Zwanghafte Selbstverletzung: Häufig steckt ein Borderline dahinter
Sylvia Schneider in Naturmedizin aktuell zum Thema Zwangsstörungen
vom 1. Februar 2012, 06:00 Uhr
GNL5356
Über die Ursachen der Zwangserkrankungen herrscht in der Medizin noch keine Einigkeit. Vermutlich ist es ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, bei denen eine gewisse Veranlagung eine Rolle spielt. Nicht verarbeitete Gefühle wie Wut und Trauer finden so ihren Ausdruck. Ein häufig gehörter Erklärungsansatz ist die Vereinsamung des einzelnen in unserer Gesellschaft und die Auflösung der festen Strukturen. Viele Menschen spüren sich nicht mehr, weil ihnen die Spiegelung durch anderen Menschen, Werte und Grenzen fehlt. Die Grenzen zwischen innen und außen zerfließen - nach dem Motto: Wo bin ich, wo stehe ich, wo fühle ich mich noch?
Weil sie keine Grenzen zwischen sich und ihrer Außenwelt mehr wahrnehmen, soll die Verletzung des Grenzorgans Haut, diese Grenzen ins Bewusstsein zurückbringen. Notfalls eben mit Blut und Schmerz. Jede dieser Selbstverletzungen ist also auch ein stummer Ruf um Hilfe. Die betroffenen Frauen sind zwar nicht in der Lage, ihr Leben zu meistern, haben aber das Gefühl, wenigstens ihren Körper zu beherrschen. So erregen sie auch Aufmerksamkeit von anderen. In Anfällen von Verzweiflung, Selbsthass und Zwanghaftigkeit hilft ihnen, so widersinnig das klingt, nur der selbst zugefügte Schmerz, beispielsweise mit einem frisch gewetzten Küchenmesser.
Meist kommen diese Anfälle nachts, wenn alles ruhig und dunkel ist. Finde sie kein Messer, quäle sie sich mit brennenden Zigaretten, erzählte mir kürzlich eine Leserin in meiner Telefonsprechstunde. Die drücke sie auf der nackten Haut aus, bis sie sich endlich besser fühle. Das Selbstverletzungsspektrum reicht vom Ritzen, Schneiden, Kratzen bis hin zu Verbrennungen, Verätzen und Knochen zertrümmern. Wo man nichts spürt, da sucht man neue Reize. Das können auch Extremsportarten oder besonders raue Sexualpraktiken sein. Oft geht die Selbstverstümmelung mit Essstörungen einher. Das Bedürfnis, den eigenen Körper zu beschädigen, dient der „Spannungsabfuhr" bei Gefühlen wie Angst, Einsamkeit, innerer Entfremdung und Aggressionen.
Die meisten der Betroffenen leiden an einer Borderline-Störung. Das ist eine psychische Erkrankung, bei der sich die Kranken unsicher sind über die Grenzen ihres Ichs. Sie fließen mal hierhin, mal dorthin ohne zu wissen, wer sie sind und wo sie stehen. Sie schwanken ständig zwischen Extremen und Unvereinbarem.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Johann Niedermayer (01.02. 2012 08:42 Uhr):
Abschließend heißt es in dem Artikel, dass die Betroffenen an Borderline, einer psychischen Störung litten. Hier sollte angemerkt sein, dass Psychologie und Medizin die Psyche, also die Seele gleichermaßen negieren. Das wirft die grundlegende Frage auf, wie erfolgreich eine wissenschaftliche Disziplin bei der Heilung der Seele sein kann, wenn sie die Seele, die für diese beiden Disziplinen aus ideologischen Gründen nicht existiert, (zuweilen durch Einflussnahme auf den Körper) zu kurieren versucht. Das Problem mit den traditionellen Religionen wiederum ist, dass für diese die Seele nur insoweit von Bedeutung ist, wie durch verschiedene Übungen und Einhaltung von Richtlinien für ihr Wohlergehen nach dem körperlichen Tod gesorgt werden kann. Bei Scientology dagegen ist es Ziel, der Seele schon zu Lebzeiten Wohlergehen zu verschaffen und damit zuweilen auch körperliches Wohlergehen zu gewährleisten.
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