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Harninkontinenz: Neue Medikamente können Ihnen helfen

Der Verlust der Blasenkontrolle – bekannt als Harninkontinenz – ist ein sehr verbreitetes, oft peinliches und frustrierendes Problem für Millionen von Menschen. Laut dem „Deutschen Ärzteblatt“ leiden über 60 Jahre alte Patienten häufiger an Harninkontinenz als an Herz-Kreislauf-Beschwerden, Rheuma, Arthritis oder Bluthochdruck. Etwa Millionen Menschen sind in Deutschland von Harninkontinenz betroffen. Glücklicherweise lässt sich die Blasenschwäche jedoch häufig behandeln.

Für viele sind Verhaltenstechniken (Beckenbodentraining, Toilettentraining) der effektivste Weg zur Kontrolle des Zustandes und werden deshalb oft empfohlen. Einige Menschen brauchen vielleicht eine Operation. Für andere sind Medikamente empfehlenswert.

Harninkontinenz: Was wirklich hilft

Eine unkontrolliert tröpfelnde Blase wird für viele Frauen mit den Jahren zu einem echten Problem, insbesondere nach schweren Schwangerschaften und Geburten. Eine konservative Behandlung kann ihnen in der Regel helfen. Operiert wird heute erst, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Eine der wichtigsten Möglichkeiten, einer Inkontinenz Einhalt zu gebieten, ist die regelmäßige Beckenbodengymnastik.

Dabei können Ihnen Vaginalkonen helfen, die in unterschiedlichen Größen zu haben sind. Auch Cranberrysaft soll die Situation entspannen. Übergewicht, Nikotin, Alkohol, Kaffee, Tee und andere koffeinhaltige Getränke verstärken den Harndrang, weswegen Sie einen großen Bogen darum schlagen sollten. Auch zahlreiche Medikamente können sich auf den Harndrang auswirken. Dazu gehören Alphablocker, Diuretika, Kalziumantagonisten, Antiepileptika, Antihistaminika und einige Psychopharmaka.

Obwohl Sie Probleme mit dem Harnhalten haben, sollten Sie nicht den Fehler machen, zu wenig zu trinken. Das kann die Beschwerden ebenfalls weiter verstärken. Sie sollten Ihr Trinkvolumen gleichmäßig über den Tag verteilen, und es nicht „anfallsweise“ zu sich nehmen.

So wirken die Medikamente

Neue Wirkstoffe und neue Darreichungen bekannter Substanzen sind verfügbar, um die vielfältigen Ursachen der Harninkontinenz zu behandeln. Die neuen Medikamente erleichtern oft die Anwendung und weisen häufig im Vergleich zu älteren Präparaten weniger Nebenwirkungen auf. Zahlreiche Medikamente sind verfügbar, mit denen die unterschiedlichen Formen der Blasenschwäche behandelt werden:

  • Anticholinergika – Diese Wirkstoffgruppe beruhigt eine „überaktive“ Blase, die die Inkontinenz durch unwillkürliche Kontraktionen hervorruft (Dranginkontinenz). Seit kurzem sind einige Vertreter dieser Wirkstoffgruppe erhältlich. Dazu gehören Darifenacin (Emselex®), Solifenacin (Vesikur®) und Trospium (Spasmex ®, Trospi®) sowie neue Darreichungen mit Oxybutynin (Kentera-Pflaster®). Oxybutynin (Dridase®, Lyrinel® u. a.) und Tolterodin (Detrusitol®) sind lang anhaltende Medikamente, die besonders häufig zur Behandlung einer „überaktiven“ Blase eingesetzt werden. Ziel ist, die unwillkürlichen Kontraktionen der Blasenwand zu reduzieren. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören Mundtrockenheit, Verstopfung, Sodbrennen, verschwommene Sicht, Harnverhalt, Schwindel und Verwirrung.
  • Östrogen – Die Reduktion des im Körper zirkulierenden Östrogens während der Menopause gilt als eine Ursache für den Verschleiß des Stützgewebes um Blase und Harnröhre, sodass allmählich Urin abgeht, wenn Druck auf die Blase ausgeübt wird (Stressinkontinenz). Die Anwendung von Östrogen in Form von Vaginalcreme, -ring oder -pflaster kann manche Inkontinenzsymptome verringern. Zu den Darreichungsformen von Östrogen gehört die Vaginalcreme (Estrace®, Premarin ®) und der Vaginalring (Estring®). Es gibt aber nur wenige wissenschaftliche Daten, die die Östrogentherapie unterstützen. Andere Östrogengaben sind vielleicht nicht so wirksam und mit Gesundheitsrisiken verbunden.
  • Alpha-Adrenerge Blocker – Diese Medikamente fördern die Entspannung der glatten Muskulatur im Blasenhals und der Harnröhre. Dadurch wird der Harnfluss verbessert und die Zahl der Toilettenbesuche wird reduziert. Die Wirkstoffgruppe eignet sich für „überaktive“ Blasen und bei Männern für die Behandlung einer Prostatavergrößerung, die auch eine Harninkontinenz verursachen kann. Zu den alpha-adrenergen Blockern gehören Doxazosin (Cardular ® u. a.), Prazosin (Duramipress® u. a.), Tamsulosin (Alna®, Omnic®) und Terazosin (Flotrin® u. a.). Diese Wirkstoffgruppe kann aber auch zu einem plötzlichen Abfall des Blutdrucks führen, wenn Sie Ihre Lage verändern (orthostastische Hypotension).
  • Imipramin (Tofranil® u. a.) – Dieses Antidepressivum entspannt die Muskulatur der Blasenwand, während sich die glatten Muskeln des Blasenshalses zusammenziehen. Es kann zur Behandlung einer gemischten Inkontinenz angewendet werden – einer Kombination von überaktiver Blase und Stressinkontinenz. Nachteile sind das Risiko der orthostastischen Hypotension und Herzrhythmusstörungen. Andere Nebenwirkungen umfassen Mundtrockenheit, verschwommenes Sicht, und Verstopfung. Imipramin kann auch mit anderen Medikamenten wechselwirken.
  • Desmopressin (DDAVP) – Das ist eine synthetische Version des natürlichen Hormons namens Antidiuretisches Hormon (ADH), das die Harnmenge reduziert. Es wird angewendet, um Bettnässen bei Kindern zu verhindern. Studien weisen darauf hin, dass es auch eine nächtliche Blasenschwäche bei Erwachsenen reduzieren kann. Risiken, die mit der Einnahme von Desmopressin auftreten können, sind Wassereinlagerung und niedrige Natriumspiegel im Blut, besonders bei älteren Menschen.
  • Duloxetin (Cymbalta®) – Der antidepressive Wirkstoff Duloxetin wird besonders bei Stressinkontinenz angewendet.

Zurzeit wird nach weiteren Medikamenten geforscht, die sich zur Behandlung der Harninkontinenz eignen. Wenn Sie mit Ihrem Arzt sprechen, prüfen Sie sorgfältig alle Medikamente, die Sie zurzeit einnehmen, einschließlich der rezeptfreien oder pflanzlichen Medikamente. Einige Medikamente können Ihre Blasenschwäche verschlimmern. Alkohol, Koffein und Diuretika wie Furosemid (Lasix®, Isoptin ® u. a.) können die Häufigkeit, Harndrang sowie die Harnmenge steigern.

Andere Substanzen können Symptome wie Harnverhalt verstärken. Beispiele sind Verapamil (Cordichin®, u. a.), Diphenhydramin (Dolestan® u. a.) und Pseudoephedrin (Reactine® u. a.).

Keine Scheu – gehen Sie zu Ihrem Arzt

Harnkontinenz-Medikamente werden im Allgemeinen bei älteren Patienten vorsichtig verschrieben, wegen der größeren Gefahr von Nebenwirkungen wie Schwindel, Übelkeit und Verstopfung. Trotzdem können die Medikamente die Symptome verbessern, wenn sie in Kombination mit anderen Behandlungen wie Verhaltenstechniken, medizinischen Geräten und Operationen eingesetzt werden. Ihr Arzt kann Ihnen bei der Auswahl der Behandlung helfen, die für Sie am besten ist.

Blasenschwäche: Die Bedeutung des Beckenbodens

Training ist die beste Voraussetzung für eine Besserung von Blasenschwäche. Denn eine gut funktionierende Muskulatur ist die Basis einer starken Blase. Bei Streß-Inkontinenz ist – gleich welche anatomischen bzw. organischen Faktoren mitwirken – immer eine Schwächung des Beckenbodens im Spiel, die das Übel erst so weit kommen läßt. Auch Übergewicht lastet schwer auf dem Beckenboden.

Alle Frauen können bis ins Alter durch Training ihrer Beckenbodenmuskulatur sehr viel erreichen. Selbst wenn eine Operation unumgänglich sein sollte, weil das Leiden bereits zu weit fortgeschritten ist, hat sie bei einer Frau mit gefestigtem Beckenboden den besseren Erfolg. Trainiert sie nach der Operation weiter, ist ein Rezidiv (Wiederkehr des Problems) weniger wahrscheinlich.

Auf den ersten Blick muten Übungen zur Kräftigung des Beckenbodens und damit zur Verhütung von Harninkontinenz und Gebärmuttersenkung einfach an. Sie bedürfen aber durchaus der Übung und – insbesondere anfangs – der Konzentration auf das Gebiet. Schaffen Sie es, sie regelmäßig durchzuführen, werden Sie spüren, wie wirkungsvoll solche Übungen sind. Alle Übungen sollen mehrmals wiederholt werden.

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