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Demenz: Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Demenz ist keine spezifische Krankheit, sondern der Oberbegriff für Störungen des abstrakten Denkens, des Gedächtnisses und des Urteilsvermögens. Sie ist der Verlust der intellektuellen und sozialen Fähigkeiten, was Ihre Alltagsfunktionen auf Dauer beeinträchtigt. Demenz betrifft folgende Fähigkeiten: Denken, Sprechen, Argumentieren, Erinnern und Bewegen.

Als häufigste Ursache der Demenz gilt die Alzheimer-Krankheit. Dabei degeneriert ein Teil des Hirngewebes, sodass Gedächtnis und geistige Leistungsfähigkeit mit der Zeit verloren gehen. Neben der Alzheimer-Krankheit gibt es noch andere Demenzformen. Mit dem Fortschreiten der Demenz kommt es häufig zu einer Behinderung. Glücklicherweise entwickelte die Forschung in den vergangenen Jahren Therapien, die das Fortschreiten bremsen.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Demenz: Mehr als nur die Alzheimersche Krankheit
  2. Schreckgespenst Alzheimer: 7 wichtige Fakten
  3. Möglichkeiten der Diagnose
  4. Kann man mit Medikamenten vorbeugen?
  5. Alzheimer: Mehr Frauen als Männer betroffen
  6. Warum Diabetiker eher an Alzheimer erkranken
  7. Schützende Gehirnnahrung

Demenz© Adobe Stock – luckybusiness

Demenz: Mehr als nur die Alzheimersche Krankheit

Die meisten Fälle von Demenz sind unheilbar. Es kommen dafür folgende Ursachen in Frage:

  • Veränderungen in der Gehirnstruktur – Die Alzheimersche Krankheit gilt als Ursache für mehr als die Hälfte aller Demenzfälle bei älteren Menschen. Andere Patienten leiden unter Demenz infolge von Durchblutungsstörungen im Gehirn, multiplen kleinen Gehirninfarkten infolge der Parkinsonschen Krankheit, Gehirntumoren oder Traumen.
  • Infektionen – Erkrankungen durch den HIV-Virus, Tuberkulose und andere Infektionskrankheiten können zu Demenz führen. In 10 bis 30 Prozent der Fälle ist eine behandelbare medizinische Erkrankung die Ursache für Demenz-Symptome.
  • Stoffwechselstörungen bzw. durch toxische Einflüsse bedingte Veränderungen – Einige Arten von Demenz entstehen durch übermäßige Arzneimitteleinnahme, durch Alkoholmissbrauch, Mangelernährung oder eine Schilddrüsenfunktionsstörung.
  • psychische ErkrankungenDepressionen oder Angstzustände verursachen unter Umständen Beschwerden, die eine Demenz imitieren (oder als Demenz fehlgedeutet werden).

Schreckgespenst Alzheimer: 7 wichtige Fakten

Das Wissen über die Krankheit ist für Sie wichtig, wenn Sie mit einem Alzheimer-Patienten umgehen. Informieren Sie aber auch Ihre Freunde und Angehörigen. Dann ist es wichtig, wenn Ihr Umfeld sensibel auf (Ihre) Veränderungen reagiert.

  1. Vergesslichkeit ist nicht gleich Demenz. Wir kennen es alle: Es ist peinlich, einen Termin zu vergessen oder wenn uns der Name eines guten Bekannten gerade nicht einfällt. Das passiert Jung und Alt, aber mit zunehmendem Alter halt öfter – ein normaler Alterungsprozess. Anders sieht es aus, wenn jemand innerhalb weniger Minuten die gleiche Frage stellt. Das ist ein deutliches Zeichen für Demenz.
  2. Diese Form von Demenz ist heilbar. Demenz hat viele Unterformen, einige davon sind heilbar. Bestes Beispiel: Ein Vitamin-B12-Mangel kann eine Demenz auslösen, ist aber einfach durch Präparate zu beheben. Bei den häufigsten Formen sieht es leider anders aus: Beispielsweise leiden etwa 15 Prozent der Demenzpatienten an vaskulärer Demenz. Eine chronische Durchblutungsstörung des Gehirns ist der Auslöser. Bestimmte Faktoren wie Einsamkeit, Traumata (z. B. Kriegserlebnisse), Bluthochdruck, Rauchen, einseitige Ernährung und Alkohol können das Demenzrisiko erhöhen.
  3. Die Entstehung von Alzheimer: Weiterhin viele Rätsel. Alzheimer äußert sich durch einen Abbau von Nervengewebe im Gehirn bzw. einen Schwund der Gehirnrinde. Auslöser für die absterbenden Zellen sind Plaques (Eiweißablagerungen, die den Stoffwechsel zwischen Nervenzellen stören). Warum diese Plaques entstehen, ist trotz intensiver Forschung weiterhin unklar. Wenn aber in der Familie mehrere Fälle von Alzheimer aufgetreten sind, ist das Risiko für die nächste Generation erhöht.
  4. Wichtig für eine erfolgreiche Therapie: Frühzeitig zum Arzt. Eine frühzeitige Diagnose ist elementar wichtig für die wirkungsvolle Behandlung. Das Fatale: Die Patienten selbst sind bezüglich der Krankheitsanzeichen meist nicht einsichtig. Sie wirken auch auf ihre Umwelt häufig vollkommen gesund. Angehörige erleben den Betroffenen näher. Die erste Anlaufstelle ist dann der Hausarzt, der eine Überweisung zum Neurologen oder in eine Gedächtnisambulanz ausstellt. Es folgen verschiedene Untersuchungen.
  5. Die wichtigsten Säulen einer Alzheimer-Therapie. Leider ist die Alzheimer-Krankheit immer noch nicht heilbar, aber sie kann zumindest für eine Weile in Schach gehalten werden. Erfolgreich ist das Vier-Säulen-Modell: 1. Medikamente, die das Fortschreiten verlangsamen (z. B. Memantine), 2. Medikamente, die Symptome wie nächtliche Unruhe, Aggressivität und Angstzustände lindern (z. B. Risperidon), 3. Ergo- und Physiotherapien als Hilfe bei der Alltagsorientierung, 4. Unterstützung für die Angehörigen, damit sie sich nicht selbst verlieren und gesund bleiben (das ist so wichtig, da viele pflegende Angehörige selbst schon über 65 Jahre alt sind).
  6. Einen klassischen Alzheimer-Verlauf gibt es nicht. Viele Patienten entwickeln Angstzustände, Unruhe und werden auch aggressiv, andere sind hingegen leicht zu pflegen, friedlich und freundlich. Um die Lage zu entschärfen, sollte dem Patienten Bürokratisches abgenommen werden wie beispielsweise das Erstellen der Steuererklärung. Eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht sollten Sie ebenfalls frühzeitig gemeinsam mit dem Betroffenen anfertigen.
  7. Wichtig für Alzheimer-Patienten: Wertschätzung. Keiner mag ständig mit seinen Fehlern konfrontieret werden. Erzählt der Patient eine Geschichte mehrmals, dann versuchen Sie es locker zu nehmen und nicht zu kommentieren. Akzeptieren Sie „seine Welt“. In der Psychotherapie wird dieses Verhalten als Wertschätzung bezeichnet. Betroffene erreichen Sie gut über Emotionen (schöne Erinnerungen, z. B. die Hochzeit, die Geburt der Kinder). Die Biografie eines Menschen kann Gespräche erleichtern.

Lebenserinnerungen© Adobe Stock – Gabriele Rohde

Checkliste: Diese Warnzeichen können auf eine Demenz hindeuten

Nutzen Sie die Übersicht als Checkliste zum Ankreuzen. Betroffene sollten dann zu ihrem Arzt gehen.

Vergesslichkeit: Die meisten Menschen vergessen ab und an Namen oder Termine. Häufen sich diese Vorfälle und treten außerdem unerklärliche Verwirrtheitszustände auf, kann das ein Zeichen für eine verminderte Gedächtnisleistung sein. Das wirkt sich zunehmend auf die Arbeit und das tägliche Leben aus.
Schwierigkeiten mit gewohnten Handlungen: Menschen mit Demenz vergessen hin und wieder nicht nur den Topf auf dem Herd – wie wir alle mal – sondern auch dass sie gekocht haben. Oder Betroffene können ein bekanntes Rezept plötzlich nicht mehr kochen. Auch bürokratische Handlungen (z. B. Rechnungen, Kontoübersicht) fallen schwerer.
Sprachprobleme: Wortfindungsstörungen kennen wir alle! Demenzkranken fallen aber oft die einfachsten Begriffe nicht mehr ein. Stattdessen verwenden sie unpassende Füllwörter und umschreiben sehr kompliziert, was sie sagen wollen.
Räumliche und zeitliche Orientierungsprobleme: Bei Demenzpatienten kann es passieren, dass sie nicht wissen, welche Jahreszeit wir haben. Oder sie stehen in der „eigenen“ Straße und wissen nicht mehr, wo sie sind, wie sie dorthin gekommen sind und wie sie ihre Wohnung finden.
Eingeschränkte Urteilsfähigkeit: Bei Menschen mit Demenz ist die gewählte Kleidung manchmal völlig unangebracht. Sie tragen z. B. einen Bademantel beim Einkaufen oder mehrere Blusen an einem heißen Sommertag übereinander.
Probleme mit Geldgeschäften: Den Überblick über Kontobewegungen zu behalten, ist für die meisten Menschen eine Herausforderung. Bei Menschen mit Demenz ist die Beeinträchtigung gegebenenfalls so stark, dass sie oft weder Zahlen einordnen noch einfache Rechnungen durchführen können, da ihr abstraktes Denken damit massiv überfordert ist.
Liegenlassen von Gegenständen: Demenzkranke legen ihre Gegenstände häufig an völlig unangebrachten Plätzen ab, wie z. B. Schmuck in den Kühlschrank oder eine Uhr in die Zuckerdose. Und dann finden sie die Sachen nicht mehr wieder.
Persönlichkeitsveränderungen: Die Persönlichkeit eines Demenzkranken kann sich kurzfristig sehr deutlich verändern. Eine normalerweise freundliche Person wird häufiger ärgerlich, eifersüchtig oder ängstlich. Ihre Stimmung kann sehr abrupt schwanken. Sie wird plötzlich reizbar, streitsüchtig und/oder misstrauisch. Das gilt aber nicht für alle Demenzkranken, manche sind gleich bleibend friedlich.
Verlust der Eigeninitiative: Demenzkranke verlieren den Schwung bei ihrer Arbeit und das Interesse an ihren Hobbys manchmal vollständig. Ihre Motivation, etwas zu unternehmen oder etwas Neues zu entdecken, lässt nach.

Pflichtgefühl im Job kann vor Alzheimer schützen

Dass es zu dieser Demenzerkrankung kommen kann, wenn das Gehirn wenig zu tun hat, fanden Forscher des University Medical Center in Chicago heraus. Sie untersuchten 1.000 katholische Nonnen und Mönche. Mit Bedacht hatten sie diese Teilnehmer gewählt: Sie haben ein Leben, das in geordneten Bahnen verläuft, und gehen täglichen Aufgaben nach, sind also ständig aktiv. Zudem haben sie die gleichen Lebensbedingungen. Die Teilnehmer mussten angeben, wie selbstdizipliniert sie sind. Dazu wurden ihnen Fragen vorgelegt, die sie anhand einer Punktetabelle bewerten mussten. So beantworteten sie unter anderem die Frage, ob sie ihre Aufgaben stets bis zum Ende erledigen.

Im Durchschnitt erreichten die Teilnehmer 34 von 48 möglichen Punkten. Innerhalb von zwölf Jahren erkrankten 176 Teilnehmer an Alzheimer. Dabei stellte sich heraus, dass diejenigen, die mehr als 40 Punkte erreicht hatten, damit besonders viel Pflichtgefühl zeigten, ein um 89 Prozent niedrigeres Alzheimer-Risiko aufwiesen, verglichen mit denen, die nur 28 Prozent erreicht hatten. Allerdings stellte sich nach dem Tod von über 300 Teilnehmern heraus, dass die Arbeit und das Pflichtgefühl sie vor dem geistigen Verfall schützte, nicht aber vor den körperlichen Ausprägungen der Demenz. Denn bei Hirnautopsien fanden sich bei allen gleich häufig Alzheimerplaques im Gehirn. Die Forscher gehen davon aus, dass Menschen, die viel Disziplin und Pflichtgefühl aufweisen, was ihre Arbeit angeht, seltener an Alzheimer erkranken. Dadurch können sie chronischen Stress und negative Ereignisse im Leben besser abfangen.

Möglichkeiten der Diagnose

Wir haben es früh genug entdeckt – diesen Satz möchte jeder Patient hören, wenn der Arzt ihn informiert, dass er eine schwere Krankheit diagnostiziert hat. Vor allem dann, wenn diese Krankheit in der Lage ist, den Patienten seiner Erinnerung von Jahren und sogar Jahrzehnten zu berauben. Vor allem bei Alzheimer spielt die frühe Entdeckung eine wichtige Rolle bei der Behandlung. Darum könnte sich ein neues und einfaches Diagnoseverfahren auch als wichtiges Werkzeug bei der frühzeitigen Entdeckung erweisen.

Wissenschaftler von drei Universitäten aus dem Nordosten der Vereinigten Staaten berichteten von einem Versuch mit dem EEG, mit dem Gehirnströme gemessen werden, den sie am 70 Personen durchgeführt hatten. Ein Teil der Patienten hatte Alzheimer, die anderen nicht. Das EEG zeigte deutlich, dass die Gehirne von Alzheimerpatienten anders auf Gerüche reagieren als die von gesunden Menschen. Die Genauigkeit dieses Tests betrug 80 Prozent. Bis sich aber diese Methode durchgesetzt hat, gibt es aber noch einen einfacheren Weg, wie Ärzte und auch Patienten die frühesten Signale einer beginnenden Alzheimererkrankung erkennen können.

So erkennen Sie die Erkrankung

Alzheimer verläuft in drei Stadien, die unterschiedlich lange, durchschnittlich jedoch etwa drei Jahre andauern. Zunächst lässt das Kurzzeitgedächtnis nach, die Betroffenen vergessen beispielsweise zuvor Gesagtes sehr schnell. Ihr Wortschatz wird kleiner und ehemalige Hobbys interessieren sie nicht mehr. Im mittleren Stadium finden sich die Patienten in ihrer gewohnten Umgebung nicht mehr zurecht. Längere Konzentrationsphasen, wie sie etwa beim Autofahren nötig sind, werden so gut wie unmöglich.

Vor allem im Spätstadium wird deutlich, dass der Erkrankte seine Orientierung verloren hat: Selbst vertraute Personen werden jetzt nicht mehr erkannt. Die Kontrolle über körperliche Funktionen geht verloren.

Demenz: Erinnerungslücken© Adobe Stock – Naeblys

Ein gestörter Geruchssinn sagt viel über Ihr Gehirn aus

Wissenschaftler wissen seit einigen Jahren, dass die Fähigkeit, Aromen zu erkennen, bei Alzheimer-Patienten gestört ist. Keiner weiß, warum das so ist. Entscheidend ist aber, dass Forscher der Columbia-University dies als Diagnose-Tool einsetzen. Mehr als 200 Menschen nahmen an ihrem Versuch teil und sollten 400 verschiedene Gerüche identifizieren. Von drei Vierteln der Teilnehmer war bekannt, dass sie unter mildem Gedächtnisverlust litten, die anderen dienten als Kontrollpersonen.

Nach dem Test wurden diejenigen mit den Gedächtnisstörungen durchschnittlich fünf Jahre begleitet, um ihre gesundheitliche Weiterentwicklung zu verfolgen. Als die Wissenschaftler ihre Daten auswerteten, zeigte sich, dass es einige Gerüche gibt, deren Nichterkennen deutlich auf eine Alzheimer-Erkrankung hinweisen kann. Dies sind:

  • Nelken
  • Leder
  • Limone
  • Menthol
  • Gas
  • Ananas
  • Rauch
  • Seife
  • Erdbeeren

Erstaunlicherweise zeigte dieser Test eine größere Genauigkeit bei der Vorhersage einer Alzheimer-Erkrankung als andere Testmethoden, zum Beispiel genetische Tests. Es wird noch einiges an Forschung nötig sein, bevor die Wissenschaft dem Geruchstest hundertprozentig vertraut. Aber in der Zwischenzeit kann man diese Ergebnisse zumindest als kleinen Hinweis für eine Alzheimer-Diagnose verwenden.

Kann man mit Medikamenten vorbeugen?

Studien untersuchten, inwieweit Medikamente eine Demenz verzögern. Vor kurzem identifizierten Wissenschaftler eine Substanzgruppe, die einen Zugewinn an wertvoller Zeit für Menschen mit einer gedächtnisrelevanten Vorform, dem Mild Cognitiv Impairment (MCI, leichte kognitive Störung) erbringt. Das MCI gilt als Übergangsform zwischen normaler, altersbedingter Vergesslichkeit und ernsteren, Demenz-assoziierten Problemen. Eine Studie zeigte, dass der Wirkstoff Donepezil (Aricept®), ein Acetylcholinesterase (AChE)-Hemmer, das Risiko des Fortschreitens von MPI zur Alzheimer-Krankheit in bis zu 18 Monaten reduzierte.

Andere Studien untersuchen die AChE-Hemmer Galantamin (Reminyl®) und Rivastigmin (Exelon®), um damit ähnliche Effekte zu erzielen. Unter Umständen hörten Sie über viele andere Möglichkeiten, um den Ausbruch einer Demenz zu verzögern. Zu den untersuchten Therapien gehören die Bewegungstherapie und die Gabe von Vitaminen, welche die Homozystein-Spiegel reduzieren. Die Aminosäure Homozystein gilt nämlich nach neueren Erkenntnissen ebenfalls als Risikofaktor für die Gesundheit der Nervenzellen. Viele der Untersuchungsergebnisse fallen allerdings widersprüchlich aus. Weitere Tests sind nötig, um die verschiedenen Optionen zur Verzögerung einer Demenz zu bewerten.

Mit Hormonersatztherapie erkranken weniger Frauen

Frauen mit einer Hormonersatztherapie erkranken nicht so häufig an einer Alzheimer-Demenz wie Frauen, die sich nicht einer solchen Behandlung unterziehen. Das zeigt eine Studie, die im November 2002 im Journal of the American Medical Association (JAMA) erschien.

Die Untersuchung schloss 1.889 Frauen mit einem mittleren Alter von75 Jahren ein. Zu Beginn war keine der Teilnehmerin an Alzheimer erkrankt. Von jeder Frau erfasste man die Daten vorhergegangener oder bestehender Hormonersatztherapien. Drei Jahre später entwickelten 88 Frauen (5 Prozent) eine Alzheimer-Demenz.

Die wichtigsten Risikofaktoren für Demenz

Trotz fieberhafter Forschung ist es der Wissenschaft noch nicht gelungen, ein Medikament gegen die Alzheimer-Demenz zu entwickeln. Umso wichtiger ist es für Sie zu wissen, wie man der Krankheit vorbeugt. Inzwischen spricht in der Wissenschaft vieles dafür, dass einige wenige Lebensstilfaktoren das Alzheimerrisiko maßgeblich beeinflussen. Nach Schätzungen von Experten sind solche vermeidbaren Risiken die Ursache für jede zweite Demenzerkrankung: Jeder zweite Fall ist also vermeidbar. Forscher der Universität London errechneten anhand der vorliegenden Daten die sieben wichtigsten Risikofaktoren errechnet.

Die Liste wurde im Juli 2014 erstmals in der Fachzeitschrift „The Lancet Neurology“ vorgestellt: Auf dem ersten Platz steht in Europa der Bewegungsmangel. Er ist offenbar für etwa 20 Prozent der Alzheimerfälle verantwortlich. Es folgen das Rauchen und ein niedriger Bildungsgrad mit jeweils 14 Prozent, dann Depressionen (11 Prozent). Im einstelligen Bereich liegen die Risikoanteile von Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht.

Alzheimer: Mehr Frauen als Männer betroffen

Am 25. November 1901 wurde Auguste Deter in die städtische Irrenanstalt Frankfurt am Main eingeliefert. Sie wurde als „völlig verblödet“ beschrieben. Eine drastische Beschreibung, die zu der damaligen Zeit in Medizinerkreisen durchaus üblich war. Die Frau erweckte das Interesse des Psychiaters Alois Alzheimer. Dieser erforschte seinerzeit die organischen Ursachen von Hirnleistungsstörungen. Auguste Deter verstarb. Alzheimer sezierte ihr Gehirn und entdeckte Eiweißablagerungen und tote Nervenzellen und deutete dies als Auslöser für die seltsamen Symptome.

Mehr als 1,3 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Demenz, ein Großteil von ihnen an Alzheimer. Und da wir Menschen immer älter werden, gehen Forscher davon aus, dass auch die Krankheitszahlen steigen. Bis zum Jahr 2050 sollen sie sich verdoppeln. Dabei haben Frauen eine fast doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit, zu erkranken, verglichen mit Männern. Mit zunehmendem Alter nimmt in der Bevölkerung die Häufigkeit der Demenzkranken exponentiell zu. Das Risiko einer 65-jährigen Frau, in der ihr verbleibenden Lebenszeit an einer der Formen von Demenz zu erkranken, liegt bei 34,5 Prozent. Das eines gleichaltrigen Mannes liegt bei 16 Prozent.

Demenz: Mehr Frauen sind betroffen© Robert Kneschke – Fotolia

Ist die längere Lebenserwartung schuld?

Jahrelang haben Wissenschaftler die Meinung vertreten, dass dieses deutlich erhöhte Krankheitsrisiko darin seine Ursache hat, dass Frauen länger leben als Männer. Sie haben also „mehr Zeit“, zu erkranken. Alzheimer ist in der Regel eine Erkrankung, die erst in höherem Alter ausbricht bzw. sich nach außen hin bemerkbar macht.

Aber auf Dauer ließ sich diese Begründung nicht halten. Denn schon jüngere Frauen unter 65 Jahren erkranken doppelt so häufig wie Männer. Der Grund, warum die längere Lebenserwartung als Grund für das höhere Risiko angegeben wurde, lag übrigens daran, dass man früher nur erkrankte Menschen beobachtet hat. Heute aber wissen wir, dass schon viel eher die ersten Krankheitssymptome auftauchen. Auf diese frühen Gehirnveränderungen bzw. Krankheitssymptome achten Forscher aber erst seit einigen Jahren. Bezieht man diese mit ein, erkennt man: Generell sind Frauen häufiger betroffen.

Nach der Menopause verändern sich Hormonstatus und Gehirn

Forscher des Bringham and Women’s Hospital in Boston haben daher Daten der New England Family Study genauer ausgewertet und sich dabei auf Menschen im mittleren Alter konzentriert, auf 200 Männer und Frauen zwischen 47 und 55 Jahren. Durch diese Altersspanne hatten sie die Möglichkeit, die Gedächtnisfunktionen der teilnehmenden Frauen vor, während und nach den Wechseljahren zu vergleichen. Die Ergebnisse sprachen eine eindeutige Sprache. Die Frauen schnitten in Gedächtnistests deutlich besser ab als Männer gleichen Alters. Das galt aber nur bis zur Menopause. Danach lagen sie mit den gleichaltrigen Männern gleich auf, vor allem, was Fähigkeiten wie Organisieren, Strukturieren oder Informationsauswertungen anging. Das Gedächtnis ließ also mit Beginn der Wechseljahre nach.

Die Wissenschaftler fanden zudem heraus, dass Gedächtnisleistung und Hormonspiegel zusammenhingen. Höhere Östradiol-Spiegel (Östradiol ist das weibliche Geschlechtshormon) sorgen für bessere Gedächtnisleistungen. Mit Beginn der Menopause kommt es nicht nur zu Veränderungen im Hormonhaushalt, sondern auch zu Veränderungen im Gehirn. Und diese, so die Forscher, können zum Entstehen von Alzheimer führen. Die Forscher hoffen, dass diese Ergebnisse dazu beitragen können, Menschen mit einem sehr hohen Alzheimer-Risiko früher zu identifizieren. Dann könnte eine Therapie eventuell erfolgreicher sein als wenn die Erkrankung bereits ausgebrochen ist. Denn für den Fall, dass Alzheimer erst mit dem Auftreten der ersten Symptome erkannt wird, gibt es immer noch keine wirksamen Medikamente.

Warum Diabetiker eher an Alzheimer erkranken

Verschiedenste Studien haben es gezeigt: Menschen, die unter Diabetes oder Übergewicht leiden, erkranken deutlich häufiger an Alzheimer als andere. Aber warum ist das so? Bisher gab es hierauf noch keine Antwort. Das hat sich nun geändert: Wissenschaftler der University of Bath fanden heraus: Die mögliche Ursache für diesen Zusammenhang können erhöhte Blutzuckerwerte sein. Hierunter leiden in erster Linie Diabetiker. Aber auch bei Menschen mit Übergewicht kommt es sehr oft zu diesen erhöhten Glukosewerten.

Wie wirkt Zucker aufs Gehirn?

Aber was ist der Effekt, der Zusammenhang – wieso wirken sich die erhöhten Werte so auf das Gehirn aus? Die Forscher gehen von einem biochemischen Vorgang aus. Es könnte sich um eine Art Verzuckerung der Eiweißmoleküle handeln. Dabei kann sich Zucker, der im Blut vorhanden ist, an Eiweiße anlagern. So werden diese in Struktur und Funktion geschädigt. Betroffen von diesem Vorgang ist auch ein spezielles Enzym, das MIF (macrophage migration inhibitory factor). Wichtig ist das Enzym, wenn es um die Insulinregulierung im Körper geht. Aber es wirkt sich auch auf die Immunreaktionen aus. Und seine dritte Aufgabe liegt im Gehirn: MIF ermöglicht den Gliazellen, fehlerhafte Eiweiße zu entfernen.

Die Forscher haben für ihre Studie die Gehirne von Menschen, die unter Alzheimer litten, aber auch die von gesunden Menschen untersucht. Dabei konnten sie erkennen, dass das MIF schon im frühen Alzheimer-Stadium nicht mehr ausreichend seiner Arbeit nachgehen konnte, wenn es zu einer Verzuckerung im Körper gekommen war. Und je länger die Patienten an Alzheimer litten, desto mehr war MIF durch die Verzuckerung geschädigt.

Verzichten Sie auf zu viel Zucker

Normalerweise würden die Körpervorgänge so ablaufen, dass MIF als Immunreaktion tätig wäre. Es würde geschädigte Proteine im Gehirn abfangen und Sie so vor der Demenzerkrankung schützen. Aber der Zucker schädigt die MIF-Funktionen. Daher ist der Schutz nicht mehr gegeben. Die Wissenschaftler vermuten hier einen Schlüsselfaktor, der es erst zulässt, dass es zur Entstehung von Alzheimer kommt.

Diese Forschungsergebnisse können helfen, die Abläufe der Alzheimer-Entstehung weiter aufzuklären. Es gibt bei den Forschern nun die Hoffnung, dass sie aufgrund dieser neuen Erkenntnisse in der Lage sind, Behandlungswege zu entwickeln, um die Erkrankung eines Tages zu verhindern. Bisher aber verweisen sie darauf, dass es eben den Zusammenhang zwischen Zucker und der Alzheimer-Entstehung gibt. Daher, so die Wissenschaftler, gibt es nun neben Gefahr für Diabetes und Übergewicht noch einen gravierenden Grund, auf einen zu massiven Zuckerverzehr zu verzichten.

Schützende Gehirnnahrung

Sie selbst können einiges tun, um Ihr Demenzrisiko zu minimieren oder zumindest den Ausbruch der Erkrankung hinauszuzögern. Forscher der Rush-University in den USA haben nun untersucht, wie man sich auf einfache Weise vor Alzheimer schützen kann: durch die Ernährung. Sie fanden heraus, dass es bestimmte Ernährungsregeln gibt, die Sie effektiv gerade vor Alzheimer schützen können. Die Forscher entdeckten 15 Lebensmittelgruppen, 10 davon wirken sich sehr positiv auf die Gehirngesundheit aus. Dies sind unter anderem:

Darüber hinaus gibt es fünf Lebensmittelgruppen, die sehr ungesund für Ihr Gehirn sind. Diese sollten Sie auf jeden Fall so weit wie möglich meiden:

  • rotes Fleisch
  • Butter bzw. Margarine
  • Käse
  • Süßwaren und Gebäck
  • Fast Food und Gebratenes

Nahrung für's Gehirn© Gina Sanders – Fotolia

Gesunde Ernährung ist nicht zu unterschätzen

Diese Lebensmittelsortierung ist das Ergebnis einer Befragung von über 900 Studienteilnehmern zwischen 58 und 98 Jahren. Die Teilnehmer wurden viereinhalb Jahre lang in Abständen zu ihrer Ernährung gefragt. 144 Teilnehmer erkrankten währenddessen an Alzheimer. Die Forscher verteilten Punkte, je nach Art der Ernährung.

Anschließend verglichen sie das Alzheimerrisiko derjenigen mit vielen Punkten mit dem derjenigen, die sich eher ungesund ernährt und dadurch weniger Punkte bekommen hatten. Es zeigte sich, dass viele Punkte, also eine gesunde Ernährung, ein um 53 Prozent verringertes Alzheimerrisiko bedeuteten. Und auch diejenigen, die eine mittlere Punktzahl erreichten, also häufiger sündigten, hatten immer noch ein um 35 Prozent verringertes Risiko.

Fisch schützt vor Demenz

Omega-3-Fettsäuren verhindern höchstwahrscheinlich die für Demenz typischen Eiweißablagerungen im Gehirn, die in Fachkreisen übrigens Amyloid-Plaques heißen. Diese Fettsäuren sind reichlich in Fisch enthalten. So zeigte eine Studie der Universität Pittsburgh (USA) im Jahr 2011, dass bereits eine Fischmahlzeit pro Woche das Demenzrisiko um bis zu 80 Prozent reduziert.

Wissenschaftler am Deutschen Institut für Demenzprävention in Homburg an der Saar haben 2013 darüber hinaus festgestellt, dass Omega-3-Fettsäuren selbst eine beginnende Demenz-Erkrankung um etwa fünf Jahre hinauszögern können. Achten Sie also auf eine ausreichende Versorgung: Sie sollten idealerweise täglich etwa 250 mg Omega-3-Fettsäuren zu sich nehmen. Allein in 100 Gramm Lachs sind bereits 750 mg enthalten.

So viele Omega-3-Fettsäuren stecken in 100 Gramm Fisch (essbarer Anteil):

  • Hering: 2.040 mg
  • Thunfisch: 1.380 mg
  • Lachs: 750 mg
  • Makrele: 630 mg
  • Aal: 260 mg
  • Karpfen: 190 mg
  • Heilbutt: 140 mg
  • Forelle: 140 mg
  • Schellfisch: 90 mg
  • Kabeljau: 70 mg

Gut versorgt mit Omega-3-Fettsäuren sind Sie außerdem, wenn Sie pflanzliche Öle in Ihren Speiseplan integrieren: Bis zu 500 mg Omega-3-Fettsäuren stecken beispielsweise in 1 ml Raps-, Nuss- oder Leinöl.

Achten Sie auf Ihren Cholesterinspiegel

Ein erhöhter Cholesterinspiegel im Blut steht schon lange im Verdacht, das Demenz-Risiko zu erhöhen: Zu viel Cholesterin fördert letztendlich die Bildung der Amyloid-Plaques. Wollen Sie einer Demenz-Erkrankung vorbeugen, dann achten Sie darauf, dass Ihre Cholesterinwerte im „normalen“ Bereich liegen. Ihr LDL-Cholesterinwert sollte 160 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) am besten nicht übersteigen.

Gesättigte Fettsäuren, wie sie in Butter- oder Schweineschmalz enthalten sind, erhöhen Ihren Cholesterinspiegel und fördern sehr wahrscheinlich den Ausbruch einer Demenz-Erkrankung. Lassen Sie davon also besser die Finger. Umgehen sollten Sie so gut wie möglich auch Transfettsäuren, die in gehärteten, hoch erhitzten Fetten vorkommen. Diese stecken beispielsweise in frittierten Lebensmitteln (z.B. Pommes, Chips) oder auch in Fertigsuppen, Blätterteig und Wurst.

Nutzen Sie Ballaststoffe als Cholesterinsenker

Hilfreiche Cholesterinsenker sind beispielsweise Ballaststoffe: Diese fangen im Darm Gallensäure ab, die für die Cholesterinbildung verwendet wird. Mandeln, Trockenobst oder Vollkornprodukte enthalten viele Ballaststoffe. Auch Phytosterole bieten eine gewisse Schueine gewisse Schutzwirkungtzwirkung (darauf deuten zumindest erste Untersuchungen hin): Das Phytosterol Stigmasterol schützt vor einer Bildung der Amyloid-Plaques. Phytosterole sind zum Beispiel in Roggen und Dinkel enthalten.

Salbei kann Alzheimer-Symptome lindern

Bei leichten bis mittelschweren Formen von Alzheimer können die Wirkstoffe des Salbei-Tees die Symptome lindern. Beta-Amyloid ist eine Substanz, die typischerweise in Gehirnen von Alzheimer-Erkrankten vorzufinden ist. Nervenzellen von Labortieren, denen Beta-Amyloid zugesetzt wurde, wurden weniger geschädigt, wenn ihnen gleichzeitig Rosmarinsäure, eine wirksame Substanz des Salbeis, verabreicht wurde. Wissenschaftler raten: Einen halben Teelöffel geriebenen Salbei mit 200 ml kochendem Wasser übergießen, 15 Minuten ziehen lassen und abseihen. Trinken Sie täglich zwei Tassen davon.

Vergessen Sie das Trinken nicht!

Oft sind ältere Menschen nur verwirrt, weil sie zu wenig getrunken haben. Denn mit steigendem Alter nimmt das Durstgefühl meistens ab. Fehlt Ihrem Körper Flüssigkeit, wird das Gehirn nicht mehr gut durchblutet: Es kommt zu einem Mangel an Sauerstoff. Versuchen Sie, jeden Tag 1,5 bis 2 Liter Wasser zu trinken. Platzieren Sie Ihre tägliche Trinkmenge jeden Morgen an einem zentralen Platz (Schreibtisch oder Essplatz): Abends muss alles ausgetrunken sein, am besten regelmäßig über den Tag verteilt.

Die heutige Bewegungsarmut schädigt also langfristig nicht nur das Herz, die Gelenke und die Muskulatur, sondern offenbar auch das Gehirn. Gönnen Sie Ihrem Körper mindestens zwei Stunden körperliche Bewegung pro Woche und gehen Sie so oft wie möglich zu Fuß.

Vitamine gegen Demenz

Geeignete „Demenz-Vorbeugemittel“ sind höchstwahrscheinlich auch die Vitamine C und E: Wissenschaftler vermuten, dass diese Vitamine zelluläre Abbauprozesse im Gehirn verhindern. Vitamin C ist in fast allen Obst- und Gemüsesorten enthalten. Vitamin E in Sonnenblumenöl oder in Haselnüssen.

Vitamin C:

  • Tagesbedarf: 100 mg
  • Reichlich enthalten in Kiwis, Zitrusfrüchten, Hagebutten, Sanddorn, Gemüse wie Petersilie und Paprika, Spinat

Vitamin E:

  • Tagesbedarf: 11 bis 15 mg
  • Reichlich enthalten in Pflanzenölen, Getreide, Karotten, Kraut, Haselnüssen

Es geht um den gesamten Lebensstil!

Achten Sie nicht nur auf Ihre Ernährung. Mit Ausdauersportarten wie Schwimmen, Joggen, Radfahren oder Nordic Walking verbessern Sie Ihre Durchblutung und schützen sich so vor Gefäßerkrankungen. Und Gefäßerkrankungen, das haben verschiedene Untersuchungen gezeigt, erhöhen die Anfälligkeit sowohl für die Alzheimer-Krankheit als auch für vaskuläre Demenz.

Auch soziale Kontakte sind ein probates Mittel, um geistig fit zu bleiben: Gehen Sie unter Menschen, belegen Sie beispielsweise Kurse in der Volkshochschule. Kurzum: Einaktiver Lebensstil gepaart mit bewusster Ernährung ist das beste Mittel gegen Demenz.

Demenz Redaktionsteam FID Gesundheitswissen Demenzkrank: Diese Schritte sollten Sie gehen

Bereits heute leben etwa 1 Million Menschen in der Bundesrepublik, die an einer Demenz erkrankt sind. Erfahren Sie hier mehr über die Volkskrankheit.

Demenz Dr. Martina Hahn-Hübner Plötzlicher Gewichtsverlust im Alter: Eventuell ein Demenzanzeichen

Wenn Sie im Alter rapide an Gewicht verlieren, sollten Sie dies immer als Warnzeichen deuten. Es kann sich nämlich um eine beginnende Demenz handeln.