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Vier Schlaganfall-Risiken, die Ihnen Ärzte oft verschweigen

Schlaganfälle sind nach der Alzheimer-Erkrankung die zweithäufigste Ursache für Gehirnschäden und die dritthäufigste Todesursache (nach Herzinfarkt und Krebs).

Als unser Leser kennen Sie die meisten Risiken, die Sie durch Blutdruck- und Blutfettkontrolle, ausgewogene Ernährung sowie Bewegung im Zaum halten können. Amerikanische Ärzte entdeckten jedoch jetzt vier weitere Risikofaktoren.

Ich meine, Sie sollten sie unbedingt kennen, denn schließlich kann dieses Wissen Ihr Leben verlängern.

Wir sprachen darüber mit Prof. Gregory W. Albers, Schlaganfallspezialist am Stanford University Medical Center.

BENEFIT: Herr Professor Albers, welche neuen Schlaganfall-Risiken haben Sie entdeckt?

Prof. Albers: Es sind insgesamt vier Risikofaktoren, die bisher immer übersehen wurden. Lassen Sie mich mit dem geringfügig erhöhten Blutdruck anfangen. Bisher galten Werte unter 140 zu 90 als normal und unbedenklich. Wir vom Stanford-Schlaganfall-Zentrum haben in Studien festgestellt, dass schon Werte über 120 zu 80 das Schlaganfallrisiko signifikant erhöhen.

Bereits dann sollten vorbeugende Maßnahmen ansetzen. Wir haben besonders gute Erfolge mit dem Einsatz von Angiotensin II Rezeptor Blocker (ARB) erzielt (in Deutschland z.B. unter dem Handelsnamen Blopress® von Takeda oder Teveten® von Solvay Pharma im Handel). Ein solches Medikament reduzierte das Schlaganfallrisiko gegenüber der herkömmlichen Therapie mit Beta-Blockern um zusätzliche 25 Prozent.

Wenn sich diese erstaunliche Wirkung in weiteren Studien bestätigt, haben wir mit ARB das Mittel der Wahl gefunden, zumal es weniger Nebenwirkungen hat als herkömmliche Blutdrucksenker.

BENEFIT: Was raten Sie einem Patienten mit Blutdruckwerten über 120 zu 80 heute?

Prof. Albers: ARB ist auch in Deutschland zugelassen. Der Patient sollte seinen Arzt also unbedingt fragen, ob eine ARB-Therapie für ihn in Frage kommt. Ein weiteres unterschätztes Risiko ist das so genannte Vorhofflimmern, eine Störung der Herzmotorik, die von den Vorkammern ausgeht.

Bei uns in den USA leiden etwa 2 Millionen Menschen darunter, jedes Jahr werden rund 70.000 Schlaganfälle dadurch verursacht.

BENEFIT: Woran kann man erkennen, ob man selbst davon betroffen ist?

Prof. Albers: Häufiges Herzrasen, aber auch Aussetzer, unregelmäßiger Puls, Flattern in der Brust oder Kurzatmigkeit sind typische Anzeichen. Wer dies bei sich feststellt, sollte dringend seinen Arzt aufsuchen. Dieser wird dann in der Regel ein EKG veranlassen, um die Ursachen abzuklären. In der Therapie ist es nach unserer Erfahrung besser, nicht die Herzrhythmusstörungen zu behandeln, sondern mit Gerinnungshemmern die Bildung von Blutklümpchen zu verhindern.

Patienten, die regelmäßig Gerinnungshemmer (z.B. Warfarin, in Coumadin® von DuPont) nehmen, können ihr Schlaganfallrisiko um 68 Prozent verringern. Diese Medikamente haben zudem gegenüber der herkömmlichen Therapie mit ASS (Acetylsalicylsäure) den Vorteil, dass sie besser verträglich sind. Andererseits sind sie jedoch in der individuellen Dosierung schwierig einzustellen.


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Die Patienten müssten monatlich zum Arzt, um sich neu einstellen zu lassen. Ich sagte bewusst „müssten“, denn vielen ist diese Prozedur zu aufwändig und zu schwierig. Die Folge: Nur rund die Hälfte der Patienten, die Gerinnungshemmer einnehmen müssten, tun dies tatsächlich. Die gute Neuigkeit: In medizinischen Vorstudien in den USA und Europa zeigte ein neues gerinnungshemmendes Medikament (Ximelagatran ® von Exanta) wirklich revolutionäre Ergebnisse.

Es ist sehr viel leichter einzustellen, verursacht weniger Blutungen und reagiert nicht mit anderen Medikamenten oder Nährstoffen. Wenn die klinische Erprobung wie geplant abgeschlossen wird, rechnen wir in ca. 12 bis 18 Monaten mit der Freigabe und weltweiten Markteinführung.

Damit wären wir beim dritten Risikofaktor. Arterienverkalkung spielt sich nicht nur in den Gefäßen ab, die Herz und Gehirn unmittelbar versorgen, sondern auch in weiter entfernten Körperregionen, beispielsweise in den Extremitäten. Schmerzen in den Beinen, speziell in den Waden, sind ein typisches Symptom dafür.

Der Schmerz tritt auf, sobald der Patient anfängt zu gehen, und lässt nach, wenn er stehen bleibt. Die Schmerzen können so heftig sein, dass der Betroffene hinkt. Ca. 20 Prozent aller über 65-jährigen Amerikaner leiden darunter.

BENEFIT: Wie kann man feststellen, ob man von einer Arterienverkalkung in den Beinen betroffen ist?

Prof. Albers: Dazu wird der Arzt den Blutdruck am Oberarm und am Handgelenk messen und aus dem Verhältnis der Messwerte seine Diagnose stellen. Erkrankte müssen in der Regel einen Thrombozytenaggregationshemmer (z.B. Aspirin® oder Clopidogrel®) einnehmen.

Hinzu werden oft leichte körperliche Gymnastik und blutfettsenkende Mittel empfohlen. Der vierte Risikofaktor ist die Schlaf-Apnoe, also der Atemstillstand während des Schlafs. Davon sind schätzungsweise 24 Prozent aller Männer und 9 Prozent aller Frauen betroffen. Apnoe-Schläfer haben ein drei- bis sechsfach höheres Schlaganfallrisiko.

Ihr Blutdruck steigt im Schlaf stark an, was dazu führen kann, dass es zu einer Verstopfung der Halsschlagader und damit zu einer Unterversorgung des Gehirns kommt. In einer neueren Studie an männlichen Apnoe-Patienten zwischen 45 und 77 Jahren haben wir festgestellt, dass 21 Prozent kalzifizierte Ablagerungen in ihrer Halsschlagader hatten, gegenüber 2,5 Prozent in der gesunden Kontrollgruppe.

BENEFIT: Was kann man gegen diesen Risikofaktor tun?

Prof. Albers: Übergewicht ist der größte Risikofaktor für Apnoe. Wer laut schnarcht oder tagsüber von großer Müdigkeit geplagt wird, sollte dringend zum Arzt, um sich über Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten zu informieren.

Vor allem Patienten mit Vorhofflimmern sollten sich einer eingehenden Apnoe-Untersuchung unterziehen, etwa in einem Schlaflabor. Denn Forscher an der Mayo-Klinik haben jetzt herausgefunden, dass Vorhofflimmern bei unbehandelter Schlaf-Apnoe doppelt so häufig wiederholt auftritt.

Schlaganfall: Eile ist geboten

Bei einen Schlaganfall (Hirnschlag) unterbricht im Gehirn die Blutzufuhr zu den betroffenen Hirnarealen. Die Unterbrechung der Durchblutung entsteht durch ein Blutgerinnsel oder das Reißen eines Blutgefäßes (Hämorrhagie).

Dann ist besondere Eile geboten. Die Nervenzellen des Gehirns reagieren sehr empfindlich auf Sauerstoffmangel.

Es gilt, so rasch wie möglich eine intensive Therapie einzuleiten, bei der man verschlossene Blutgefäße wieder durchgängig macht. Das ist innerhalb einer begrenzten Zeitspanne möglich.


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Je länger der Gefäßverschluss zurückliegt, desto geringer sind die Erfolgschancen. Behandelt man den Schlaganfall sofort, lassen sich die Folgen in vielen Fällen eindämmen. Innerhalb der ersten drei Stunden nach dem Schlaganfall ist es möglich, ein verstopftes Gefäß mit Medikamenten frei zu bekommen.

Wenn Sie eines oder mehrere der folgenden Symptome an sich oder einer anderen Person feststellen, rufen Sie sofort den Arzt bzw. Notarzt an.

Sie könnten einen Schlaganfall anzeigen oder einen bevorstehenden ankündigen.

Anzeichen eines Schlaganfalls

  • Plötzlich auftretende Schwäche, Taubheitsgefühl oder Lähmungen in Ihrem Gesicht, in den Armen oder Beinen. Diese Veränderungen treten typischerweise nur auf einer Körperseite auf.
  • Plötzliche Sehprobleme, wie undeutliches Sehen, Doppelbilder, Verschwommenheit oder Blindheit, insbesondere auf einem Auge.
  • Plötzliche starke Kopfschmerzen ohne ersichtlichen Grund.
  • Probleme beim Sprechen oder beim Verstehen.
  • Unerklärbarer, plötzlicher Schwindel, Verlust des Gleichgewichts oder der Koordination oder ein plötzlicher unerklärlicher Sturz.
  • Probleme beim Schlucken.

Diese Symptome dauern wenige Minuten bis mehrere Stunden an. Entscheidend bei einem Schlaganfall ist eine schnelle ärztliche Versorgung. Neuere Medikamente lösen die Blutgerinnsel im Gehirn auf und verringern die Komplikationen größtenteils.

Sie müssen innerhalb der ersten drei Stunden nach Beginn des Schlaganfalls in den Körper gelangen, damit sie ihren größtmöglichen Nutzen entfalten.

Auf keinen Fall zu lange warten

Nehmen Sie es ernst, selbst wenn nur eines der beschriebenen Symptome auftritt und Sie es nur kurz beobachten. Rufen Sie auf alle Fälle den Notarzt und sagen Sie ihm gleich, welchen Verdacht Sie hegen.

Wichtig ist natürlich auch, dass Familie und Partner schnellstens einen Notarzt rufen, wenn Sie es nicht mehr können.

Nicht alle Krankenhäuser verfügen über die modernsten Einrichtungen für Schlaganfall-Diagnostik und Therapieverfahren. Wenn Sie ein Schlaganfallrisiko tragen, suchen Sie sich die nächstgelegene Klinik mit einer Notfall-Ambulanz für Schlaganfälle.

Verwahren Sie die entsprechenden Telefonnummern in der Nähe Ihres Telefons auf und erklären Sie Ihrer Familie, an wen sie sich im Notfall wenden soll.

Jeder Sechste über 45 hat ernste Frühsymptome

Fast 18 % aller Männer über 45 Jahren haben schon einmal eine Art Mini-Schlaganfall erlitten, ohne dies jedoch als solchen zu erkennen. Zu diesem dramatischen Ergebnis kamen Forscher der Universität Birmingham in Alabama/USA bei der Analyse der Daten von rund 18.500 Probanden.

Wie die Fachzeitschrift Ärztliche Praxis im Oktober 2006 meldete, hatten 8,5 % der Teilnehmer eine kurzzeitige halbseitige Taubheit, 5,8 % sogar eine halbseitige Lähmung erlebt.

4,6 % hatten plötzlich kurzzeitig ihre Sehfähigkeit auf einem oder beiden Augen verloren, 3,1 % kannten Gesichtsfeldeinschränkungen und 2,7 % hatten Probleme gehabt, Sprache zu verstehen. 3,8 % berichteten, dass sie einen Moment lang nicht richtig sprechen konnten.

Tipp: Falls Sie eines der genannten Symptome erlebt haben, sollten Sie unbedingt Ihre Gefäße und Ihre Blutwerte von Ihrem Arzt untersuchen lassen. Liegt eine Arteriosklerose vor, bietet Ihnen die Naturheilkunde von Heilpflanzen über Omega-3-Fettsäuren bis hin zur Sanum-Therapie nach Professor Enderlein eine breite Palette von gefäßschützenden Therapieverfahren.

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