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Fäden und Blitze: Wann Ihr Sehvermögen bedroht ist

Jeden Tag eröffnen sich Ihren Augen neue Ansichten. In der Flut dieser visuellen Informationen bemerkten Sie etwas, das wie kleine Flecken oder Bänder über die Oberfläche Ihres Auges zu schwimmen scheint. Das bezeichnet man als Mouches volantes (franz. fliegende Mücken), die sich innerhalb des Augapfels befinden.

In den meisten Fällen gelten diese vorübergehenden Fäden als harmlos und spiegeln altersbedingte Veränderungen wider. Doch das ist nicht immer der Fall und Sie sollten den Unterschied kennen. Das Wissen um die richtigen Warnsignale und wann ein Arztbesuch angebracht ist, kann Ihnen Ihr Augenlicht erhalten und eine Erblindung verhindern.

Das Auge ist mehr als eine Hohlkugel!

Nachdem das Licht Pupille und Linse passierte, die für Sehschärfe sorgt, nehmen es die lichtempfindlichen Sehzellen am hinteren Ende des Auges auf. Die Sehzellen gehören zur Netzhaut. Das scharfe Abbild projiziert sich auf die Macula, die sich im Mittelpunkt der Netzhaut befindet und viele Sehzellen enthält. Diese wandeln den Lichtreiz in elektrische Signale um. Der Körper schickt diese über den Sehnerv an das Gehirn, wo sie zu einem Seheindruck führen.

Den Bereich zwischen Ihrer Linse und der Netzhaut füllt der Glaskörper aus. Er ist gefüllt mit einer gelartigen, klaren Flüssigkeit. Innerhalb dieses Gels befinden sich Millionen kleiner, vernetzter Fasern, die Verbindungen zur Netzhautoberfläche aufweisen.

Schattentheater auf der Netzhaut

Der Inhalt des Glaskörpers verflüssigt sich im Alter. Wenn das passiert, klumpen kleine Eiweißstoffe (Kollagen), die natürlicherweise im Gel gelöst sind, zusammen und bilden Glaskörpertrübungen. Dann sehen Sie Punkte, Striche, Kreise oder netzartige Gebilde, die sich durch Ihr Sehfeld bewegen. Diese sind am leichtesten zu sehen, wenn Sie auf einen einfarbigen, hellen Hintergrund wie etwa den Himmel schauen. Glaskörpertrübungen erscheinen in den meisten Fällen grau oder weiß und leicht durchsichtig. Wenn winzige Mengen bestimmter Eiweißstoffe (Kollagen) im Glaskörper zusammenklumpen, machen  sich diese als Trübungen bemerkbar. Wenn der Glaskörper kollabiert, zerren manchmal kleine verklumpte Fasern an der Netzhaut und verursachen einen Riss in der Netzhaut.

Was Sie tatsächlich sehen, sind die Schatten der Glaskörpertrübungen auf Ihrer Netzhaut. Sobald sie sich einmal bildeten, verbleiben diese Eiweißklumpen in Ihrem Glaskörper. In der Regel passt sich Ihr Auge an, sodass Sie die Glaskörpertrübungen getrost ignorieren können. Selten sind sie so störend, dass sie einer operativen Behandlung bedürfen. Fäden sind verbreitet bei sehr kurzsichtigen Personen, Diabetikern oder Menschen nach einer Star-Operation. Glaskörpertrübungen treten des Weiteren im Zusammenhang mit verschiedenen Arten von Retina-Störungen auf.

Veränderungen im Alter

Mit zunehmender Verflüssigung des Glaskörpers auf Grund von Alter oder Krankheit kann dieser kollabieren und sich vom Augenhintergrund zurückziehen. Das nennt sichHintere Glaskörperabhebung (engl. PVD = Posterior Vitreous Detachment). Es führt zum plötzlichen Auftreten vieler weiterer Fäden. Diese sehen unter Umständen aus wie Spinnweben oder kleine Punkte. Wenn sich der Glaskörper allmählich vom Augenhintergrund löst, zieht er an der Netzhaut und führt zur Illusion kleiner Blitze.

Wenn Sie eine plötzliche Zunahme von Glaskörpertrübungen oder Blitzen bemerken, sollten Sie sofort den Arzt aufsuchen. PVD alleine stellt keine Bedrohung für Ihre Augen dar und bedarf keiner Behandlung. Aber das Auge benötigt eine sorgfältige Untersuchung, um sicherzugehen, dass es keine Schäden an der Netzhaut verursacht. Bei etwa 15 Prozent der von PVD betroffenen Augen mit Symptomen wie Fäden und Blitzen kommt es zu einer Netzhautablösung. Diese erfordert sofortige Hilfe und führt bei Nichtbehandlung zur stellenweisen oder vollständigen Erblindung.

Netzhautrisse sind vermeidbar

Wenn der Glaskörper kollabiert, zerren manchmal die kleinen verklumpten Fasern an der Netzhaut und verursachen einen Riss in der Netzhaut, besonders wenn starke Zugkräfte wirken. Das Zerren kann zur Ablösung der Netzhaut vom hinteren Augapfel führen. Zwar treten keine Schmerzen auf, aber häufig wird dieses Ereignis durch ein plötzliches Auftauchen von Blitzen begleitet, gefolgt von einem vermehrten Auftauchen von Glaskörpertrübungen.

Wenn es zu einem Zug auf die Netzhaut über einem Äderchen kommt, kann das zu einer Blutung in der Augenmitte führen. Rote Blutzellen gelangen in den Glaskörper. Sie erscheinen dann als winzige schwarze Punkte, die an Rauch erinnern. Den Zug an der Netzhaut kann man mithilfe der Laser-Fotokoagulation behandeln oder durch die Kryotherapie verbessern. Diese Methoden verhindern eine Netzhautablösung, die häufig die Folge eines unbehandelten Zugs an der Netzhaut ist. Eine Netzhautablösung erfordert kompliziertere chirurgische Eingriffe.

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