Wie Sie dazu beitragen, dass bei einer Narkose alles gut verläuft
Dr. Dietmar Kowertz in Täglich Gesund zum Thema Narkose
vom 11. Mai 2011, 16:00 Uhr
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Darüber, wie viele Narkosen Jahr für Jahr in Deutschland durchgeführt werden, gibt es keine genauen Zahlen. Die Schätzungen liegen zwischen beachtlichen 8 und 10 Millionen. Mehr als jeder zehnte Deutsche macht also einmal im Jahr die Bekanntschaft mit einem Anästhesisten bzw. einer schmerzstillenden Spritze beim Zahnarzt. Wenngleich Zwischenfälle aufgrund einer fehlerhaft ausgeführten Narkose zu den Ausnahmen gehören, kann es von Vorteil sein zu wissen, was man als Patient selbst tun kann, damit die Narkose planmäßig verläuft.
Bei einer Narkose wird das zentrale Nervensystem, d.h. Schmerzempfinden, Bewusstsein, Abwehrreflexe und auch die Muskelspannung, ausgeschaltet, damit der Eingriff dem Patienten keine Schmerzen bereitet. Als Narkosemittel kommen Gase (Lachgas, Xenon), Injektionsmittel (Propofol, Etomidat), Schmerzmittel (Opioide) sowie muskelentspannende Wirkstoffe in Frage, über deren Anwendung und Kombination der Narkosearzt entscheidet.
Je nach Art der Narkose unterscheidet man zwischen einer örtlichen Betäubung, etwa bei einer Zahnbehandlung, einer regionalen Anästhesie, bei der beispielsweise nur ein Arm betäubt wird, und einer Vollnarkose, bei der der Patient während der OP „schläft".
1. Schritt: Der Aufklärungsbogen und das Gespräch mit dem Anästhesisten
Im Vorfeld einer Operation erhalten Sie einen Aufklärungs- und Anamnesebogen (zur Feststellung der Vorgeschichte Ihrer Erkrankung), der Sie sowohl über die verschiedenen Narkoseverfahren als auch über deren Nebenwirkungen und Risiken informieren soll. Zudem enthält er einige Fragen zu Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand und Ihrer Lebensführung. Füllen Sie den Bogen nach bestem Wissen und sorgfältig aus. Notieren Sie sich alle Unklarheiten bzw. Fragen, die bei der Lektüre des Aufklärungsbogens aufgetaucht sind, für das persönliche Gespräch mit dem Narkosearzt.
Ein paar Tage vor der OP werden Sie zu einem Gespräch mit Ihrem Anästhesisten gebeten. Bringen Sie dazu gegebenenfalls Ihre Unterlagen und aktuellen Laborbefunde (Blutbild) aus Voruntersuchungen mit. Der Narkosearzt hinterfragt die Angaben, die Sie im Fragebogen gemacht haben, er will z. B. wissen, ob Sie an Allergien oder an akuten Infektionen leiden, wie Sie gegebenenfalls vorherige Narkosen vertragen haben und welche Medikamente Sie regelmäßig einnehmen (denken Sie dabei auch an die nicht verschreibungspflichtigen Medikamente und Heilmittel, die Sie zu sich nehmen bzw. anwenden!). Er wird Ihnen gegebenenfalls die Medikamente nennen, die Sie ab welchem Tag vor der OP absetzen müssen.
Wenn Sie etwas im Zusammenhang mit der Narkose nicht verstanden haben, etwa zu möglichen Neben- und Nachwirkungen, stellen Sie jetzt Ihre Fragen. Abschließend müssen Sie nämlich eine Erklärung unterschreiben, in der Sie bestätigen, dass Sie umfassend informiert wurden und mit dem Narkoseverfahren einverstanden sind.
2. Schritt: Beachten Sie unbedingt diese Hinweise zur Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme
Sie sollten mindestens sechs Stunden vor der Narkose keine feste Nahrung mehr zu sich nehmen. Das gilt auch für Flüssigkeiten, die Fett, Alkohol oder Schwebepartikel enthalten (z.B. Milch oder Fruchtsäfte). Lediglich Wasser, Tee oder Kaffee dürfen bis zu zwei Stunden vor der Narkose in kleinen Mengen (1 bis 1,5 Tassen) noch getrunken werden. Zwei Stunden vor der OP dürfen Sie auch das nicht mehr. Rauchen Sie am Tag der Operation nicht!
3. Schritt: Um unnötige Verletzungs- und Infektionsrisiken zu vermeiden, sollten Sie Folgendes tun
- Schmuck, Ringe und die Brille ablegen,
- Kontaktlinsen herausnehmen,
- herausnehmbare Zahnprothesen, Piercings und Haarteile am besten in Ihrem Nachttisch auf der Station verwahren,
- gegebenenfalls Make-up und Nagellack entfernen, damit der Narkosearzt Ihre Hautfarbe und Durchblutung besser einschätzen kann.
Wenn Sie vor der OP aufgeregt und angespannt sind, lassen Sie sich am Tag zuvor ein Schlaf- bzw. am OP-Tag ein Beruhigungsmittel geben. n