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Chronische Ohrenschmerzen: Sind wirklich Ihre Ohren schuld?

von Inga-Maria Richberg, Chefredakteurin von „Natur & Gesundheit“

Wenn das Ohr schmerzt, muss die Ursache nicht immer im Ohr selbst liegen. Gerade bei chronischen oder wiederkehrenden Schmerzen stecken hinter den vermeintlichen Ohrproblemen häufig ganz andere Ursachen wie z. B. Erkrankungen der Zähne, des Kiefergelenks, der Ohrspeicheldrüse oder sogar ein Halswirbelsäulen-Syndrom.

Achten Sie auf die Art der Schmerzen

Beginn, Charakter und Dauer der Ohrenschmerzen sind ein wichtiger Hinweis auf die Ursachen. Beachten Sie aber auch die Ausstrahlung Ihrer Beschwerden.

Die häufigsten Ursachen für chronische Ohrenschmerzen sind:

  • Schnupfen mit Verlegung der Eustachischen Röhre (Tubenkatarrh)
  • Entzündungen des Mittelohrs
  • Entzündungen des Gehörgangs Verschluss des Gehörgangs (z. B. durch Ohrenschmalz)
  • direkte Trommelfellverletzung (z. B. durch Wattestäbchen)
  • plötzliche Luftdruckveränderungen (z. B. Flugreisen, Knalltrauma, Tauchunfälle)
  • Nebenhöhlenentzündungen
  • Zahnentzündungen
  • Fehlstellung des Kiefergelenks
  • Speichelsteine
  • verschobene Halswirbel

Auch Kehlkopftumore können sich durch Ohrenschmerzen beim Schlucken bemerkbar machen. Ein plötzliches Versagen des natürlichen Druckausgleichs zwischen Mittelohr und Nasen-Rachen-Raum durch einen Verschluss der Eustachischen Röhre (siehe Abb. unten) bezeichnet die Medizin als Tubenkatarrh. Ursache ist meist ein akuter oder allergischer Schnupfen.

Polypen begünstigen den Tubenkatarrh

Aber auch chronische Nebenhöhlenentzündungen, Polypen und starke Verkrümmungen der Nasenscheidewand können diesen Katarrh begünstigen. Ebenso führen plötzliche Druckabfälle bei heftigem Naseschneutzen sowie beim Fahrstuhlfahren, Tauchen oder bei Flugreisen zu einem „Zusammenkleben“ der Eustachischen Röhre. Typische Symptome sind die so genannten „zugefallenen Ohren“, dumpfe drückende Schmerzen und Hörverlust. Sorgen Sie bei einem akuten Schnupfen unbedingt für eine freie Nasenatmung, um den Druckausgleich für Ihr Ohr zu gewährleisten: Nasentropfen auf Meersalzbasis bringen Ihnen rasch Linderung. In den anderen Fällen sollten Sie unbedingt Ihren Haus- oder Hals-Nasen-Ohrenarzt aufsuchen.

Plötzliche pochende Schmerzen sprechen für eine Entzündung

Akute heftige pulsierende oder pochende Schmerzen haben ihre Ursache meist in einer Entzündung des Mittelohrs oder des Gehörgangs (z. B. einem Furunkel). Oft ging ein schnupfenbedingter Tubenkatarrh voraus. Aber auch kalter Wind (trockener Ostwind oder Fahrtwind) können binnen Stunden zu einer äußerst schmerzhaften Mittelohrentzündung führen. Hier haben sich Hausmittel wie das Zwiebelsäckchen sehr bewährt.

Falls sich Ihre Beschwerden jedoch trotz Selbstbehandung innerhalb eines Tages nicht bessern oder Sie hohes Fieber (> 39,0° C) haben, sollten Sie unbedingt einen Hals-Nasen-Ohrenarzt aufsuchen. Ein umgehender Arztbesuch ist auch bei einem Furunkel und anderen Entzündungen im Gehörgang erforderlich.

Tückisch ist die chronische Mittelohrentzündung

Ein Sonderfall ist die chronische Mittelohrentzündung, die oft keine oder nur sehr unspezifische Beschwerden macht. Hier ist das Trommelfell defekt, sodass Keime ins Mittelohr eindringen. Die Entzündung wird oft jahrelang nicht bemerkt, weil sie nur zeitweise leichte Schmerzen, Ohrlaufen und Hörstörungen verursacht. Wenden Sie sich bei diesen Beschwerden unbedingt an Ihren HNOArzt. Er wird Ihr Trommelfell reparieren oder ersetzen. Hat die Entzündung bereits den Knochen angegriffen, muss sofort operiert werden.

Einseitige Schmerzen können von der Halswirbelsäule herrühren

Verschobene Halswirbel, z. B. bei einem Halswirbelsäulen-Syndrom oder nach einem Schleudertrauma können zu einseitigen Ohrenschmerzen führen. Diese sind entweder dumpf und häufig mit Kopfschmerzen verbunden. Oder sie „schießen“ bei Halsbewegungen plötzlich kurz und stechend ein. Lassen Sie unbedingt Ihre Halswirbelsäule untersuchen! Bei einseitigen Schmerzen während und nach dem Essen sollten Sie stets an Fehlstellungen eines Ihrer Kiefergelenke denken. Dieses so genannte Temporomandibular-Gelenk-Syndrom kann ferner durch eine fehlerhafte Biss-Stellung der Zähne bedingt sein. Auch eine verstärkte Anspannung der Kaumuskulatur bei Stress (das sprichwörtliche Zähnezusammenbeißen oder -knirschen) kann Ohrenschmerzen verursachen. Zusätzlich können Ohrgeräusche und Schwindel auftreten. Hier ist zunächst Ihr Zahnarzt der richtige Ansprechpartner. An ihn sollten Sie sich auch wenden, wenn Zahn- und Ohrenschmerzen gemeinsam auftreten.

Schmerzen beim Kauen deuten auf Speichelsteine hin

Leichte Schwellungen der Ohrspeicheldrüse und anfallsweise dumpfe einseitige Schmerzen beim Kauen bis ins Ohr können ein Frühsymptom von Speichelsteinen (Sialolithen) sein. Diese bestehen hauptsächlich aus Kalzium und werden per Ultraschall identifiziert. Kleine Steine lassen sich durch eine Erhöhung des Speichelflusses „herausspülen“. Dazu kann Ihnen der Arzt einen speichelfördernden Tee aus den Blättern des südamerikanischen Pilocarpus-Strauchs (= Folia iaborandi) verschreiben. Auch eine reichliche Flüssigkeitszufuhr, Kaugummikauen sowie saure Speisen regen Ihren Speichelfluss an und treiben den Stein aus. Größere Steine werden heute wie Nierensteine per Stoßwellen-Lithotripsie zertrümmert.

Bei akuten Verletzungen: Sofort zum Arzt!

Plötzliche starke Schmerzen und evtl. Blutungen aus dem Ohr nach äußerer Gewalteinwirkung (Wattestäbchen, Ohrfeigen, Explosionsknall), aber auch nach heftigem Naseschnäuzen weisen auf einen akuten Riss des Trommelfells hin. Suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe! Und scheuen Sie sich nicht, auch in den anderen beschriebenen Fällen fachkundigen Rat einzuholen. Denn z. B. unentdeckte Entzündungen schwächen nicht nur Ihre Immunabwehr und beeinträchtigen Ihr Wohlbefinden, sondern können Sie langfristig sogar Ihr Gehör kosten.

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