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Wie Sie Ihren Blutdruck zuverlässig und genau messen

Es ist gar nicht so schwer, den Blutdruck selbst zu messen. Mit dieser Anleitung machen Sie alles richtig:

Ein älterer Mann misst seinen Blutdruck© Peter Maszlen - Fotolia

  1. Entspannen Sie sich. Da verschiedene Einflussfaktoren den Blutdruck beeinträchtigen können, führen Sie Ihre Blutdruckmessungen möglichst zu den gleichen Tageszeiten und unter entspannten Bedingungen durch. Sie sollten also vor dem Messen nicht unbedingt die Kellertreppe hinaufgelaufen sein oder sich über etwas aufgeregt haben. Setzen Sie sich auf einen Stuhl oder Sessel und entspannen Sie sich zunächst (3 bis 5 Minuten). Achten Sie auf Ihren Atem. Wenn er regelmäßig und normal geht und Sie sich entspannt fühlen, beginnen Sie mit der Messung. Sie können im Liegen oder im Sitzen messen. Wenn Sie im Sitzen messen: Legen Sie den entblößten Arm (nicht nur den Unterarm) auf einen Tisch. Die Messstelle muss dabei auf gleicher Höhe mit Ihrem Herzen liegen.
  2. Manschette anlegen. Die Messung des Blutdrucks kann links oder rechts am Oberarm oder am Handgelenk erfolgen. Das Prinzip ist in beiden Fällen gleich. Bei der Oberarmmessung legen Sie die Manschette so an, dass deren unterer Rand etwa zwei Zentimeter (Daumenbreite) über der Ellenbeuge liegt. Achten Sie darauf, dass sich keine Kleidung unter der Manschette befindet. Bei der Handgelenkmessung liegt die Manschette am Unterarm mit einem Abstand von etwa einem Zentimeter zum Handgelenk. Ein Stethoskop ist bei den neueren Messgeräten nicht mehr erforderlich, da die Geräte den gesamten Messvorgang vollautomatisch durchführen und das Ergebnis anzeigen.
  3. Manschette aufpumpen. Legen Sie die Manschette des Blutdruckmessgeräts um den Arm und schalten Sie das Gerät an. Es pumpt nun die Manschette auf und erhöht den Druck so lange, bis er über dem Blutdruck in den Schlagadern liegt, diese zusammendrückt und den Blutfluss unterbricht.
  4. Messen: Nun beginnt das Messgerät automatisch damit, den Druck langsam wieder abzulassen. Sobald Sie wieder ein regelmäßiges Klopfen und Rauschen wahrnehmen, speichert es diesen Wert ab. Dieser Wert, bei dem das Blut anfängt, wieder durch das zusammengedrückte Blutgefäß zu fließen, ist der systolische, also obere Wert Ihres Blutdrucks. Die Luft entweicht weiterhin langsam aus der Manschette, bis das Blut wieder völlig ungehindert durchfließen kann. In diesem Moment speichert das Gerät den unteren (diastolischen) Wert ab, den Wert also, bei dem das Blut wieder ungehindert durchfließt. Anschließend erschlafft die Manschette und kann abgenommen werden. Die gemessenen Blutdruckwerte und den Puls zeigt das Gerät am Ende des Messvorgangs auf einem Display an.
  5. Messwerte schriftlich festhalten: Notieren Sie sich die gemessenen Werte sowie Tag und Uhrzeit.
  6. Im Zweifel Messung wiederholen: Wenn Sie das Gefühl haben, die Messung war nicht einwandfrei, sollten Sie sie wiederholen. Warten Sie aber zwischen zwei Messungen ca. eine Minute.
  7. Am rechten oder linken Arm messen? Bei etwa der Hälfte der Menschen besteht zwischen dem rechten und linken Arm kein Blutdruckunterschied. Geringfügige Differenzen von unter 10 mmHg spielen keine Rolle und sind durch die unterschiedliche Muskeldichte und -spannung in den Armen bedingt. Bei Differenzen von 20 und mehr mmHg kann eine Einengung der Gefäße vorliegen.
  8. Warum Sie Ihren Blutdruck unbedingt regelmäßig selbst messen sollten. In medizinischen Studien wurde festgestellt, dass Blutdruckmessungen in der ärztlichen Praxis oft 10 bis 20 Prozent höher ausfallen als unter „normalen“ Bedingungen. Die Selbstmessung ist also die bequemere und genauere Alternative.
  9. Wie Sie Ihre Messungen protokollieren. Ob Sie aus eigenem Antrieb messen, weil der Arzt Ihnen als prophylaktische Maßnahme dazu geraten hat oder weil bei Ihnen Bluthochdruck diagnostiziert wurde: Wichtig ist, dass Sie Ihre Messwerte aufschreiben und in ein Blutdruck-Protokoll übertragen. Messen Sie möglichst zweimal am Tag und immer zu denselben Zeiten. beispielsweise morgens um 8 und abends um 19 Uhr. Notieren Sie sich ggf. dazu auch bemerkenswerte Begleitumstände, beispielsweise körperliche Anstrengung, familiäre Auseinandersetzungen, Urlaub, sowie die verordneten Medikamente und deren Dosierung. Nehmen Sie Ihre Aufzeichnungen zu jedem Arztbesuch mit. Die Selbstmessung ist für Ihren Arzt von großer Bedeutung für den Behandlungsplan.

140 mmHg als erwünschte Blutdruck-Obergrenze zu hoch

120:80 mmHg galt einmal als erwünschte Blutdruck-Obergrenze, dann wurde sie aufgeweicht und nach oben verschoben. Der obere Wert sollte nun unter 140 liegen. Dieser Zielwert wurde nun im Rahmen der SPRINT-Studie überprüft. An dieser Studie hatten Menschen über 50 Jahre teilgenommen. Ihr oberer Blutdruckwert lag trotz der Einnahme von Blutdrucksenkern zwischen 130 und 180 mmHg. Hinzu kam, dass alle einen weiteren Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit sich brachten, zum Beispiel Übergewicht.

Aber die Studie brachte kein Ergebnis, zumindest nicht so, wie man sich das gedacht hatte. Vielmehr wurde sie vorzeitig abgebrochen. Es zeigte sich: Wurde der obere systolische Blutdruckwert unter 120 mmHg gesenkt, bewahrte dass deutlich mehr Menschen vor dem vorzeitigen Tod als die bisher übliche Standardtherapie. Die Forscher konnten es nicht verantworten, diese Behandlung den anderen Studienteilnehmern vorzuenthalten. Es gab 25 Prozent weniger schwere Herz-Kreislauf-Zwischenfälle in der Gruppe dere, deren Werte unter 120 mmHg gesenkt worden waren. Außerdem verstarben im Studienzeitraum 27 Prozent weniger Menschen, welche die intensive Therapie erhielten als in der Gruppe derjenigen, die standardmäßig behandelt worden waren. Die Forscher weisen darauf hin, dass zwar jede blutdrucksenkende Therapie besser ist als keine, dennoch die Zielwerte nach unten korrigiert werden sollten.

Was bedeutet eigentlich RR bei Blutdruckwerten?

Vielleicht ist es Ihnen auch schon einmal aufgefallen: Wenn Ihnen der Blutdruck gemessen wird, steht nicht unbedingt „Blutdruck“ vor den Werten. Häufig notiert der Arzt dort „RR“. Was hat es mit diesem Buchstabenkürzel auf sich?

Die Abkürzung „RR“ wird verwendet, wenn auf klassische Weise der Blutdruck gemessen wird. Dann verwendet Ihr Arzt nämlich eine Manschette. Sie geht zurück auf den Arzt Scipione Riva-Rocci. Er war der erste, der eine unblutige Blutdruckmessung möglich machte. Dazu entwickelte er einen Apparat, der aus einem Fahrradschlauch als Oberarmmanschette, einem Gummiballon zum Aufblasen und einem Quecksilberbarometer bestand. Dadurch konnte der Druck der Armarterie gemessen werden. Riva-Roccis Verfahren war eine große Erleichterung für die Patienten. Vorher war nur die blutige Messung möglich: Dabei mussten Messsonden in die Arterien eingeführt werden. Aufgrund des Namens seines Erfinders wird der Blutdruck auch mit „RR“ bezeichnet, wenn die klassische Methode der Blutdruckmessung mit Oberarmmanschette durchgeführt wird.

Akupunktur kann bei leichtem Bluthochdruck helfen

Mit der klassischen chinesischen Akupunktur (Silbernadeln) erreicht man eine deutliche Blutdrucksenkung. Eine Akupunkturbehandlung wirkt hier genauso effektiv wie die Therapie mit einem ACE-Hemmer. Dies fand ein Forscherteam unter der Leitung von Professor Frank Flachskampf von der Universität Erlangen heraus.

Die Forscher behandelten 160 Patienten sechs Wochen lang in insgesamt 22 Akupunktur-Sitzungen. Zur Kontrolle nahmen sie bei der Hälfte eine „Scheinakupunktur“ vor, bei der sie die Nadeln nicht an die richtigen Punkte setzten. Das Ergebnis: Durch eine korrekte Akupunkturbehandlung sank der systolische Blutdruckwert (1. Wert) um durchschnittlich 5,4 mmHg und der diastolische (2. Wert) um 3,0 mmHg. Eine Scheinakupunktur hatte dagegen keinen Effekt. Dies berichteten die Wissenschaftler auf der 73. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie im April 2007 in Karlsruhe.

Nachgewiesene Wirkung der TCM

Bisherige Untersuchungen ergaben keine eindeutige Wirkung der traditionellen chinesischen Nadeltechnik bei Bluthochdruck. Allerdings: Die Akupunktur hatte keine Langzeitwirkung. Sofort nach Absetzen der Therapie stiegen die Werte erneut an. Aus dem Grund stellt die sanfte Behandlung für Sie vor allem dann eine Alternative zu Medikamenten dar, wenn Sie diese aufgrund ihrer vielfältigen Nebenwirkungen ablehnen oder nicht vertragen.

Die Akupunktur empfiehlt sich besonders bei leichtem Bluthochdruck und erspart Ihnen unter Umständen die Einnahme von schulmedizinischen Blutdrucksenkern. Allerdings übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen nicht die Kosten.

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