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Zahnarzt-Angst – ein ernst zu nehmendes Phänomen

Die Zahngesundheit wird immer mehr zum Dreh- und Angelpunkt einer allgemeinen Gesundheit, die nach außen wirkt. Anders als in den vergangenen Jahrzehnten, wo oftmals noch in „Klempnermanier“ das Nötigste behoben wurde, steht die moderne Zahnmedizin heute im Fokus der zahnschonenden Therapie und Zahnerhaltung insgesamt.

Gleichwohl wurden Geschichten mit negativer Konnotation, welche die gesamte Bandbreite zahnärztlicher Behandlungen abdecken, über die Generationen weitergegeben. Wer selbst einmal negative, also vor allem schmerzhafte Erfahrungen machen musste, der überlegt sich eine Folgebehandlung oftmals zweimal.

Der Begriff der Zahnarzt-Angst, genauer als Dentalphobie bezeichnet, ist daher auch kein Trivialbegriff, sondern Gegenstand intensiver wissenschaftlicher Begutachtung. Das Problem, die Ausprägungen sowie die Umstände einer solchen Dentalphobie bilden den Schwerpunkt des folgenden Beitrags.

Wie entsteht eine Dentalphobie?

Die Angst vor dem Zahnarzt betrifft eine Vielzahl von Menschen. So gehen Schätzungen zufolge 60-80% aller Patienten zumindest mit einem mulmigen Gefühl zum Zahnarzt und ganze 5 Millionen Menschen leider unter einer panischen Angst.

Mehrere Untersuchungen legen dar, dass eine Dentalphobie höchst individuelle Ursachen hat und sich durchaus auf den jeweiligen Zahnbefund beziehungsweise den allgemeinen Erhaltungszustand der Zähne zurückführen lässt.

Eine Untersuchung des Marktforschungsinstitutes EMROS aus dem Jahre 2008 hat die häufigsten Gründe für eine Zahnphobie aufgezeigt: An erster Stelle steht mit 58 Prozent der Bohrer, dicht gefolgt von der Spritze (31 Prozent) und den allgemeinen Schmerzen (25,5 Prozent).

Eine besondere Problematik steht hingegen hinter der Zahnarztphobie, die Schätzungen zufolge etwa jedem Zehnten Deutschen betrifft. Sie stellt im Kern eine Zahnbehandlungsphobie dar, denn anders als der Trivialname vermuten lässt, geht es hier weniger um den Zahnarzt selbst, sondern um bestimmte Behandlungsmethoden.

Seinerzeit gaben etwa 20 Prozent der Befragten an, „deutliche Angst“ vor dem Zahnarztbesuch per se zu haben. Die Hälfte dieser Gruppe würde den Zahnarzt sogar nur im Notfall aufsuchen. Aus diesen Umständen entwickelt sich, selbst beim Gros der nicht spezifisch von Angst geplagten Patienten, eine gewisse Routine.

Einfache, in der Regel schmerzlose und sinnvolle Kontrolltermine werden verschleppt. Die Vorsorge leidet darunter, weil es dem behandelnden Zahnarzt an einem möglichst aktuellen Zahnstatus fehlt.

So steigt naturgemäß das Risiko, dass Behandlungen zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt werden müssen, deren Eingriff mit deutlich mehr Aufwand verbunden ist. Mittlerweile gibt es auch vonseiten der Hochschulen und der zuständigen Kammern Fortbildungen oder Schulungen, die Zahnärzte sensibel an das Thema heranführen sollen.

Was können Zahnärzte tun?

Die Besonderheit bei einer Zahnbehandlungsphobie liegt darin, dass sie zum Teil auf völlig irrationalen Ursachen beruht. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn bestimmte Aspekte der Phobie nicht auf persönlichen Erfahrungen und Begebenheiten beruhen.

Sie hat sich in diesem Fall auf Basis von Erzählungen und Berichten entwickelt, die den genauen Behandlungsvorgang aber nur unvollständig wiedergeben. Aus der Sicht des Zahnarztes ist es deshalb wichtig, die jeweiligen Belange des Einzelnen wahrzunehmen und gezielt auf eine Linderung hinzuarbeiten.

Gefragt ist hier vor allem eine schmerzarme, zugleich aber auch als persönlich empfundene Behandlung, die Patienten nicht „im Regen stehen lässt“.

ProblematikHandlungsansatz seitens des Zahnarztes
Umgebung wirkt auf den PatientenDas Ambiente der Praxis nimmt einen großen Stellenwert ein. Schließlich beschränkt sich die Kommunikation während der Behandlung meist auf wenige Verlautbarungen, sodass der Patient gedanklich „abgeholt“ werden muss. Freundliche Farben, eine wenig sensitive Musik und eine klare Trennung zwischen Behandlungszimmer und Wartezimmer gelten als elementar.
Information beugt Desinformation vorAuch wenn der Eingriff für den Behandelnden „Routine“ ist, so fällt es den meisten Patienten doch schwer, jeden einzelnen Schritt der Behandlung nachzuvollziehen, besonders bei unerwarteten Komplikationen. Informationen auf der Webseite, Broschüren vor Behandlungen, plastische Darstellungen und Erläuterungen während des Eingriffs geben dem Patienten das nötige Informationsniveau.
Alternative Anästhetika prüfenDie „Spritze“ ist zwar in manchen Fällen notwendig, das bedeutet jedoch nicht, dass diese auf zwingend eingesetzt werden muss. Mittel wie Lidocain, die in Sprays oder Tropfen enthalten sind, unterdrücken laut kzbv das Schmerzempfinden bei Einstich und Injektion des Lokalanästhetikums.
Zusatzqualifikationen mit einbringenDie Studienlage bezüglich Hypnose und Akupunktur ist positiv, sodass diese Alternativen als Ergänzung durchaus in Betracht kommen. Mittels autogenem Training oder einer nach Jacobson ausgerichteten, progressiven Muskelrelaxation, können Zahnärzte dem Bedürfnis von Angstpatienten zunehmend Rechnung tragen.

Was können Betroffene tun?

Aus Sicht des Patienten ist es ratsam, sich der Bedeutung des Eingriffes bewusst zu werden. In den meisten Fällen geht es um Zahnerkrankungen, die unbehandelt auch auf umliegende Zähne wirken können. Gerade hier wird die Bedeutung der regelmäßigen, möglichst halbjährlichen Prophylaxe-Termine deutlich.

Die Problematik entsteht erst recht dann, wenn Entzündungen sich ausbreiten. In diesem Fall ist einerseits ein größerer Eingriff nötig, andererseits verhindert der Entzündungsherd eine vollständig wirksame Blockade bezüglich der Nervenreizung.

Hier wird es also erst recht schwierig, Schmerzen während der Behandlung zu vermeiden – nur unter aktiver Mithilfe des Patienten können selbst größere Eingriffe mit einem Maximum an Komfort und Wohlbefinden durchgeführt werden.

TippWirkt insbesondere bei…
Fragen stellen und offen kommunizierenJede noch so naiv wirkende Frage sollte gestellt werden, wenn etwas unklar ist. Hilfreich ist auch das Vereinbaren eines Handzeichens, um bei größerem Schmerzempfinden eine Pause einzulegen.
Behandlungsgeräusche eindämmenDie nötige Information vorausgesetzt, können Patienten die lästigen Geräuschkulissen während einer Behandlung mit eigener oder im Behandlungszimmer abgespielter Musik übertünchen.
Schritt-für-Schritt vorgehenIn manchen Fällen ist es nicht nötig, alles in einem Rutsch zu behandeln. Stattdessen lassen sich viele Dinge auf mehrere Termine splitten, sodass so etwas wie Routine entsteht. Das baut im günstigsten Fall Vorbehalte ab und sorgt für mehr Gelassenheit bei den Patienten.

Fazit und abschließende Bemerkungen

Die Angst vor einer Zahnarztbehandlung hängt damit zusammen, dass vor allem die schwierigen Eingriffe als Standard herangezogen werden. Dass der weit überwiegende Teil absolut frei von Schmerzen ist, wird nicht mehr reflektiert.

Zahnärzte sollten offen und kommunikativ den Behandlungsablauf erläutern, während Patienten durch Aufklärung ein präzises Bild vom Eingriff selbst erhalten. Die moderne Zahnmedizin schreitet immer weiter voran in Bezug auf substanzschonende Behandlungen, sodass Angst vielmehr Kopfsache zu sein scheint.

 

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