Wie Sie die warnenden Vorzeichen des Schocks rechtzeitig erkennen
Beate Rossbach in Täglich Gesund
vom 27. Juli 2011, 16:00 Uhr
GNL5356
Ich war richtig unter Schock" - wie leicht sagt man das, wenn man eine schlechte Nachricht erhalten oder sich sehr aufgeregt hat. Aber ein echter Schock ist keine seelische Erschütterung, sondern eine lebensbedrohliche Situation, in der Sie sehr schnell handeln müssen. Um im Ernstfall richtig reagieren zu können, sollten Sie daher die warnenden Anzeichen kennen. In diesem Beitrag erklären wir Ihnen die verschiedenen Arten des Schocks und sagen Ihnen, wie Sie sich im Notfall richtig verhalten.
Bei einem Schock ist die Sauerstoffversorgung gefährdet
Ein Schock ist ein absoluter Notfall und muss unbedingt ärztlich behandelt werden. Unabhängig von der Ursache, die zum Schock geführt hat, besteht immer ein Missverhältnis zwischen der benötigten und der tatsächlichen Blutmenge, die im Kreislauf zirkuliert - und damit eine Unterversorgung mit Sauerstoff. Durch das im Körper fehlende Blutvolumen sinkt der Blutdruck, und der Organismus versucht, der mangelhaften Durchblutung entgegenzuwirken. Dazu schüttet er die Stress hormone Adrenalin und Noradrenalin aus, die zu einer Erhöhung des Herzschlags auf über 100 Schläge pro Minute und einer Engstellung der feinen Blutgefäße (Arteriolen) führen, um den Blutdruckabfall auszugleichen.
Gleichzeitig werden alle Blutgefäße in der Körper-Peripherie so eng wie möglich gestellt, bis schließlich nur noch die lebensnotwendigen Organe wie Gehirn, Lunge und Herz durchblutet werden. Dieser Vorgang wird Zentralisation genannt. Organe, die dringend Sauerstoff benötigen, wie etwa die Nieren, werden dabei stark geschädigt (Schockniere); wenn nicht rechtzeitig gegengesteuert wird, droht ein totaler Kreislaufzusammenbruch und in der Folge der Tod.
Bei starken inneren oder äußeren Blutungen nach einer Verletzung ist durch den Blutverlust der venöse Rückstrom zum Herzen vermindert. Dadurch fehlt dem Kreislaufsystem Blut, und es entsteht ein Volumenmangel-Schock. Der septische Schock tritt durch die Freisetzung bakterieller Gifte (Endotoxine) bei schweren Infektionen ein. Diese Gifte führen zu einer Weitstellung der Blutgefäße, was einen starken Blutdruckabfall (systolischer, also oberer Wert unter 90 mmHg) zur Folge hat.
Beim kardiogenen Schock ist das Herz nicht mehr in der Lage, genügend Blut zur Versorgung der Zellen und Organe durch den Kreislauf zu pumpen.
Der anaphylaktische Schock ist die schwerste Form der Allergie
Innerhalb von Sekunden bis wenigen Minuten entwickelt sich ein anaphylaktischer Schock. Auslöser für diesen dramatischen Zustand können Medikamente wie Antibiotika oder Impfstoffe, aber auch jede andere Substanz, auf die Sie allergisch reagieren, sein. Nach dem Kontakt mit dem Allergen schüttet der Körper massenhaft Histamin aus, was zu einer extremen Weitstellung der Blutgefäße führt. Falls bei Ihnen starke Allergien wie etwa gegen Insektenstiche bekannt sind, sollten Sie immer ein Notfall-Set mit Kortison und Adrenalin zur Selbstinjektion bei sich haben.
Ein neurogener Schock kann nach einem Unfall entstehen
Ein neurogener Schock entsteht, wenn die durch Nerven gesteuerte Kreislaufregulation ausfällt und in der Folge ein Kreislaufversagen eintritt. Da die Blutgefäße bei dieser Schockform keine Nervenimpulse mehr erhalten, sind sie maximal weit gestellt, wodurch das Blut in der Peripherie versackt" und die lebenswichtigen Organe nur noch mangelhaft mit Sauerstoff versorgt werden.
Auslöser kann eine schwere Verletzung sein, die etwa von einem Autounfall herrührt. Falls Sie als Ersthelfer am Unfallort sind, sollten Sie die Lage des Unfallopfers nicht verändern, wenn Verdacht auf eine Schädel-Hirn- oder Wirbelsäulen-Verletzung besteht. Jede Manipulation könnte in diesem Fall eine Querschnittslähmung auslösen.
Frischen Sie Ihre Kenntnisse in Erster Hilfe auf
Es ist eher unwahrscheinlich, dass Sie bei einem septischen Schock Erste Hilfe leisten müssen, da er fast ausschließlich bei Patienten im Krankenhaus eintritt. Alle anderen Schockformen können Ihnen jedoch durchaus begegnen. Ein Wespenstich bei einem Allergiker, akuter Flüssigkeitsmangel nach heftigem Erbrechen oder plötzlich einsetzende Herzrhythmusstörungen können den lebensbedrohlichen Zustand ebenso auslösen wie heftiger nervlicher Stress, etwa nach einem schweren Autounfall. Jetzt zählt jede Sekunde, und Sie sollten sofort handeln.
Wenn Sie Zweifel haben, dass Sie die Erste-Hilfe-Maßnahmen im Notfall sicher beherrschen, sollten Sie einen Auffrischungs-Kurs besuchen. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) bietet einen eintägigen Kurs Lebensrettende Sofortmaßnahmen" an, der 25 kostet. Ähnliche Kurse werden auch von den Johannitern und dem Malteser Hilfsdienst angeboten. Anmelden können Sie sich telefonisch bei den Kreisverbänden. Denken Sie daran: Mit Ihrem beherzten Handeln können Sie Leben retten!