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Reizdarm: Sollten Sie Ihrem Darm zuliebe auf Brot verzichten?

Das Reizdarm-Syndrom ist eine der häufigsten Magen-Darm-Erkrankungen. Allerdings kann sie nicht direkt erkannt werden. Vielmehr stellt „Reizdarm“ eine Ausschluss-Diagnose dar: Es kann keine andere Erkrankung festgestellt werden, die zu den unangenehmen Symptomen führt. Bauchkrämpfe, Verstopfung und Durchfall lassen sich dann mit nichts anderem begründen. Häufig tritt die Erkrankung zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr auf, dabei sind Frauen doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Die Reizdarm-Patienten müssen extrem aufpassen, was sie zu sich nehmen, denn falsch ausgewählte Lebensmittel können die unangenehmen Symptome deutlich verschlimmern. Brot steht für die meisten Menschen, die unter Reizdarm leiden, ganz oben auf der Liste der verbotenen Lebensmittel.

Ist das Getreide schuld?

Bisher war man immer davon ausgegangen, dass es an der Getreidesorte liegt, welches Brot vertragen wird. Denn viele Reizdarmpatienten berichten, dass sie „Urgetreide“ deutlich besser vertragen. Dazu gehören zum Beispiel Dinkel oder Durum. Allerdings haben Forscher der Universität Hohenheim herausgefunden, dass die Verträglichkeit von Brot und Gebäck gar nicht davon abhängt, ob es aus einer „neuen“ oder einer „alten“ Getreidesorte hergestellt wurde.

Probleme bereiten bestimmte Zuckermoleküle, die im Brot enthalten sind, die FODMAPs. Diese Zuckermoleküle sind kurzkettig und sind so kurz, dass sie im Dünndarm nicht gut aufgenommen werden können. Sie rutschen dann weiter in den Dickdarm, sind aber noch nicht verdaut. Dort werden Bakterien aktiv und bauen diese Zuckermoleküle ab. Die Folge dieser Abbauprozesse sind Gase, die dann zu den unangenehmen Reizdarm-Symptomen führen. Erstaunlich ist: Im Urgetreide sind auch FODMAPs enthalten. Zwar weniger als in unserem heutigen Getreide, aber doch so viel, dass es eigentlich zu Symptomen kommen muss. Warum vertragen Reizdarm-Patienten das Gebäck aus diesen Getreidesorten dann so viel besser?

Gehzeit entscheidet über enthaltenen Zucker

Die Forscher gingen dieser Frage nach und analysierten die Menge der FODMAPs in unterschiedlichsten Getreidesorten zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Der Teig wurde nach einer, zwei, vier und viereinhalb Stunden Gehzeit getestet. Es zeigte sich. Je länger ein Teig gehen durfte, desto weniger Zuckermoleküle waren enthalten. Wurde der Teig nach einer Stunde Gehzeit mit dem Teig nach viereinhalb Gehzeit verglichen, dann enthielt letzterer nur noch 10 Prozent der FODMAPs.

Urgetreide wird in der Regel nur von Bäckern verarbeitet, die noch traditionell backen und keine Backmischungen bzw. Fertigrohlinge nutzen. Dieses traditionelle Backen beinhaltet auch lange Gehzeiten der Teige. Bis zum Backen sind dann die FODMAPs abgebaut. Theoretisch könnten Sie also auch Brot aus den „neuen“ Getreidesorten essen, wenn es traditionell mit langer Gehzeit hergestellt wurde. Verzichten Sie also, wenn Sie unter Reizdarm leiden, auf Gebackenes aus den Brotautomaten im Supermarkt. Suchen Sie sich einen kleinen Einzelbäcker, in vielen Fällen wird hier noch traditionell gebacken – und fragen Sie nach der Gehzeit. Alternativ bietet sich natürlich auch das Selbstbacken an.

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Dr. Martina Hahn-Hübner
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