoppeln. Seien Sie sich im Klaren über die Unverträglichkeiten von Antibiotika, zum Beispiel nach dem Verzehr von Obst und Gemüse. Das gilt des Weiteren für mit Fruktose (Fruchtzucker) gesüßte Sprudelgetränke.

Tritt bei Ihnen während einer Antibiotikabehandlung breiiger Stuhlgang auf, lindern Sie die Beschwerden, indem Sie weniger von diesen Nahrungsmitteln essen. Sie sollten weniger Milchprodukte verzehren und eine reizstoffarme Diät mit viel Flüssigkeit einhalten.

Joghurt lindert Beschwerden

Antibiotika verursachen Durchfall, weil sie die „nützlichen” Bakterien im Darm (z. B. Lactobacillus) reduzieren. Was passiert dann bei dem Versuch, diese zu vermehren? Joghurt mit lebenden Bakterienkulturen (nicht-pasteurisierter Joghurt) enthält oft Bakterien des Stamms Lactobacillus.

Bedeutet das, dass Sie Joghurt mit lebenden Bakterienkulturen essen sollten, wenn Sie ein Antibiotikum einnehmen?

Sie sollten es tun, sofern Sie Joghurt mögen. Joghurt kann, aber muss nicht helfen. Aber er schadet sicherlich nicht. Die Ärzte der Mayo Clinic führen einen großen klinischen Versuch durch, um herauszufinden, ob es eine Beziehung zwischen der Einnahme von Lactobacillus und einer Verminderung des Durchfalls nach Antibiotikaeinnahme gibt.

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