MenüMenü

Mindesthaltbarkeitsdatum: Was Sie schon immer wissen wollten

Die Zahlen sind erschreckend: Eine Untersuchung des WWF hat im Jahr 2015 gezeigt, dass in Deutschland etwa 313 Kilogramm Lebensmittel pro Sekunde weggeworfen werden. Etwa 40 Prozent der Abfälle fallen alleine in Privathaushalten an. Grund: Viele Menschen schmeißen ein Lebensmittel weg, weil dessen Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) überschritten ist.

Dieser Ressourcen- und Geldverschwendung sollten Sie den Garaus machen: Ein abgelaufenes MHD bedeutet nicht, dass Sie ein Produkt nicht mehr verzehren dürfen. Es bedeutet lediglich, dass ein Lebensmittel bis dahin einen Top-Zustand aufweisen muss, also die optimale Konsistenz und den vollen Geschmack. Konsumieren lässt sich das Produkt problemlos aber auch ein paar Tage später. Und in der Regel schmeckt es dann noch und ist alles andere als ungesund.

Der richtige Umgang mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hatte 2012 in einer Studie festgestellt, dass jedes achte Lebensmittel, das wir einkaufen, in der Mülltonne landet; die meisten noch in Originalverpackung. Pro Kopf und Jahr sind das etwa zwei volle Einkaufswagen mit Lebensmitteln im Wert von 235 Euro, die wir wegwerfen. Am häufigsten im Müll landen laut Studie Obst und Gemüse (44 Prozent), Backwaren (15 Prozent), Speisereste (12 Prozent) und Milchprodukte (8 Prozent).

Lebensmittel, die Sie einkaufen, sind unterschiedlich lange haltbar. Bei verpackten Lebensmitteln informiert Sie das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) darüber, wie lange das Lebensmittel mindestens einwandfrei sein wird. Das Mindesthaltbarkeitsdatum wird von den Herstellern festgelegt. Viele Lebensmittel können sie auch nach Ablauf des MHD noch genießen. Die „Garantie“ der Hersteller ist dann aber abgelaufen ist. Das heißt, jetzt müssen Sie als Verbraucher selbst prüfen, ob das Produkt noch nicht verdorben ist.

Prüfen Sie die Unversehrtheit eines Produktes

Das Produkt sollte nicht geöffnet und immer korrekt gelagert sein. Stoßen Sie im Supermarkt auf ein Lebensmittel, dessen MHD noch nicht abgelaufen ist, das aber geöffnet oder feucht ist, dann lassen Sie besser die Finger davon. Denn dann ist es möglicherweise nicht mehr genießbar.

Übrigens: Ist ein MHD überschritten, so darf das Lebensmittel dennoch verkauft werden. Es muss im Geschäft also nicht aus dem Regal geräumt werden. Die Supermarkt-Mitarbeiter müssen sich jedoch davon überzeugen, dass die Ware in einem einwandfreien Zustand ist.

So erkennen Sie verdorbene Lebensmittel

Achten Sie auf diese Veränderungen und setzen Sie auf Ihrennatürlichen Sinne: Sehen, Riechen, Schmecken:

  • untypischer Geruch
  • Veränderungen in Farbe und Konsistenz
  • Schimmel

All diese Veränderungen sind Anzeichen dafür, dass Sie ein Lebensmittel besser entsorgen. Anders ist das bei dem Verbrauchsdatum. Sie finden es auf Lebensmitteln, die in mikrobiologischer Hinsicht leicht verderblich sind, wie etwa Hackfleisch oder geräucherter Lachs. Diese Lebensmittel sollten Sie nach Ablauf des Datums nicht mehr essen.

Schimmel auf Lebensmittel© Adobe Stock

Mindesthaltbarkeit ist knapp bemessen

Warum Sie ein MHD nicht auf den Tag genau nehmen müssen, zeigt auch dessen Zustandekommen: Lebensmittelhersteller dürfen die Fristen vollkommen frei wählen. Es gibt keine rechtlichen Regelungen. Wie kommt es also zu dem Datum? Hersteller lagern ihre Produkte und beobachten selbst, wann erste Konsistenzveränderungen einsetzen. Ob dabei immer exakt gearbeitet wird, ist fraglich. Sie sollten wissen: Die Industrie hat ein wirtschaftliches Interesse daran, dass Sie ein Produkt möglichst häufig kaufen. Deshalb ist das MHD meist knapp bemessen.

Das kann sogar wissenschaftlich bestätigt werden: Im Rahmen einer Studie der Fachhochschule Münster aus dem Jahr 2012 wurden insgesamt 44 Experten aus der Lebensmittelbranche anonym befragt. Das Ergebnis: Lebensmittelhersteller zeichnen ihre Produkte teilweise mit einem kürzeren MHD aus, als es die eigenen Versuche ergeben haben. Als Grund wird angegeben, dass die Kunden die Produkte häufig falsch lagern. Aber eben auch, dass beispielsweise saisonale Produkte schneller abverkauft werden sollen.

Tipp: Vertrauen Sie auf Ihre Sinne

Nehmen Sie das MHD also nicht als ein in Stein gemeißeltes Gesetz, wenn Sie wieder einmal in der Küche stehen und sich fragen „Ist das noch genießbar?“ Vertrauen Sie vielmehr auf Ihre Sinne: Riechen Sie an einem Lebensmittel, schauen Sie sich dessen Konsistenz sehr genau an. Schmecken Sie eine Löffelspitze beispielsweise von einem Joghurt. Sagen Ihnen Ihre Sinne: Das möchte ich eigentlich nicht mehr essen, dann ab damit in die Tonne!

Die Natur hat uns sehr gut mit Instinkten ausgestattet, die uns davor bewahren, schlechte Nahrungsmittel aufzunehmen. Diese sollten Sie ganz bewusst einsetzen. Darüber hinaus gibt es weitere Warnhinweise, die Ihnen sagen „Das muss weg!“.

So erkennen Sie die Warnhinweise

  • Deckel von lose gekauften Feinkostsalaten wölbt sich: Das darin enthaltene Gemüse und Obst beginnt zu gären. Grundsätzlich könnten Sie den Salat noch essen, wahrscheinlich schmeckt er aber nicht mehr. Verzehren Sie Feinkostsalate am besten immer zügig nach dem Kauf. Meiden Sie mehrtägige Lagerungszeiten.
  • Schimmelstellen bilden sich am Brot: Werfen Sie das Lebensmittel komplett weg. Schimmelpilze produzieren Zellfäden, die das Brot durchziehen und mitunter Gifte bilden. Das können Sie mit dem bloßen Auge nicht erkennen. Die Gifte jedoch können gesundheitsschädlich sein.
  • Schimmel an flüssigkeitshaltigen Lebensmitteln: Ob Schimmelstellen an Obst, Gemüse, Saft, Suppen, Soßen, Konfitüren, Frischkäse, Pudding, Joghurt oder Kompott, auch hier heißt es: Das Lebensmittel gehört komplett in den Müll. Denn über die Flüssigkeit verteilen sich Schimmelpilze, auch das sehen Sie mit dem bloßen Auge nicht.

Häufig gestellte Fragen zum Thema MHD

1. Was sagt das Mindesthaltbarkeitsdatum eigentlich aus?

Auf allen verpackten Lebensmitteln finden Sie ein Mindesthaltbarkeitsdatum. Das ist gesetzlich so vorgeschrieben. Es gibt an, bis wann das ungeöffnete Lebensmittel bei richtiger Lagerung seine spezifischen Eigenschaften mindestens behält.

Hierzu zählen nicht nur die einwandfreie mikrobiologische Beschaffenheit (Keimbelastung), sondern auch Farbe, Geruch, Geschmack und Nährwerte. Sie finden es auf der Verpackung mit der Angabe „mindestens haltbar bis …“. Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist also kein „Verfallsdatum“ oder „Ablaufdatum“. Es ist eine Art Garantie des Herstellers für Produkteigenschaften bis zum angegebenen Zeitpunkt.

2. Wie wird das Mindesthaltbarkeitsdatum angegeben?

Die Hersteller müssen das Mindesthaltbarkeitsdatum mit den Worten „mindestens haltbar bis …“ nennen. Dann folgen Tag, Monat und Jahr. Je nach Dauer der Haltbarkeit können jedoch Datumsbestandteile entfallen:

Haltbarkeit

Angabe

Beispiele

bis 3 Monate

Jahr kann entfallen

„mindestens haltbar bis

Tag/Monat“

Milchprodukte, Brot/

Brötchen

> 3 Monate

Tag kann entfallen

„mindestens haltbar bis

Ende Monat/Jahr“

Mehl, Reis, Nudeln,

Saucen, Öle, Säfte

> 18 Monate

Tag und Monat können

entfallen, „mindestens

haltbar bis Ende Jahr“

Konserven, Konfitüre,

Gewürze, Mineralwasser

3. Auf welche zusätzlichen Angaben muss ich achten?

Bei einigen Lebensmitteln sind spezielle Lagerungsbedingungen erforderlich, um die Haltbarkeit zu gewährleisten (z. B. die Temperatur). Auf der Verpackung finden Sie dann in Verbindung mit der Datumsangabe einen entsprechenden Hinweis:

  • „bei +5°C mindestens haltbar bis …“ oder
  • „Kühl und trocken lagern. Mindestens haltbar bis …“

4. Kann ich Lebensmittel essen, bei denen das MHD abgelaufen ist?

Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist eine Art Garantie. Viele Hersteller gehen hier auf „Nummer Sicher“. Das heißt sie arbeiten mit „Sicherheitszuschlägen“, um das Versprechen des Mindesthaltbarkeitsdatums auch ganz sicher zu erfüllen.

Das ist auch ein Grund, warum viele Lebensmittel auch nach Ablauf des angegebenen Datums noch genießbar sind. Weil dann aber die „Garantie“ des Herstellers abgelaufen ist, müssen Sie als Verbraucher selbst die Lebensmittel prüfen.

5. Dürfen Lebensmittel mit abgelaufenem MHD verkauft werden?

Lebensmittel dürfen auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums

weiter verkauft werden. Der Verkäufer stellt durch Stichproben sicher, dass das Produkt noch genießbar ist.

6. Was steckt hinter dem Verbrauchsdatum?

Bei mikrobiologisch besonders leicht verderblichen Lebensmitteln finden Sie statt des Mindesthaltbarkeitsdatums ein Verbrauchsdatum. Dies ist beispielsweise erforderlich bei rohem, zerkleinertem Fleisch wie Hackfleisch, Geschnetzeltem oder rohen Würsten sowie bei Geflügel.

Bei diesen Lebensmitteln müssen Sie unbedingt die angegeben Lagerungsbedingungen (Kühltemperaturen) einhalten. Ausgewiesen wird das Verbrauchsdatum mit den Worten „verbrauchen bis …“ Ist das Verbrauchsdatum abgelaufen, sollten Sie das Lebensmittel nicht mehr verzehren, da es gesundheitsschädlich sein kann. Außerdem darf Ware mit abgelaufenem Verbrauchsdatum nicht mehr verkauft werden.

7. Gibt es Lebensmittel, die kein Mindesthaltbarkeitsdatum benötigen?

Ein Mindesthaltbarkeitsdatum istgesetzlich nicht erforderlich bei folgenden Produkten:

  • frisches Obst und Gemüse (einschließlich Kartoffeln), das nicht geschält, geschnitten oder auf ähnliche Weise behandelt wurde
  • Wein, Likörwein, Schaumwein, aromatisierter Wein und ähnliche Erzeugnisse
  • alkoholische Getränke (mind. 10 Vol. % Alkohol)
  • Backwaren, die üblicherweise innerhalb von 24 Stunden verzehrt werden
  • Essig
  • Speisesalz
  • Zucker in fester Form
  • Zuckerwaren, die fast nur aus Zuckerarten mit Aromastoffen und/oder Farbstoffen bestehen
  • Kaugummi und ähnliche Erzeugnisse zum Kauen
© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Astrid Schobert
Über den Autor Astrid Schobert

Ehemalige Chefredakteurin von „Ernährungstipps“ Astrid Schobert ist unsere Ernährungsexpertin. Sie hat in Bonn Oecotrophologie studiert und arbeitet, nach langjähriger Erfahrung […]

Regelmäßig Informationen über Ernährung erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Astrid Schobert. Über 344.000 Leser können nicht irren.

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht an Dritte weitergegeben!