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Restless Legs Syndrom: Einfache Selbsthilfemaßnahmen

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Kurz vor dem Einschlafen spüren Sie ein unangenehmes Kribbeln in den Beinen. Dieser Reiz verschwindet nur, wenn Sie aufstehen und umherlaufen.

In letzter Zeit scheint das fast jede Nacht vorzukommen.

Ihr Arzt nennt es Restless-Leg-Syndrom (RLS) oder das „Syndrom der unruhigen Beine“. Glücklicherweise gibt es aber eine Reihe von einfachen Selbsthilfemaßnahmen und Medikamenten, die helfen können.

Jedem 15. Deutschen zucken nachts die Beine

Bei dem Syndrom der unruhigen Beine entwickeln Sie einen unwiderstehlichen Drang, die Beine zu bewegen, während Sie sitzen oder liegen.

Betroffene beschreiben das Gefühl typischerweise als tief sitzendes Kribbeln, Beißen, Stechen oder Brennen in Oberschenkel, Wade, Fuß – oder seltener – Arm. Die Empfindungen sind meist unangenehm, aber nicht schmerzhaft.

Die Symptome treten häufig während Ruhephasen auf und verschlimmern sich im Laufe des Abends. Um diese Situation zu entschärfen, können Sie die Beine dehnen, schütteln, umher schreiten oder sportliche Übungen machen.

Viele Betroffene können nur schlecht einschlafen und/oder durchschlafen. Diese als Insomnien bezeichneten Schlafstörungen können zu übermäßiger Tagesmüdigkeit führen.

Das Syndrom der unruhigen Beine zieht keine anderen Erkrankungen nach sich, aber die Symptome können irritierend bis stark behindernd sein. Meist schwankt die Schwere der Symptome.

Zeitweise können sie sogar verschwinden. Laut Schätzung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie betrifft die Störung etwa 5 bis 10 % der Bevölkerung.

Oft ist die Ursache unbekannt. Wissenschaftler haben ein Ungleichgewicht des Gehirn-Botenstoffes Dopamin in Verdacht, der für die Kontrolle der Muskelbewegungen verantwortlich ist. Stress verschlimmert die Störung.

Die Störung kommt bei mehr als 50 % der Fälle familiär gehäuft vor. Weiterhin kann sie bei Schwangerschaften, peripherer Neuropathie, Eisenmangel und Nierenversagen auftreten.

Mögliche Ursachen des RLS

Primäres RLS: Primär bedeutet, dass eine eigenständige Ursache der Krankheit vorliegt.

Experten vermuten, dass die Informationsübertragung durch bestimmte Botenstoffe (Dopamin) bei den Nervenzellen im Gehirn gestört ist. Darüber hinaus vermuten Wissenschaftler, dass RLS vererbt wird.

Restless Legs als Folgeerkrankung: RLS kann auch durch folgende Krankheiten verursacht werden (symptomatische RLS):

  • ausgeprägte Nierenfunktionsschwäche
  • Blutarmut infolge Eisenmangel
  • Polyneuropathie.

RLS kann außerdem durch die Einnahme von bestimmten Psychopharmaka oder durch Genussmittel (Kaffee, Alkohol) hervorgerufen werden.

Wie Sie mit den Symptomen umgehen

Ihr Arzt wird Grunderkrankungen wie zum Beispiel einen Eisenmangel ausschließen müssen. Wenn Ihre Ferritin-Werte im Blut niedrig sind, kann Ihr Arzt Eisentabletten empfehlen.

Diese sollten Sie aber unter ärztlicher Aufsicht einnehmen, da ein Zuviel dieser Substanz schädlich ist. Einige Medikamente können die Symptome verstärken. Dazu gehören Wirkstoffe gegen Übelkeit, Kalziumkanalblocker, Antihistamine und die meisten Antidepressiva.

Wenn die Lebensqualität erheblich eingeschränkt ist, kann RLS – unter ärztlicher Kontrolle – mit Medikamenten wie z.B. Opiaten behandelt werden. Opiate (z.B. Codein) werden in besonders schweren Fällen gezielt gegen die nächtlichen Beinbewegungen eingesetzt.

Wenn die Lebensqualität erheblich eingeschränkt ist, kann RLS – unter ärztlicher Kontrolle – mit Medikamenten wie z.B. Opiaten behandelt werden. Opiate (z.B. Codein) werden in besonders schweren Fällen gezielt gegen die nächtlichen Beinbewegungen eingesetzt.

Das Mittel erster Wahl ist für viele RLS-Betroffene ein Kombinationspräparat, mit dem auch Parkinson-Kranke behandelt werden.

Seniorin massiert ihre Beine auf der Couch

Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass die Wirkstoffe dieser Arzneimittel (Levodopa und Benserazid) die unangenehmen Beschwerden von RLS deutlich lindern können.

Zusammengefasst können die folgenden verschreibungspflichtigen Präparate die Symptome reduzieren:

  • Parkinson-Medikamente – Dazu gehören Ropinirol (Requip®), Prami-pexol (Sifrol®), Pergolid (Parkotil®) und eine Kombination von Carbidopa und Levodopa (Nacom®) sowie von Levodopa und Benserazid (Restex®).
  • Epilepsie-Medikamente – Antikonvulsiva wie Gabapentin (Neurontin®) können helfen.
  • Opioide – Schmerzmittel können leichte bis mäßige Symptome lindern, aber in hohen Dosierungen süchtig machen. Dazu gehören Kodein, eine Kombination von Oxycodon und Acetaminophen (Percocet®, Roxicet®) und eine Kombination von Hydrocodon und Acetaminophen (Lortab®, Vicodin®). Diese Medikamente sind in Deutschland nicht zugelassen.
  • Beruhigungsmittel (Sedativa) – Diese Wirkstoffgruppe ist auch als Benzodiazepine bekannt und fördert den nächtlichen Schlaf, kann aber zu Tagesmüdigkeit führen. Dazu gehören Diazepam (Faustan®, Valium®), Temazepam (Remestan®) und Triazolam (Halcion®).

Es kann einige Zeit dauern, bis Sie den richtigen Wirkstoff und die richtige Dosierung gefunden haben, bei der die Nebenwirkungen minimal sind. Manchmal kann eine Kombination von Wirkstoffen sinnvoll sein.

RLS: Zu viel Glutamat verhindert genügend Schlaf

Restless Legs Syndrom ist eine der häufigsten Nervenerkrankungen. Immerhin rund 10 Prozent aller Deutschen sind von dieser Krankheit betroffen, von der wir nur wissen, dass Dopamin, ein Nervenbotenstoff, an ihr beteiligt ist.

Forscher der John Hopkins University School of Medicine haben nun herausgefunden, dass die schlaflosen Nächte, die viele der RLS-Patienten zusätzlich quälen, durch Glutamat, einen bestimmten Botenstoff, ausgelöst werden können.

Sie hatten eine kleine Musterstudie mit 28 erkrankten und 20 gesunden Menschen durchgeführt. Angewandt wurde die Magnetresonanztherapie – mit ihr wurde die Aktivität von eben diesem Glutamat bestimmt.

Es handelt sich dabei um einen Neurotransmitter, der regelt, wie wach wir wann sind. Bei der Untersuchung konzentrierten sich die Forscher auf den Thalamus.

Dieser Bereich im Gehirn reguliert Bewusstsein und Schlaf.

Die Wissenschaftler entdeckten, dass die Patienten, die unter RLS litten, einen unnormal hohen Glutamat-Spiegel im Gehirn aufwiesen. Je mehr Glutamat sich nachweisen ließ, umso schlechter war der Schlaf.

Bei den gesunden Studienteilnehmern war dieser Zusammenhang nicht zu finden.

Auch lässt sich so eventuell erklären, warum Patienten mit RLS nur rund 5,5 Stunden pro Nacht schlafen, tagsüber aber nicht müde sind. Das Glutamat hält das Gehirn Tag und Nacht wach.

Nach Aussage der Forscher sollte die Therapie von RLS überdacht werden – es gibt bereits Medikamente, die sich auf den Glutamatspiegel auswirken; diese werden aber nur selten eingesetzt.

So helfen Sie sich zu Hause

Andere hilfreiche Maßnahmen sind die Einnahme von rezeptfreien Schmerzmitteln oder das Baden und Massieren der betroffenen Extremität. Kalte oder warme Umschläge können die Empfindlichkeit herabsetzen.

Da Stress die Situation verschlimmern kann, sollten Sie lernen, sich zu entspannen – besonders vor dem Schlafengehen. Beginnen und beenden Sie Ihren Tag mit Dehnübungen.

Erschöpfung kann ebenfalls die Symptome verstärken. Gehen Sie nicht zu früh ins Bett und bleiben Sie tagsüber aktiv, ohne sich zu überanstrengen oder spät am Tag zu arbeiten. Konsumieren Sie weniger Koffein, Alkohol und Tabak, die alle die Symptome auslösen oder verschlimmern können.

Langeweile und Tagesmüdigkeit vor dem Schlafengehen haben ebenfalls einen negativen Einfluss. Tätigkeiten wie Nähen, Sticken oder das Lösen von Kreuzworträtseln kann helfen.

Was Sie noch tun können:

  • Betreiben Sie regelmäßig einen Sport, bei dem Sie Ihre Beine bewegen (z.B. Gymnastik, Schwimmen, Radfahren).
  • Geben Sie Ihrem Schlafbedürfnis nach, auch am Tag. Starke körperliche Anstrengung am Tag kann den Schlaf nicht erzwingen.
  • Kaffee und Alkohol sollten Sie lieber meiden

Weitere Informationen erhalten Sie von der Deutschen Restless Legs Vereinigung: RLS e. V. Deutsche Restless Legs Vereinigung, Schäufeleinstr. 35, 80687 München, Tel.: 089/ 55 02 88 80, Fax: 089/ 55 02 88 81.

Unter www.restless-legs.org finden Sie im Internet Informationen einer deutschen Selbsthilfegruppe mit vielen Informationen zu Schlaflaboren, Ärzten und regionalen Aktivitäten.

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