Wie gesund ist Fleisch wirklich für Sie?
Sylvia Schneider in Täglich Gesund zum Thema Fleisch
vom 21. April 2010, 16:00 Uhr
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Kaum ein Lebensmittel ist so umstritten wie Fleisch. Die einen möchten nicht darauf verzichten, andere können sich aus ideologischen Gründen nicht überwinden, es zu essen. Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist Fleisch jedoch sehr wertvoll. Dennoch kommen die meisten Vegetarier gut ohne aus - vorausgesetzt, sie stellen sich mit der Auswahl ihrer Speisen richtig darauf ein. Entgegen allen Vorurteilen hat Fleisch Ihnen eine ganze Menge zu bieten.
Es liefert zunächst einmal hochwertiges Eiweiß, das Ihr Körper besser verwerten kann als pflanzliches Eiweiß. Dies braucht Ihr Körper als wichtigen Baustoff für Organe und Gewebe. Darüber hinaus wird Fleisch als Vitaminquelle oft unterschätzt. Es bringt Ihnen vor allem Vitamin A, die B-VitamineThiamin (B1), Riboflavin (B2), Cobalamin (B12), Pyridoxin (B6) und Niacin auf den Teller. Dabei decken beispielsweise 150 Gramm Schweinekotelett denVitamin-B1-Tagesbedarf eines Erwachsenen. Vitamin B12 kommt ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vor. Damit ist Fleisch im Prinzip ein unverzichtbares Nahrungsmittel.
Auch zur Mineralstoffversorgung trägt Fleisch bei: Es enthält die Mineralstoffe Kalium, Magnesium, Phosphor, Eisen, Zink und Selen. Eisen aus tierischen Lebensmitteln wird von Ihrem Organismus besser aufgenommen als Eisen aus pflanzlichen Quellen.
Bio-Fleisch liefert Ihnen wertvolle Omega-3-Fettsäuren
Von Fleischverächtern wird zudem immer wieder das Argument hervorgeholt, dass Fleisch zu viel und nicht empfehlenswertes Fett enthalte. Das ist jedoch nicht stichhaltig. Einerseits haben die modernen Rassen insgesamt einen geringeren Fettgehalt als die früheren Rassen. Dabei sind mehr als die Hälfte der enthaltenen Fette ungesättigt und damit aus gesundheitlicher Sicht positiv zu bewerten. Viel wichtiger ist aber, ob das Fleisch aus biologischer Haltung stammt oder nicht. Denn bei Tieren, die natürlich draußen auf der Weide gehalten werden, ist das Fleisch sogar besonders reich an gesundheitsfördernden Omega-3-Fettsäuren. Diese gelten als Herzschutz und Entzündungshemmer. Biologisch erzeugtes Fleisch ist deshalb eindeutig besser als Fleisch aus der Massentierhaltung.
Mäßiger Fleischgenuss ist am gesündesten
Fleisch liefert wertvolle Nährstoffe und wenig Kalorien, ist somit ein Lebensmittel mit hoher Nährstoffdichte. Außerdem kann besonders Biofleisch hervorragend schmecken und eine Grundlage für wunderbare Saucen liefern.
Als Bestandteil einer abwechslungsreichen Kost spricht aus gesundheitlicher Sicht nichts gegen zwei bis drei Portionen Fleisch pro Woche. Also dürfen Sie nach Ihrem eigenen Geschmack frei entscheiden.
Vegetarier sind oft gesünder, doch liegt das nicht am Fleisch
Fleischlose Kost kann durchaus positive Seiten haben. So sind Vegetarier im Hinblick auf Krankheiten wie Diabetes, Arteriosklerose und Krebs oft gesünder. Doch dies steht nicht in direktem Zusammenhangmit dem Fleischverzicht, sondern geht auf die gesamte Lebensweise zurück. Die meisten Vegetarier verzichten vor allem auf Alkohol und Nikotin. Sie sind selten übergewichtig und legen Wert auf eine ausgeglichene Lebensweise mit ausreichend Bewegung und Zeit für Entspannung. Sicher ist: Wer viel Gemüse, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Nüsse isst, wie die meisten Vegetarier es tun, hat ein ohnehin vermindertes Risiko für verschiedene chronische Erkrankungen.
Das sind die Vorteile einer vegetarischen Ernährung:
- gute, regelmäßige Verdauung
- gute Versorgung mit sekundären Pflanzenstoffen (pflanzliche Schutzstoffe)
- Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- niedrigeres Risiko für einige Krebsarten (Mund, Speiseröhre, Magen, Darm)
- weniger Übergewicht und Bluthochdruck
- höhere Lebenserwartung
Ein Vitamin-B12-Mangel kann gefährlich werden
Wer sich jedoch ausschließlich pflanzlich ernährt, lebt auch gefährlich. Denn es kann zu einer riskanten Mangelversorgung mit Vitamin B12 kommen. Dann drohen Ihnen unheilbare Nervenschäden an den Rückenmarksnerven. Zur Risikogruppe gehören vor allem Veganer, die auf sämtliche tierische Nahrungsmittel verzichten, und diejenigen, die nur ungekochte Pflanzennahrung zu sich nehmen. Auch die Fruktaner, die nur Früchte essen, sind davon betroffen. Sie nehmen mit ihrer Ernährungsform zu wenig lebenswichtige Vitalstoffe auf.
Besser sieht es bei Ovo-Lakto-Vegetariern aus, denn sie verzehren auch Eier, Milch und Milchprodukte, sowie bei Laktovegetariern, die wenigstens noch Milch zu sich nehmen. Sofern diese sich in ihrem Rahmen ausgewogen ernähren, kann ihre Vitalstoffversorgung es mit der der Allgemeinbevölkerung aufnehmen. Vorausgesetzt natürlich, dass die „Allesesser" sich ebenfalls ausgewogen und vernünftig ernähren. Beim Vitamin B12 kann es allerdings auch bei diesen Vegetariern zu einem Engpass kommen. Achten Sie deshalb unbedingt darauf, dass Sie regelmäßig Eier, Milch, Milchprodukte und Käse zu sich nehmen. Dann brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen.
Erwachsene können sich fleisch los ernähren, ohne zwangsläufig Probleme zu bekommen
Vegetarier leiden vor allem dann an einem Eiweißmangel, wenn sie sich unausgewogen ernähren. Das muss aber nicht sein, denn Fleisch, Milchprodukte und Eier sind nicht die einzigen Eiweißquellen, aus denen sie sich bedienen können. Was fehlt, müssen sie aus anderen Lebensmitteln aufnehmen. Dazu gehören vor allem Linsen, Bohnen, Kartoffeln, Sojaprodukte, Nüsse und Vollkornprodukte. Am günstigsten ist es, wenn Sie die verschiedenen Eiweiße miteinander kombinieren. Auch Ihre Eisenbilanz kann trotz Fleischverzichts ausgewogen sein. Ihr Körper ist in der Lage, bei einem niedrigen Angebot an Eisen so viel wie möglich davon aus der Nahrung herauszuholen. Besonders eisenreich sind Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Aprikosen, Nüsse und Samen.
Welche Kost nun wirklich gesünder ist, kann nicht abschließend beurteilt werden. Vieles ist vor allem Ideologie. Wenn Sie gern Fleisch essen, lassen Sie sich das nicht vermiesen. Wie alles im gesunden (!) Leben ist es vor allem das rechte Maß, was zählt.