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Familienaufstellung – eine aufwühlende, aber auch die Seele reinigende Erfahrung

Inhalt

Diese Form der Psychotherapie hilft Ihnen zu erkennen: Was bindet meine Energie? Wo versuche ich, Leiden aus meiner Herkunftsfamilie für sie mitzutragen? Wo liegen Lösungen für mich? Sie sollten sich vor einer Familienaufstellung darüber im Klaren sein, dass sich vieles ändern kann.

Ausschließlich aus Neugier sollte man eine solche Therapie nicht machen. Darüber hinaus sollten Sie Massenveranstaltungen in Großhallen meiden. Hier kochen die Emotionen leicht hoch und Sie stehen mit Ihren Problemen auf einem Präsentierteller. Wenn man Sie überhaupt auswählt, damit Sie Ihre Sorgen vortragen.

Familienaufstellung löst innere Verstrickungen

Gerade Frauen, die schon vieles im Leben geschafft haben (Kinder großziehen oder in einem Beruf ihre Frau zu stehen), spüren, wann es an der Zeit ist, ihr Leben neu auszurichten. Einigen gelingt dies mühelos. Andere stehen vor großen Schwierigkeiten, ihr Leben in positiver Weise zu verändern.

Was immer sie tun, vollzieht sich nach einem bestimmten eingefahrenen Muster. Ihr Leben scheint in einem Gleis zu verlaufen. Ein Spurwechsel erscheint fast unmöglich. Wie kann es zu einer solchen inneren Sperre kommen? Und wie lässt sie sich aufbrechen? Viele unserer Lebensthemen hängen mit Erfahrungen in der Kindheit zusammen.

Das ist durch Sigmund Freud uns allen bekannt. Der Psychotherapeut Bert Hellinger entdeckte in den 80er Jahren ein Phänomen, das viele scheinbar unerklärliche Sperren beleuchtet: Das persönliche Schicksal hängt mit dem familiären Beziehungsgefüge und hier wiederum mit einzelnen Personen zusammen.

Dies ist weit stärker ausgeprägt, als dies die konkrete und individuell erlebte Biographie erklärt. Mittels Aufstellen der Familienmitglieder bzw. ihrer Stellvertreter im Raum treten Konstellationen ans Licht, die es erlauben, eigenen Problemen auf die Spur zu kommen und sie zu lösen.

Das System Familie als Mobile

Rein biologisch betrachtet verdanken wir unser Leben unseren leiblichen Eltern. Unsere Seele weiß aber, dass wir in ein größeres Ganzes, nämlich in das System Familie eingebunden sind. Dazu gehören Vorfahren, die wir nie persönlich kannten, und eine Instanz in unserem Inneren weiß das.

Die Mitglieder der Familie stehen organisch miteinander in Verbindung wie die Teile unseres Körpers. Wenn ein Mitglied ein schweres Schicksal erlitt (z. B. früher Tod, schwere Krankheit, Krieg, Heimatverlust, Selbstmord), entsteht ein Ungleichgewicht im Familiengefüge, das einer der Nachkommen auszugleichen versucht – ähnlich wie im Körper:

Ist ein Organ erkrankt, bemühen sich andere um den Ausgleich. Stellen Sie sich das Familiensystem wie ein Mobile vor: Hängt auf einer Seite ein schweres Gewicht, ist auf der anderen zur Balance ein Gegengewicht erforderlich. Niemand weiß, welches der nachkommenden Kinder diesen Platz einnimmt. Dies geschieht aus einem inneren Wunsch des Menschen nach Zugehörigkeit heraus.

Die Heilkraft der Aufstellung …

Ein kleines Kind liebt seine Eltern. Es spürt intuitiv, wenn die Eltern belastet sind, auch wenn sie nicht darüber sprechen und es ihnen selbst nicht bewusst ist. In seiner magischen Welt glaubt es, es könnte den Eltern diesen Schmerz erleichtern, indem es selber Schmerzen leidet.

Das Kind möchte dazugehören und seinen Beitrag leisten. Es hat die Illusion, es könnte anstelle der Eltern deren Schicksal tragen. Vom Verstand her wissen wir, dass das nicht funktioniert. Trotzdem leben viele Erwachsene in dieser unglücklichen „Verstrickung“.

Familienaufstellungen zeigen, dass diese „Übernahme des Schicksals“ durch die Kinder das Gegenteil dessen bewirkt, was die Kinder beabsichtigen. Geht es den Kindern schlecht, leiden die Eltern viel mehr.

Diese Erkenntnis und das emotionale Durcherleben der prägenden Dynamik hin zu einer möglichen Lösung geschehen im Rahmen einer Aufstellung. Die Aufstellenden erleben ein neues inneres Bild (Heilbild) und in ihrer Seele fügt sich etwas zusammen.

… kommt aus einer neuen Ordnung

Es ist viel von Ordnung die Rede, wenn Bert Hellinger spricht. Sein wichtigstes Buch nennt er aus dem Grund „Ordnungen der Liebe“. Ordnung existiert, wenn das (erwachsene) Kind seine Eltern ansieht und es im inneren Wissen um deren Herkunft, deren Eingebundensein in ein Gefüge mit den Großeltern und den Ahnen deren Schicksal achtet.

So schöpft es Kraft schöpfen, die Eltern gewinnen ihre „Größe“ und das Kind (gleich welchen Alters!) ist entlastet. Es führt sein Leben mit all seinen individuellen Fähigkeiten und Potentialen.

Wann ist eine Familienaufstellung sinnvoll?

Wichtig ist eine „Notwendigkeit“ – eine Not, die man wenden möchte. Geht es um Beziehungen, so ist eine Aufstellung immer von Nutzen. Dies gilt etwa bei tiefen Gräben in der Familie (z.B. Erbstreitigkeiten) oder wenn sich Eltern um ihre Kinder sorgen.

Unter Umständen sind Frauen mit ihrer Mutter im Unfrieden oder hadern als 50-jährige mit ihrem Vater der Kindheit. Leiden sie unter Entscheidungsnöten, könnte es sein, dass sie es noch immer beiden Eltern recht machen wollen. Des Weiteren gilt die Sucht-Thematik als Anlass für eine Familienaufstellung.

In vielen Fällen fehlt hier jemand, den die betreffende Person unbewusst „sucht“. Bei Schuldgefühlen, Melancholie, Ängsten oder psychosomatischen Störungen empfiehlt sich eine Aufstellung ebenfalls. Es ist darüber hinaus sinnvoll, eine Paar-Problematik auf diese Weise zu erhellen.

Häufig spielen nicht gewürdigte frühere Partner eine große Rolle oder Schicksale in den Herkunftsfamilien der Partner, die viel Energien binden. Die Möglichkeiten, in einer Familienaufstellung die Lösung unbekannter tiefsitzender Probleme zu finden, lassen sich nicht zählen.

Innerer Frieden

Bei einer Familienaufstellung geht es nicht um Schuldzuweisungen. Vielmehr geht es darum, das Leid oder Schicksal der Vorfahren zu erkennen und sich mit ihnen auszusöhnen. Wenn Sie verstehen und das Schicksal symbolisch bei denen lassen, denen es gehört, sind Sie selbst entlastet. Sie tragen nicht mehr die Last Ihrer Vorfahren.

Es geht um eine Variation des Themas: wie eine schlimme Erfahrung, ein Verlust, ein schweres Schicksal, eine Trennung oder eine unerfüllte Sehnsucht voriger Generationen das Leben der Nachkommen prägt. Löst sich das emotional, kann Frieden einkehren und die Nachkommen leben ihr eigenes Potential. Diese Prozesse laufen unbewusst ab.

Wir können sie nicht steuern, solange wir nicht „gesehen“ haben, auf welche Weise wir mit der größeren Familie verbunden sind. Wenn wir „anerkennen, was ist“, (so der Titel eines anderen Buches von Hellinger) und das Schicksal unserer Familienmitglieder würdigen, löst sich eine das Leben beschwerende Dynamik auf. Ungeahnte Kraftquellen tun sich auf und innerer Friede kehrt ein.

So läuft eine Aufstellung ab

Familienaufstellungen finden meist in der Gruppe statt. Die Möglichkeiten reichen von Abendseminaren mit 12 Teilnehmerinnen und Teilnehmern bis hin zu 4-Tages-Workshops mit 50 Personen. Die Gruppen setzen sich aus Einzelpersonen mit unterschiedlichen Fragestellungen zusammen.

Manchmal sind Paare darunter, selten ein Familienmitglied. Der Therapeut führt mit der aufstellenden Person ein Vorgespräch: Was erhofft sich der Klient von der Aufstellung? Welche Familienglieder oder Partner spielen eine wichtige Rolle?

Danach wählt die Hauptperson unter den anderen Teilnehmern der Gruppe Stellvertreter für sich und ihre Familienmitglieder aus und stellt sie im Raum in Beziehung zueinander. Das geschieht spontan, ohne dass sie darüber lange nachdenkt.

Dann befragt der Therapeut die Stellvertreter zu ihrer körperlichen und emotionalen Befindlichkeit an den ihnen von der Klientin zugewiesenen Plätzen. Bereits hier gibt es deutliche Aha-Effekte. Beispielsweise sagt die Stellvertreterin einer Klientin, die sich bitterlich über den fehlenden Kontakt zum Vater beklagt:

„Ich sehe meinen Vater nicht – er ist vollkommen verdeckt von meinem Bruder!“ Oder: „Ich stehe genau zwischen meinen Eltern und habe das Gefühl, sie ziehen von beiden Seiten an mir.“ – „Ich spüre jemanden im Rücken. Ich kann ihn nicht sehen, doch fühlt es sich angenehm warm an.“ Die Klientin schaut und staunt – vieles kennt sie, manches ist ihr neu.

Ungeweinte Tränen fließen

Mit diesem ersten „Bild“ arbeitet man dann. Es wird geordnet, Plätze werden gesucht, an denen sich die aufgestellten Personen wohler fühlen. Personen, die sich nicht gesehen haben, kommen in Blickkontakt. Es werden Tatsachen ausgesprochen und ungeweinte Tränen geweint.

Wenn für die Hauptperson ein möglicher Schritt in Richtung einer Lösung erfolgt ist, stellt sie sich oft selbst an den Platz ihrer bisherigen Stellvertreterin. So empfindet sie das Geschehen aus dieser Perspektive heraus und äußert sich darüber. Es ist ein emotional sehr bewegendes Erlebnis.

Mit diesem neuen inneren Heilbild kehrt der Klient in seinen Alltag zurück. Wenn er es sich in bestimmten Situationen in Erinnerung ruft wie ein Ritual, wirkt die Aufstellung auf lange Sicht und entfaltet ihre positiven Effekte.

Weiterentwicklung von Hellingers Konzept

Neben der Aufstellung der Herkunftsfamilie gibt es eine Form der Aufstellung jetziger Situationen (z. B. bei Problemen am Arbeitsplatz). Hellinger gründete keine eigene Schule und er bildet keine Therapeuten aus. Seine Arbeitsweise verändert und entwickelt er stetig.


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Matthias Varga von Kibéd und Insa Sparrer aus München entwickelten ausgehend von den Erfahrungen bei Bert Hellinger die Systemischen Strukturaufstellungen. Sie lehren diese Methode neben dem Familienaufstellen am SYST-Institut in München. Strukturaufstellungen gelten als Erweiterung der Familienaufstellungen.

Dort können Sie Elemente wie „das Ziel“, „das Hindernis“, „eine verborgene Fähigkeit“ oder das Beziehungsgefüge am Arbeitsplatz (bei Mobbing, Führungsschwäche etc.) oder ein Symptom „aufstellen“. Sparrer und Varga von Kibéd verbanden die Aufstellungsarbeit mit derlösungsorientierten Kurztherapie:

Sie betten eine Aufstellung in Fragen ein, die zur Lösung führen können. Dies funktioniert sowohl zu Beginn einer Aufstellung als auch bei Bedarf als weitere psychotherapeutische Begleitung.

Wie finden Sie geeignete Therapeuten?

Wenn Sie zur Familienaufstellung keine Gruppe besuchen möchten oder können, ist das auch in Einzel- oder Paararbeit mit einem Therapeuten möglich. Die Aufstellung erfolgt mit Figuren oder Platzhaltern aus Papier. Jeder „Familienaufsteller“ bringt in diese Arbeit seine eigene Persönlichkeit mit ein. Aus dem Grund ist es schwer, allgemeine Ratschläge zur Wahl eines Therapeuten zu geben.

Mundpropaganda stellt die beste Empfehlung dar. Befragen Sie Menschen, die bereits Familienaufstellungen mitmachten und fragen Sie die Familienaufsteller nach ihrer Arbeitsweise. Sie entwickeln ein Gespür dafür, wer und welche Form Ihnen liegt. Vertrauen Sie Ihrer Intuition.

Beispiel einer Aufstellung

Britta ist die Mutter des 20-jährigen Sohnes Ulrich und macht sich große Sorgen um ihn. Er ist arbeitslos und raucht viel Haschisch. Sie und ihr Mann taten alles für den Sohn. Beide lieben ihn sehr und Britta möchte wissen, was sie noch für Ulrich tun kann. Irgendwie fühlt sie sich schuldig.

Britta stellt sich, Ulrichs Vater und Ulrich mit Hilfe von Stellvertretern im Raum auf. Da ist bereits deutlich zu sehen: Brittas Stellvertreterin steht mit dem Rücken zu ihrem Sohn, der Sohn hinter ihr, schaut in die selbe Richtung und friert. Der Therapeut fragt Britta, was passiert sei in ihrer Familie.

Wo blicken sie und ihr Sohn hin? Nach eingehender Befragung erzählt sie, sie habe einen Zwillingsbruder gehabt, der kurz nach der Geburt gestorben sei. Als Ulrichs Stellvertreter davon hört, fängt er stark zu zittern an. Wir stellen den Zwillingsbruder, Ulrichs Onkel dazu. Da beginnt Brittas Stellvertreterin an zu weinen.

Es verdeutlicht sich, dass er gefehlt hat. Als Britta und ihr Zwillingsbruder wieder in Kontakt sind, geht es ihr und Ulrich besser. Für ihn ist der Onkel wichtig und am Ende der Aufstellung stellt er für Ulrichs Stellvertreter eine große Kraftquelle dar. Die Aufstellung war für Britta bewegend und zeigt auf’s Neue, wie schicksalhaft die Kinder mit den Eltern verbunden sind.

Die Lücke in ihrem Herzen hat sich geschlossen. Zwei Jahre später erzählt Britta in einem weiteren Aufstellungstreffen, dass sie ihrem Sohn Ulrich von ihrem Bruder erzählt habe. Er sei sehr interessiert gewesen und habe sofort beschlossen, dass der Onkel eine Sterbetafel am Familiengrab erhalten solle.

Inzwischen arbeitet Ulrich und sein gelegentlicher Haschischkonsum bereitet ihr keine Sorgen mehr. Er ist entlastet von der unbewusst selbst übernommenen Bürde, die Schmerzen der Mutter zu tragen, und nimmt nicht mehr so viele Drogen.

Die häufigsten Fragen

Wie ist es möglich, dass Stellvertreter fühlen, was die vertretene Person fühlt? Wie es sein kann, weiß bisher niemand genau. Wissenschaftler reden von morphogenetischen Feldern, Hellinger vom Phänomen eines „wissenden Feldes“. Für die Arbeit selbst spielt das keine Rolle.

Hauptsache, es funktioniert. Und das kann man immer wieder an Beispielen feststellen und überprüfen. Warum Stellvertreter und nicht die Personen selbst? Ganz einfach: Weil sie unvoreingenommen sind und nicht die verfestigten Haltungen und Einstellungen der Person aufweisen.

Sie reagieren schneller auf Änderungen im Bild und sind aus diesem Grund zuverlässiger. Wie wirken Aufstellungen auf das Leben? In jedem Menschen wirkt ein Bild, welches man durch das Aufstellen zeigt. Die Probleme machende Dynamik verdeutlicht sich und man sucht ein geordnetes Bild.

Dieses neue Bild nimmt man auf und das Innere ordnet das äußere Leben hin zu diesem neuen Bild. Durch das Erfahren, Spüren und Erleben wirkt die Integration sehr tief. Das sind innerliche Prozesse, die man in Gang setzt und durch die Aufstellung in eine Richtung anstößt.

Somit bedeuten auch kleine Teilaufstellungen oder an bestimmten Stellen abgebrochene Aufstellungen einen großen Wert. Die Seele kommt in ihre eigene Kraft und man überträgt die Verantwortung nicht auf den Therapeuten.

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