Wissenschaftlich erwiesen: Wandern in den Alpen stärkt Ihre Gesundheit
Dr. Ulrich Fricke in Täglich Gesund zum Thema Wandern
vom 9. Juli 2008, 16:00 Uhr
GNL5223
Endlich Urlaub - endlich Ruhe. Wenn Sie der Hektik des Alltags entfliehen und gleichzeitig noch Ihre Gesundheit stärken möchten, eignet sich dazu nichts besser als ein Wanderurlaub in den Bergen. Abschalten, den Blick über imposante Alpenkulissen und klare Gebirgsseen schweifen lassen - das ist für viele der Gipfel der Entspannung. Und die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse, die wir Ihnen in diesem Beitrag vorstellen, zeigen, dass ein Bergurlaub nicht nur ideal ist, wenn Sie einmal Ihre Seele richtig baumeln lassen möchten. Auch Ihr Herz wird gestärkt, viele Blutwerte verbessern sich, überflüssige Pfunde schmelzen dahin, und die Bergluft lässt Sie besser schlafen. Wir sagen Ihnen, welche Höhenlagen ideal sind und wie lange Ihr Aufenthalt mindestens dauern sollte, damit er Ihrer Gesundheit dient.
Bergluft ist positiver Stress für den Körper
Wissenschaftler der Universität Köln haben im Jahr 2003 untersucht, wie sich ein Bergaufenthalt zwischen 1.000 und 3.000 m Meereshöhe auf Patienten mit Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems auswirkt. Sie wollten eigentlich herausfinden, ob die klimatischen Veränderungen für die Patienten gefährlich sein können.
Aber die Auswertung ergab genau das Gegenteil: Ein Bergurlaub verbessert eindeutig die Funktion von Herz, Kreislauf und Lunge. Als optimal für den Organismus erwies sich dabei der Aufenthalt in etwa 2.000 m Höhe. Die Forscher um den Studienleiter Dr. Thomas Becker erklären die positive Wirkung so: Wenn Sie aus dem Flachland kommend höher liegendes Terrain aufsuchen, löst das in Ihrem Körper zunächst eine wohl dosierte Stressreaktion aus. Diese Phase dauert etwa sechs Stunden. In dieser Zeit steigt Ihr Puls, und die Atmung wird beschleunigt. Diese Reaktion beruht auf dem leicht verminderten Sauerstoffgehalt der Höhenluft.
Es folgt dann die so genannte Akklimatisierungsphase, in der sich Ihr Körper auf das reduzierte Sauerstoffangebot einstellt. Sie dauert etwa sieben Tage; in dieser Zeit sollten Sie größere Belastungen meiden. Beginnen Sie Ihren Bergurlaub also möglichst schonend und unternehmen Sie nicht gleich in den ersten Tagen regelrechte Gewaltmärsche.
Optimal sind 3 Wochen Bergurlaub
Erst nach der Akklimatisierung ist Ihr Organismus an die ungewohnte Höhenlage angepasst und erreicht seine volle körperliche Leistungsfähigkeit. In dieser Zeit fällt dann die Pulsfrequenz auf etwa 85 % Ihres Flachlandwertes". Auch der Blutdruck sinkt: Insgesamt wird also Ihr Herz entlastet. Die Kölner Studie belegt, dass Sie am besten von einem längeren Bergaufenthalt profitieren. Optimal sind sicherlich drei Wochen oder mehr. Aber auch wenn Sie nur zwei Wochen erübrigen können, ist das sicherlich schon ein Gewinn für Ihre Gesundheit. Wenn Sie dagegen nur einen Kurzaufenthalt planen, sollten Sie Höhenlagen unter 1.000 m aufsuchen oder zumindest auf anstrengende Wanderungen verzichten. Übrigens: Die Kölner Wissenschaftler haben auch herausgefunden, dass die Pulsberuhigung und die Senkung des Blutdrucks keine kurzfristigen Effekte sind, sondern auch noch bis zu acht Monate nach Ihrem Urlaub anhalten.
Das sind die positiven Effekte einer Höhenkur:
- Blutdruck und Pulsfrequenz sinken.
- Die Atemtätigkeit wird angeregt.
- Muskeln, Gelenke und Bänder werden gekräftigt.
- Der Stoffwechsel wird positiv beeinflusst.
- Der Verdauungsapparat wird aktiviert.
- Der Kalorienverbrauch erhöht sich und das Gewicht wird leicht reduziert.
Für die Kurmedizin kommen diese Erkenntnisse nicht ganz überraschend. Denn schon seit Ende des 19. Jahrhunderts werden in Gebirgskurorten so genannte Terrainkuren" angeboten. Dabei werden Bergwanderungen in Höhenlagen zwischen 800 bis 2.000 m unternommen, bei denen Höhenunterschiede von bis zu 500 m zu überwinden sind. Eine Terrainkur eignet sich insbesondere für Herz-Kreislauf- Patienten, sie kann aber auch allen empfohlen werden, die einfach fit und gesund bleiben möchten.
Gutes Training für Diabetiker
Zu ebenfalls durchweg positiven Ergebnissen für einen Bergwanderurlaub kommt die Austrian Moderate Altitude Study" (Österreichische Mittlere-Höhen-Studie") aus dem Jahr 2001. Wissenschaftler der Universität Innsbruck hatten dabei 200 Männer in drei unterschiedlichen Höhenlagen (200, 1.100 oder 1.700 m) drei Wochen lang Wanderurlaub machen lassen. Alle Studienteilnehmer litten an einem beginnenden metabolischen Syndrom, also Übergewicht kombiniert mit leicht erhöhten Werten für Blutzucker, Blutdruck und Blutfett. Positive Ansätze zeigten sich bereits auf der 200-m-Höhenstufe. Hier war ein Gewichtsverlust von etwa 2 bis 5 % zu verzeichnen. Hinzu kam, dass die Wanderungen bergauf und bergab ein ideales Muskeltraining sind. Außerdem wurde auf den schmalen Wanderwegen, auf denen die Wanderer über manche Wurzel und manchen Stein balancieren mussten, das Koordinationsvermögen verbessert. Im Alltag könnte sich so z. B. Ihr Sturzrisiko reduzieren. Die positiven Reizwirkungen des geringeren Sauerstoffgehaltes ergaben sich jedoch auch in dieser Studie erst ab einer Höhenlage von 1.100 m. Ein Wanderurlaub ist für die meisten Menschen gefahrlos möglich. Einzige Einschränkung: Wenn Sie an einer Kniegelenksarthrose leiden, sollten Sie Bergablaufen meiden, da das ständige Bremsen das Gelenk extrem belastet. Es gibt aber in fast jedem Urlaubsort die Möglichkeit, von den erklommenen Bergen mit einer Seilbahn sanft ins Tal zurückzuschweben.
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