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Morbus Dupuytren: Wenn neues Bindegewebe zur Behinderung wird

Es gibt Erkrankungen, die nicht lebensbedrohlich, aber deutlich mehr als eine Störung der Befindlichkeit sind. Der Morbus Dupuytren repräsentiert eine solche Krankheit. Er beginnt mit einem kleinen Knoten in der Handfläche. Allmählich entwickelt sich daraus ein Bindegewebsstrang, der zunehmend das Strecken des befallenen Fingers verhindert – eine Kontraktur entsteht. Der französische Arzt Guillaume Dupuytren gab der Erkrankung ihren Namen.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Die Entstehung der Krankheit ist unklar
  2. Morbus Dupuytren: Schwer zu behandeln
  3. Moderne Behandlungsmethoden

Morbus Dupuytren© Adobe Stock – perfectmatch

Die Entstehung der Krankheit ist unklar

Die Dupuytrensche Krankheit ist ein gutartiger Tumor auf der Handinnenfläche, der anfänglich wenig stört. Es handelt sich um eine Ansammlung von Kollagen, die harte Knötchen und Stränge bildet. Im Lauf der Zeit können sich so starke Stränge ausbilden, dass sich die Finger immer stärker und dauerhaft in die Handfläche krümmen. Das Strecken der Finger wird dann unmöglich.

In Deutschland sind 2 Millionen Patienten von dieser Krankheit betroffen. Die Entstehungsursachen sind unklar. Die Krankheit ist momentan nicht heilbar. Der Morbus Dupuytren ist benannt nach dem französischen Chirurgen Baron Guillaume Dupuytren (1777 bis 1835). Morbus Ledderhose ist eine ähnliche Erkrankung der Füße, die den Namen des deutschen Chirurgen Georg Ledderhose (1855 bis 1925) trägt.

Morbus Dupuytren: Schwer zu behandeln

Ein Morbus Dupuytren sollte von spezialisierten Ärzten behandelt werden, die sich mit der Struktur der Hände besonders gut auskennen. Dazu gehören beispielsweise Handchirurgen. Die herkömmlichen Behandlungsmethoden sind klassische Handoperationen, die mit einer hohen Komplikationsrate behaftet sind, die Strahlentherapie, die nur im Anfangsstadium funktioniert, und die Perkutane Nadelfasziotomie, bei der unter lokaler Betäubung die Kollagenstränge durch Nadelstiche so geschwächt werden, dass diese gestreckt und zerrissen werden können.

Diese Therapien versuchen, im Anfangsstadium den Krankheitsfortschritt zu bremsen und im fortgeschrittenen Stadium die Handfunktion zu erhalten oder zu verbessern. Auch nach operativer Entfernung des Geschwürs kommt die Krankheit meist wieder oder tritt an anderer Stelle auf. Zum Einsatz kommen darüber hinaus noch mehr oder weniger erfolgreich ebenfalls Vitamin E, Kalziumantagonisten, Kortison, Interferon und Krankengymnastik.

Morbus Dupuytren© Adobe Stock – tibanna79

Moderne Behadlungsmethoden

Noch heute gilt die Spaltung des Strangs mit dem Skalpell als die Therapie der Wahl. Das Spektrum der Behandlungen von Morbus Dupuytren reicht von der Operation bis hin zur Gabe von Vitaminen und Globuli.

Strahlen gegen Dupuytren

Damit es nicht zu einer störenden Kontraktur kommt, setzt der Hamburger Strahlen-Mediziner Professor Dr. M. Heinrich Seegenschmiedt auf eine Bestrahlung im Frühstadium von Morbus Dupuytren. Seine Erfahrungen damit fielen sehr gut aus, sagt Seegenschmiedt. „Eine Strahlenbehandlung ist aber nur bei aktiver und zunehmender Erkrankung und vor allem im Anfangsstadium der Krankheit sehr wirkungsvoll.“ Darauf einigten sich die Handchirurgen Dr. Bernhard Lukas (Schön Klinik München Harlaching) und Dr. Jörg Witthaut (Schön Klinik Vogtareuth).

Nadelstiche gegen Dupuytren

Eine blutige Methode stellt die perkutane Nadelfasziotomie (PNF) dar. Dabei schwächen die Nadelstiche unter lokaler Betäubung die Bindegewebsstränge so weit, dass ein anschließendes Zerreißen möglich ist. Typischerweise setzen Chirurgen die PNF im Anfangsstadium ein. In bestimmten Fällen kann sie im fortgeschrittenen Stadium hilfreich sein, sagt der Stuttgarter Orthopäde Dr. Gerd Lauser.

Als Vorteil der PNF erweist sich, dass sie nur wenige Minuten dauert. Des Weiteren schmerzt sie wenig und hinterlässt kaum Narben. In der Regel können die Patienten ihre Hand nach wenigen Tagen wieder benutzen. Häufigere Rückfälle des Morbus Dupuytren im Vergleich zur Operation stellten sich als Nachteil heraus.

Ein Enzym gegen Dupuytren

Seit Kurzem gibt es in Deutschland noch ein minimal-invasives Verfahren. Dabei schwächt ein Bakterien-Enzym den Bindegewebsstrang von Morbus Dupuytren. Das Enzym wird in den Strang gespritzt und löst diesen chemisch auf. Nur geschulte Ärzte mit Erfahrung in der Diagnose und Behandlung von Morbus Dupuytren dürfen das Medikament (Xiapex®) anwenden. Pro Strang sind maximal drei Injektionen in Abständen von vier Wochen erlaubt. Leider ist das Medikament mit 1.100 Euro pro Spritze extrem teuer und wird nur im Einzelfall von der Krankenkasse erstattet. Nach Angaben der Europäischen Arzneimittel-Agentur kam es in den drei Zulassungsstudien bei 17 Prozent der Patienten zu leichten allergischen Reaktionen (z. B. Juckreiz). Schwerwiegende Komplikationen, etwa Sehnenrisse, tauchten selten auf. Ihre Rate liegt nach Angaben des Herstellers Auxilium bei unter 1 Prozent der Patienten.

Sehr positive Erfahrungen mit der Enzymtherapie machte etwa Jörg Witthaut. Was noch fehlt, seien Langzeitdaten und direkte Studien zum Vergleich mit herkömmlichen Verfahren. Laut Witthaut gibt es keine Morbus-Dupuytren-Therapie, die so gut kontrolliert und dokumentiert sei. Aber: „Auch die Enzym-Behandlung ist keine Wunderheilung und kann vor allem auch nicht präventiv eingesetzt werden.“ Weniger positiv urteilt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Es gebe keine Belege dafür, dass die Enzym-Therapie gegenüber den bisherigen Behandlungsmethoden einen zusätzlichen Nutzen biete, so das Institut. Dieses Urteil bedeutet nicht, dass diese Therapie nicht wirke. Es fehle nur der wissenschaftliche Beweis dafür, dass sie besser greife als die anderen Therapien von Morbus Dupuytren, so das IQWiG. Als Grund für den Beweismangel gab das Institut das Fehlen geeigneter Vergleichs-Studien an.