MenüMenü

Orthostatische Hypotonie - Symptome und Ursachen

Inhalt

Orthostatischer Schwindel
Eine Orthostatische Hypotonie macht sich vor allem in höherem Alter bemerkbar und führt zu Schwindelanfällen und Sturzgefahr. © Picture-Factory -Adobe

Das Telefon klingelt. Als Sie zum Abnehmen des Hörers aufstehen, halten Sie inne: Sie fühlen sich wie ohnmächtig. Sie greifen nach einem Stuhl um sich zu stützen, da Sie zu schnell aufgestanden sind.

Eine in Abständen auftretende Benommenheit beim Aufstehen für einige Sekunden kann normal sein.

Wenn Ihnen beim Aufstehen ständig schwindelig wird, liegt das unter Umständen an einer gesundheitlichen Störung: der orthostatischen Hypotonie, einem chronischen Blutdruckproblem.

Die orthostatische Hypotonie führt besonders bei älteren Menschen zu Stürzen. Mit Hilfe einfacher Maßnahmen bewältigen die Patienten die orthostatische Hypotonie gut.

Absacken des Blutdrucks

Orthostatische Hypotonie
Die orthostatische Hypotonie beschreibt einen Abfall des Blutdrucks und dem dadurch entweichenden Blutfluss aus dem Gehirn – der zu langsame Rückfluss verursacht in der Folge die Symptome. © Fotalia – Picture-Factory

Niedrigen Blutdruck bezeichnet man als Hypotonie. Mit dem Begriff „orthostatische Hypotonie“ ist ein plötzlicher Abfall des Blutdrucks beim Aufstehen gemeint. Beim Aufstehen fließt Ihr Blut vom Kopf weg zu den Füßen.

Um dem entgegenzusteuern, schlägt das Herz schneller und die Blutgefäße ziehen sich zusammen. Der Blutdruck steigt daraufhin schnell an und der Körper befördert das Blut rasch zum Kopf zurück.

Ist diese Reaktion verlangsamt, kommt es kurzzeitig zu einem ungenügenden Blutzufluss zum Gehirn. Dadurch fühlen Sie sich „wie benebelt“.

Das hauptsächliche Symptom der orthostatischen Hypotonie ist das Gefühl, Ihnen werde „schwarz vor Augen”.

Es ist anders als das Gefühl von Schwindel bei mehrmaligem Drehen um die eigene Achse. Unter Umständen sehen Sie Punkte vor den Augen und fühlen sich einer Ohnmacht nahe.

Die Symptome sind morgens, nach dem Essen oder nach einem Bad in den meisten Fällen stärker ausgeprägt. Diese Störung ist nicht lebensgefährlich.  Die orthostatische Hypotonie verursacht jedoch eventuell einen Verlust des Bewusstseins und zieht unter Umständen eine Verletzung durch einen Sturz nach sich.

Nachlassende Reflexe im Alter

Beim Stehen fließt mehr Blut bedingt durch die Schwerkraft in Ihre Beine. Dadurch sinkt der Blutdruck beim Aufstehen ein wenig ab. Der Körper gleicht diese Blutdruckschwankung sofort aus, indem sich die Blutgefäße der Beine zusammenziehen und das Herz schneller schlägt. Für diese Kreislaufreflexe ist Ihr vegetatives Nervensystem verantwortlich. Das ist der Teil des Nervensystems, der unbewusst ablaufende Körperfunktionen steuert, wie Herzschlag, Körpertemperatur, Blutdruck und Verdauung.

Mit zunehmendem Alter verliert das vegetative Nervensystem nach und nach die Fähigkeit, schwerkraftbedingte Blutdruckschwankungen optimal auszugleichen. Gelegentlich sind Krankheiten, bei denen das chemische Gleichgewicht oder die Zellen des vegetativen Nervensystems geschädigt sind, die Ursache. Die orthostatische Hypotonie kann aber auch durch Medikamente verursacht werden. Sie tritt als Nebenwirkung zum Beispiel bei Mitteln gegen Bluthochdruck (Hypertonie), Prostatavergrößerung oder Depressionen auf.

Fällt der Blutdruck plötzlich ab, fließt meist zu wenig Blut in Ihr Gehirn. Mangelnde Hirndurchblutung macht sich durch verschiedene Symptome bemerkbar. Sie können von Benommenheit, Schwindel und Schwäche bis hin zu Verwirrtheit, verschwommenem Sehen oder Ohnmachtsanfällen beim Aufstehen reichen. Seltener sind Atemstörungen, Übelkeit, Kopfschmerzattacken, Nacken- oder Brustschmerzen im Stehen.

Manche Betroffene leiden beim jedem Aufstehen unter Schwindel, in anderen Fällen treten die Beschwerden nur bei körperlichem Stress auf, etwa bei Flüssigkeitsmangel oder nach Krankheiten. Auch nach größeren Mahlzeiten kann der Blutdruck schneller abfallen. Trotz niedrigem Blutdruck können Sie aber auch beschwerdefrei sein. Um eine orthostatische Hypotonie festzustellen, überwacht der Arzt Ihren Blutdruck beim Aufstehen. Typisch ist ein systolischer Blutdruckabfall um mehr als 20–30 mmHg und/ oder wenn der zweite Wert um mindestens 10 mmHg innerhalb von drei Minuten nach dem Aufstehen abfällt.

Die Diagnose orthostatische Hypotonie kann auch mit Hilfe des ‚Kipptischtests‘ festgestellt werden. Dabei liegen Sie auf einem Tisch mit Fußstütze, der in eine senkrechte Position aufgerichtet wird. Währenddessen wird Ihr Blutdruck kontinuierlich gemessen und die Pulsrate aufgezeichnet. Grunderkrankungen, wie Anämie oder Flüssigkeitsmangel können durch Blut- und Urintests abgeklärt werden. Eventuell veranlasst Ihr Arzt auch eine 24-Stunden-Blutdruckmessung oder eine Analyse der Funktionsfähigkeit Ihres vegetativen Nervensystems.

Beschwerden lindern

Steht die Diagnose fest, besteht das Ziel darin, Ihre Beschwerden zu lindern. Mit Zustimmung des Arztes sollten Sie zunächst mehr Flüssigkeit und Salz aufnehmen oder die Dosierung von Medikamenten anpassen, um Nebenwirkungen zu reduzieren. Weitere Maßnahmen umfassen:

  • Änderung des Lebensstils – Mit der Zeit wissen Sie, wann Sie Kreislaufstörungen haben, und können aktiv etwas zur Stabilisierung Ihres Blutdrucks tun. Grundsätzlich sollten Sie sich langsam und schrittweise aufrichten. Kündigt sich ein Blutdruckabfall an, kreuzen Sie Ihre Beine im Stehen und drücken Sie die Oberschenkel zusammen. Alternativ können Sie auch ein Bein auf eine Stufe oder einen Stuhl stellen und sich vornüber beugen – aber nur so weit, wie Sie sich sicher fühlen. Übungen wie diese aktivieren Ihre Muskulatur und fördern den Blutfluss von den Beinen in Richtung Herz. Falls Sie Beschwerden rasch lindern müssen, setzen oder legen Sie sich wieder hin, und gehen Sie erst weiter, wenn Sie sich sicher auf den Beinen fühlen.
  • Kompressionsstrümpfe – Das Tragen von Kompressionsstrümpfen oder einer abdominellen Kompressionsbinde stabilisiert den Kreislauf und beugt einem Blutstau in den Beinen vor.
  • Dosisanpassung von Medikamenten – Da die orthostatische Hypotonie eine Nebenwirkung von Medikamenten sein kann, sollten Sie die Beschwerden nicht mit zusätzlichen Medikamenten bekämpfen. Setzen Sie stattdessen in Rücksprache mit Ihrem Arzt das entsprechende Mittel ab. Falls das nicht möglich ist, helfen blutdrucksteigernde Wirkstoffe. Fludrocortison führt beispielsweise zu einer Zunahme des Blutvolumens und erhöht so den Blutdruck. Midodrin verengt die Blutgefäße und verhindert dadurch ein Absinken des Blutdrucks.

Manche Patienten mit orthostatischer Hypotonie haben einen zu hohen Blutdruck, wenn sie liegen. Blutdrucksteigernde Medikamente treiben in diesen Fällen den Blutdruck meist noch weiter nach oben. Solche Probleme lassen sich verhindern, wenn Sie mit erhöhtem Kopfende schlafen und mindestens fünf Stunden vor dem Schlafengehen kein Midodrin mehr einnehmen. Ihr Arzt kann Ihnen auch Pyridostigmin (Mestinon) verordnen. Dieser Wirkstoff erhöht den Blutdruck lediglich im Stehen und nicht im Liegen.

Alter und Medikamente verstärken die Symptome

Mit zunehmendem Alter nimmt die Fähigkeit des Körpers ab, den Blutdruck bei einer Änderung der Lage zu regulieren. Altersabhängige Erkrankungen wie Diabetes erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer orthostatischen Hypotonie.

Diese sowie andere Erkrankungen schädigen die Nerven, welche zur Regulation des Blutdrucks beitragen.

Bestimmte Arzneimittel verstärken die Störung des Weiteren verstärken. Einige Medikamente gegen Bluthochdruck erweitern die Blutgefäße. So behindern sie die Fähigkeit des Körpers, diese beim Aufstehen schnell wieder enger zu stellen.

Diuretika (eine bestimmte Klasse von blutdrucksenkenden Mitteln) senken den Blutdruck, indem sie den Wassergehalt des Bluts vermindern.

Ein geringeres Blutvolumen erschwert es dem Körper, in der aufrechten Haltung schnell Blut ins Gehirn zu pumpen.

Mögliche Gründe einer orthostatischen Hypotonie

  • Veranlagung
  • hormonelle Verschiebungen (z.B. Unterfunktion von Schilddrüse, Nebennierenrinde oder Hypophysenvorderlappen)
  • Erkrankungen des Herzens und der Blutgefäße (z.B. Verengung der Aorta, Herzinssuffizienz, Störungen der normalen Herzschlagfolge, Herzbeutelentzündung)
  • Infektionserkrankungen
  • längere Bettlägerigkeit
  • anhaltender Bewegungsmangel
  • Flüssigkeitsmangel im Körper durch zu wenig Aufnahme von Flüssigkeit (insbesondere bei alten Menschen, die zu wenig trinken)
  • Nebenwirkungen von Medikamenten

Diese Werte deuten auf eine Hypotonie hin

Von einem zu niedrigen Blutdruck geht man aus, wenn der erste Wert beim Blutdruckmessen (der systolische Wert) bei Frauen unter 100 mmHg und bei Männern unter 110 mmHg gerutscht ist. Der zweite Wert (diastolischer Wert) muss gleichzeitig unter 60 mmHg gefallen sein.

Anders als beim Bluthochdruck muss man sich bei einem niedrigen Blutdruck nicht ständig selbst überwachen.

Hin und wieder sollten besonders Frauen im mittleren Lebensalter ein Auge darauf halten. Nach der Umstellung der Hormonproduktion schlägt unter Umständen der Blutdruck um: Wer bisher niedrige Werte hatte, bekommt jetzt möglicherweise zu hohe.

Frauen mit einem niedrigen Blutdruck stellen mit regelmäßigen Kontrollen fest, ob ihr Blutdruckabfall an bestimmte Ereignisse gekoppelt ist oder ob der Blutdruck konstant so niedrig ist.

Nach oben
Über den Autor

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter vom Redaktionsteam FID Gesundheitswissen. Zusätzlich erhalten Sie kostenlose E-Mail Updates zu den neuesten Gesundheitsprodukten.

Herausgeber: FID Verlag GmbH. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz
Orthostatische Hypotonie Redaktionsteam FID Gesundheitswissen Was Sie bei orthostatischer Hypotension tun können

Manchmal kann einem beim Aufstehen, insbesondere morgens oder in der Nacht, schwindelig werden. Dieses Symptom ist bekannt als orthostatische Hypotension.