MenüMenü

Hier erfahren Sie alles zum Thema Blinddarm

Der Blinddarm liegt im rechten Mittelbauch und ist sechs bis acht Zentimeter lang; der Appendix ist ein Fortsatz desselben und kann bis zu zehn Zentimeter lang werden. Lange Jahre ist man davon ausgegangen, dass der Blinddarm keine Funktion erfüllt; dies ist in Studien widerlegt worden. Er ist mit Lymphgewebe ausgestattet und unterstützt das Immunsystem, insbesondere bei durch den Verdauungstrakt aufgenommenen Antigenen.

Blinddarm und Appendix können mit bildgebenden Verfahren, einer Koloskopie oder mittels einer Tastuntersuchung beurteilt werden.

Blinddarmentzündung im Überblick

Auf den Blinddarm beschränkte Erkrankungen kommen beim Menschen nicht vor; eine Entzündung des Blinddarms – Typhlitis – ist immer die Folge einer sich ausdehnenden Appendizitis oder aber einer Entzündung des aufsteigenden mittleren Dickdarms. Im deutschen Sprachgebrauch ist ausnahmslos eine Entzündung des Wurmfortsatzes, also eine Appendizitis, gemeint. Sie wird auch Seitenkrankheit genannt. Eine Appendizitis entsteht durch Infektionen mit Krankheitserregern, häufig jedoch durch eine Verstopfung mit Kotsteinen oder Fremdkörpern wie beispielsweise Kirschkernen.

In Deutschland ist sie die häufigste Ursache für ein akutes Abdomen – die typische Symptomatik bei häufig gefährlichen akuten Erkrankungen im Bauchraum – und tritt mit etwa 100 Fällen pro 100.000 Einwohner pro Jahr auf. Hierbei ist anzumerken, dass eine Appendizitis am häufigsten zwischen dem neunten und 14. Lebensjahr auftritt. Bei Kleinkindern ist eine Erkrankung seltener, aber aufgrund eines atypischen Verlaufs deutlich gefährlicher.

Zu den typischen Symptomen gehören Schmerzen in der Magengegend und rund um den Nabel, die sich schließlich in den rechten Unterbauch verlagern. Hinzu kommen Appetitlosigkeit, Übelkeit bis hin zum Erbrechen und hohes Fieber bei beschleunigtem Puls.

Eine Diagnose wird nach gründlicher Anamnese unter Zuhilfenahme einer Laboruntersuchung und eines bildgebenden Verfahrens gestellt. Befindet sich der Patient noch im Anfangsstadium der Erkankung, kann er bei gleichzeitigem Nahrungsentzug und Antibiose unter Bettruhe gestellt werden. Eine akute Appendizitis jedoch erfordert eine operative Entfernung des Appendix, da ein Durchbruch des Wumfortsatzes tödlich sein kann.

Bauchschmerzen: Muss der Blinddarm raus?

Eine Blinddarmentzündung (fachsprachlich: Appendizitis) kann auch heute noch gefährlich werden – wenn sie zu spät erkannt wird. Eigentlich entzündet sich bei der Blinddarmentzündung gar nicht der Blinddarm, sondern der Wurmfortsatz. Der Blinddarm ist derjenige Teil des Dickdarms, in den der Dünndarm einmündet und der im rechten Unterbauch liegt. An diesem befindet sich als Anhängsel der etwa fingerdicke Wurmfortsatz. Er enthält, wie die Mandeln im Rachen, Lymphgewebe und dient der Infektabwehr.

Bei Kindern zwischen vier und zehn Jahren entzündet sich der Wurmfortsatz am häufigsten, jedoch kann eine Appendizitis in jedem Lebensalter auftreten.

Warnzeichen, die auf eine Blinddarmentzündung hindeuten

Kinder klagen häufig über Bauchschmerzen. Besonders bei kleinen Kindern kann dahinter mitunter eine Erkrankung stecken, die mit dem Bauch überhaupt nichts zu tun hat, z. B. Ohrenschmerzen. Als typisch für eine Appendizitis gelten allgemein Schmerzen im rechten Unterbauch. Doch sind solche Schmerzen nicht die ersten Anzeichen der Entzündung! Die kündigt sich häufig mit Übelkeit und Erbrechen an, auch Durchfall oder Verstopfung sind nicht selten. Es bestehen anfangs heftige, eventuell krampfartige Schmerzen im ganzen Bauch, in der Magengegend oder um den Nabel, erst dann treten Schmerzen im rechten Unterbauch auf. Die Kinder halten sich ruhig, weil jede Bewegung (schon das normale Gehen) schmerzt, und sind appetitlos.

Messen Sie bei Ihrem Kind Fieber im Po und unter der Achsel (hier 10 Minuten lang). Häufig beträgt die Temperatur rektal nur etwa 38 °C. Typischerweise liegt die rektale Temperatur um ein Grad höher als die Achsel-Temperatur. Diese Differenz kann jedoch auch bei Darminfekten auftreten.

Wichtig: Bringen Sie Ihr Kind zum Arzt oder in die nächste Klinik, wenn es unter plötzlich und stark einsetzenden Bauchschmerzen leidet, gleichzeitig Fieber hat und zusätzlich Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung oder heftigen Durchfall. Bei Säuglingen können Unruhe oder Apathie, Trinkschwäche, Fieber, Blässe, vermehrtes Schwitzen und wiederholtes kurzes oder anhaltendes Weinen auf starke Bauchschmerzen hindeuten.

Das sollten Sie zusätzlich beachten: Geben Sie kein Schmerzmittel, um nichts zu verschleiern. Legen Sie Ihrem Kind keine Wärmflasche auf den Bauch. Geben Sie ihm wegen der eventuell erforderlichen Operation nichts mehr zu essen oder zu trinken (es möchte meist ohnehin nichts!).

Erst schallen, dann operieren

Auch für erfahrene Mediziner ist es nicht leicht, eine Appendizitis allein anhand der Beschwerden mit Sicherheit festzustellen. Deshalb wurde früher häufig unnötig operiert. Heute kann der Bauch mit Ultraschall untersucht werden. Das geht bei Kindern wegen der dünnen Bauchdecke mit relativ wenig Fett besonders gut. Der Arzt kann dabei den entzündeten Wurmfortsatz gut erkennen. Damit kann drei von vier Kindern eine nicht erforderliche Operation erspart werden!

Ist trotz Ultraschall keine sichere Diagnose möglich, wird der kleine Patient etwa 24 Stunden lang in der Klinik beobachtet und immer wieder untersucht. Eine beginnende Entzündung des Wurmfortsatzes kann sich nämlich noch von allein zurückbilden. Hat sich der Entzündungsprozess jedoch auf die gesamte Wand des Wurmfortsatzes ausgedehnt, kommt man um die Operation nicht mehr herum.

Skalpell oder Endoskop?

Die Blinddarmoperation (fachsprachlich: Appendektomie) ist heute ein Routineeingriff, der meist nur 30 bis 60 Minuten dauert. Komplikationen wie etwa Nachblutungen oder Infektionen sind selten, sofern es sich nicht um einen Blinddarmdurchbruch mit eitriger Bauchfellentzündung gehandelt hat. Bei der herkömmlichen, „offenen“ Methode wird der Wurmfortsatz durch einen kleinen Schnitt im rechten Unterbauch entfernt. Die Wunde verheilt gerade bei kleineren Kindern meist sehr gut, sodass man später nur noch einen ganz feinen blassen Strich sieht.

Bei der endoskopischen Methode mittels Bauchspiegelung (auch als Schlüssellochchirurgie bezeichnet) wird über eine dicke Kanüle ungiftiges Kohlendioxidgas in den Bauch geleitet. Das bläht den Bauchraum auf und verdrängt die Organe, sodass der Operateur über winzige Schnitte in der Bauchdecke seine Instrumente gefahrlos einführen kann. Mit diesen röhrenförmigen Arbeitsgeräten kann er schneiden oder nähen, während er über ein Sichtgerät alles, was im Bauch vorgeht, auf einem Monitor verfolgen kann.

Über die Art der Operationsmethode entscheidet der Operateur. Er wählt in der Regel diejenige Methode, mit der er die größte Erfahrung hat. Fragen Sie deshalb eventuell Ihren Kinderarzt, in welcher Klinik nach welcher Methode operiert wird, wenn Sie ein bestimmtes Vorgehen wünschen. Bei einem Blinddarmdurchbruch und Eiter in der Bauchhöhle wird allerdings die herkömmliche Methode bevorzugt, weil der Bauchraum gespült werden muss. Dann braucht der kleine Patient nach der Operation zusätzlich ein Antibiotikum.

Tipp: Sie können die Heilung nach der Operation durch Arnica D12 unterstützen: nach dem Aufwachen zunächst alle 15 bis 30 Minuten je 5 Globuli oder 1 Tablette (insgesamt fünf Gaben), dann zweistündlich, an den nächsten beiden Tagen dreimal täglich.

Blinddarm Redaktionsteam FID Gesundheitswissen Akute Blinddarmentzündung: Diese 5 Symptome sollten Sie kennen

Hier erfahren Sie, welche Bauchschmerzen am ehesten für eine Blinddarmentzündung sprechen. Treten bei Ihnen diese Symptome auf, heißt es: Sofort zum Arzt!

Blinddarm Redaktionsteam FID Gesundheitswissen Kirschkerne sind nicht Schuld an der Blinddarm-Entzündung

Uns wurde als Kind immer gesagt, wer Kirschsteine verschlucke, bekäme eine Blinddarmentzündung. Stimmt das? Erfahren Sie hier mehr!