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Blasenkrebs: Symptome, Diagnosemöglichkeiten und Therapie

Harnblasenkrebs (Blasenkarzinom) entsteht häufig in der Blasenschleimhaut, die das Innere des Organs auskleidet. Normalerweise tritt diese Krebserkrankung erst im höheren Alter auf, wobei Männer fast dreimal häufiger betroffen sind als Frauen.

Sowohl aktives als auch passives Rauchen erhöhen das Risiko, an einem Harnblasenkarzinom zu erkranken. Auch bei Personen aus bestimmten Berufsgruppen der Farbstoff-, Textil- oder chemischen Industrie, die Kontakt zu aromatischen Aminen haben, besteht ein vermehrtes Risiko für Blasenkrebs. Ebenso wirken sich chronische Blasenentzündungen und eine genetische Veranlagung unter Umständen begünstigend auf die Entstehung von Harnblasenkrebs aus.

Blasenkrebs© Adobe Stock – Henrie

Inhaltsverzeichnis:

  1. Blasenkrebs: Risikofaktoren
  2. Symptome und Diagnose
  3. Behandlungsmethoden bei Blasenkrebs

Blasenkrebs: Risikofaktoren

Blasenkrebs ist mit 3,5 Prozent im Westen und 4,1 Prozent im Osten die siebthäufigste Krebstodesursache bei Männern in Deutschland. Für Frauen steht Blasenkrebs an 17. Stelle der Krebstodesursachenstatistik (Deutsches Krebsforschungszentrum in Heidelberg).

Außer durch Alter und Geschlecht steigt das Risiko einer Erkrankung durch folgende Faktoren:

  • Rauchen: Einige krebsverursachende Chemikalien im Tabakrauch sammeln sich im Urin, wo sie konzentriert werden und die Schleimhaut der Harnblase schädigen können.
  • industrielle Chemikalien: Chemikalien zur Herstellung von Farbstoffen, Gummi, Leder, Textilien und Lackerzeugnissen brachten Forscher mit einem erhöhten Blasenkrebsrisiko in Verbindung. Haarfärbemittel gelten als wahrscheinlich krebserregend für Friseure, die sie beruflich anwenden (Deutsches Krebsforschungszentrum in Heidelberg). Die private Nutzung von Haarfärbemitteln ist dagegen unbedenklich.
  • Eine zurückliegende Krebsbehandlung oder die Behandlung einer anderen Erkrankung mit den Wirkstoffen Cyclophosphamid (z. B. Endoxan®) oder Arsentrioxid (Trisonex®).
  • chronische Blasenentzündung: Chronische Harnwegsentzündungen vergrößern Ihr Risiko, an einer bestimmten Form von Blasenkrebs zu erkranken. Für sich allein genommen verdächtigt man diese Entzündungen allerdings nicht als Verursacher von Krebs.

Was diesen Krebs letztlich auslöst, ist noch nicht sicher aufgeklärt. In einigen Fällen tritt er bei Personen auf, die keinem der bekannten Risikofaktoren ausgesetzt waren.

Rauchen erhöht das Risiko, an Blasenkrebs zu erkranken

Sie wissen alles über den Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs: das ist kaum zu vermeiden, wenn Sie die Medien verfolgen. Aber wussten Sie, dass Rauchen die Hauptursache für Blasenkrebs ist? Zigarettenkonsum ist bei etwa 50 Prozent der an Blasenkrebs erkrankten Männer und bei 25 Prozent der erkrankten Frauen mitverantwortlich für diese Erkrankung (Deutsches Krebsforschungszentrum in Heidelberg).

1995 erkrankten in Deutschland nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts in Berlin 12.500 Männer und 5.100 Frauen an Harnblasenkrebs. Dabei ging die Häufigkeit der Neuerkrankungen bei Männern seit Mitte der 80er Jahre deutlich zurück. Bei Frauen bleibt sie mehr oder weniger gleich. Fortschritte bei den Behandlungsmethoden verbesserten zudem die Überlebensraten. Bei einer frühen Entdeckung von Blasenkrebs besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass Sie die Krankheit überwinden.

Symptome und Diagnose

Symptome, die auf Harnblasenkrebs in einem frühen Stadium hinweisen, sind relativ unspezifisch und können auch auf andere Erkrankungen der harnbildenden und ableitenden Organe zurückzuführen sein. Zu den Anzeichen für Harnblasenkrebs gehört unter anderem Blut im Urin, das aus einer Blutung aus der Blase stammt, wobei keine Schmerzen auftreten. Daraus resultiert eine rötliche oder bräunliche Verfärbung des Urins. Sie tritt bei 80 Prozent aller Patienten auf, die unter einem bösartigen Tumor in der Blase leiden. Daher sollten Sie sofort zum Urologen, wenn Sie Blut im Urin bemerken. Auch Blasenkrämpfe oder ein verstärkter Harndrang mit geringer Urinausscheidung gelten als Symptome für Blasenkrebs. Aber auch häufiger Harndrang, Schmerzen im Bereich der Blase und das Gefühl, dass Sie die Blase nicht komplett entleeren können, können ein Zeichen für Blasenkrebs sein. Allerdings sind diese Symptome nicht eindeutig, beim Mann können sie zum Beispiel auch auf eine gutartige Prostatavergrößerung hinweisen.

Zur Diagnose führt man unter anderem Urintests durch, um zu untersuchen, ob Blut oder bestimmte Proteine nachweisbar sind, die bei einer Krebserkrankung der Blase im Urin vorkommen. Durch eine Spiegelung von Blase und Harnröhre sieht sich der Arzt die Organe von innen an und entnimmt bei Verdacht auf eine bösartige Veränderung gleich Gewebeproben, die dann genauer analysiert werden. Auch eine Ultraschalluntersuchung von Blase und Nieren gibt zusätzliche Hinweise darauf, ob ein Blasenkarzinom vorhanden ist.

Urintest verbessert Frühdiagnose

Ein einfacher Urintest kann die Früherkennung von Blasenkrebs wesentlich verbessern. Der Test weist das nur von Krebszellen produzierte Protein NMP 22 nach. Der Urologe Dr. Mark Soloway von der Universität Miami und sein Team hatten 1.331 Männer und Frauen untersucht, die entweder ein erhöhtes Risiko für Blasenkrebs hatten, beispielsweise weil sie langjährige Raucher waren oder weil sie bereits verdächtige Symptome wie Blut im Urin aufwiesen. Bei allen Patienten wurden zusätzlich auch eine Blasenspiegelung (Zytoskopie) und eine mikroskopische Urinuntersuchung (Urinzytologie) durchgeführt.

Ein Blasenkrebs wurde bei 79 Studienteilnehmern diagnostiziert. Die Kombination von Blasenspiegelung und NMP-22-Test ergab eine Treffsicherheit von rund 94 Prozent, wobei der NMP-22-Test vier Krebserkrankungen anzeigte, die bei der Blasenspiegelung nicht entdeckt worden waren. Die Zytologie identifizierte dagegen nur knapp 16 Prozent der Tumoren. „Keines der Verfahren ist zu 100 Prozent sicher. Daher empfiehlt sich eine Kombination von Urintest und Blasenspiegelung“, so Soloway. Der Test ist in Deutschland als NMP22® Bladder-Chek-Test zugelassen. Sein Ergebnis liegt innerhalb von 30 Minuten vor. Wenn Sie über 50 Jahre alt sind, rauchen und/oder beruflich mit Lösungsmitteln zu tun haben, sollten Sie den Test in Erwägung ziehen. Die meisten privaten Krankenkassen übernehmen die Kosten von etwa 60 €, gesetzlich Versicherte müssen den Test selbst bezahlen.

Blasenkrebsschnelltest: Unsicherer als eine Blasenspiegelung

Der Schnelltest zur Früherkennung von Blasenkrebs ist noch relativ neu und wird vom Arzt eingesetzt. Er soll eigentlich nur bei den Patienten zum Tragen kommen, die aufgrund von Erkrankungen in der Familie ein erhöhtes Blasenkrebsrisiko aufweisen. So soll verhindert werden, dass immer wieder Blasenspiegelungen durchgeführt werden müssen. Bei dem Test wird der Urin auf einen bestimmten Eiweißstoff hin untersucht, der durch die Krebszellen freigesetzt wird. Allerdings beträgt die Quote des entdeckten Blasenkrebses nur 80 Prozent.

Dies bedeutet, dass eine Urinuntersuchung und eine Blasenspiegelung deutlich zuverlässiger sind; sie haben eine Ergebnisquote von fast 100 Prozent. Die Blasenspiegelung wird mit flexiblen Instrumenten durchgeführt und ist dadurch schonender als früher. Zudem hat sie den Vorteil, dass direkt Gewebeproben entnommen werden können. Anhand dieser kann der Arzt erkennen, wie weit der Krebs bereits fortgeschritten ist und sie ermöglichen ihm, sich für die richtige Therapie zu entscheiden.

Behandlungsmethoden bei Blasenkrebs

Krebs, der auf die Schleimhautschicht der Blase begrenzt ist, ist am leichtesten zu behandeln. Er wird auch oberflächliches Karzinom genannt. Rund 3 Viertel aller Blasenkrebse werden in diesem Frühstadium entdeckt und die Überlebensrate beträgt mehr als 90 Prozent. Allerdings ist beim oberflächlichen Blasenkrebs die Rezidivrate, also die Rate des Wiederauftretens, recht hoch. Die Behandlung gestaltet sich schwieriger und die Überlebensrate vermindert sich, wenn sich der Krebs über die Schleimhautschicht in das tiefere Gewebe der Blase hinaus ausgebreitet hat.

Behandlungsmöglichkeiten

  • Operation: Beim oberflächlichen Krebs wird die Operation zur Entfernung der Krebsgeschwulst mit einem Zystoskop durchgeführt. Dabei handelt es sich um ein rohrförmiges Gerät, das durch die Harnröhre in die Blase eingeführt wird. Die Krebsgeschwulst kann weggeschnitten, verbrannt oder mit einem Hochenergielaser zerstört werden. Fortgeschrittene Krebsstadien erfordern eine traditionelle chirurgische Vorgehensweise mit einem Schnitt durch die Bauchdecke. Die Blase kann teilweise oder vollständig entfernt werden.
  • Immuntherapie: Dabei werden Bakterienantigene durch ein Zystoskop in die Blase eingebracht. Wenn das Immunsystem des Körpers auf die Antigene reagiert, greift es gleichzeitig die Krebszellen an und zerstört sie.
  • Chemotherapie: Eine Kombination aus Medikamenten wird benutzt, um den Krebs zu zerstören. Eine Chemotherapie kann als Vorsichtsmaßnahme nach einer Operation eingesetzt werden, um sicherzustellen, dass die gesamte Krebsgeschwulst zerstört wird. Sie wird auch benutzt, um einen fortgeschrittenen Krebs zu behandeln, der bereits die Grenze der Blase überschritten hat.
  • Strahlentherapie: Bei der Strahlentherapie wird energiereiche Strahlung eingesetzt, um die Krebszellen abzutöten. Sie wird manchmal auch dazu benutzt, um vor einer Operation eine Schrumpfung der Geschwulst zu erreichen oder in Kombination mit einer Chemotherapie anstelle einer Operation.

Probleme bei der Entfernung von Tumoren

Bei der Behandlung von Harnblasenkrebs werden häufig Tumore an der Blasenwand entfernt. Dies wird meist mit Hilfe von dünnen, flexiblen Instrumenten bewerkstelligt, die durch die Harnröhre eingeführt werden. Diese Instrumente sind standardmäßig mit einer weißen Lichtquelle ausgestattet, sodass der Chirurg den zu entfernenden Tumor besser erkennen kann. Hierbei ist es jedoch oft sehr schwierig, kleinere Tumore von gesundem Gewebe zu unterscheiden. Das kann dazu führen, dass derartige Tumore leicht übersehen werden und Reste von scheinbar entfernten Tumoren zurückbleiben.

Neue Technik: Die Fluoreszenz-Methode

Bei dem fluoreszenzgestützten Verfahren wird mittels eines Katheters eine photoaktive Substanz (Hexaminolevulinat, Hexvix®) in die Blase des Patienten eingeführt, die dann vom Krebsgewebe aufgenommen wird. Bei Bestrahlung mit Blaulicht beginnt diese Substanz in hellem Pink zu leuchten (Effekt der Fluoreszenz), sodass Tumorgewebe leicht erkannt und anschließend entfernt werden kann.

An der von Ärzten der Mayo Clinic anlässlich der Versammlung der American Urologischen Gesellschaft im letzten Jahr vorgestellten Studie nahmen mehr als 700 Blasenkrebspatienten teil. Alle Teilnehmer wurden anfänglich mit den üblichen Diagnoseverfahren untersucht. Daraufhin erfolgte eine Untersuchung von 278 zufällig ausgewählten Teilnehmern mit der Fluoreszenz-Methode. Bei 17 Prozent der zusätzlich untersuchten Probanden wurde ein weiterer Tumor aufgespürt. Nach der Tumorentfernung mittels Blaulichttechnik flammte der Krebs bei 36 Prozent der Patienten erneut auf. Dagegen steht die Rückfallquote von 46 Prozent bei Patienten, deren Tumore auf herkömmliche Weise entfernt wurden. Die Ärzte der Mayo Clinic bestätigen, dass sie mit der neuen Fluoreszenz-Methode schon beim ersten Eingriff bessere Erfolge bei der Entfernung von Tumoren erzielen können. Dies ist in Sachen Blasenkrebsbekämpfung und Rückfallquote einer der größten Erfolge, die in den letzten Jahren erzielt wurden.