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Gesundheitsrisiko Haarefärben: Natur vs. Chemie

Gerade im Frühjahr wünschen sich viele Frauen etwas mehr farbliche Glanzlichter ins Haar. Doch wenn es ums Färben geht, kämpft die Eitelkeit mit der Vernunft: Natürliche Mittel färben oft nicht stark genug, überdecken das erste Grau nicht und was wirklich deckt, sind chemische Substanzen. Diese sind zwar vom Vorwurf der Gesundheitsschädigung inzwischen frei gesprochen, aber gesundheitlich günstig sind sie deswegen garantiert noch nicht.

Haarfärbung© Adobe Stock – Anastasia

Chemische Färbungen wirken stärker

Haarefärben ist in der letzten Zeit in allen Altersstufen und bei beiden Geschlechtern sehr in Mode. Nicht nur Strähnchen in allen Variationen, sondern vor allem rote Haarschöpfe leuchten überall. Bei den neuen Colorationen werden oft mehrere Töne bunt gemischt oder nur bestimmte Teile des Kopfes gefärbt, beispielsweise der Nacken. Etwa die Hälfte aller Frauen und ein wachsender Anteil der Männer färbt sich regelmäßig die Haare. Viele folgen damit ihrem Wunsch, frischer und jugendlicher auszusehen. Nicht wenige wollen die ersten grauen Haare aus dem allgemeinen Blickfeld verbannen.

Obwohl auch bei den Haarfarben die pflanzlichen Färbemittel im Trend liegen, greifen die meisten dennoch zu den chemischen Mitteln. Naturfarben ergeben zwar besonders sanfte Töne, schonen das Haar, den Organismus und die Umwelt, doch reicht das Färbeergebnis für den gewünschten Erfolg oft nicht aus. Chemische Färbungen haben den Vorteil, dass sich dem Haar jede mögliche Farbvariante aufzwingen lässt, das Ergebnis länger besser und mittlerweile auch nicht mehr so unnatürlich aussieht. Der Nachteil ist, dass einzelne Inhaltsstoffe der chemischen Färbemittel mit Allergien und sogar mit Krebs lange Zeit in Zusammenhang gebracht wurden.

Der Preis der Grau-Überdeckung

Damit stellt sich die Frage, wie hoch der Preis ist, den Sie bereit sind, für das farbige Haar zu zahlen. Bei der Beantwortung dieser Frage werden Sie ziemlich allein gelassen. Denn die Wissenschaft liefert Ihnen hier keine eindeutige Schützenhilfe. Und die lapidare Aufforderung, sich doch einfach die grauen Haare herauswachsen zu lassen, stammt meist aus dem Munde von Menschen, die selbst davon noch weit entfernt sind.

Im Prinzip bestimmt Ihre Vorstellung vom Farbergebnis, welches Mittel in Frage kommt. Wenn Sie nur die eigene Haarfarbe intensivieren oder einen leichten rötlichen oder bräunlichen Schimmer ins Haar bringen möchten, können Sie die Methode mit dem geringsten Risiko wählen. Das gilt sowohl für die gesundheitliche Unbedenklichkeit wie für das Farbergebnis. Wollen Sie kräftigere Farben, ist ein größerer Eingriff in Ihr Haar vonnöten.


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So schädlich sind künstliche Farben

Alle künstlichen Haarfarben (ob auswaschbar oder nicht) greifen Ihre Haare an. Denn damit sich die Farbpigmente im Haar einlagern können, muss zunächst die schützende Schuppenschicht jedes einzelnen Haars gelockert werden. Das geschieht meistens durch den Zusatz von Ammoniak. Unterstützt von einem Oxidationsmittel (Wasserstoffperoxyd) quellen die im Färbeprodukt enthaltenen Farbpigmente auf und lagern sich dauerhaft im Haar ein.

Intensivtönungen, die erst nach etwa 24 Haarwäschen verblassen, und dauerhafte Färbemittel verzichten auf Ammoniak und schleusen zunächst ein Bleichmittel (Wasserstoffperoxid in höheren Konzentrationen) durch die Schuppenschicht. Auswaschbare Tönungen enthalten nur Ammoniak und keine Bleichmittel. Daher legen sie sich auch nur wie ein Film um die Haare, dringen nicht dauerhaft ein und waschen sich nach sechs bis acht Haarwäschen wieder aus. Durch all diese chemischen Behandlungen leidet jedoch nicht nur die Gesundheit Ihres Haares, einige der Inhaltsstoffe können auch Gesundheitsschäden im ganzen Organismus verursachen.

Bei diesen Inhaltsstoffen besteht ein Allergierisiko

  • aromatische Amine (z. B. P-Phenylendiamin (PPD), P-Toluylendiamin, Toluene-2,5-Diamine, Aminophenole)
  • Resorcin
  • Formaldehydabspalter (z. B. DMDM Hydantoin)
  • Konservierungsstoffe (z. B. Parabene)
  • Duftstoffe (v. a. Moschusverbindungen)

Wenn Sie diese Stoffe bei den Inhaltsangaben finden, besteht die Gefahr, dass Sie mit einem heftig juckenden Ekzem der Kopfhaut sowie Gesichtsschwellungen auf die Farbe reagieren können. Auf den Stoff PPD sind immerhin 12 von 1.000 Bundesbürgern allergisch, wie die weltweit größte Datenbank für Kontaktallergien an der Universität Göttingen bekannt gegeben hat.

Aromatische Amine gehören bei vielen Haarfarben zu den Bausteinen der Farbstoffe. Seit den 1980er Jahren stehen diese Substanzen im Verdacht, krebserregend zu wirken. So konnten in den frühen 2000er Jahren beispielsweise einige Studien einen Zusammenhang zwischen Haarfärbungen und dem Auftreten von Blasenkrebs nachweisen. Darauf hat die Europäische Kommission in Brüssel reagiert und im Jahr 2006 22 chemische, damals in Haarfarben enthaltene Substanzen verboten. Andere, nicht minder schädliche Folgesubstanzen sind jedoch immer noch im Einsatz. Obwohl das Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin im Jahr 2009 Entwarnung gab, sind leider immer noch krebsverdächtige Substanzen wie Aminophenole in einigen Haarfarben enthalten.

Die Vorteile von Pflanzenhaarfarben

Die gesündeste Möglichkeit, die Haarfarbe zu verändern, bieten Pflanzenfarben. Dabei legen sich die natürlichen Farbpigmente um das Haar, kräftigen es und verleihen ihm durch die Stärkung der Schuppenschicht einen leuchtenden Glanz. Pflanzenfarben entstehen aus Kräutern, Rinden, Schalen, Zweigen, Blättern und Früchten. Sie erhalten solche Präparate unter anderem im Naturkosthandel. Sie sind frei von künstlichen Farb-, Konservierungs- und Duftstoffen, werden außerdem regelmäßig auf Rückstände von Pestiziden und Schwermetallen geprüft. Mit Naturfarben können Sie keine großen Farbexperimente machen. Dennoch lässt sich mit ihnen mehr erreichen als nur ein Öko-Henna gefärbter orangefarbener Schopf.


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Pflanzenfarben lagern sich wie Tönungen nur in den Randschichten der Haare ein, sind dafür aber haltbarer als diese. Da die Wirkung mit der Zeit allmählich verblasst, gibt es mit dem nachwachsenden Haaransatz wenig Probleme. Zudem pflegen die Pflanzenfarben das Haar, denn sie enthalten von Natur aus pflegende Bestandteile, die die Schuppenschicht des Haares durch eine Schutzschicht glätten, stärken und glänzen lassen. Schon Shampoos mit Pflanzenfarben bewirken bei langfristiger Anwendung schöne Reflexe im Haar. Blonde Haare bekommen mit Kamille, Zimt, Hopfen und Kurkuma einen goldenen Farbschimmer. Dunkle Haare mögen Shampoos mit Efeu, Sandelholz, Walnuss und Krappwurzel, sie intensivieren das Leuchten. Hennashampoo verleiht einen rötlichen Reflex.

Mit diesen Natursubstanzen färben Pflanzenfarben

  • Henna
  • Walnussschalen
  • Kurkuma
  • Johannisbeeren
  • Baumrinden
  • Rhabarberwurzel
  • Hibiskus
  • Kaffee

Aber Achtung: Nicht alles, was mit dem Wort „Natur“ wirbt, ist auch chemiefrei. Im Jahr 2010 hat die Zeitschrift Öko-Test 34 Pflanzenhaarfarben genau unter die Lupe genommen. 16 der untersuchten Produkte enthielten trotz Bezeichnungen wie „Natur“ oder „Henna“ unter anderem krebsverdächtige Aminophenole (3-Aminopheol, p-Aminophenol). Auch Formaldehyd-Abspalter, die häufig zu Kontaktallergien führen, fanden die Tester in den vermeintlichen Naturprodukten. Absolut natürlich und unbedenklich waren die Pflanzenpulver von Logona, Santé 100 % und Puravera (jeweils 100 mg Pulver ab 8 €, im Reformhaus oder Bioladen).

Wenn Sie rein natürliche Pflanzenfarben verwenden, tun Sie sowohl Ihrer Gesundheit als auch Ihren Haaren etwas Gutes. Achten Sie aber darauf, dass die Pflanzenfarbe das Gütesiegel „NaTrue“ oder „BDIH“ trägt, damit Sie ganz sicher sein können, ein reines Naturprodukt zu erwerben.

Färbung mit Einschränkungen

  • Bereits gefärbtes Haar nimmt die Pflanzenfarben nicht an.
  • Wenn Sie von Chemie auf Natur umsteigen wollen, müssen Sie erst die alte Kunstfarbe herauswachsen lassen.
  • Aufhellen und Grau überdecken ist nicht möglich.
  • Als Farben kommen nur Rot, Braun und Schwarz in Frage.
  • Durch die Schutzschicht, die Pflanzenfarben um das Haar legen, wird das Haar kräftiger und widersetzt sich meist erfolgreich einer neuen Dauerwelle.
  • Problematisch ist es mit trockenen Haarspitzen, da sie die Farbe stärker annehmen und das Haar dann scheckig wird.

Wie gut das Farbergebnis bei Naturprodukten wird, hängt auch von der Struktur, der Porösität und den Vorbehandlungen Ihrer Haare ab. Testen Sie die Farbe vorher am besten an einer einzelnen Strähne, wenn Sie unliebsame Überraschungen vermeiden wollen. Für Ungeduldige sind die Pflanzenfarben ohnehin nichts, denn sie müssen mindestens eine Dreiviertelstunde auf dem Kopf bleiben, besser noch länger. Je länger die Einwirkzeit, desto intensiver das Ergebnis. Oft müssen Sie die Prozedur mehrmals wiederholen, damit die Farbe so wird, wie Sie es sich wünschen.

Das Ganze ist nach Aussagen der Anwender oft auch eine „rechte Schweinerei“, da die Pflanzenbreie recht spröde sein können und sich schlecht im Haar verteilen lassen. Sind sie zu trocken, klumpen sie und haften nicht am Haar, sind sie zu feucht, tropfen sie vom Haar herunter und kleckern das Badezimmer voll. Einige Tropfen Pflanzenöl wie etwa Olivenöl sollen den Färbebrei geschmeidiger machen.

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Über den Autor Beate Rossbach

Dies ist das Profil von Beate Rossbach, Chefredakteurin von „Naturmedizin Aktuell“ und „Natur & Gesundheit“. Lesen Sie hier alles über sie:

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Alte Kommentare
  • Warmuth schrieb am 04.10.2014, 19:16 Uhr

    Kann ich nur jedem empfehlen, Finger weg lassen, war jahrelang beim Allergologen beschäftigt und die meisten Allergien haben Friseure durch die ganzen chemischen Mittel. Viele müssen ihren Beruf aufgeben.Wollen Sie das wirklich auf ihrem Haar und Kopfhaut haben? Es wird ja über diese auch aufgenommen und gelangt somit in den Körper, wo keiner so recht weiß was es da anrichtet.