Wie Sie sich Ihre „Natur-Apotheke“ auf der Fensterbank züchten
Beate Rossbach in Täglich Gesund
vom 12. Oktober 2011, 16:00 Uhr
GNL5356
Frisch gekeimte Samen gehören zu den gehaltvollsten Vitalstofflieferanten. Und das Beste daran ist, dass sie auch in der kalten Jahreszeit, wenn Obst und Gemüse fast nur aus fernen Ländern eingeführt werden können, bei Ihnen zuhause gedeihen. In Salaten, Gemüsesaft-Cocktails oder auch zum Würzen sind die kleinen Pflänzchen eine ebenso schmackhafte wie gesunde Bereicherung Ihres Speiseplans. Dank ihrer Inhaltsstoffe, wie etwa Senfölen und Vitamin C, können Sie mit den Keimlingen sogar Ihre naturheilkundliche Behandlung von Infekten unterstützen.
Keimlinge sind wahre Vitalstoffbomben
Wenn Sie den Samen ausgewählter Gemüsepflanzen unter optimalen Bedingungen zum Keimen bringen, erhalten Sie Keimlinge, die oft wesentlich vitalstoffreicher sind als die ausgewachsene Pflanze. Durch Ab- und Umbauvorgänge beim Keimen entwickelt sich in den winzigen Jungpflänzchen z. B. reichlich Vitamin C, das im ursprünglichen Samen kaum vorhanden war. Im Prinzip eignet sich der Samen fast jeder Gemüsepflanze zur Aufzucht von Keimlingen.
Keime und Sprossen versorgen Sie mit diesen Vitalstoffen:
- Vitamine (A, C, E, B1, B2, B6)
- Mineralstoffe (u. a. Kalzium, Magnesium, Phosphor, Kalium)
- sekundäre Pflanzenstoffe (Carotinoide, Polyphenole, Flavonoide)
- Proteine
Die Samen von Nachtschattengewächsen wie Tomaten, Kartoffeln und Paprika sind zur Anzucht ungeeignet, da sie beim Keimvorgang giftige Stoffe (u. a. Solanin) entwickeln. Keime und Sprossen von Hülsenfrüchten sollten Sie vor dem Verzehr unbedingt blanchieren, da sie in ihrer Hülle Proteine enthalten, die eine Verklumpung des Bluts bewirken und die Eiweißverdauung behindern können.
Senföle in Kresse und Rettich sind ein natürliches Antibiotikum
Kresse- und Rettichkeime sind zur unterstützenden Behandlung von Infekten der Atemwege wie Bronchitis und Nasennebenhöhlen-Entzündungen geeignet. Während des Keimens entstehen aus den in ihnen enthaltenen Senfölen Isothiocyanate, deren Wirksamkeit gegen Bakterien sogar wissenschaftlich bewiesen werden konnte.
Frische Kresse oder selbst gezüchtete Rettich sprossen, im Salat genossen, können daher Ihre Behandlung wirkungsvoll unterstützen, wenn Sie an einer Infektion der oberen Luftwege leiden.
Brokkoli-Sprossen vertreiben Helicobacter-Bakterien im Magen
Helicobacter pylori ist eine Bakterienart, die Magenschleimhautentzündungen, Magengeschwüre und Magenkrebs verursachen kann. Jeder dritte Europäer trägt diesen Keim in sich. Forscher der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore/USA gaben 50 mit Helicobacter infizierten Menschen im Jahr 2009 acht Wochen lang täglich 70 g Brokkoli-Sprossen, eine Kontrollgruppe erhielt dieselbe Menge Alfalfa-Sprossen. Bei den Patienten, die Brokkoli-Sprossen gegessen hatten, waren am Ende der Studie deutlich weniger Helicobacter-Bakterien im Magen nachweisbar. In der Kontrollgruppe gab es keine Veränderung der bakteriellen Besiedelung. Die Wissenschaftler erklären die Wirksamkeit der Brokkoli-Sprossen mit dem in ihnen enthaltenen speziellen Senföl Sulforaphan. Diese Substanz kann in besonderem Maße die Antikörperbildung aktivieren und so das bakterielle Wachstum hemmen.
Am besten gelingt das Keimen in einer speziellen Box
Die Anzucht auf der eigenen Fensterbank ist in jedem Fall gesundheitlich unbedenklich, wenn Sie biologisches Saatgut verwenden, und es macht zusätzlich Freude, die kleinen Keimlinge beim Wachsen zu beobachten. Einige Samen (wie z. B. Kresse) gedeihen auch auf feuchtem Küchenpapier, am hygienischsten ist jedoch das Keimen in einer speziellen Box (z. B. BioSnacky® oder Chrestensen Keimschalenbox, in Reformhäusern und Bioläden, um 20 Euro). Diese Box besteht aus mehreren Etagen, sodass Sie verschiedene Sorten gleichzeitig züchten können.