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Kieferprobleme: Das hilft gegen nächtliches Zähneknirschen

Sicher haben Sie das auch schon einmal erlebt: Sie wachen morgens auf und Ihr gesamter Kieferbereich schmerzt – der komplette Kiefer und alle Zähne tun weh. Man hat das ungute Gefühl, nachts in eine Schlägerei geraten zu sein.

Kieferschmerzen

Die Ursache ist fast immer dieselbe: Zähneknirschen. Sie haben im Schlaf unbewusst die Zähne zusammengepresst, minuten- oder stundenlang – und dies mit erheblicher Kraft, denn die Kaumuskeln gehören zu den stärksten in unserem Körper.

Die Ursachen hierfür wiederum sind vielfältig und reichen von psychischen Problemen über Erkrankungen im Nasen-Rachen-Raum bis hin zu Fehlstellungen von Zähnen. Ein Gang zum Zahnarzt kann Sie daher oft von dem Übel erlösen.

Problembewältigung durch Zähneknirschen?

Einige Menschen mahlen nachts mit ihren Zähnen, andere tun es tagsüber, oder beides. Die Ursachen von Zähneknirschen (Bruxismus) sind noch nicht vollständig geklärt. Früher dachte man, dass eine abnormale Ausrichtung der oberen und unteren Zahnreihen zu dem Problem beitragen würde.

Neuere Studien haben dies jedoch klar widerlegt. Die Tendenz, tagsüber mit den Zähnen zu knirschen oder zu mahlen, wird mehr und mehr als reine Angewohnheit angesehen. Beim nächtlichen Zähneknirschen wird dagegen allgemein angenommen, dass ein Zusammenhang mit Stress– bzw. Angstzuständen bestehen kann.

Dies muss jedoch nicht immer der Auslöser sein. Im Verlauf von Stressphasen mahlen Menschen häufig mit den Zähnen, ohne dass es ihnen bewusst ist. Andererseits kann morgendlicher Kieferschmerz einschließlich Schmerzen im Kiefergelenk ein Hinweis auf Zähneknirschen während der Nacht sein.

Unterschiedliche Gründe für Zähneknirschen

Anscheinend besteht ein Zusammenhang zwischen Zähneknirschen und andauernden Schmerzen in der Kiefermuskulatur bzw. im Kiefergelenk [temporomandibular joint (TMJ) disorders]. Schmerzende Kiefermuskeln können aber auch ein Symptom für entzündliche Prozesse in den Blutgefäßen sein.

Außerdem kann Zähneknirschen auch als seltene Nebenwirkung bei der Einnahme von Antidepressiva auftreten; insbesondere bei Selektiven Serotonin Wiederaufnahme-Hemmern (SSRIs). Dazu zählen:

  • Citalopram (Celexa®)
  • Escitalopram (Lexapro®)
  • Fluoxetine (Prozac®)
  • Paroxetine (Paxil®)
  • Sertraline (Zoloft®)

Darüber hinaus können alle Arten von Aufputschmitteln wie beispielsweise auch unser allseits bekanntes und beliebtes Koffein zum Zähneknirschen beitragen.

Achten Sie auf diese Warnzeichen

Neben dem eigentlichen Reiben und Knirschen der Zähne während der Nacht oder am Tag gibt es weitere Anzeichen und Symptome von Zähneknirschen. Hierzu zählen:

  • abgeflachte, abgeschliffene oder abgenutzte Zähne (wobei je nach Alter gewisse Gebrauchsspuren der Zähne normal sind)
  • ungewöhnlich empfindliche Zähne
  • stumpfer Kieferschmerz
  • zerkautes Gewebe in Ihrem Mund an der Innenseite Ihrer Wangen

So entlasten Sie Ihren Kiefer und ihre Zähne:

  • entzündungshemmende Medikamente – Um Schmerzen und Entzündung zurückzudrängen, empfiehlt der Arzt die Einnahme von Aspirin oder anderen Nicht-Steroidalen Anti-Rheumatika (NSAR) wie Ibuprofen.
  • Aufbiss-Schienen – Wenn Sie mit den Zähnen knirschen, hilft Ihnen eine individuell angepasste Schiene aus Plastik unter Umständen bei der Schmerzbewältigung. Auf jeden Fall sollte der Arzt das Zahnsystem auf Störungen untersuchen.
  • physikalische Methoden – Dazu gehört eine Ultraschall-Behandlung, die große Wärme erzeugt. Diese Wärme entspannt die Muskulatur und lindert die Schmerzen. Darüber hinaus helfen physiotherapeutische Maßnahmen von Fachkräften, die mit den Funktionen der Kaumuskulatur vertraut sind.

Zähneknirschen und Kieferprobleme beheben mit Zahnschiene© Brigitte Meckle - Fotolia

Wie Sie selber zur Besserung beitragen können

Eine Selbstbehandlung wirkt bei der Myoarthropathie (funktionelle, teilweise schmerzhafte Störungen des Kauorgans) sehr gut. Tragen Sie zur Besserung bei, indem Sie sich an folgende Anweisungen halten:

  • problematische Angewohnheiten vermeiden – Dazu gehören Tätigkeiten, die den Zustand verschlimmern, wie das Essen von harter und zäher Nahrung.
  • Entspannungsübungen oder das Abgewöhnen von Zähneknirschen oder Zähne zusammenbeißen (Stressabbau)
  • regelmäßig trainieren – Tägliche körperliche Übungen verbessern den allgemeinen Gesundheitszustand und beschleunigen die Heilung. Mit Sport bewältigen Sie den Stress besser, der die Kieferschmerzen verschlimmert. Ihr Arzt oder Krankengymnast empfiehlt Ihnen bestimmte Übungen.
  • ausreichend schlafen – Regelmäßiges Durch- und Ausschlafen baut den Stress ab und beschleunigt die Heilung.

5 weitere Tipps gegen nächtliches Zähneknirschen

  1. Reduzieren Sie Ihren Stress: Nehmen Sie alle Möglichkeiten wahr, um sich selbst den Druck von der Seele zu nehmen. Finden Sie für die Dinge, die Sie belasten, wenn möglich eine Lösung. Oft verschwindet das Knirschen auch von selbst wieder, wenn sich Ihr persönlicher „Stressknoten“ gelöst hat.
  2. Ändern Sie Ihre Schlafposition: Sie sollten nachts so liegen, dass Ihr Unterkiefer nicht gestaucht wird. Ihr Kopfkissen sollte Ihren Kopf so stützen, dass Ihr Unterkiefer freiliegt; Ihr Unterkiefer sollte „frei schweben“. Kontakt zum Oberkiefer braucht er nur beim Essen und Trinken.
  3. Bevorzugen Sie eine sportliche Betätigung, die nicht zu einer Belastung Ihrer Halswirbelsäule führt. Zu den empfehlenswerten Sportarten gehören Schwimmen, Nordic Walking oder Radfahren. Dadurch bauen Sie Spannungen und Stress ab.
  4. Wenn Sie einen Zahnersatz bekommen, sollte Ihr Zahnarzt den richtigen Biss nicht nur im Liegen, sondern auch im Sitzen und Stehen kontrollieren. Denn ein Fehlbiss kann langfristig zu einer schiefen und schmerzenden Körperhaltung führen.
  5. Gewöhnen Sie sich eine entspannte, gerade Haltung an. Denn aus einer verkrampften Haltung heraus kann es auch zu Veränderungen am Kiefergelenk kommen. Strecken Sie zum Beispiel beim Autofahren oder am PC nicht Ihren Kopf nach vorne. Dabei verschiebt sich die Belastung von der Halswirbelsäule auf die Muskulatur und Kiefer und führt zu Verhärtungen oder sogar zu Verknöcherungen.

In einigen Fällen kann auch ein direkter Zusammenhang zwischen Zähneknirschen und psychologischen Stressfaktoren diagnostiziert werden. Wenn dies der Fall ist, kann eine gezielte Verhaltenstherapie helfen, die Angewohnheit zu stoppen.

Ein letzter Geheimtipp

Doch unabhängig von der Ursache: Es gibt einen einfachen Trick, der Ihnen sofort hilft, die Kieferschmerzen loszuwerden. Der funktioniert in diesen fünf Schritten:

  1. Legen Sie eine Handfläche oder Faust unter Ihr Kinn und drücken Sie den Unterkiefer damit nach oben.
  2. Dabei öffnen Sie gleichzeitig gegen diesen Widerstand Ihren Mund etwa 1 cm.
  3. Halten Sie diesen Druck für 2 Sekunden, danach 2 Sekunden entspannen.
  4. Diesen Ablauf 30-mal wiederholen.
  5. Führen Sie die Übung zweimal am Tag durch.

Durch die Streckung und Stärkung der Kiefermuskulatur sollte der morgendliche Kieferschmerz sich bereits nach wenigen Tagen erledigt haben.

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