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Mit dem Taub-Training können Sie Lähmungen von Armen und Händen wieder wegtrainieren

Inhaltsverzeichnis:

  1. Schonhaltungen verschlimmern die Beschwerden
  2. Der gesunde Arm ruht, der gelähmte muss arbeiten
  3. Zahlreiche Studien belegen die Erfolge des Taub-Trainings
  4. Vorbeugung ist das A und O
  5. Neue Therapien machen Hoffnung

Trotz der verbesserten Akut- und Rehabilitationstherapie leiden viele Patienten auch noch Monate oder Jahre nach einem Schlaganfall unter Sprachausfällen oder einseitigen Lähmungen von Armen und Händen, die ihren Alltag massiv einschränken und oft in die soziale Isolation führen.

Hier bietet das neue, aus den USA stammende Taub-Training, mit dem die fast immer vorhandenen Restfunktionen der gelähmten Muskeln ganz gezielt gestärkt werden, eine überaus wirksame Hilfe.

Wir erläutern Ihnen das einfache Grundprinzip dieses erfolgreichen Spezialtrainings und sagen Ihnen, wo Sie die Übungen unter professioneller Anleitung erlernen können.

Schonhaltungen verschlimmern die Beschwerden

Das Taub-Training ist nach seinem Entwickler, dem amerikanischen Professor Edward Taub von der Universität Birmingham/US-Bundesstaat Pennsylvania, benannt. Professor Wolfgang H. R. Miltner von der Universität Jena „importierte“ das Verfahren Mitte der 90er Jahre nach Deutschland und verfeinerte es.

Das Grundprinzip des Taub-Trainings lautet: die intakten Körperfunktionen bremsen und stattdessen die beeinträchtigten Nerven und Muskeln stimulieren.

Denn meist – das Phänomen kennen wir alle aus Erfahrung mit kleinen Verletzungen – schonen Schlaganfallpatienten z. B. ihren gelähmten Arm bewusst oder unbewusst und erledigen alle anfallenden Tätigkeiten mit dem gesunden Arm.

Bereitet das Sprechen Probleme, wird das oft durch Gestik und Mimik ausgeglichen. Das führt dazu, dass der Patient bald völlig verlernt, sich seiner noch bestehenden Fähigkeiten zu bedienen.

Und genau hier setzt das Taub-Training an, das die Patienten in einem zweiwöchigen ambulanten Kurs an einer (Reha-)Klinik erlernen.

Der gesunde Arm ruht, der gelähmte muss arbeiten

Und so funktioniert das Taub-Training: Bei Arm- und Handlähmungen wird der gesunde Arm in eine Schiene gelegt und damit ruhig gestellt. Als Patient müssen Sie nun bei allen Tätigkeiten Ihren gelähmten Arm benutzen.

Während des Kurses und auch später zu Hause beträgt die Übungszeit für dieses motorische Training drei bis fünf Stunden pro Tag – allerdings nicht am Stück: Zwischendurch wird eine längere Ruhepause eingelegt.

Vor Beginn des Trainings müssen sich alle Patienten in einem Therapievertrag verpflichten, die Schiene regelmäßig zu tragen.

Damit das Nervensystem den Gebrauch des gelähmten Arms wieder erlernt, muss der gesunde Arm nämlich fast die gesamte Zeit ruhig gestellt werden, auch beim Essen, abends und an den übungsfreien Wochenenden.


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Nur ausnahmsweise, z. B. zum Schlafen und zur Körperpflege, darf die Schiene abgelegt werden.

Die Übungen werden individuell auf die Patienten bzw. ihre Fähigkeiten abgestimmt und bestehen durchweg aus alltäglichen Verrichtungen, z. B. Servietten falten, Wäscheklammern an einer Leine befestigen oder Schrauben in Gewinde drehen.

Durch das Training werden abwechselnd verschiedene Nerven und Muskeln der Hand und des Arms aktiviert und so deren Beweglichkeit und Ausdauer deutlich verbessert.

Bei einer sprachlichen Behinderung absolvieren die Patienten mit einem Therapeuten spezielle Sprachübungen.

An die Stelle der Schiene zum Ruhigstellen des gesunden Arms tritt hier eine Sichtblende. Sie trennt den Patienten vom Therapeuten und zwingt ihn, auf Mimik und Gestik als Mittel der Verständigung zu verzichten.

Das Taub-Training fordert von den Teilnehmern eine hohe Motivation und einen enormen Durchhaltewillen. Denn besonders in der ersten Zeit ist das Training für Sie als Patient extrem schwierig und oft frustrierend.

Lassen Sie sich dadurch nicht entmutigen, sondern versuchen Sie, Rückschläge wegzustecken und weiterzuarbeiten.

Zahlreiche Studien belegen die Erfolge des Taub-Trainings

Ohne den gesunden Arm auskommen bzw. auf Gestik und Mimik verzichten zu müssen, wird gerade in den ersten Tagen einen eisernen Durchhaltewillen von Ihnen fordern. Halten Sie durch!

Denn das Taub-Training hat es vielen Menschen ermöglicht, ihren Alltag wieder selbstständig zu bewältigen. Das haben auch etliche wissenschaftliche Studien belegt.

So berichtete die Fachzeitschrift Journal of Rehabilitative Medicine im Jahr 2003 über eine Untersuchung an 270 Patienten, die nach einer Arm-Lähmung ein Taub-Training absolviert hatten: Bei über 95 % der Teilnehmer hatte sich die Beweglichkeit deutlich verbessert.

Kernspin-Untersuchungen können sogar den direkten Einfluss der Übungen auf die Gehirnfunktion sichtbar machen, wie das US-Fachblatt Neuroscience Letter bereits 1998 berichtete.

Die Bilder belegen, dass die Aktivierung der motorischen Gehirnareale durch die Therapie deutlich zunimmt. Und das sogar bei Patienten, bei denen der Schlaganfall im Durchschnitt bereits sechs Jahre zurücklag und die von ihrem Arzt als nicht mehr therapierbar eingestuft worden waren.

Wenn Sie sich für das Taub-Training interessieren, sollten Sie sich an Ihren behandelnden Facharzt (Neurologen) wenden.

Er wird zusammen mit Ihnen klären, ob die medizinischen Voraussetzungen für die Therapie gegeben sind, und Sie dann an eine entsprechende (Reha-)Klinik zum ambulanten Taub-Training überweisen.

Falls sich Ihr Arzt mit dem Taub-Training noch nicht auskennt, nehmen Sie am besten direkt mit einer Klinik Kontakt auf und klären mit dieser das weitere Vorgehen ab.


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Unser Rat: Die Kosten für das Training werden von allen Krankenkassen übernommen, wenn die Klinik einen entsprechenden Vertrag mit den Kassen abgeschlossen hat. Erkundigen Sie sich daher vor Beginn der Behandlung in der Klinik danach. Ansonsten sollten Sie eine ausnahmsweise Kostenübernahme bei Ihrer Krankenkasse beantragen.

Vorbeugung ist das A und O

In Deutschland trifft jedes Jahr mehr als 250.000 Menschen der Schlag. Etwa jeder Fünfte stirbt daran, rund 30 Prozent bleiben behindert. Die therapeutischen Möglichkeiten bei einem Schlaganfall sind heute deutlich besser als vor 20 oder 30 Jahren.

Trotzdem kommt es wegen der begrenzten medizinischen Mittel vor allem auf die Vorbeugung an.

Nach Schätzungen haben in Deutschland zwischen 18 bis 35 Millionen Menschen einen zu hohen Blutdruck. 30 bis 40 Prozent der Erwachsenen seien davon betroffen. Die Deutsche Herzstiftung warnt, ab einem Alter von 60 Jahren leide jeder Zweite unter zu hohen Blutdruckwerten.

„Leider kennen immer noch Millionen von Männern und Frauen ihren Blutdruck überhaupt nicht, weil sie ihn nicht messen lassen.“

Dies bemerkte der Hamburger Herzspezialist Professor Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Stiftung.

Vor allem für das Gehirn stellt ein zu hoher Blutdruck eine permanente Gefahr dar. Eine konsequente Blutdruck-Therapie könne das Risiko für einen Schlaganfall erheblich senken, so der Essener Neurologe Professor Hans-Christoph Diener.

Neue Therapien machen Hoffnung

Die Behandlungs-Möglichkeiten mit einem Katheter (Katheter-Ablation) haben sich verbessert und die medikamentösen Optionen haben sich erweitert.

Seit Januar existiert in Deutschland das Antiarrhythmikum Dronedaron für Patienten mit nicht-permanentem Vorhofflimmern auf dem Markt. In einer großen Studie hat das Präparat gezeigt, dass es Leben retten und vor Schlaganfällen schützen kann.

Im Mittelpunkt vieler Diskussionen stehen derzeit Medikamente, die die Gerinnung des Blutes hemmen. So können sie die Bildung von Blutgerinnseln im Gehirn vermeiden, die einen Schlaganfall verursachen.

Viele Spezialisten hoffen derzeit, dass die neuenArzneimittel das seit Jahrzehnten verwendete „Marcumar“ ablösen könnten.

Die bislang in wissenschaftlichen Untersuchungen erzielten Ergebnisse mit den neuen Wirkstoffen gelten als viel versprechend. Die neuen Arzneimittel beugen Schlaganfällen mindestens ebenso gut vor wie das bewährte „Marcumar“, haben zum einen den Vorteil, dass sie keine regelmäßigen Kontrollen der Blutgerinnung erfordern.

Zum anderen kommt es unter den neuen Substanzen bei korrekter Anwendung seltener zu gefährlichen Blutungen, etwa im Magen-Darm-Trakt und im Gehirn.

Wie bei allen neuen Arzneimitteln müssen diese Medikamente noch zeigen, dass sie nicht nur in Studien gut abschneiden. Sie müssen sich im Alltag bewähren. Da noch nicht genügend Erfahrungen vorliegen, einigten sich die Mediziner in ihrem Urteil noch nicht darüber, welchen Stellenwert diese neuen Medikamente einnehmen.

Des Weiteren bleibt noch unklar, ob die Therapie mit ihnen unter ökonomischen Gesichtspunkten der Marcumar-Therapie gleichwertig oder überlegen ist.

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