Wie stark werden Sie durch Röntgenstrahlen belastet?
Dr. Regina Kalkert in Täglich Gesund
vom 21. Juni 2011, 16:00 Uhr
GNL5356
Wir leben in einer „strahlenden" Welt. Jeder Mensch ist ununterbrochen vielen Strahlenarten ausgesetzt, z. B. der kosmischen Strahlung oder der Strahlung von radioaktivem Gestein. Die jährliche Gesamtbelastung setzt sich im Durchschnitt zu 2/3 aus dieser natürlichen Strahlenbelastung und zu 1/3 aus der künstlichen Strahlenbelastung (z. B. Röntgenstrahlen) zusammen.
Das macht Röntgenstrahlen gefährlich
Bei einer Untersuchung geht ein geringer Teil der Röntgenenergie auf den menschlichen Körper über. Dadurch werden komplizierte physikalische Abläufe angeregt, die im schlimmsten Fall eine Veränderung der Erbsubstanz - des genetischen Materials -mit sich bringen. Schädigungen der Keimzellen (Spermien, Ei-zelle) können zu vererbbaren Erkrankungen führen, Schädigungen der Körperzellen können Krebserkrankungen zur Folge haben.
Zu Ihrer Beruhigung: 99 Prozent solcher Schädigungen am Erbgut werden durch körpereigene Reparaturmechanismen folgenlos repariert! Zum Nachdenken: Die Veränderungen der Erbanlage geschehen zufällig. Somit kann man nicht sagen, dass Röntgenstrahlung bis zu einer bestimmten Menge ungefährlich ist! Die Wahrscheinlichkeit einer Schädigung allerdings steigt mit der Dosis, ebenso wie die Wahrscheinlichkeit für einen Treffer im Lotto mit der Anzahl der ausgefüllten Tippkästchen ansteigt!
Dieses Risiko gehen Sie beim Röntgen ein
Das Risiko, durch eine Röntgenuntersuchung an einem Tumorleiden zu erkranken, kann statistisch abgeschätzt werden. Nehmen Sie als Beispiel eine Lungenaufnahme. Hierbei sind Sie der gleichen Strahleneinwirkung ausgesetzt wie bei einem Flug von Frankfurt nach New York und zurück. Nach einer solchen Untersuchung entwickelt ein Mensch von 250.000 einen Tumor, der durch das Röntgen hervorgerufen wurde - allerdings erst viele Jahre danach. Aber nicht alle bildgebenden diagnostischen Verfahren haben das gleiche Erkrankungsrisiko.
Warum muss geröntgt werden? Gibt es Alternativen?
Diese Fragen werden Sie sich jetzt vielleicht stellen. Zu einigen Röntgenuntersuchungen gibt es leider keine Alternativen. Das gilt z. B. für das Röntgen der Knochen, um einen Knochenbruch zu entdecken. Aber: Eine Röntgenuntersuchung wird durchgeführt, um Informationen zu erhalten, Erkrankungen zu entdecken und Schaden von Ihnen abzuwenden, eventuell sogar Ihr Leben zu retten.
Das sollte jedoch immer mit einem Minimum an Strahlenbelastung erfolgen. Bei anderen Untersuchungen gibt es allerdings schon alternative Methoden, die im ersten Schritt bereits genügend Informationen bringen und nur bei Unklarheiten durch ein Röntgenverfahren ergänzt werden sollten.
So z. B. die Ultraschalluntersuchung, die alternativ bei vielen Erkrankungen des Bauchraumes, von Gelenken oder auch am Herzen infrage kommt. Fragen Sie immer Ihren Arzt nach einer Ersatzmaßnahme, bevor Sie sich einer verordneten Untersuchung unterziehen. Fragen Sie auch immer nach der Nutzen-Risiko-Relation!
Führen Sie einen Röntgen-Pass
Dieser hilft, einen Überblick über alle bisher durchgeführten Röntgenuntersuchungen zu erhalten. Unnötige Wiederholungsuntersuchungen können so vermieden werden. Voruntersuchungen können zur Vergleichsbeurteilung herangezogen werden. Solche Ausweise erhalten Sie in jeder Röntgenpraxis oder Röntgenabteilung im Krankenhaus.
Achtung: Jeder vierte Mensch stirbt in Deutschland an einer Krebskrankheit, das entspricht somit einem allgemeinen Risiko von 25 Prozent. Durch eine einmalige Röntgenuntersuchung der Lunge erhöht sich das Risiko für Lungenkrebs auf 25,001 Prozent. Durch eine „ungesunde" Lebensweise erhöht sich das Risiko, an einem Lungentumor zu erkranken, um ca. 5 Prozent (etwa durch das Rauchen)!
Fazit: Röntgenstrahlen können gefährlich sein, deshalb dürfen Röntgenuntersuchungen nicht „sorglos" durchgeführt werden. Eine Indikation ist immer dann gegeben, wenn das Risiko der Unterlassung größer ist als das Risiko der Untersuchung!
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Guy Rillaers (21.06. 2011 23:44 Uhr):
Wertvolles Bericht ! Wie gross sind die Gefahren bei Radiotherapie und wie kann man sie einschätzen?
Antworten - Kommentar von Birgit Paechnatz (22.06. 2011 08:37 Uhr):
Und wie sieht es mit einem CT aus? Da sind doch die Strahlen um das Vielfache höher. Sind degegen Röntgenstrahlen nicht weitaus weniger gefährlich? Viele Grüße aus Berlin! Birgit paechnatz
Antworten - Kommentar von Franz Knopf (22.06. 2011 10:53 Uhr):
Prinzipiell verstanden; nur die Aussage 25,001 %gegen 5% bei Rauchern ist nicht zu verstehen. Danke für Ihre Aufklärung F. Knopf
Antworten - Kommentar von CARLOS OLMS LONDON (23.06. 2011 00:21 Uhr):
Habe Ihren Artikel gelesen. Ich kann es kaum glauben, es klingt wie eine Verschoenerung der X rays. Sie erwaehnen CT ueberhaupt nicht. Bei einer CT Untersuchung werden sie einer 90 bis 200 facher X Ray Strahlung ausgesetzt, gegenueber einer einzigen Lungen Aufnahme. Sie sollten sich ihr Lehrgeld wiedergen lassen.
Antworten - Kommentar von Helga von Schaewen (17.07. 2011 13:51 Uhr):
Sie vergleichen so einfach eine RÖ-Aufnahme der Lunge mit einem Hin u.Rückflug von Frkf. nach New York bzgl der Strahlenbelastung und lassen einen ganz wesentlichen Faktor, nämlich den der Zeit außer Acht! Es ist ein fundamentaler Unterschied, ob eine festgesetzte Strahlendosis sich über den Zeitraum mehrerer Stunden (2 Flüge!! )verteilt oder für den Bruchteil einer Sekunde den Körper trifft . Je k l e i n e r die Dosis pro Zeiteinheit ist, desto besser können körpereigene Reparaturmechanismen greifen. Die Gleichsetzung einer Strahlendosis bei Flügen mit der einer Rö-Aufnahme hinsichtlich der Strahlenbelastung ist ein Ammenmärchen! Dr.med.vet.Helga von Schaewen
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