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Lassen Sie Ohrenschmalz ohne „Gewaltanwendung“ abfließen

Schlechtes Hören kann ganz harmlose Ursachen haben: Ihre Ohren bilden Ohrenschmalz, medizinisch Cerumen genannt. Es entsteht in vielen kleinen Drüsen und ist eine prima Sache. Denn es schützt Ihre Ohren vor Entzündungen, reinigt sie und hält sie geschmeidig. Mediziner betrachten Ohrenschmalz daher als wertvolle Substanz.

Durch feine Bewegungen wird es langsam in Richtung Ohrenausgang geschoben. Das passiert beispielsweise beim Kauen, Sprechen oder Schlucken. Auf dem Weg zur Ohrmuschel nimmt die gelbliche Masse abgeschilferte Hautpartikelchen, abgebrochene Sinneshärchen, Staub- und Schmutzteilchen auf und transportiert alles an die frische Luft.

Um den Ohrenschmalz zu entfernen, müssen Sie nur ab und an Ihre Ohrmuschel säubern. Das ergibt sich meist beim Haarewaschen, wenn Ihre Ohren nass werden und Sie sie vorsichtig wieder trocken legen und geht am besten mit einem weichen Hand- oder Kosmetiktuch.

Wenn sich das Ohrenschmalz im Gehörgang verdichtet, kann es einen Pfropf bilden

Wollen Sie Ihre Ohren reinigen, nehmen Sie einen mit lauwarmem Wasser durchfeuchteten Waschlappen ohne Seife und wischen die Ohrmuschel vorsichtig aus; danach ebenso sanft abtrocknen.

Allzu häufig sollten Sie das allerdings nicht machen, denn hierbei trocknet die Haut schnell aus und wird gereizt. Dadurch kann die Bildung von Ohrenschmalz angeregt werden. Ihr Ohr beginnt zu jucken und bildet einen Schmalzpfropfen.

Ein solcherOhrenschmalzpfropf kann tatsächlich zu schlechterem Hören führen. Da sind viele dann leicht versucht, diesen irgendwie auf eigene Faust „herauszupopeln“. Dazu müssen Gegenstände wie Haarnadeln, umgebogene Büroklammern oder Streichhölzer als ungeeignete!!! Werkzeuge herhalten. Dass das falsch und gefährlich ist, brauche ich Ihnen nicht zu sagen…

Wattestäbchen erfordern Fingerspitzengefühl

Selbst das Wattestäbchen hat dabei nichts verloren; deren Gebrauch birgt Risiken und erfordert Fingerspitzengefühl. Denn damit können Sie den hinteren Gehörgang und Ihr Trommelfell allzu leicht verletzen. Dann droht die Gefahr, dass Sie sich selbst irreparable Gehörschäden zufügen.

Und trotzdem reinigen viele Menschen regelmäßig auf diese Weise ihre Gehörgänge, wovon Mediziner abraten. Gelangt das Stäbchen nämlich zu tief ins Ohr, schiebt der Wattebausch einen Teil der Ohrenschmalz-Schicht zum Trommelfell. Das Ohrenschmalz kann sich verdichten und einen Pfropfen bilden. Dieser Pfropfen kann den Gehörgang verstopfen, was die Hörleistung erheblich beeinträchtigen kann, wie bereits angedeutet.

Eine Verstopfung kann auch durch eine natürliche Überproduktion von Ohrenschmalz entstehen. Der unsachgemäße Umgang mit Wattestäbchen zählt jedoch zu den häufigsten Ursachen. Gute Ohrenstäbchen sind übrigens inzwischen so umkonzipiert worden, dass sie nur in der Ohrmuschel angewendet werden können.

Rezeptfreie Tropfen lösen Ohrenschmalz auf

Wenn Sie einen Ohrenpropf loswerden wollen, besorgen Sie sich in der Apotheke spezielle Ohrentropfen oder -sprays zum Auflösen von Ohrenschmalz. Die Tropfen werden in den äußeren Gehörgang geträufelt. So funktioniert’s:

  1. Dazu neigen Sie den Kopf leicht und ziehen mit Daumen und Zeigefinger an der Ohrmuschel, damit der äußere Gehörgang in eine bessere Position kommt und Sie die Tropfen besser einträufeln können.
  2. Danach verschließen Sie das Ohr mit einem Wattepfropf und legen sich am besten für 1/2 Std. auf Ihr anderes Ohr.
  3. Anschließend spülen Sie das aufgelöste Ohrenschmalz mit körperwarmem Wasser heraus. Dazu ist in der Packung eine Ballonspritze enthalten. (Da Ihnen bei dieser Prozedur leicht schwindelig werden kann – im Ohr sitzt ja auch Ihr Gleichgewichtsorgan –, führen Sie sie am besten im Sitzen durch.)

Es gibt auch spezielle Ohrenspritzen. Mit diesen können Sie Ohrspülungen mit Wasser durchführen; auch ein Laie soll dies im Prinzip selbst können. Dennoch ist es ratsamer, das einem Fachmann zu überlassen.

Bringen diese Spülung oder Ohrenspritzen keine Besserung, haben Sie weiterhin einen Juckreiz, Schmerzen oder starken Ohrenschmalzfluss, sollten Sie einen Hals-Nasen-Ohrenarzt (HNO) aufsuchen. Dieser kann das überschüssige Cerumen in wenigen Minuten entfernen. Er kann dazu in besonders hartnäckigen Fällen das festsitzende Schmalz auch mit besonderen Instrumenten absaugen oder den Gehörgang auskratzen.

Und noch einmal: Auf keinen Fall dürfen Sie auf eigene Faust versuchen, das Ohr mit spitzen Gegenständen zu reinigen. Das kann zu schweren Verletzungen führen – und das Ohrenschmalz noch tiefer ins Ohr schieben.

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