MenüMenü

Die wichtigsten Grundlagen zum Thema Herpes

Herpes ist in weiten Teilen der Bevölkerung bekannt und doch versteht man darunter meist nur die lästigen, hässlichen Lippenbläschen. Dabei löst das Herpesvirus noch weitere Krankheiten aus.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Typische Symptome und Ursachen
  2. Schulmedizin: Neues Mittel bremst Virusvermehrung
  3. Natürliche Verfahren gegen Lippenherpes
  4. Tipps zur Behandlung und Vorbeugung

Lippenherpes© Adobe Stock – Cherries

Typische Symptome und Ursachen

Das Wort Herpes stammt aus dem Griechischen und bezeichnet eine Infektionskrankheit durch Viren (Herpes-Viren). Diese Infektionskrankheit ist seit Jahrhunderten bekannt und gilt als eine der häufigsten Virusinfektionen des Menschen. Rund 90 Prozent der Menschen sind mit dem Herpes-Virus infiziert, verspüren aber keine oder geringe Beschwerden. Nicht jeder erkrankt auch wirklich (trotz Infektion). Die kleinen, lästigen Bläschen treten gerade im Winter besonders häufig auf. Grund dafür ist, dass bei vielen Menschen die Kälte einer der Auslöser für die Lippenbläschen ist. Zudem ist im Winter Ihr Immunsystem eher geschwächt. Sie leiden häufiger unter Erkältungen und dann kann sich Ihr Immunsystem nicht effektiv genug darum kümmern, auch noch die Herpeserreger in Schach zu halten. Darüber hinaus essen Sie weniger Vitalstoffe, da frisches Obst und Gemüse Mangelware sind; auch das schwächt Ihr Immunsystem.

Am häufigsten zeigt sich der Herpes im Bereich des Mundes, besonders an der Lippe. Er äußert sich durch zum Teil juckende, schmerzhafte Bläschen, die im weiteren Verlauf der Erkrankung eintrocknen, verkrusten und abheilen. Diese Verlaufsform ist für fast alle Herpes-Infektionen typisch. Aber nicht immer ist das Immunsystem schuld daran, dass eine Herpes-Erkrankung ausbricht. Bei manchen Menschen reicht es, wenn sie an etwas Ekelhaftes denken oder sich vor gewissen Speisen ekeln. Dann sprießen die Bläschen mit Vorliebe am Mund. Darüber hinaus fördern Trinken aus schmutzigen Gläsern, starke Sonneneinstrahlung sowie Stress die Entstehung von Herpesbläschen.

Nicht nur Lippenbläschen sind Herpes!

Weitere Herpes-Infektionen stellen die vor allem im Kindesalter auftretenden Windpocken und die Gürtelrose bei Erwachsenen dar. Das Herpes-Virus kann grundsätzlich an allen Körperstellen wie im Genitalbereich, am Po, am Bauch oder Rücken auftreten. Darüber hinaus können innere Organe betroffen sein, allerdings ist dies selten und tritt in der Regel nur bei eingeschränkter Abwehrlage auf.

Trotz intensiver Forschung gibt es kein Medikament, mit dem Sie sich vor einer Ansteckung schützen können oder das die im Verborgenen des Körpers lebenden Viren vernichtet. Ihr Arzt verfügt heute über wirksame Medikamente, mit denen er den Verlauf der Erkrankung mildern oder den erneuten Ausbruch verhindern kann. Mit der Behandlung sollte man so frühzeitig wie möglich beginnen oder wenn sich der Rückfall durch die verschiedenen Anzeichen (Jucken, Brennen, Kribbeln oder leicht ziehende Schmerzen) ankündigt. Auch wenn bereits Bläschen erschienen sind, kann eine rechtzeitige Behandlung die Dauer der Erkrankung und der Schmerzen deutlich verkürzen.

Herpesgefahr über Handtücher

Babys in den ersten Lebenswochen sind durch Herpesviren besonders gefährdet. Stecken sie sich etwa an einem Lippenherpes von Kontaktpersonen an, kann das zu einer lebensbedrohlichen Enzephalitis (Gehirnentzündung) führen. Deshalb muss eine Ansteckung unbedingt vermieden werden. Wissenschaftler des Instituts für Hygiene und Biotechnologie (IHB) an den Hohenstein-Instituten in Bönnigheim konnten kürzlich nachweisen, dass Herpesviren nicht nur durch direkten Kontakt, Speichel (z. B. beim Küssen) oder eine Schmierinfektion (z. B. über die Hände) übertragen werden können.

Das Virus könnte auch über verunreinigte Textilien, die der Infizierte benutzt hat, weitergegeben werden. Die Forscher gaben eine Lösung, die das Herpes-simplex-Virus enthielt, auf Textilläppchen. Auf diesen waren die Viren auch nach 48 Stunden bei Raumtemperatur noch nachweisbar. Selbst nach einer 40 °C-Wäsche mit einem haushaltsüblichen Waschmittel ließ sich molekularbiologisch noch Virus-DNA (Erbmaterial) aufspüren. Allerdings ist eine Übertragung des Virus nach dem Waschgang sehr unwahrscheinlich. Jedes Familienmitglied sollte eigene Waschlappen und Handtücher haben, die von keinem sonst benutzt werden. Bei einer Herpesinfektion sollte der Infizierte seine Hände immer mit einem separaten Handtuch abtrocknen. Waschen Sie Handtücher, Bett- und Leibwäsche bei 60 °C.

Schulmedizin: Neues Mittel bremst Virusvermehrung

Um die unschönen und schmerzhaften Bläschen loszuwerden, gibt es einen neuen Wirkstoff: Docosanol (Handelsname: Erazaban®). Er verhindert, dass die Hülle des Virus und die Wand (Membran) Ihrer Hautzelle miteinander verschmelzen. Die Folge: Die Viren können nicht mehr in die Zelle eindringen und sich dort vermehren. Er wirkt daher anders als die beiden bisher gängigen Wirkstoffe Aciclovir (z. B. Zovirax®) oder Penciclovir (Fenistil Pencivir®), die die Virusvermehrung erst stoppen, wenn die Viren bereits in die Zelle eingedrungen sind.

In einer Studie der Universität von British Columbia in Vancouver (Kanada) wurden im Jahr 2001 737 Herpes-Patienten untersucht. Je eine Hälfte trug innerhalb von zwölf Stunden, nachdem sich bei ihnen ein Bläschen bemerkbar machten, entweder fünfmal täglich Docosanol oder ein Scheinpräparat (Placebo) auf. Dank des Wirkstoffs heilten die Bläschen dabei um knapp einen Tag schneller ab. Diese Erfolgsrate liegt etwa in der gleichen Größenordnung wie mit Aciclovir oder Penciclovir. Nebenwirkungen traten mit Docosanol nicht auf.

Lippenherpes© rob3000 – Fotolia

Tragen Sie die Creme bei den ersten Symptomen auf

Docosanol erhalten Sie rezeptfrei in Apotheken. Sobald Sie Spannungsgefühle und ein Kribbeln am Mund spüren, tragen Sie die Creme dünn mit Hilfe eines Wattestäbchens auf. So verhindern Sie, dass die Viren an Ihre Finger gelangen und sich weiter verbreiten. Eine 2-Gramm-Packung kostet etwa 9 €. Das entspricht bei fünfmaliger täglicher Anwendung ca. 2,20 € pro Tag. Damit liegt das neue Mittel preislich ungefähr im selben Rahmen wie Zovirax® (2,18 €/Tag), ist aber deutlich billiger als Pencivir® (3,50 €/Tag).

Wie jedes andere Herpes-Mittel lindert natürlich auch Docosanol nur die Beschwerden, die Viren verbleiben weiterhin in Ihrem Körper. Wenn Sie mit den bisherigen Cremes jedoch keinen zufriedenstellenden Erfolg hatten, bietet es Ihnen eine weitere kostengünstige, nebenwirkungsarme Behandlungsalternative.

Herpespflaster helfen bei rascherer Ausheilung

Die Erkenntnisse der modernen Wundversorgung finden bei einem neuen Behandlungsansatz Berücksichtigung. Ein Herpespflaster aus der Apotheke (z. B. Herpes-Patches von Compeed) arbeitet mit den Elementen der anerkannten Hydrokolloid-Therapie: Das Pflaster bildet eine feuchte Kammer, nimmt die Blasenflüssigkeit auf, sodass diese teilweise verdunsten kann und teilweise ein Flüssigkeitspolster über der entzündeten Stelle bildet. So entsteht ein optimales Milieu für die feuchte Wundheilung, wobei die Bläschen nicht austrocknen, sondern sich zurückbilden. Zudem wird die Schorfbildung verringert.

Das kann die Infektion zwar nicht heilen, denn die Viren bleiben in Ihrem Körper und ziehen sich bis zum nächsten Angriff zurück. Es führt jedoch zu einer rascheren Linderung der Symptome, die durch die offene Wunde entstehen. Ihnen bleibt das schmerzhafte Aufreißen von Wundschorf erspart und die Wunde ist zudem vor Nässe und Verunreinigungen von außen geschützt. Darüber hinaus bringt Ihnen die Verwendung des Pflasters kosmetische Vorteile, denn die Wunde wird diskret abgedeckt und sogar das Überschminken mit einem Lippenstift ist möglich. Da das Pflaster keinen Wirkstoff enthält, ist es grundsätzlich auch für Schwangere, Stillende und Kinder geeignet. Diese sollten allerdings bei Ausbruch der Herpesbläschen an der Lippe besser ihren Arzt aufzusuchen.

Natürliche Verfahren gegen Lippenherpes

Die folgenden Therapieverfahren können Ihnen dauerhaft bei der Vorbeugung von Herpes helfen:

  • Akupunktur: klassische Nadeltechnik und Elektroakupunktur
  • Darmsanierung: mit Milchsäurebakterien (z. B. Paidoflor®) bei Störungen der Darmflora und dadurch bedingter Abwehrschwäche
  • Eigenbluttherapie: mit homöopathisiertem Eigenblut, eventuell auch homöopathisierten Pflanzen
  • Klassische Homöopathie: z. B. die Mittel Dulcamara, Rhus toxicodendron oder Mezzereum
  • Kneipp-Therapie: z. B. Kalte Güsse, Wasser- und Tautreten sowie Saunieren zur allgemeinen Abwehrsteigerung
  • Neuraltherapie: Injektion von lokalen Betäubungsmitteln (Procain, Lidocain) um die Lippen
  • Orthomolekulare Therapie: mit Vitamin C (200 bis 500 mg/Tag), Zink (15 mg/Tag) und Selen (50 µg/Tag) zur gezielten Abwehrsteigerung

Bieten Sie den Lippenbläschen mit Homöopathie Paroli

Wenn Sie zu den von Herpes Betroffenen gehören und nicht jedesmal zu dem chemischen Wirkstoff Aciclovir greifen möchten, sollten Sie einmal einen Versuch mit der Homöopathie starten. Wählen Sie dazu aus der folgenden Zusammenstellung das Mittel aus, das Ihren persönlichen Beschwerden am ähnlichsten ist. Lösen Sie davon fünf Globuli in der Potenz C30 in einem Glas Wasser auf. Rühren Sie kräftig mit einem Plastiklöffel um und trinken Sie von der Lösung in viertelstündigem Abstand einen Schluck. Verwerfen Sie den Rest der Wasserauflösung, sobald Sie eine Besserung spüren.

  • Arsenicum album hilft Ihnen, wenn Sie einen starken Brennschmerz haben und die Haut um die Bläschen herum rau und trocken ist.
  • Natrium muriaticum ist ein gutes Mittel, wenn der Lippenherpes durch starke Sonneneinstrahlung, besonders am Meer, entstanden ist. Aber auch bei Herpesbläschen infolge von Kummer ist Natrium muriaticum hilfreich.
  • Rhus toxicodendron kann die richtige Wahl sein, wenn der Herpes im Rahmen einer fieberhaften Erkrankung auftritt. Dabei kann es sich entweder um einen Magen-Darm-Infekt oder auch um einen grippalen Infekt handeln.
  • Sulfur ist angezeigt bei immer wiederkehrenden Herpes-Ausbrüchen, die oft mit chemischen Medikamenten unterdrückt worden sind. Die Bläschen selbst jucken und brennen heftig.

Fast schon ein Geheimtipp ist eine Art homöopathischer Impfung, durch die Ihr Immunsystem schrittweise lernt, die Viren in Schach zu halten. Dabei wird genauso vorgegangen wie bei einer Desensibilisierung zur Überwindung von Allergien. Und so wie bei einer Desensibilisierung erfolgt auch hier die Behandlung am besten im beschwerdefreien Intervall. Durchgeführt wird die Therapie mit einer homöopathischen Aufbereitung von Herpes-simplex-Viren, die Ihnen Ihr Therapeut einige Wochen lang zweimal wöchentlich unter die Haut spritzt. In vielen Fällen kann dadurch dauerhaft ein neues Aufflammen der Viruserkrankung verhindert werden.

Homöopathie© Maren Wischnewski – Fotolia

Honig und Melisse halten das Virus in Schach

Sie können Ihre Herpesbläschen mit Melissentinktur oder entsprechenden Fertigarzneimitteln aus der Apotheke erfolgreich behandeln. Honig hilft Ihnen ebenfalls. Betupfen Sie die Bläschen sechsmal am Tag mit einem sterilen Mulltupfer aus der Apotheke, auf den Sie zuvor etwas Honig gegeben haben. In gut zwei Tagen heilen die Bläschen aus, oft schneller als mit der speziellen Herpessalbe (zum Beispiel Acyclovir) aus der Apotheke. Sofern Sie den Honig nicht abschlecken: Er sollte jeweils mindestens 15 Minuten einwirken. In ein Stofftaschentuch gewickelte Eiswürfel wirken schmerzlindernd. Manche Betroffenen schwören auf Teebaumöl. Dieses sollten Sie aber, weil es leicht ranzig wird, nur einem zuvor noch nicht geöffneten Fläschchen entnehmen. Kaufen Sie Teebaumöl also besser immer in kleinen Mengen.

Wenn Sie herausbekommen haben, welche Anlässe bei Ihnen zum Ausbruch der Infektion führen wie etwa Kälte, Sonnenstrahlen oder bestimmte berufliche Stresssituationen, können Sie mit Ihrem behandelnden Arzt über eine vorbeugende Behandlung sprechen. Das ist besonders dann wichtig, wenn Sie diese Risikosituationen nicht vermeiden können, etwa am Arbeitsplatz. Hier lässt sich die Herpessalbe auch vorbeugend einsetzen. Steht Ihnen etwas Unangenehmes bevor, das bei Ihnen erfahrungsgemäß zum Ausbruch von Herpes führen könnte, verwenden Sie vorsorglich die Salbe, auch wenn Sie noch keine Anzeichen spüren.

Tipps zur Behandlung und Vorbeugung

Eine gesunde Lebensweise mit abwechslungsreicher Ernährung, Bewegung und ausreichend Schlaf stärkt das Immunsystem Ihres Körpers. Das ist Ihre Ausgangsbasis, mit der Sie das Herpes-simplex-Virus im Zaum halten können. Darüber hinaus sollten Sie die folgenden Ratschläge beherzigen:

  • Tragen Sie bei starker Sonneneinstrahlung Cremes mit hohem Lichtschutzfaktor auf Ihre Lippen und die Region um Ihren Mund auf. Am wirkungsvollsten sind Sun-Blocker-Pasten.
  • Verringern Sie im Falle einer Bläschenattacke die Ansteckungsgefahr: Berühren Sie die Bläschen nicht mit den Händen, denn Sie können das Virus auf andere Körperstellen übertragen. Waschen Sie sich oft die Hände. Küssen und enger Körperkontakt müssen warten, bis die Bläschen abgeheilt sind.
  • Berühren Sie auf keinen Fall Neugeborene und halten Sie sich von immungeschwächten Menschen gänzlich fern, wenn Sie im akuten Stadium sind.
  • Meiden Sie möglichst Stresssituationen. Bei nicht vermeidbarem Stress helfen Ihnen spezielle Entspannungsübungen wie beispielsweise Yoga oder autogenes Training. Auch auf ausreichenden Schlaf sollten Sie achten, denn beim Schlafen schickt Ihr Körper sein Reparatur-Team durch Ihren Körper.
  • Stärken Sie Ihr Immunsystem durch Bewegung und sportliche Betätigung. Gemeinsam mit einer ausgewogenen Ernährung kann dies Ihre Herpesbläschen-freien Phasen verlängern.
Herpes Redaktionsteam FID Gesundheitswissen Entzündungen (Aphten): Effektive Hilfe bei wunden Stellen im Mund

Man vermutet, dass die meisten Aphthen, also wunde Stellen und Mundgeschwüre, vom Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV 1) ausgelöst werden.

Herpes Redaktionsteam FID Gesundheitswissen Leserratschlag: Propolis gegen Herpes

Propolis ist das Harz von Bäumen, das Bienen durch ein Drüsensekret geschmeidig machen und als Wabenkitt nutzen. Darum hilft es bei Herpes.

Herpes Redaktionsteam FID Gesundheitswissen Lippenherpes: Rhabarber und Salbei stoppen die lästigen Bläschen

Mit Rhabarber- und Salbei-Extrakt gegen Lippenherpes ankommen? – Ja, das funktioniert. Eine Studie hat es nachgewiesen. Hier mehr dazu.

Herpes Helmut Erb Neuer Wirkstoff killt den Herpes

Neben den beiden bekannten und bewährten Wirkstoffen Aciclovir und Penciclovir gibt es aktuell einen weiteren namens Docosanol gegen Herpes.

Herpes Helmut Erb Wie Sie durch Sport ausgelöste Herpes-Attacken vermeiden

Sporttreibende werden häufiger von Lippenbläschen geplagt, wenn sie sich zu stark fordern. Dies schädigt die lokale Immunabwehr und lädt Herpesviren ein.