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Wechseljahre und Hormon-Therapie: Was zusätzliche Hormone zur Vorbeugung leisten

Allgemein gilt als gesichert: Eine Hormon-Therapie in und nach den Wechseljahren bietet eine gute Vorbeugung von Herz-Erkrankungen, Osteoporose und Morbus Alzheimer (schwere Altersdemenz). Doch nicht alle Studien-Ergebnisse überzeugen.

Zusätzliche Östrogene und Gestagene eignen sich für Frauen, die sie brauchen. Für Frauen mit einem Risiko für einen hormonabhängigen Brustkrebs ist eine Hormonersatz-Therapie hingegen tabu.

Wenn Sie auf zusätzliche Hormone verzichten, bieten sich genügend andere Möglichkeiten der Vorbeugung.

Das Risiko für Osteoporose

Grundsätzlich können beide Geschlechter Osteoporose bekommen, wenn sie alt genug dafür sind.

Wann die Knochen durch einen Abbau so porös werden, dass sie bei jedem Sturz – und später von allein – brechen, hängt bei jedem Menschen von der persönlichen Konstellation einer Reihe von Faktoren ab.

Männer bekommen i. d. R. später als Frauen eine Osteoporose, weil sie mehr Knochenmasse als Frauen besitzen.

Bei Frauen bildet die Menopause einen markanten Einschnitt, weil mit der geringeren Östrogen-Bildung der Knochen-Abbau verstärkt voranschreitet.

Dies geschieht bei manchen Frauen schneller und bei anderen langsamer. Die Gründe dafür sind vielfältig. Wenn Sie zart gebaut und schlank sind und wenn Ihre Mutter oder Großmutter an Osteoporose litt, achten Sie auf dieses Risiko.

Die Knochendichte-Messung

Die Einnahme von Hormonen ist sicher ein Weg, aber keine Garantie. Neben einer knochen- und herzgesunden Ernährung sollten Sie eine Chance wahrnehmen, die unser Gesundheits-System Ihnen bietet: die Knochendichte-Messung.

Leider übernehmen die gesetzlichen Kassen dieses Verfahren nur in Ausnahmen. Doch die Investition in Ihre Gesundheit lohnt sich:

Wenn Sie zum Zeitpunkt der Menopause eine solche Messung durchführen – möglichst in einer radiologischen Praxis (Dort stehen die modernen Geräte, die strahlungsärmer und genauer messen als die alten.) –, haben Sie einen Ausgangswert. 1 – 2 Jahre später wiederholen Sie in derselben Praxis die Messung.

Dann wissen Sie, ob Sie zu den Frauen gehören, die schnell Knochenmasse verlieren. Oder sie zählen zu den anderen, bei denen der Knochen-Abbau im normalen Tempo abläuft und weniger Gefahr droht.

Sie nehmen dann vorbeugend eine Behandlung wahr. Eine hoffentlich schützende Hormon-Einnahme führen Sie möglichst lebenslang durch.

Auf keinen Fall sollen Sie sich selbst eine Schaukel-Behandlung mit zahlreichen Pausen der Hormon-Einnahme verordnen. Denn der stärkste Schub von Knochen-Abbau erfolgt immer nach einem raschen Absinken des Östrogen-Spiegels, also insbesondere nach dem plötzlichen Absetzen der Östrogene.

Hormone zur Vorbeugung der Alzheimer-Krankheit?

Studien-Ergebnisse berechnen immer nur ein Durchschnitts-Risiko. Die Frage, ob Östrogene gegen eine künftige Altersdemenz helfen, lässt sich bisher trotz zahlreicher Studien nicht statistisch zufriedenstellend beantworten.

Einige Studien sprechen dagegen und mindestens ebenso viele bezeugen eine Verbesserung des Denkens, Erkennens und Gedächtnisses. Wieder bleibt es Ihrer persönlichen Entscheidung überlassen, ob Sie dem Schutz der Hormongabe vertrauen oder nicht.

Es gibt also keine Garantie, aber die Möglichkeit einer günstigen Wirkung.

Östrogene gegen Herzinfarkt?

Ein anderes Argument, das die Ärzte und die Pharma-Industrie für eine Hormon-Begleitung ins Feld führen, ist deren Schutz vor einem frühzeitigen Herzinfarkt. Diese vorbeugende Wirkung legten zahlreiche Studien nahe.

Jetzt gerät diese These ins Wanken, nachdem die große HERS-Studie mit über 2.700 herzkranken Frauen keinen herzschützenden Effekt der Hormone feststellte.

Bei näherer Betrachtung der älteren Studien zeigte sich, dass die günstigen Effekte der Hormon-Behandlung vorwiegend Frauen betrafen, die vor und während der Studie gesundheitsbewusster lebten als die Frauen der Kontrollgruppen ohne Hormone.

Die Diskussion über den Herzschutz einer Hormon-Begleitung ist indes nicht abgeschlossen:

Zweifel an Herzschutz durch Hormon-Therapie

Die Ergebnisse einer neuen Studie stellen die weitverbreitete Ansicht infrage, dass die Östrogen-Gestagen-Kombinations-Therapie (Hormon-Therapie) günstig auf das Herz-Kreislauf-System bei Frauen wirkt.

Eine Hormon-Therapie verschreibt man bei Wechseljahres-Beschwerden sowie zur Verhütung und Behandlung von Osteoporose. Sie soll sich günstig auf das Herz auswirken; dazu gibt es einige Studien.

Jedoch widerspricht die 1. randomisierte und placebokontrollierte Studie zu diesem Thema diesen Ergebnissen:

  • Frauen, die täglich 1 Tablette einer Östrogen-Gestagen-Kombination einnahmen, zeigten während des 1. Jahres ein höheres Herzinfarkt- und Todes-Risiko.
  • Dagegen sank während der letzten 2 Jahre der Studie das Risiko.
  • Insgesamt beeinflusste die Hormon-Therapie die Häufigkeit der koronaren Herzkrankheit nicht.

Herzkranke Frauen sollten nach der Meinung der Autoren dieser Studie nach den Wechseljahren keine Hormon-Therapie in der Hoffnung beginnen, dadurch Probleme mit dem Herzen zu verhüten.

Die Experten halten es allerdings nach den Ergebnissen des 2. Teils der Studie für angemessen, dass Frauen eine begonnene Hormon-Therapie fortsetzen.

Die Ärzte der Mayo Clinic stimmen dem zu. Sie sind allerdings der Meinung, dass die Studien-Ergebnisse durch die tägliche Gestagen-Einnahme beeinflusst sind. Sie raten daher, diese Ergebnisse nicht auf eine zyklisch angewandte Hormon-Therapie oder die alleinige Östrogen-Therapie zu übertragen.

Sie empfehlen, die Hormon-Therapie für Wechseljahrs-Beschwerden oder zur Verhütung und Behandlung der Osteoporose nicht zu ändern. Sie meinen jedoch, dass weitere Studien über die Langzeit-Therapie mit Hormonen notwendig sind.

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