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Normalerweise ist eine Angina nicht gefährlich

Obwohl eine Mandelentzündung sehr unangenehm und schmerzhaft ist, heilt sie meist von allein wieder aus. In seltenen Fällen streuen sich die verursachenden Bakterien jedoch über das Blut aus und können zu einer Herzerkrankung – der gefürchteten Endokarditis, zu einer Nierenerkrankung – der Glomerulonephritis – oder zu rheumatischem Fieber führen.

Dabei werden Herz, Gelenke, unter Umständen auch Nerven und Haut von Entzündungen befallen. Jedoch treten diese Komplikationen in der heutigen Zeit extrem selten auf, da sich die hygienischen Verhältnisse immer weiter verbessert haben. Das größte Problem mit der Angina ist dennoch, dass sie sich gerne häuslich einrichtet und immer wiederkehrt.

Angina Pectoris: Diagnose

Ihrem Arzt reicht meist ein Blick in Ihren Rachen, um zu wissen, dass Sie an einer Angina leiden. Denn dann sind Ihre Mandeln gerötet, geschwollen und eitrig belegt. Das erkennen Sie auch selbst, wenn Sie in Ihren Mund schauen. Zudem macht sich auch Fieber bemerkbar. Ein Abstrich, wie er früher üblich war, wird heute wegen der geringen Aussagekraft nur noch selten gemacht.

Unter Umständen veranlasst Ihr Arzt aber eine Blutuntersuchung, um herauszufinden, ob eine virale oder eine bakterielle Angina vorliegt. Für eine bakterielle Angina spricht eine hohe Leukozytenzahl von über 10.000. Je höher die Zahl, desto schwerer die Erkrankung. Niedrige Leukozytenzahlen sprechen eher für eine virale Erkrankung. Bakterielle Mandelentzündungen lassen sich erfolgreich durch Antibiotika (meistens Penicillin) behandeln.

Dann ist die Angina meist schnell wieder auf dem Rückzug. Gegen Viren richten Antibiotika allerdings nichts aus. Hier werden in der Regel Schmerzmittel verordnet.

Angina pectoris: Ein neues Herzmittel

Langfristig halfen gegen die Angina bisher vor allem Beta-Blocker. Doch die weisen starke Nebenwirkungen wie Schwindel oder andauernde Müdigkeit auf. Jetzt gibt es einen neuen Wirkstoff, der besser verträglich ist: Ivabradin.

Gegen den akuten Anfall bewährt sich seit Jahrzehnten Nitroglyzerin. Es setzt im Körper blitzschnell Stickstoffmonoxid (NO) frei, das die Blutgefäße erweitert. Sofort erhält der Herzmuskel frisches Blut und die Schmerzen lassen nach.

Ein weiteres bedeutsames Anwendungsgebiet kann der vorbeugende Einsatz bei sportlicher Betätigung sein. Durch die „sublinguale“ Gabe (dabei wird das Medikament unter der Zunge platziert) von Nitroglycerin ist es möglich, die Belastungstoleranz von Angina-Patienten bei körperlichem Training zu erhöhen, schlägt der amerikanische Herzspezialist Prof. William Boden vor. Drei Studien geben ihm dabei Recht: Nitro-Spray (Nitrolingual akut®Spray) kann – wenn es wenige Minuten vor der körperlichen Belastung gegeben wird – das Auftreten von Beschwerden verzögern oder verhindern, die im Zusammenhang mit einer Angina pectoris auftreten. Abhängig von der Dosis konnten sich die Studienteilnehmer mehr belasten und besser trainieren. So wird den Erkrankten, deren Anfälle oft mit schlimmer Todesangst einhergehen, auch die Angst vor sportlicher Betätigung genommen.

Dem werde, so kritisiert der Herzspezialist, in der Praxis viel zu wenig Beachtung geschenkt. Dabei senke Sport das Sterberisiko um mindestens 20 Prozent. Herz-Kreislauf-Kranke, die regelmäßig trainieren, benötigen oft weniger Behandlungen. In einer Studie, die unter anderem in Bad Krozingen stattfindet, wird derzeit systematisch untersucht, wie Akut-Nitrate eingesetzt werden können, um die Belastbarkeit der Menschen mit Angina pectoris zu verbessern. Bei lang wirkenden Nitraten besteht die Gefahr einer Toleranzentwicklung.

Um die Anfallsneigung langfristig zu senken, verordnen Ärzte heute vor allem Beta-Blocker, die die Schlagfrequenz des Herzens herabsetzen. Auch so genannte Kalziumantagonisten verschrieb man, die den Blutdruck senken und so den Herzmuskel entlasten.

Neuer Wirkstoff ist besser verträglich

Diese Mittel vertragen nicht alle Patienten und bei langfristiger Einnahme sind sie oft mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden. Mögliche Nebenwirkungen von Beta-Blockern sind:

  • Atemnot
  • Erektionsstörungen
  • Schlafstörungen
  • Müdigkeit
  • Stimmungsschwankungen
  • Schwindel
  • Durchblutungsstörungen in Händen und Füßen

Kalziumantagonisten erhöhen die Neigung für Angina-pectoris-Anfälle erst recht erhöhen. Damit bewirken sie bei einigen Patienten genau das Gegenteil von dem, was man eigentlich mit ihnen bezweckt. Vielen Herz-Patienten konnte man aus diesem Grund bisher mit diesen althergebrachten Wirkstoffen nicht optimal helfen. Für sie bietet ein neues Medikament, das erst seit einigen Wochen in Europa zugelassen ist, eine echte Chance. Procoralan® setzt nämlich an einer ganz anderen Stelle an als die herkömmlichen Substanzen: Sein Wirkstoff  Ivabradin blockiert gezielt kleine „Strom-Kanälchen“ im Herzen. Dadurch erniedrigt man allein die Herzfrequenz, aber man setzt nicht die Schlagkraft des Herzens herab. Der Blutdruck bleibt normal.

Bessere Belastbarkeit und weniger Herzanfälle

Die neue Substanz erprobten Forscher bisher in Studien an verschiedenen Universitäten. Insgesamt nahmen daran mehr als 3.500 Patienten teil. Die jüngste Untersuchung führte man an vier Kliniken unter der Federführung des Herz-Instituts der Universität Montreal in Kanada durch. Dabei behandelte man über 900 Patienten drei Monate lang entweder mit dem neuen Wirkstoff Ivabradin oder dem Beta-Blocker Atenolol.

In beiden Gruppen war die Anfälligkeit für die schmerzhaften Herzattacken etwa gleich. Darüber hinaus fiel bei Tests auf dem Fahrradergometer die Belastbarkeitsgrenzebis zum Auftreten von Herzschmerzen gleich aus. Damit ist der Beweis erbracht, dass der neue Wirkstoff genauso effektiv ist wie die seit Jahrzehnten eingesetzten Betablocker.

Wechsel nicht immer sinnvoll

Ivabradin wirkt genauso gut wie Betablocker oder Kalziumantagonisten. Allerdings ist seine Verträglichkeit deutlich besser und es traten weniger Nebenwirkungen auf. Gelegentlich kommt es zu Sehstörungen, weil es in der Netzhaut ähnliche „Stromkanäle“ gibt wie im Herzen. In der kanadischen Studie lag die Rate an vorübergehenden Sehstörungen bei 13 Prozent der Studienteilnehmer. Sie berichteten beispielsweise von hellen Zonen in unterschiedlichen Bereichen des Sehfeldes.

Allerdings waren die Fahrtüchtigkeit und die Alltagsaktivität nicht behindert. Als weitere Nebenwirkung kam es bei 2 bis 4 Prozent der Studienteilnehmer (je nach Dosierung) zu einer extremen Verlangsamung des Herzschlags. Diese Nebenwirkung ist bei Beta-Blockern mindestens doppelt so oft zu beobachten.

Fazit: Wenn Sie an Angina pectoris leiden und mit Ihren bisherigen Medikamenten nicht klar kommen, beispielsweise ständig müde sind oder Ihnen oft schwindelig wird, sprechen Sie Ihren Arzt auf das neue Mittel an. Wenn Sie gleichzeitig an Asthma, Schuppenflechte oder Durchblutungsstörungen leiden, könnte eine Umstellung sinnvoll sein. Beta-Blocker fördern diese Krankheiten zusätzlich. Wenn Sie bisher mit Ihren Medikamenten gut zurechtgekommen sind, besteht kein Grund zum Wechseln.

Wie bei allen neuen Medikamenten besteht das Restrisiko, dass sich Nebenwirkungen nach jahrelanger Anwendung zeigen.

Behandlungsmöglichkeiten der Angina Pectoris

Abhängig von der jeweiligen Position der Arterienverengung benötigt die Angina eine unterschiedliche Behandlung. Die Forschung zeigte, dass Medikamente genauso effektiv wie Bypass-Operationen anschlagen, wenn Verengungen in einer bis zwei Arterien außer der linken Hauptarterie auftreten. Der linke Hauptstamm stellt nämlich die Hauptversorgungsleitung für das Herz dar.

Sind jedoch alle drei Hauptarterien oder der linke Hauptstamm betroffen oder ist Ihre Herzfunktion herabgesetzt, dann brauchen Sie eine aggressivere Therapie: Hier sorgt eine Bypass-Operation für eine höhere Überlebensrate nach fünf Jahren. Bei anderen Patienten empfehlen sich Angioplastie und Stents.

In manchen Fällen wie einer langen, komplizierten oder vollständigen Blockade der Gefäßes bewirkt ein Bypass eine höhere sofortige Erfolgsrate als eine Angioplastie. Faktoren wie Diabetes, Bluthochdruck, vorangegangene Infarkte oder fortgeschrittenes Alter beeinflussen die Entscheidung für die eine oder andere Therapieform beeinflussen. Behandlungskosten, die Länge des Krankenhausaufenthaltes und die Wahrscheinlichkeit von nachfolgenden Behandlungen sind weitere Aspekte, die Sie berücksichtigen sollten.

Heilung durch Medikamente

Medikamente helfen dabei, den Sauerstoffbedarf Ihres Herzens zu reduzieren oder Ihre Gefäße zu entspannen. Dabei ist eine Verstärkung des Blutflusses möglich. Zur medikamentösen Behandlung gehören folgende Mittel:

  • Beta Blocker (z. B. Atenolol, Bisoprolol, Metoprolol)
  • nitratartige Verbindungen (z. B. Isosorbid, Nitroglycerin)
  • Calcium-Kanal-Blocker (z. B. Amplodipin, Diltiazem, Nifedipin, Verapamil).

Zusätzlich empfehlen viele Ärzte Acetylsalicylsäure (z. B. Aspirin®) oder andere Mittel empfohlen, die vor Blutgerinnseln schützen. Statine und ACE-Hemmer vermindern das Risiko für Herzinfarkt und Tod.

Angioplastie

Bei diesem Verfahren führen die Ärzte ein langes, dünnes Röhrchen (Katheter) in eine Arterie Ihres Armes oder der Leiste ein. Mit Hilfe eines Röntgengerätes führt der Chirurg den Katheter bis zu den verengten Herzkranzgefäßen. Dann schiebt er einen zweiten, kleineren Katheter in den ersten.

An der Spitze des zweiten Katheters befindet sich ein winziger entspannter Ballon, den man durch den Engpass in der Arterie schiebt. Das kurzzeitige Aufpumpen des Ballons verdrängt die Plaques und dehnt die Gefäße, sodass das Blut leichter fließt. Bei vielen Angioplastien setzt man eine kleine sprungfederförmige Spirale (Stent) ein. Wenn der Ballon darin aufgepumpt ist, fixiert sich der Stent an die erweiterte Stelle der Arterie und verhindert eine unmittelbare Wiederverengung des Gefäßes nach der Entspannung des Ballons.

Aus diesem lässt der Chirurg dann die Luft ab und entfernt den Ballon, während der Stent an Ort und Stelle bleibt. Jedoch kommt es in 12 bis 20 Prozent der Fälle zu einer Restenose: Die Symptome treten nach einigen Monaten wieder auf. Neuere Untersuchungen zeigten, dass einekurzzeitige Bestrahlung das Risiko einer erneuten Verengung innerhalb eines Stents verhindern kann. Dazu verwenden die Ärzte einen Katheter mit einer radioaktiven Substanz.

Diese Methode nennt sich „Intrakoronare Brachytherapie“. Gewöhnlich setzt man sie nur zur Behandlung einer Restenose ein. Eine Koronar-Angioplastie führt der Chirurg im Normalfall unter örtlicher Betäubung durch. Je nach Ihrer besonderen Situation dauert die Behandlung etwa eine Stunde. Meistens erfordert sie eine Übernachtung im Krankenhaus.

Bypass-Operationen

Hierbei handelt es sich um eine größere und langwierige Operation. Der Chirurg schließt bei einer Bypass-Operation ein Blutgefäß von einem anderen Körperteil an die verengte Herzarterie an. Durch diese Umleitung fließt das Blut an der verengten Stelle vorbei und gelangt zu Ihrem Herzmuskel.

Der Krankenhausaufenthalt und die Genesungszeit fallen erheblich länger aus als bei der Angioplastie. Verschiedene Formen der Koronaren Herzkrankheit (KHK) erfordern die Bypass-Operation. In manchen Fällen stellt dies die bessere Alternative dar, weil weitere Eingriffe unwahrscheinlicher werden.

Angina als Symptom für die Koronare Herzkrankheit

Die Koronare Herzkrankheit ist gekennzeichnet durch eine Verengung der Arterien, die das Herz mit sauerstoff- und nährstoffreichem Blut versorgen. Die Angina Pectoris gilt als wichtiges Symptom für die KHK.

Die Blockierung stellt gewöhnlich das Ergebnis der Plaque-Bildung in den Arterienwänden dar. Die Plaques bestehen aus verschiedenen Stoffen wie Fett, Cholesterin, Kalzium oder Fibrin (Hauptbestandteil von Blutgerinnseln). Die Plaque-Bildung (auch Arteriosklerose genannt) führt zu einer Versteifung und Verengung der Arterien und reduziert den Blutfluss zum Herzmuskel.

Ist ein Herzkranzgefäß teilweise oder ganz blockiert, kann es zum Herzinfarkt oder plötzlichen Tod kommen. In vielen Fällen löst ein kleines Blutgerinnsel dies aus, das auf oder in der Plaque entsteht. Bei manchen Menschen stellen Brustschmerzen die ersten Zeichen einer KHK dar.

Die Änderung bestimmter Lebensgewohnheiten setzt Ihr Risiko zukünftiger Probleme mit der KHK herab. Zu diesen Veränderungen gehört der Verzicht auf das Rauchen sowie mehr körperliche Bewegung und eine gesunde, cholesterinarme Ernährung. Gegebenenfalls kommt die Einnahme bestimmter Medikamente hinzu.

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Alte Kommentare
  • Elfriede Große Lordemann schrieb am 24.05.2011, 10:54 Uhr

    Als meine Schwester Direkt nach dem Krieg eine schwere Mandelentzündung hatte, hat meine Mutter diese mit Melkfettwickel behandelt. Auch ich habe dies bei meine Kindern erfolgreich angewandt. Dazu benötigt man aber das Melkfett aus dem Landhandel, welches auch für die Tiere verwandt wird. Ich habe immer sofort bei den ersten Anzeichen einer Mandelentzündung oder einer anderen Halserkrankung Melkfett fingerdick auf ein Papiertaschentuch gestrichen und vor den Hals gelegt und mit einem größeren Tuch fixiert. Meistes war die Entzündung schon am anderen Tag zurückgegangen.

  • Hermann Gogel schrieb am 24.05.2011, 11:09 Uhr

    Artikel über die Mandeln sehr gut. Bitte senden Sie mir die Fortsetzung vom 25.5. betr. der Behandlung von Entzündungen. Vielen Dank und frdl. Grüße

  • Virginia Girouard schrieb am 24.05.2011, 13:57 Uhr

    Die Natur hat etwas gegen Vieren. Ich komme mit der ordinären Zwiebel immer sehr gut bei Halsschmerzen hin. Mit freundlichem Gruß V. Girouard