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Wie hoch ist Ihr Brustkrebs-Risiko?

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts stellen Ärzte jedes Jahr die Diagnose Brustkrebs bei etwa 46.000 Frauen in Deutschland. Von diesen sind etwa 17.000 zum Diagnosezeitpunkt jünger als 60 Jahre. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 63 Jahren. Die relative 5-Jahres-Überlebensrate für Brustkrebspatientinnen in Deutschland beträgt 73 Prozent. Eine an Brustkrebs erkrankte Frau verliert im Durchschnitt sechs Jahre ihrer Lebenserwartung.

Patientinnen werden jünger!

Die Angst geht um, denn die Diagnose Brustkrebs tritt häufiger auf. Viele Frauen scheuen eine Untersuchung zur Früherkennung und schieben sie hinaus. Doch je früher man Brustkrebs erkennt, desto einfacher funktioniert eine brusterhaltende Operation. Heute überleben mehr Frauen mit Brustkrebs als früher.

Dass immer mehr jüngere Frauen der Diagnose gegenüberstehen, erschreckt alle. Jedoch brauchen die jüngeren Frauen nicht sofort mit einer Amputation der Brust zu rechnen. Es bietet sich ihnen in den meisten Fällen die Möglichkeit, ihre Brust zu erhalten und nach der Behandlung ein langes Leben zu führen.

Wer ist gefährdet?

Ein gewisses Risiko tragen wir alle. Bei welcher Frau das Risiko zur Wirklichkeit wird, weiß man nicht. Keine Frau muss zwangsläufig damit rechnen und keine Frau ist dagegen gefeit. Krebs gilt als Geschehen, zu dem mehrere zum Teil unbekannte Faktoren beitragen. Ein Faktor allein ist in keinem Fall schuld an Krebs.

Ob die Einnahme der Pille oder eine Hormonbehandlung in den Wechseljahren das Risiko für Brustkrebs erhöht, diskutieren die Experten noch immer kontrovers. Jedoch schließt ein früherer Brustkrebs, der sensibel auf Östrogene reagierte, eine Hormoneinnahme aus.

Faktoren, die Ihr Risiko erhöhen

Geringe Risikofaktoren:

  • erste Periode vor dem Alter von elf Jahren
  • Menopause nach dem 55. Lebensjahr
  • Kaukasier (hellhäutige Menschen)
  • mäßiger Alkoholgenuss
  • Östrogen-Ersatztherapie über mehr als 15 Jahre

Mäßige Risikofaktoren:

  • Brustkrebsfälle in der direkten Verwandtschaft (Mutter, Schwester, Tochter)
  • persönliche Erkrankung an Eierstock- oder Gebärmutterkrebs
  • erste (vollständige) Schwangerschaft nach dem 30. Lebensjahr
  • Sie haben nie ein (lebensfähiges) Kind geboren
  • Übergewicht (40 % oder mehr über dem Idealgewicht)
  • Sie haben die Menopause hinter sich
  • Sie gehören zu den oberen sozio-ökonomischen Schichten

Hohe Risikofaktoren:

  • höheres Alter
  • Vorerkrankung an Brustkrebs
  • familiäre Vorgeschichte mit einem prämenopausalen beidseitigen Brustkrebs oder einem familiären Krebssyndrom
  • Brust-Biopsie zeigt lobuläre Karzinome in situ oder atypische Milchgangzellen

Wie das Alter Ihr Risiko beeinflusst

Ihr Risiko an Brustkrebs zu erkranken steigt mit dem Alter, wie die folgende Tabelle zeigt:

30 – 1 : 2.52560 – 1 : 24
40 – 1 : 21770 – 1 : 14
50 – 1 : 5080 – 1 : 10

Hormon-Ersatztherapie vs. Brustkrebsrisiko

Neue Berichte, die bestimmte Behandlungen (meistens die Hormon-Ersatztherapie mit Östrogenen) mit Brustkrebs in Verbindung bringen, halten Frauen von der Einnahme dieser Medikamente ab. Trotzdem zeigten einige Studien, dass die Hormon-Ersatztherapie die Beschwerden der Wechseljahre lindert, Osteoporose verhindert und das Darmkrebsrisiko senken kann.

Wenn Sie sich zu einer Hormon-Ersatztherapie entscheiden, wie sehr erhöht sich das Risiko für Brustkrebs? Um eine nüchterne Sicht der Dinge zu ermöglichen, vergleichen Sie Ihr Grundrisiko mit dem erhöhten Risiko. So lassen manche Studien zum Beispiel vermuten, dass die Einnahme von Östrogen/Progesteron das Krebsrisiko bei Frauen um 30 Prozent erhöht. Wenn Ihr Grundrisiko 4 Prozent beträgt und Sie solche Hormone einnehmen, steigt Ihr Risiko auf 5,2 Prozent (4% + 30% von 4%). Der Entscheidung für oder gegen eine Hormon-Ersatztherapie sollte Ihr Risikoprofil zugrunde liegen. Es ist immer eine gute Idee, mit Ihrem Arzt darüber zu sprechen.

Rolle von genetischen Tests bleibt umstritten

Frauen mit Mutationen in zwei Genen (Brustkrebsgen 1 und 2; BRCA 1 und 2) rechnen mit einem 57 bis 87 Prozent höheren Brustkrebsrisiko. Laut dem deutschen Krebsinformationsdienst führt man insgesamt etwa 5 bis 10 Prozent aller Brustkrebserkrankungen auf ererbte Genveränderungen zurück. Es existieren Bluttests zur Identifikation dieser Gene. Der Wert dieser Tests ist umstritten, da sowohl falsch-negative als auch falsch-positive Ergebnisse möglich sind. Das bedeutet, dass man die einen Menschen unnötig beunruhigt und andere in falscher Sicherheit wiegt.

Die Ärzte der Mayo Clinic empfehlen, dass lediglich Frauen mit familiärer Vorbelastung und einem erblichen Risiko einen genetischen Test in Erwägung ziehen sollten.

Jede kann es treffen!

Es keine absolute Sicherheit, auch wenn keine der Risikofaktoren auf Sie zutreffen. Jede Frau kann an Brustkrebs erkranken. Die Deutsche Krebshilfe geht davon aus, dass 75 Prozent aller Brusttumore bei Frauen ohne Risikofaktoren auftreten. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, um Ihr individuelles Risiko zu erkennen.

Weniger als 1 Prozent der Mammakarzinome entfallen auf das männliche Geschlecht. Die Prognose ist allerdings bei Männern deutlicher schlechter als bei Frauen. Aus diesem Grund müssen auch Männer auf die Symptome achten und sie sofort Ihrem Arzt mitteilen.

Alkohol steigert das Risiko

Die medizinische Fachwelt diskutiert kontrovers die Frage, ob Alkoholkonsum die Gefahr für Brustkrebs erhöht oder nicht. Es existieren bereits über 50 Studien zu diesem Thema. Jetzt nahm sich das große Projekt „Diet and Cancer” vor, alle verstreuten Studien zusammenzufassen, die sich mit den Beziehungen zwischen Lebensstil und Brustkrebsrisiko befassen. Die Studien führte man in den Niederlanden, Schweden, Kanada und den USA durch. Sie erfassten über elf Jahre lang mehr als 300.000 Frauen, darunter 4.335 Patientinnen mit invasivem Brustkrebs. Alle Frauen erhielten einen Ernährungs-Fragenkatalog, in dem man sie auch nach ihren Trinkgewohnheiten fragte: Wein oder Schnaps.

Laut der angesehenen amerikanischen Ärztezeitschrift JAMA stellte sich heraus, dass das Brustkrebsrisiko linear mit der Menge des täglich genossenen Alkohols anstieg. Für Frauen, die im Schnitt täglich 30 bis 60 Gramm Alkohol (2-4 Flaschen Bier oder 2-5 Gläser Wein) zu sich nehmen, ist das Risiko anderthalb mal so hoch wie für Frauen, die weniger oder keinen Alkohol trinken. Das tägliche Rotwein-Erlebnis soll sich ja günstig auf das Herz auswirken. Doch inzwischen mehren sich die Studien, die das Gegenteil aufzeigen. Aus diesem Grund empfiehlt sich für Frauen doppelt, sparsam mit der Droge Alkohol umzugehen. Lieber weniger und dafür bewusst genießen!

Brustkrebs durch Kunstlicht?

Möglicherweise trägt zu viel Kunstlicht zur Entstehung von Brustkrebs bei. Wie das Deutsche Grüne Kreuz berichtet, gehen amerikanische und finnische Wissenschaftler aktuell dieser Frage nach. Experten halten es für möglich, dass Kunstlicht die nächtliche Produktion des Hormons Melatonin bremst und dass dadurch im Körper der Frau zu viele Östrogene entstehen. Das wiederum begünstigt die Entstehung von Brustkrebs begünstigen. Verschiedene Faktoren setzten sich zu einem Puzzle zusammen, das die Forscher auf diese Vermutung brachte. Es ist nachgewiesen, dass blinde Frauen statistisch seltener Brustkrebs entwickeln als sehende, sie liegen 60 Prozent unter dem Durchschnitt. Verglichen mit den Entwicklungsländern kommt Brustkrebs in Europa und den USA fünfmal häufiger vor.

Schlaflosigkeit, Nachtarbeit und möglicherweise elektrisches Licht mindern die Bildung von Melatonin, genauso wie der Jetlag (Schlafstörungen infolge der Zeitverschiebung zwischen den Kontinenten). Stewardessen, die ständig zwischen den Zeitzonen hin- und herpendeln und auf diese Weise chronisch ihre Schlafzeiten wechseln, überdies zur Wachzeit viel dem Kunstlicht ausgesetzt sind, erkranken doppelt so häufig an Brustkrebs wie andere Frauen. Allerdings handelt es sich bei dieser Schlussfolgerung vorerst um eine Vermutung, die noch nicht durch große Studien erhärtet ist. Die Wissenschaftler sehen aber im Zusammenhang dieser einzelnen Faktoren Hinweise auf ein Risiko, wenn man die Nacht zum Tage macht.

Jod als Wächter der Brustdrüse

Möglicherweise erhöht des Weiteren ein Jodmangel das Risiko für Brustkrebs bei Frauen. So weist die Deutsche Gesellschaft für Ernährung darauf hin, dass Brustkrebs häufiger Frauen mit langjährigem Jodmangel trifft. Die mexikanischen Neurobiologinnen Dr. Carmen Aceves und Dr. Brenda Anguiano bezeichneten das Spurenelement in ihrer 2005 veröffentlichten Studie sogar als „Wächter der Brustdrüse“.

Professor Dr. Roland Gärtner arbeitet als Hormonspezialist an der Universität München. Er erklärt die Schutzwirkung des Jods mit seinen antioxidativen Eigenschaften in Bezug auf Drüsengewebe, die die Zellen vor bösartigen Veränderungen bewahren.

Ballaststoffe schützen vor Brustkrebs

Dass Ballaststoffe einen guten Schutz vor Darmkrebs bieten, ist eine anerkannte Tatsache. Nun fanden britische Forscher der Universität Leeds heraus, dass die Faserstoffe aus Obst, Gemüse und Vollkornprodukten darüber hinaus das Brustkrebsrisiko senken.

Für die 2007 im International Journal of Epidemiology veröffentlichte Studie werteten Wissenschaftler die Ernährungsdaten von 35.000 Frauen zwischen 35 und 69 Jahren aus. Die Beobachtungszeit betrug sieben Jahre. Diejenigen, die täglich mehr als 30 g Ballaststoffe zu sich nahmen, erkrankten halb so häufig an Brustkrebs wie Frauen, die lediglich auf 20 g oder weniger kamen. Die Forscher vermuten, dass die Ballaststoffe einen positiven Einfluss auf den Hormonhaushalt der Frauen (vor allem auf den Östrogenspiegel) haben. Um auf die 30 g Ballaststoffe zu kommen, sollten Sie am besten auf Vollkornprodukte umsteigen und täglich fünf Portionen Obst und Gemüse sowie eine Portion Müsli essen.

Geringeres Risiko durch Olivenöl-Säure

Die im Olivenöl enthaltene Säure soll dafür verantwortlich sein, dass sich das Risiko einer Krebserkrankung verringert. Labortests mit Brustkrebszellen wiesen nach, dass die Ölsäure die Werte des Gens mit dem Namen Her-2/neu verminderte, das man bei mehr als einem Fünftel der Brustkrebs-Patientinnen findet. Dieses Gen geht mit sehr aggressiven Tumoren und schlechten Heilungschanceneinher.

Die Ölsäure unterdrückte nicht nur die Aktivität des Gens, sondern verbesserte die Wirksamkeit von Brustkrebs-Medikamenten. Für die Wissenschaftler der Nordwestern-Universität unter der Leitung von Javier Menendez bestätigt ihre Untersuchung, dass die mediterrane Ernährung eine schützende Wirkung gegen Krebs, Herz-Erkrankungen und Alterserscheinungen hat.

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