Worauf Sie beim Kauf eines Hörgerätes achten müssen

in Naturmedizin aktuell
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Ein Problem, über das man wenig hört: Mehr als 13 Millionen Deutsche sind schwerhörig. Jeder fünfte Deutsche bräuchte ein Hörgerät. Doch noch nicht einmal ein Drittel der Schwerhörigen trägt eines - die meisten verzichten aus Eitelkeit auf diesen echten Zuwachs an Lebensqualität. Dazu gehört auch mein Mann. Keine zehn Pferde würden ihn in die Praxis eines Hals-Nasen-Ohren-Arztes bringen, obwohl wir alle auf ihn einreden wie auf eine kranke Ziege. Jeder zweite kommt mit den Hörgeräten nicht zurecht. Dabei sind die kleinen Knöpfe für das Ohr heute hochtechnisiert und nahezu unsichtbar.


Nicht gut hören zu können, bedeutet mehr als nur bestimmte Geräusche und Töne nicht mehr wahrzunehmen. Für viele Menschen ist Schwerhörigkeit vor allem ein Verlust an Lebensqualität und das langsame Abrutschen in die Isolation. Denn die Umwelt wird nicht mehr vollständig wahrgenommen, sich zu orientieren und mit den Mitmenschen zu kommunizieren sind nur noch eingeschränkt möglich. Deswegen meine Bitte: Lassen Sie sich helfen! Sie werden Ihre Scheu vor den kleinen Hörhilfen schnell verlieren.

Bleiben Sie natürlich gesund!

Worauf Sie beim Kauf eines Hörgerätes achten müssen

Die Anzahl der Schwerhörigen nimmt vom 50. Lebensjahr an kontinuierlich zu. Wird Schwerhörigkeit nicht behandelt, erreichen auf Dauer immer weniger Schallreize Ihr Zentralnervensystem, so dass dessen Strukturen verkümmern. Die häufigste Form der Schwerhörigkeit ist nach wie vor die Altersschwerhörigkeit. Unbehandelt kann sie die Entwicklung einer Demenz unterstützen. Hals-Nasen-Ohren-Ärzte unterscheiden zwei Arten von Schwerhörigkeit. Am häufigsten ist das Innenohr betroffen. Dort sitzen 20.000 Haarzellen genannte Sinneszellen. Sie tragen an ihrer Oberfläche winzige Sinneshärchen. Diese wandeln den Schall in elektrische Impulse um und leiten sie über den Hörnerv zum Gehirn. Sind diese Haarzellen zum Beispiel aufgrund von Durchblutungsstörungen oder Lärmschäden beschädigt, können Sie den Schall nur noch in einem verminderten Frequenzbereich weiterleiten. Hohe Töne bleiben dem Ohr dann verschlossen.

Im Gegensatz zur Innenohrschwerhörigkeit hat die Mittelohrschwerhörigkeit mechanische Ursachen. Das Trommelfell und die Gehörknöchelchen im Mittelohr leiten den Schall überhaupt erst zum Mittelohr. Funktioniert diese Übertragung nicht, tritt das Innenohr gar nicht erst in Aktion. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn sich wegen einer Infektion im Mittelohr Sekret sammelt (Paukenerguss) und die Schallübertragung behindert oder wenn das Trommelfell wegen einer Verletzung nicht richtig schwingt.   

Von der Medizin wird die Schwerhörigkeit in drei Formen unterteilt:

Bei der Schallleitungsschwerhörigkeit kann der Schall nicht mehr adäquat an das Innenohr weitergeleitet werden. Das ist zum Beispiel bei Trommelfellschäden oder bei einer Mittelohrentzündung der Fall.

Die Schallempfindungsstörung hat ihre Ursache in einer Schädigung beziehungsweise unzureichenden Funktion des Gehörknöchelchens, des Hörnervs oder des Gehirns etwa durch Lärmschäden.

Die dritte Form der Schwerhörigkeit ist eine Kombination der beiden ersten Formen.

Je nachdem, welche Geräusche wahrgenommen werden können, unterscheidet die Medizin das Ausmaß der Schwerhörigkeit:

  • Normalhörigkeit: ein Abweichen der Hörfähigkeit bis 20 Dezibel
  • geringgradige Schwerhörigkeit: das Ticken der Armbanduhr von etwa 20 Dezibel wird nicht mehr wahrgenommen
  • mittelgradige Schwerhörigkeit: diese liegt ab einen Hörverlust von 40 Dezibel vor - das entspricht den Grundgeräuschen tagsüber in einem Wohngebiet
  • hochgradige Schwerhörigkeit: ein normal sprechender Gesprächspartern wird nicht mehr gehört - das entspricht einem Hörverlust von 40 bis 60 Dezibel
  • an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit: damit ist ein Hörverlust von über 80 Dezibel verbunden - damit hören Sie praktisch gar nichts mehr.

Mit Hörgeräten gehen Ihre Ohren wieder auf Empfang

Die Abhilfe erster Wahl besteht im Tragen eines Hörgerätes. Diese wurden in den vergangenen Jahren stetig verbessert und haben nichts mehr mit den kreischenden und knisternden Geräten früherer Generationen gemein. Das modernste Gerät wird tief im Gehörgang („Lyric" vom Schweizer Hersteller Phonak) platziert. Dort verbleibt es für vier Monate ohne jegliche Wartung und egal, welcher Tätigkeit Sie gerade nachgehen. Betrieben wird das nur 16 Millimeter kleine Mini-Gerät, das für leichte und mittlere Schwerhörigkeit gedacht ist, von einer Batterie. Probleme kann es Schwerhörigen mit einer starken Ohrschmalzbildung bereiten. Beim Schwimmen muss ein Nässeschutz vor das Hörgerät gesetzt werden. Was von den Schwerhörigen am meisten geschätzt wird: Das Hörgerät bleibt unsichtbar und das nervende Rückkopplungspfeifen konnte ausgeschaltet werden.

Das Gerät wird als Abonnement mit Laufzeiten von zwei bis drei Jahren angeboten. Pro Ohr und Monat kostet es stolze 150 Euro, die nicht von den Krankenkassen getragen werden. Das ist verglichen mit den herkömmlichen Geräten relativ teuer. Eine High-End-Hörsystem-Lösung mit zwei Hörgeräten, Fernbedienung und Bluetooth kostet etwa 6.500 Euro. Aber auch hier zahlen die gesetzlichen Krankenkassen nur rund 800 Euro dazu. Und: Diese Version bleibt für Außenstehende sichtbar.


von
Sylvia Schneider

Erfahren Sie hier mehr zu Sylvia Schneider - aus dem Redaktionsteam von FID Gesundheitswissen.

 
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Kommentar von Volker Specht

Das Gehör ist wohl das wichtigste Sinnesorgan. Schon der werdende Mensch im Mutterleib kann hören. Selbst im Schlaf kann man das Ohr nicht verschließen. Akkustische Signale können Gefahren erkennen lassen. Ohne Gehör lernt der Mensch auch nur sehr schwer zu sprechen. Und ohne Gespräche ist der Mensch gefährdet, sozial isoliert zu sein. Volker Specht

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Kommentar von Hanni

Ausgezeichnet, dass Sie diesen Artikel geschrieben haben, denn obwohl die Schwerhörigkeit mittlerweile wirklich sehr verbreitet ist, wissen die meisten wenig oder gar nichts davon. Ich selbst trage zwei Hörgeräte seit längerer Zeit und kann jedem Schwerhörigen nur raten, dasselbe zu tun. Die Schwerhörigkeit verstärkt sich sonst immer mehr und es fällt immer schwerer, sich an ein Hörgerät zu gewöhnen. Ich könnte ohne ein solches Gerät gar nicht mehr leben, obwohl ich nur mittelmäßig schwerhörig bin. Allerdings bekommt man kein "neues Ohr", wie meine HNO-Ärztin mir von vornherein sagte. Aber ich höre Musik mit dem Hörgerät ganz anders, höre die Vögel piepsen (hohe Töne) und muss bei Gesprächen in lauterer Umgebung nicht ständig nachfragen. Leider ist ein gutes Hörgerät sehr teuer. Das von den Krankenkassen bezahlte verstärkt nur die Lautstärke und damit auch alle Nebengeräusche. Man muss sich eben von einem Hörgeräteakustiker gut beraten lassen und kann dann auch verschiedene Geräte ausprobieren. MfG Hanni

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Antwort von Didi:

Hallo Hanni, ich stehe gerade davor mir ein Hörgerät anpassen zu lassen. Um mich im Vorfeld zu informieren bin ich auch auf diese Seite hier gelandet. Im Zusammenhang auf Zuzahlung und Übernahme der Kosten habe ich folgenden Beitrag gefunden der darauf hinweist wie und wann die KK Kosten übernimmt die über die übliche Zuzahlung der Kassen liegen. MfG Didi http://www.schwerhoerigen-netz.de/RATGEBER/HOERGERAETE/PDF/beratungsrichtlinie.pdf

Kommentar von Hanni

Im Nachgang zu meinem Kommentar: Es ist vollkommen unklug, aus Eitelheit auf ein Hörgerät zu verzichten. Damit verzichten Sie auf so viel Lebensqualität und laufen Gefahr, wegen Kommunikationsproblemen zu vereinsamen. Ich hoffe, dass eines Tages - da es immer mehr schwerhörige, auch junge, Menschen gibt, dass das Hörgerät eines Tages so akzeptiert wird wie heutzutage eine Brille. Das teure Imohrgerät würde ich nicht empfehlen!

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Kommentar von Rainer Seifert

Ihr Artikel hat mich sehr interessiert. Meine Mutter (86) hört seit30 Jahren schwer und erzählt uns immer, dass bei ihr eben Alles anders sei, denn sie hat einen "Leitungsschaden". Ein 2. Gerät wollte sie damals aus Eitelkeit nicht tragen. Also scheint ihr Leiden durchaus nicht selten aufzutreten. Mich würde sehr interessieren, ob bei dieser Art von Schwerhörigkeit ein Hörgerät nicht optimal angepasst werden kann, also ob es schlimmer ist als bei einer Innenohrschwerhörigkeit. Das schlechte Hören ist bei ihr wohl auch vererbt. Ich höre mit meinen 68 Jahren besser als mein Ohrenarzt, (sagte er mir selber). und er ist 10 Jahre jünger als ich. Freundliche Grüße Rainer Seifert

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