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Nutzen Sie die Knolle als Heilmittel für Ihren Magen

Die Kartoffel ist rehabilitiert, nachdem sie jahrelang schlecht gemacht wurde. Dabei ist sie unser wichtigstes Nahrungsmittel und ein echter Schlankmacher. Zudem ist sie äußerst gesund.

Zurzeit kommen die ersten kräftigen Winterkartoffeln auf den Markt. Sie sind eine Delikatesse, die keine Klassengrenzen kennt. Ob arm oder reich, alt oder jung, gesund oder krank – fast alle Menschen mögen Kartoffeln. Außerdem ist sie eines der preiswertesten Nahrungsmittel. Die Kartoffel ist vielseitig und anpassungsfähig, sie schmeckt solo gut, bringt aber auch andere Aromen voll zur Geltung. So harmoniert sie mit Quark ebenso gut wie mit Kaviar, mit Speck oder mit teuren Trüffeln. Ein mildes Kartoffelpüree hilft einem kranken Magen wieder auf die Beine, deftige Bratkartoffeln sättigen auch die Seele.

Hunderte verschiedener Gerichte gibt die Kartoffel her, süße und salzige Vorspeisen, üppig-herzhafte Speisen sowie unzählige Fitness-Gerichte.

Auch in der ernährungsphysiologischen Wertigkeit steht die tolle Knolle ganz oben. Mit einem Gehalt von 13,6 Milligramm Vitamin C auf 100 Gramm liegt die in der Schale gekochte Kartoffel noch vor Karotte und Apfel. Neben den Vitaminen B1, K und Niacin, verschiedenen Enzymen und Aminosäuren sowie einer Menge sekundärer Pflanzenstoffe finden sich auch wichtige Mineralstoffe wie Kalium, Phosphor, Eisen und Magnesium in der Kartoffel.

Vor allem der hohe Kaliumgehalt sticht ins Auge: 400 Milligramm pro 100 Gramm. Damit enthält eine einzige Kartoffel so viel Kalium wie rund 100 Liter durchschnittliches Mineralwasser. Diesem hohen Kaliumgehalt verdankt die Kartoffel ihre Fähigkeit, den Organismus beim Entwässern zu unterstützen. Mit ihrem niedrigen und lange Zeit überschätzten Kaloriengehalt ist sie zudem ideal für alle geeignet, die etwas abspecken wollen.

Zunächst kam es zu Todesfällen, dann wurde die Kartoffel als Heilmittel entdeckt

Die ursprüngliche Heimat der Kartoffel ist das karge Hochland der Anden. Über Spanien und wenig später über Irland kam sie im Mittelalter zu uns. Die ersten Anbauversuche verliefen kläglich. Für etwa 100 Jahre fristete die Kartoffel ein Schattendasein und wurde höchstens einmal wegen ihrer niedlichen kleinen Blüten im Bauerngarten gesehen. Viele aßen zunächst die grünen Samenkapseln statt der unterirdischen Knollen. Wegen des darin enthaltenen giftigen Solanins war dies jedoch ein tödlicher Irrtum. Die ersten richtigen Kartoffelkulturen in Deutschland gab es dann zwischen 1640 und 1650 in Westfalen und Nürnberg. Von hier aus trat die Knolle ihren Siegeszug an, um unser beliebtestes Grundnahrungsmittel zu werden.

In der Volksmedizin wurde die Kartoffel bald gerne verwendet. Ein altes Hausmittel gegen Magen und Darmbeschwerden ist der Kartoffelsaft. Das ist das Wasser, das sich von roh geriebenen Kartoffeln absetzt und sich dank der darin enthaltenen Schleimstoffe und Enzyme günstig auf Magen und Darm auswirkt. Doch zu viel von diesem Saft ist wegen des darin enthaltenen Solanins schädlich und kann unter anderem zu Sehstörungen führen. Milderen Kartoffelsaft gibt es in Apotheken und Reformhäusern zu kaufen. Er hilft Ihnen bei Sodbrennen. Den Schleimstoffen und Enzymen verdankt auch das Kartoffelpüree seinen guten Ruf als milde Krankenkost – insbesondere für Magenkranke.

Meine 10 Tipps für den richtigen Umgang mit der Knolle

  1. Normalerweise ist der Solaningehalt der Kartoffeln gering und völlig unbedenklich. Um die als tödlich geltende Menge von 400 Milligramm zu erreichen, müsste man etwa 20 Kilogramm rohe Kartoffeln auf einmal essen. Kartoffelkeime, grüne Stellen und Schalen von grünen Kartoffeln können allerdings so viel Solanin enthalten, dass ein Verzehr riskant werden könnte. Grüne Stellen und Keimansätze sollten Sie deshalb großzügig wegschneiden. Zu grüne Knollen werfen Sie besser weg. Solanin ist ein Gift, das für Nachtschattengewächse, zu denen unter anderem die Kartoffel, die Tomate und die Aubergine gehören, typisch ist. Es ist vor allem in grün gefärbten Stellen enthalten, in Spuren jedoch auch in rohen Kartoffeln. Solanin wird weder durch Hitze zerstört noch von unserem Verdauungssystem unschädlich gemacht. Beim Kochen geht es teilweise ins Kochwasser über. Verwenden Sie das Kochwasser nicht für die Zubereitung weiterer Speisen. Die akuten Vergiftungssymptome sind Brennen und Kratzen im Hals, Magenbeschwerden, Darmentzündungen, Gliederschmerzen, Übelkeit, Brechreiz, Nierenbeschwerden, Durchfall sowie in schlimmen Fällen Atem- und Kreislaufbeschwerden, Krämpfe und Lähmungen.
  2. Entscheiden Sie sich vor dem Einkauf, welches Gericht Sie kochen möchten. Denn für einen Kartoffelsalat brauchen Sie eine andere Kartoffelsorte als für Kartoffelbrei. Es gibt festkochende, mehlig kochende und mittelkochende Sorten. Die festkochenden eignen sich beispielsweise für Kartoffelsalat, die mehligen für Eintöpfe und Suppen, die mittlere Sorte für Salz- und Pellkartoffeln.
  3. Da die meisten Wohnungen nicht über einen Vorratsraum verfügen, der für die Lagerung kalt genug ist, sollten Sie lieber kleine Mengen kaufen.
  4. Falls Sie doch eine größere Menge für die Einkellerung kaufen wollen, sollten Sie den Geschmack der jeweiligen Kartoffelsorte vorher testen.
  5. Die Kartoffeln sollten gesund, sauber und fest sein, einen erdigen Geruch haben, aber nicht muffig riechen, eine gleichmäßig gelbe Farbe haben und trocken sein. Wenn sie glitschig und feucht sind, kaufen Sie diese nicht. Bevorzugen Sie Bio-Ware.
  6. Lagern Sie die Knollen kühl und dunkel, aber niemals im Kühlschrank. Decken Sie sie mit Papier oder Stoffsäcken ab, das verhindert Verdunstungsverluste und grüne Stellen.
  7. Heben Sie die Kartoffeln nicht in der Folienverpackung auf. Lagern Sie sie dunkel und trocken.
  8. Waschen Sie die Kartoffeln mit der rauen Seite eines Küchenschwamms, den Sie nur für Kartoffeln verwenden. Die zarte Schale von neuen Kartoffeln können Sie mit einem Küchenmesser abkratzen oder mitessen. Legen Sie die Kartoffeln kurz in kaltes Wasser, damit die Schale aufquellen kann – dann ist das Putzen einfacher.
  9. Lassen Sie geschälte und klein geschnittene Kartoffeln nicht über längere Zeit im Wasser (insbesondere nicht in gesalzenem) liegen. Sie werden dann braun und verlieren ihr Vitamin C.
  10. Am meisten haben Sie gesundheitlich von der Kartoffel, wenn Sie sie unzerkleinert und ungeschält kochen und mit Schale verzehren. Dann essen Sie auch alle gesundheitlich positiven Stoffe mit, die direkt unter der Schale sitzen. Die kleinen jungen Kartoffeln machen zwar etwas mehr Putzarbeit, schmecken jedoch besonders gut.
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Alte Kommentare
  • Anton Braun schrieb am 06.10.2010, 18:04 Uhr

    Zu Tipp 10 = ungeschält essen: Dazu gab es vor einigen Monaten einen Bericht in Ihrem Newsletter, der vor dem Verspeisen von Kartoffelschalen warnte. Ferner wurde in einem WDR-Gesundheitstipp davor gewarnt. MfG A. B raun