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22. Türchen: Weihnachten als Fluch und Segen für Alzheimer-Angehörige

Weihnachten ist zugleich Fluch und Segen für Familien mit Alzheimer-Angehörigen. Das trifft sogar dann zu, wenn die Familienmitglieder nahe zusammenleben oder sich häufig besuchen. Auch dann können solche als wichtig betrachteten Festtage zu Konflikten führen. Hohe Erwartungen und der mitunter zwanghafte Wunsch nach Harmonie können an solchen Tagen zum Eklat führen.

Weihnachtsstress© Adobe Stock

„Entfernte“ Verwandte

Wohnen die Familienmitglieder auch noch weit auseinander und haben sich vielleicht längere Zeit nicht gesehen, werden sie vielleicht überrascht sein von den Veränderungen, die inzwischen geschehen sind. Sowohl für die besuchenden Familienmitglieder als auch für die Alzheimer-Patienten ist es immer wichtig, jegliche unangenehme Überraschung zu vermeiden.

Alzheimer-Experten empfehlen, alle Familienmitglieder immer schon vor dem Familientreffen genau über die zu erwartende Situation und den aktuellen Zustand des Patienten zu informieren und wie man ihn unterstützen kann. Reden Sie dabei offen mit Ihren Angehörigen, nur so können Sie unangenehme Situationen vermeiden.

An Familientraditionen festhalten

So nah wie möglich an den gewohnten Familientraditionen festzuhalten, ist auch sehr hilfreich, denn Routinen und gewohnte Umgebungen und Gebräuche sind für Menschen mit einer Alzheimer-Diagnose sehr wichtig. Für sie ist es natürlich sehr angenehm, von vertrauten Menschen und Traditionen umgeben zu sein.

Jedoch sind solche Feste auch immer mit viel Trubel verbunden, mit ungewohnten Geräuschen, Lichtern, vielen Stimmen, Unruhe usw. Das kann für jeden – nicht für nur für Menschen mit Alzheimer – irgendwann zu viel sein und er überreagiert vielleicht. Bereiten Sie einen ruhigen Raum vor, in dem sich der Betroffene notfalls zurückziehen kann.

Aktivieren, aber nicht überfordern

Denjenigen, die so ein Familienfest planen, sei es empfohlen, eine Version des Festes möglichst zu wiederholen, die früher schon einmal gut funktioniert hat. Damit wird sich jeder Beteiligte am wohlsten fühlen. Halten Sie sich an Weihnachtstraditionen wie gemeinsames Singen, den Christbaum anzünden, das Essen gemeinsam zubereiten, den Tisch zu decken oder Ähnliches. Binden Sie die Familienmitglieder so weit wie möglich dabei ein, denn das stärkt auch den Familienzusammenhalt.

Sie sollten aber unbedingt darauf achten, die Familie und vor allem den Angehörigen mit Alzheimer nicht durch zu viel Aktivität zu belasten. Natürlich wird sich der Angehörige mit Alzheimer nicht an alles erinnern können und im fortgeschrittenem Stadium kann es schon eine Herausforderung sein, einfache Details wieder abzurufen. Sie sollten aber immer daran denken: Das Beste und Wichtigste an Weihnachten ist für den Alzheimer-Patienten, dass er von seinen Lieben umgeben ist. Zu wissen, dass man geliebt wird und dass Menschen sich um einen sorgen, ist das wertvollste Weihnachtsgeschenk, das Sie machen können.

Freiräume schaffen

Die Festtage stellen aber auch für Sie und all diejenigen eine Herausforderung dar, die sich um den Alzheimer-Patienten kümmern. Die Routine wird plötzlich unterbrochen, zusätzliche Aufgaben wie Geschenke suchen, Weihnachtskarten schreiben oder das Fest organisieren kommen hinzu und zahlreiche zusätzliche Reize prasseln gerade in der Weihnachts­zeit von allen Seiten auf uns herein. Dem können wir kaum entgehen.

Jetzt ist es besonders wichtig, dass wir Freiräume schaffen und regelmäßig etwas für unsere eigene Gesundheit und unser psychisches Wohlergehen tun. Wie man sich am besten entspannt, muss jeder selbst für sich entscheiden. Meditations- und Atem­techniken, ein Spaziergang in der Natur, ein Bad oder Saunabesuch, das alles kann uns auch in der stressigen Weihnachtszeit wieder „erden“ und ist enorm wichtig für unser Wohlbefinden.

Weihnachten im Pflegeheim oder zuhause?

Lebt der Angehörige mit Alzheimer im Pflegeheim, stellt sich die Frage, ob man sie oder ihn zu Weihnachten nach Hause holen soll. Der Kranke hat sich vielleicht gerade erst dort eingelebt und unter Umständen überfordert ihn der kurzfristige Wechsel. Das kann man nicht pauschal beantworten, es hängt vom Zustand des Patienten und auch von Ihnen ab; beide können überfordert sein.

Wenn Sie der Meinung sind, dass ein harmonisches Fest zuhause möglich ist, ist es vielleicht die beste Form. Wenn Sie aber befürchten, mit der Situation zu Hause überfordert zu sein, überlegen Sie lieber, wie Sie das Fest für Ihren Angehörigen auch im Heim stimmungsvoll und schön gestalten können.

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