Brust: Brüste haben Symbolwert
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Die Brüste sind ein ganz besonderer Organbereich, auf den sich Hoffnungen, Selbst- und Fremdwertungen, Frustrationen, Ängste und Verletzbarkeit des weiblichen Geschlechts konzentrieren. Viele Frauen müssen erst lernen, ihre Brüste zu akzeptieren, wie sie sind.
Die einzigen Organe, deren Wachstum jedes Mädchen bewußt verfolgt, sind die Brüste. Doch nicht nur die Teenies selbst achten darauf, wie sich ihr Busen entwickelt und welche Form er bekommt (rund, spitz, flach, üppig, apfeloder birnenförmig?). Auch die Umgebung zeigt sich an der Entfaltung ihrer Oberkörperformen höchst interessiert. Eltern und Geschwister kommentieren sie, Gleichaltrige stellen Vergleiche an, fremde Jungen und Männer werfen begehrliche oder abschätzige Blicke auf das, was sich unter dem T-Shirt abzeichnet.
Von Anfang an ist das Private sehr öffentlich, und jede Heranwachsende und sogar noch die erwachsene Frau muß lernen, mit der auf ihre Brüste gerichteten Aufmerksamkeit (oft auch mit dem „Busengrabschen“) umzugehen. Diese Organe, scheint es, gehören nicht nur ihr, sondern allen, und alle haben eine Meinung dazu. Das verunsichert viele Mädchen – häufig so sehr, daß sie ihre Brüste am liebsten unsichtbar machen würden. Statt Stolz und Freude über die neuen Attribute ihres gesunden weiblichen Körpers empfinden sie dann Scham und Unbehagen. Vorbilder „perfekter“ Brüste, die ihnen aus allen Medien entgegenstarren, unterwandern ihr Selbstbewußtsein, sollten ihre eigenen Formen davon (etwas) abweichen.
Weibliche Brüste dürfen nicht einfach so sein, wie sie sind, sondern werden öffentlichen Vergleichen ausgesetzt, kritisiert die Bad Wildunger Gynäkologin und Chefärztin für Psychosomatik Dr. med. Ingrid Olbricht. Probleme mit dem Körper-Selbstbild sind damit programmiert – spätestens beim Älterwerden. Die wenigsten Frauenhaben ihr Leben lang ein wirklich unbefangenes, unbelastetes Verhältnis zu ihrer Brust. Mit ihrer äußeren Form steht und fällt oft das weibliche Selbstwertgefühl.
Brüste haben einen Symbolwert
Außerdem sind die Brüste mit Symbolik beladen. Ihre Rundungen repräsentieren Weiblichkeit an sich, auch Attraktivität, Erotik, Sexualität, Mütterlichkeit, das Nährende, Gebende, Geborgenheit und Wärme Spendende – oder eben, falls die Brustform den Ansprüchen nicht genügt, den Mangel an alledem. Frauen können nicht beschließen, die Symbolträchtigkeit ihrer
Brüste einfach zu ignorieren. In psychologischer Hinsicht, darüber sind sich Brust-Expertinnen aus Medizin und Wissenschaft einig, bedeutet das: Frauen, die mit ihren Brüsten unzufrieden sind und/oder deren Partner ihnen das Gefühl geben, in diesem Punkt unattraktiv oder „keine richtige Frau“ zu sein, können in ihrem gesamten Selbstwertgefühl erschüttert werden. Andere Frauen, die wissen, dass ihre Brüste für den Partner eine immense Bedeutung haben, empfinden neben dem Stolz oft auch die Furcht, darauf reduziert zu werden.
So kann der Busen im inneren Selbstbild überwertig werden. Neben ihm weichen andere Aspekte des Aussehens, selbst Charakter- und Wesenszüge, Fähigkeiten und Talente der Frau zurück. Die Praxen der Plastischen Chirurginnen und Chirurgen füllen sich mit Frauen, die in einer Operation Abhilfe für ihr seelisches (sehr oft von außen eingeredetes) Brust-Problem suchen. Tatsächlich aber würde ihnen nur eines wirklich helfen: ihre Brüste rundum so zu akzeptieren und lieben zu lernen, wie sie sind.
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