Worüber Männer nicht sprechen
Helmut Erb in Fit in 8 Minuten zum Thema Psychiatrie
vom 3. August 2010, 05:00 Uhr
GNL5223
immer mehr Männer leiden unter Depressionen und Stimmungsschwankungen. Doch sie glauben, dass sie dürften das nicht, weil ein „echter" Mann so etwas nicht hat. Hinter unerklärlicher Wut und Zurückgezogenheit kann eine Depression stehen. Doch der Gedanke, dass sie depressiv sein könnten, kommt den meisten Männern gar nicht - selbst wenn sie von Suizid-Gedanken heimgesucht werden.
Lange vermuteten Wissenschaftler, dass Depressionen bei den beiden Geschlechtern ein unterschiedliches Gesicht haben. Untersuchungen ergaben stets, dass doppelt so viele Frauen wie Männer an Depressionen leiden. Doch inzwischen fragen sich die Forscher, ob Männer möglicherweise genauso häufig an Depressionen leiden, diese aber im Dunkeln bleiben. Denn viermal so viele Männer als Frauen nehmen sich das Leben. Das ist alarmierend!
Bevor die Depression voll ausbricht, zeigen sich bei Männern andere Symptome als bei Frauen. Sie gehen nicht zum Arzt und berichten diesem, dass sie traurig und deprimiert sind. Sie klagen eher über Probleme im Beruf, sind gereizt, streiten mehr als sonst und werden extrem schnell wütend. Das wird jedoch nicht als Warnsignal erkannt. Im fortgeschrittenen Stadium dann greifen Männer oft zum Alkohol, Leistungssteigerern und anderen Drogen.
Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehören Depressionen längst zu den großen Volkskrankheiten. In Deutschland leiden derzeit fünf Prozent der Bevölkerung akut an einer Depression, das sind vier Millionen Menschen. Etwa dreimal so viele erkranken im Laufe Ihres Lebens an der früher als Schwermut bezeichneten Krankheit. Warum diese seelische Erkrankung in diesem Ausmaß zunimmt, weiß keiner. Die meisten Experten hegen den Verdacht, dass dies eine Folge unseres modernen hektischen Lebensstils mit der Auflösung von Familienstrukturen ist.
Bei einer ausgeprägteren Depression brauchen Sie dringend professionelle Hilfe. Gehen Sie auf jeden Fall zu einem Arzt oder Psychotherapeuten, wenn Sie schon länger Ihren Alltag nicht mehr oder nur mit größter Anstrengung meistern. Schämen Sie sich nicht fachliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sie brauchen auch nicht zu fürchten, dass man Sie für "verrückt" hält, denn eine Depression ist eine ernst zu nehmende Erkrankung. Sie sollten unbedingt wissen, dass depressive Erkrankungen heute gut zu behandeln und zu heilen sind - vor allem wenn sie frühzeitig erkannt werden.
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Machen Sie es besser!
Ihr
Helmut Erb
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