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Brustkrebs: Welche Therapie ist am sinnvollsten?

Vor Jahren bestand die Standardtherapie für jede Art von lokalem, invasivem Brustkrebs in vielen Fällen in einer radikalen Mastektomie. Dabei entfernten die Ärzte die gesamte Brust zusammen mit vielen Lymphknoten und unter Umständen Haut und Muskeln.

Neue Behandlungsmöglichkeiten

Wie wächst Brustkrebs, wo kommt er her und wann tritt er wieder auf? Auf diese Fragen findet die Wissenschaft immer genauere Antworten. Das Wissen um den Brustkrebs führte zu einer Reihe neuer Therapieoptionen für die Brust und den ganzen Körper, mit denen man bestimmte Krebsformen bekämpft.

Die individuelle Anpassung der Krebstherapie spielt eine große Rolle bei den Fortschritten im Umgang mit Brustkrebs. Obwohl sie zu besseren Behandlungsergebnissen führte, verkomplizierte sich des Weiteren der Entscheidungsprozess für das jeweils richtige Vorgehen. Brustkrebs gilt in Deutschland als häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Jedes Jahr gibt es etwa 46.000 Neuerkrankungen. Bei Frauen zwischen dem 35. und 55. Lebensjahr stellt Brustkrebs die häufigste Todesursache dar. Erfreulicherweise ging die Sterblichkeit in den letzten 20 Jahren deutlich zurück.

Indikatoren bestimmen die Therapie

Findet ein Arzt einen verdächtigen Knoten in der Brust, beginnt ein diagnostischer Prozess. Dabei bestimmt man, ob der Knoten eine bösartige Geschwulst darstellt und zu welcher Art von Brusttumor er gehört. Diese Untersuchungen stellen die ersten Schritte in Richtung einer individuellen Krebsbehandlung dar. Dabei untersucht man folgende Faktoren:

  • Krebstyp – Die Hauptfrage ist, ob der Krebs nicht-invasiv (in situ) ist. So können die Zellen entartet sein, aber nicht in andere Gewebe eindringen. Nicht-invasive Zellen sind lokal begrenzt und breiten sich nicht aus. Darüber hinaus kann der Arzt dem Tumor einen Grad zuweisen („Grading“), der Aussehen und Aggressivität der Krebszellen beschreibt
  • Stadium des Tumors – Tests zur Zuordnung des Krebsstadiums dienen der Bestimmung von Größe und Lokalisation des Tumors. Sie zeigen des Weiteren, ob die Tumorzellen bereits Lymphknoten oder andere Organe befallen haben
  • zusätzliche Indikatoren – Zwei weibliche Hormone, Östrogen und Progesteron, beeinflussen das Wachstum der Brusttumore. Ein Standardtest überprüft das Vorkommen von Hormonrezeptoren auf den Krebszellen, die eine Bindung von Östrogen oder Progesteron erlauben und das Wachstum der Krebszellen fördern können. Diese Rezeptoren sind aus diesem Grund ein wichtiges Ziel für eine hormonelle Therapie zur Abtötung der Krebszellen.

Andere Tests suchen nach einer Überexpression eines besonderen Eiweißes, dem Humanen-Epidermalen-Wachstumsfaktor-Rezeptor (HER-2). Im Normalfall stimulieren Substanzen, die an diesen Rezeptor binden, das Zellwachstum. Wenn zu viele dieser Rezeptoren vorhanden sind, ist die Wahrscheinlichkeit der Ausbreitung von Krebszellen viel höher.

Osteoporose-Medikament wirkt bei Brustkrebs

Fast 30 Jahre lang spielte der Wirkstoff Tamoxifen für bestimmte Frauen eine Hauptrolle bei der Prävention und Therapie von Brustkrebs. Eine neuere Studie zeigte, dass ein ähnlicher Wirkstoff (Raloxifen, Evista®), der bislang für die Behandlung der Osteoporose zugelassen ist, genauso wirksam für die Brustkrebsprävention bei postmenopausalen Frauen mit hohem Erkrankungsrisiko ist.

Gleichzeitig weist Raloxifen weniger schwere Nebenwirkungen auf. Die Studie erschien im Juni 2006 im Journal of the American Medical Association. Sie zeigte, dass Raloxifen das Risiko für invasiven Brustkrebs um die Hälfte reduzierte. Das entspricht der positiven Wirkung von Tamoxifen. Raloxifen war jedoch weniger wirksam bei der Risikoverminderung für nichtinvasiven Brustkrebs.

Raloxifen vs. Tamoxifen

Der Hauptnachteil von Tamoxifen besteht in den möglichen Nebenwirkungen. Dazu gehören ein größeres Risiko für die Entstehung von Blutgerinnseln in Hauptvenen oder Lungen sowie ein gesteigertes Risiko für die Bildung von Katarakten (Linsentrübung) oder Gebärmutterproblemen, einschließlich Gebärmutterkrebs. In dieser Hinsicht erwies sich Raloxifen als überlegen: Mit einem 30 Prozent niedrigerem Risiko für Blutgerinnsel, einem 14 Prozent geringerem Risiko für Katarakte sowie einem leicht verminderten Risiko für Gebärmutterkrebs. Darüber hinaus kam es seltener zu nicht-krebsartigen Problemen der Gebärmutter, sodass man diese nur halb so oft bei der Raloxifen-Gruppe operativ entfernte.

Raloxifen und Tamoxifen scheinen grundsätzlich gleichwertig in Bezug auf die Osteoporoseprävention zu sein. Die Ärzte der Mayo Clinic erklären, dass bei Raloxifen-Gabe seltener Nebenwirkungen auftreten als bei Tamoxifen. Der Wirkstoff stellt eine echte Alternative bei der Brustkrebsprävention dar, wenn es um postmenopausale Frauen mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko geht. Bei der Verringerung des Wiederauftrittsrisikos von Brustkrebs besteht die offizielle Empfehlung darin, einen der beiden Wirkstoffe über fünf Jahre einzunehmen.

Verbesserte Langzeitprognose nach Brustkrebs

Die Ergebnisse einer neuen Studie deuten darauf hin, dass der Wirkstoff Letrozol bei Brustkrebspatientinnen, die eine Therapie mit dem Wirkstoff Tamoxifen abgeschlossen haben, möglicherweise eine Wiederkehr des Krebses (Rezidiv) verhindert. Die Forscher führten die Untersuchung mit über 5000 Frauen durch, bei denen man nach den Wechseljahren Brustkrebs im Frühstadium diagnostizierte und behandelte. Sie erschien in der medizinischen Fachzeitschrift New England Journal of Medicine (Ausgabe vom 6. November 2003).

Die Frauen nahmen als Nachbehandlung des Brustkrebses über einen Zeitraum von 5 Jahren Tamoxifen ein. Der Wirkstoff Tamoxifen bezeichnet ein weit verbreitetes Medikament, das die Wiederkehr von Brustkrebs bei Frauen nach den Wechseljahren verhindert. Es macht allerdings keinen Sinn, Tamoxifen länger als fünf Jahre einzunehmen. Die Tumore sind möglicherweise dann dagegen resistent. Die Teilnehmerinnen teilte man nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen ein. Eine Gruppe nahm für einen weiteren Zeitraum von fünf Jahren Letrozol ein, die andere stattdessen ein Placebo (Medikament ohne Wirkstoff). Nach etwa 2,5 Jahren war das Risiko eines Rezidivs bei der Letrozolgruppe um 43 Prozent gesunken.

Letrozol nach Tamoxifen

Aufgrund dieser Ergebnisse brach man die Studie ab, sodass von da an alle beteiligten Frauen die Möglichkeit für eine Behandlung mit Letrozol bekamen. Die Wissenschaftler empfehlen, nach einer fünfjährigen Behandlung der Brustkrebspatientinnen mit Tamoxifen zu erwägen, eine Letrozoltherapie anzuschließen. Auf diese Weise verhindert man die Wiederkehr des Brustkrebses.

Letrozol greift in den Östrogenhaushalt ein und verringert die Fähigkeit des Enzyms Aromatase, Östrogen herzustellen. Östrogen bezeichnet ein Hormon, welches das Wachstum von vielen Brustkrebsarten anregt. Eine unerwünschte Nebenwirkung von Letrozol ist die Verringerung der Knochendichte. Die Ärzte der Mayo Clinic empfehlen daher Frauen während der Einnahme von Letrozol regelmäßige Osteoporosevorsorgeuntersuchungen. Da man die Studie aufgrund des um 43 Prozent besseren Therapieerfolges vorzeitig beendete, können die Ärzte nicht abschätzen, wie lange eine Frau von der Einnahme des Letrozols profitieret oder ob die Langzeiteinnahme weitere Gesundheitsrisiken birgt.

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