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Divertikelkrankheit

Gute Neuigkeiten: Ihre Darmspiegelung ließ keine präkanzerösen Polypen (Vorstufen von Darmkrebs) erkennen. Aber Ihr Arzt teilt Ihnen mit, dass Sie einige kleine Ausstülpungen entlang der Dickdarmwand aufweisen.

Mit zunehmendem Alter bilden sich diese sackförmigen Ausstülpungen der Darmwand, so genannte Divertikel, häufig im Dickdarm. Das gilt besonders für Menschen in Ländern, in denen die Nahrungsmittel stärker industriell verarbeitet sind und wenig Ballaststoffe enthalten. Das Ergebnis ist eine Bildung von Divertikeln.

Darmdivertikel: So kommt es dazu

Ihr Dickdarm ist ein langer Zylinder, der von Ring- und 3 Längsmuskeln umgeben ist. Die weitesten Abschnitte finden sich in den ersten Segmenten – dem Blinddarm (Zäkum) und dem aufsteigenden Dickdarm. Der Inhalt dieser Darmabschnitte ist meist flüssig. Darauf folgt der quer verlaufende Abschnitt, der von der rechten auf die linke Bauchseite zieht.

Dort schließen sich der absteigende Dickdarm und der s-förmige Krummdarm an. Letzterer endet im Mastdarm. Der Stuhl im s-förmigen Abschnitt ist meist schon fest, weil ein Großteil des Wassers vom Darm resorbiert wurde.

Bislang ist nicht ganz klar, warum einige Menschen Divertikel entwickeln. Folgende Faktoren können jedoch eine Rolle spielen:

  • Schwachstellen in der Darmwand: Blutgefäße in Ihrer Darmwand versorgen die nach innen gelegenen Schleimhautschichten mit Nährstoffen. Aber das Gewebe um die Blutgefäße ist manchmal nicht so widerstandsfähig wie gefäßfreie Regionen. Das kann zu verstärktem Druck auf die schwachen Gewebebereiche führen, aus denen sich dann kleine Ausstülpungen entwickeln.
  • Alterungsprozess: Das Risiko der Divertikelbildung steigt mit dem Alter und betrifft fast 30% bis 50% der über 60-Jährigen. Damit gehört die Divertikelkrankheit zu einer der häufigsten Zivilisationskrankheiten in der westlichen Welt.
  • Mangel an Ballaststoffen: Ein Mangel an Faserstoffen in der Nahrung trägt zu einem harten, trockenen Stuhl bei, der die Darmpassage erschwert und den Druck im Dickdarm erhöht. Die höchsten Drücke treten im Krummdarm auf, wo bis zu 80% der Divertikel gefunden werden.

Sehr häufig verursachen diese Ausstülpungen keine Probleme und werden als Divertikelkrankheit bezeichnet – sie ist harmlos. Doch bei einem kleinen Teil der Betroffenen können sie sich entzünden oder infizieren, sodass sich daraus eine Divertikulitis entwickelt. Diese Entzündung der Darmschleimhaut ist meist behandelbar, allerdings kann sie in seltenen Fällen auch lebensbedrohlich werden.

Der Druck im Darm muss gesenkt werden

Wenn Sie bei sich eine Divertikulitis vermuten, sollten Sie sofort Ihren Arzt aufsuchen. Wahrscheinlich wird dieser Ihren Bauch abtasten und eine Blutuntersuchung veranlassen, um die Zahl der weißen Blutzellen zu bestimmen – ein Indiz für eine mögliche Infektion. Eventuell kann auch eine Ultraschalluntersuchung des Bauches oder eine Computertomographie (CT) angebracht sein, um nach einer Entzündung oder Infektion zu sehen.

Die Behandlung hängt von Ihren Symptomen ab, zielt aber immer auf die Reduzierung des Druckes im Dickdarm. Bei einer leichten Divertikulitis erhalten Sie vielleicht eine Therapie mit oralen Antibiotika zusammen mit der Anweisung, Ihrem Darm eine Ruhepause zu gönnen und einige Tage nur klare Flüssigkeit (Wasser, Tee und Brühe) zu sich zu nehmen.

Nur in schweren Fällen ist ein Krankenhausaufenthalt erforderlich

In schwereren Fällen kann eine Divertikulitis einen Krankenhausaufenthalt erfordern. Das gilt besonders, wenn Sie älter sind, Steroide oder andere immunsuppressive Medikamente einnehmen, ein geschwächtes Abwehrsystem haben oder wenn Verdacht auf einen Darmverschluss oder eine Bauchfellentzündung besteht.

Um Ihrem Dickdarm eine Erholung zu erlauben und die Infektion abheilen zu lassen, können Sie einige Tage lang intravenöse (IV) Flüssigkeiten und Antibiotika erhalten, gefolgt von einer Ernährung mit klaren Flüssigkeiten. Nach Abklingen der Entzündung Ihres Dickdarmes stellen Sie allmählich auf eine ballaststoffreiche Ernährung um. Die Ballaststoffe machen den Stuhl weicher und vermindern den Druck im Dickdarm.

Bei rektalen Blutungen sollten Sie immer zum Arzt gehen!

Bei einem kleinen Teil der Menschen mit Divertikelkrankheit können rektale Blutungen auftreten. Diese sind meist schmerzfrei und beruhen auf einem verletzten Blutgefäß in einem Divertikel. Häufig hören die Blutungen von allein wieder auf, selten kommt es zu einem erheblichen Blutverlust. Dennoch sollten Sie immer zum Arzt gehen, um der Ursache auf den Grund zu gehen.

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