Zwangsleiden: „Sich zusammenreißen“ ist keine Behandlungsmaßnahme
Sylvia Schneider in Naturmedizin aktuell zum Thema Zwangsstörungen
vom 1. Februar 2012, 06:00 Uhr
GNL5356
Die meisten Außenstehenden denken, die von einem Zwangsleiden Betroffenen müssten sich nur ein bisschen zusammenreißen, dann ginge das schon wieder. Doch das geht an den Tatsachen völlig vorbei. Zwangshandlungen dienen dazu, innere Anspannungen abzubauen. Da sie jedoch nur kurzfristig wirken, verstärken sich die Ausprägungen im Laufe der Zeit. Die Anzahl der Anfälle wird häufiger und meist gesellen sich noch andere Zwangshandlungen dazu. Natürlich hat das soziale Auswirkungen. Nicht selten brechen Beziehungen auseinander - entweder weil die zwangskranke Frau neben ihrem zwanghaften Verhalten keine Zeit mehr hat oder keine Nähe mehr zulassen kann. Das Miteinander in Partnerschaft und Familie wird stark in Mitleidenschaft gezogen.
Im Schnitt dauert es sieben Jahre bis Zwangsgestörte oder ihre verzweifelten Angehörigen Hilfe suchen. Bis dahin versuchen die Betroffenen, ihr Leiden vor anderen so gut es geht, geheim zu halten. Die Behandlung von Zwangsstörungen ist nicht einfach und in manchen Fällen nicht von großem Erfolg geprägt. Wichtig ist es, so früh wie möglich Hilfe zu suchen. Denn die Zwangshandlungen graben sich immer tiefer in Ihr Leben ein und ziehen andere nach sich. Eine lange Krankheitsdauer verschlechtert logischerweise die Erfolgsaussichten. In den meisten Fällen wird eine Mischung medikamentöser und psychotherapeutischer Therapie verordnet, speziell der Kognitiven Verhaltenstherapie. Tatsächlich gibt es keine Medikamente, die die Betroffenen wirksam von dem inneren Druck, der Spannung und dem Zwang befreien.