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Irrglaube ade – Sport bei Asthma tut nicht weh

Bewegung an der frischen Luft ist das Beste, was Sie Ihrem Körper zumuten können. Wenn Sie unter Asthma leiden, sollten Sie nicht auf ein geregeltes Sportprogramm verzichten – Sie verringern damit sogar die Häufigkeit Ihrer Anfälle!

Den Irrglaube, das Asthmatiker sich nicht sportlich betätigen können und dürfen, ist weit verbreitet. Dieses Denken erzieht man Asthmatikern heute noch von klein auf an. Kinder mit Asthma packt man regelrecht in Watte: Die Eltern verbieten den Spulsport sowie jegliche Art der Bewegung. Die Sportwissenschaft ist allerdings einen Schritt weiter: Sie empfehlen Sport bei Asthma, denn mit einem guten Sportprogramm können Sie auch als Asthmatiker

  • Ihre körperliche Leistungsfähigkeit steigern
  • Ihre Lebensqualität verbessern
  • Ihr Immunsystem stärken

Stärken Sie Ihren Körper!

Ein mäßiges, aber regelmäßiges Sportprogramm trainiert Ihre Brustmuskulatur, verbessert Ihre Atemmuskulatur und macht auf diese Weise Ihre Atmung effizienter. Bei vielen Asthmatiker beobachteten Ärzte, dass Sport die Zahl der Asthma-Anfälle verringert.

Darüber hinaus spielt das Koordinationstraining für Sie als Asthmakranker eine wichtige Rolle. Verfügen Sie über eine ausreichend trainierte Koordinationsfähigkeit, benötigen Sie bei Ihren Bewegungen nicht mehr so viel Kraft. Dadurch fällt Ihnen das Atmen leichter. Wenn Sie eine Ausdauersportart trainieren, sinkt Ihre Herz- und Atemfrequenz. Dadurch verschiebt sich die Schwelle für einen erneuten Asthma-Anfall nach oben.

Keine Angst vor Sport!

Das Interesse an Atemwegserkrankungen als häufigste Todesursache in der Öffentlichkeit fällt besorgniserregend gering aus. Dies zeigen Daten einer Befragung, auf die das „Forum of International Respiratory Societies (FIRS)“ hinwies. Weltweit sterben jährlich vier Millionen Menschen an Atemwegs- und Lungenerkrankungen.

Die Daten zeigen, dass sich viele Menschen trotz der Häufigkeit von Atemwegserkrankungen mehr vor Krebs, Herzkrankheiten und Schlaganfällen fürchten. Die Befragung demonstriert darüber hinaus, dass 70 Prozent der Teilnehmer glauben, Atemwegs-Patienten seien nicht in der Lage, leichte Sportarten wie Schwimmen oder Gymnastik zu betreiben. Tatsächlich trägt körperliche Aktivität dazu bei, Symptome von Lungenkrankheiten wie Atemnot selbst bei schweren Fällen zu lindern.

Vorbeugung oft unterschätzt

FIRS versucht derzeit, Menschen dazu zu bewegen, Lungenfunktionstests durchzuführen. Sie sollen aktiv an der eigenen Lungengesundheit arbeiten. Bei der Befragung gaben lediglich 41 Prozent der Atemwegs-Patienten an, mit ihrem Arzt über die Möglichkeiten von Sport und körperlicher Aktivität gesprochen zu haben.

Professor Klaus Rabe, Vorsitzender von FIRS und Präsident der „European Respiratory Society“ betont: „Chronische Lungenkrankheiten stellen ein wesentliches Gesundheitsproblem dar, aber man unterschätzt ihre Auswirkungen. Nicht nur ignoriert man die Ernsthaftigkeit von Lungenkrankheiten, sondern auch die Möglichkeiten der Vorbeugung. Lungenfachärzte verstehen zunehmend die Bedeutung von körperlicher Aktivität. Die Befragung zeigt, dass die Menschen das ignorieren. Selbst gemächliches Gehen für diejenigen mit schwerer Erkrankung kann dazu beitragen, die Lungenkapazität und das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern.“

Unterstützung durch Sportler

Mehrere Spitzenathleten unterstützen die Kampagne. Mit ihrem Engagement zeigen sie, was man trotz einer Lungenerkrankung leistet. Damit ermutigen sie andere, sportlich aktiv zu werden. Zu den Unterstützern gehörte unter anderem der norwegische Ruderer Olaf Tufte. Er gewann trotz seines schweren Asthmas zweimal olympischen Gold und einmal Silber.

Im Gespräch über seine Erfahrungen mit seiner Lungenerkrankung sagte er: „Ich bin entschlossen, nicht zuzulassen, dass mich mein Asthma limitiert oder meine Ambitionen einschränkt. Stattdessen verstehe ich die Erkrankung als eine Herausforderung, die ich bewältigen musste, um zu den Besten in meiner Sportart zu gehören. Menschen mit Atemwegserkrankungen können ein gesundes und aktives Leben führen. Dazu müssen sie Maßnahmen zur Bewältigung ihrer Erkrankung ergreifen, wenn man die Krankheit früh genug erkennt und behandelt.“

Informationen zu Atemwegserkrankungen

Die Initiative „Deutscher Lungentag“ unterstützte den Weltspirometrietag. Mit dem jährlich wiederkehrenden „Deutschen Lungentag“ klären die Veranstalter über die Möglichkeiten der Vorbeugung, Diagnose und Therapie von Atemwegserkrankungen auf. 12 Organisationen und medizinische Fachgesellschaften tragen den Tag. Weitere Informationen zum Deutschen Lungentag und eine Liste mit den bundesweiten Veranstaltungen erhalten Sie auf www.lungentag.de

In Deutschland ist „Lungensport“ mit 418 Vereinen und 685 (Stand 2010) Lungensportgruppen weit verbreitet. Die AG Lungensport koordiniert die jeweiligen Aktivitäten. Eine Übersicht über die Ziele und Aufgaben der Arbeitsgemeinschaft und eine Liste von Sportgruppen in Deutschland finden Sie unter www.lungensport.org

Wählen Sie Ihre Sportart mit Bedacht aus

Nicht jede Sportart eignet sich für Asthmakranke. Darüber hinaus müssen Sie Ihr Training gut planen, um einen Asthma-Anfall zu verhindern. Entscheiden Sie sich für eine Sportart, bei der Sie den Belastungsgrad selbst wählen. Natürlich muss Ihnen Ihr Training Spaß machen: Wenn Sie mit Missmut und Unwillen Sport treiben, nach dem Motto: „Es muss ja sein, der Doktor hat’s gesagt“, schnürt Ihnen dieses Missfallen eventuell wortwörtlich die Luft ab und löst einen Asthma-Anfall aus.

Für Asthmatiker geeignete Sportarten sind zum Beispiel:

  • Schwimmen
  • Fahrradfahren
  • Skilanglauf
  • Segeln
  • Kanufahren
  • Gymnastik
  • Golf (Vorsicht bei Pollenallergie; die Gräserpollen können zu einem allergischen und dann zu einem Asthma-Anfall führen)
  • Joggen

Nicht jeder Sport eignet sich

Verzichten Sie auf

  • Sportarten, bei denen Sie gepresst atmen (z.B. Tauchen, Gewichtheben oder Klettern)
  • Sportarten, bei denen Sie einem erhöhten Allergie-Risiko ausgesetzt sind (z.B. Reiten)
  • Sportarten mit Wettkampfcharakter oder Mannschaftssportarten, da diese zu einer Überanstrengung verleiten können (z.B. Fußball oder Handball)

Auf keinen Fall dürfen Sie an den Start gehen, ohne sich vorher aufzuwärmen. Ein Anstrengungsanstieg von 0 auf 100 reizt Ihre Atemwege und löst eventuell einen Asthmaanfall aus. Achten Sie des Weiteren auf das Klima. In der warmen, feuchten Schwimmbadluft vertragen Ihre Lungen eine Anstrengung eher als draußen bei trockenem Frost. Bei kalten Temperaturen atmen Sie automatisch schneller ein und aus. Die höhere Atemfrequenz löst Husten und Atemnot eher aus, weshalb Sie bei Temperaturen von unter 4° C nicht draußen trainieren sollten.

7 Tipps für Sportler mit Asthma

  1. Nehmen Sie beim Training Ihr Asthmaspray mit.
  2. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten, ob Sie zusätzlich ein krampflösendes und bronchienerweiterndes Spray verwenden sollten.
  3. Sie sollten unterwegs ein Mobiltelefon greifbar haben, um im Fall des Falles Hilfe holen zu können. (Das gilt für alle Sportarten und Personen mit erhöhtem Unfallrisiko.)
  4. Sie sollten sich eine Sportart aussuchen, bei der Sie Ihre Trainingseinheit jederzeit abbrechen können, ohne sich oder andere Menschen zu gefährden.
  5. Sie sollten in einer Gegend trainieren, in der Sie schnell ärztliche Hilfe erhalten.
  6. Nach dem Sport sollten Sie sich trockene Kleidung anziehen.
  7. Auch wenn Sie durch Sport Ihre Asthma-Anfälle reduzieren, dürfen Sie nicht vergessen, Ihre Medikamente regelmäßig einzunehmen.

Aber nicht immer dürfen Sie sofort mit dem Sport anfangen. Als Asthmatiker sollten Sie Ihr Training ausfallen lassen, wenn

  • Sie gerade einen Asthma-Anfall hatten oder
  • sich Ihre Erkrankung aufgrund eines Infektes oder einer Allergie verschlechtert hat.
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