Wie Genetik über Ihr Brustkrebsrisiko Auskunft geben kann
unserer Amerika-Korrespondentin Jenny Thompson in Täglich Gesund zum Thema Brustkrebs
vom 30.03.2005 16:00 Uhr
GNL5223
Lieber Leser,
Viele Forscher und Gesundheitsberufstätige glauben, dass die bedeutsamsten medizinischen Fortschritte, die in diesem Jahrhundert vor uns liegen, die Genetik einschließen. Und wir sehen schon frühe Entwicklungen dieses Trends im Bereich der Erforschung von bestimmten Genmutationen, die Frauen helfen können, ein hohes Risiko von Brustkrebs und anderen Krebsarten vorherzusagen.
Es gibt eine Studie aus dem Jahr 2002 von der Universität über Washington (UW), in denen Forscher genetische Tests mit 1.008 Frauen, bei denen Brustkrebs diagnostiziert wurde, durchführten. Das UW-Team suchte ausdrücklich Mutationen oder Änderungen an zwei Krebsschutzgenen, genannt BRCA1 und BRCA2 (Akronyme für "Brustkrebs 1" und "Brustkrebs 2").Vorherige Studien haben schon gezeigt, dass Unterschiede an diesen Genen mit sowohl einem erhöhten Brustkrebsrisiko als auch einem Risiko von anderen Krebsarten – in erster Linie Eierstockkrebs – in Verbindung gebracht werden können.
In der zweiten Phase der Studie testeten Forscher genetisch Familienmitglieder der Frauen, die Variationen von BRCA1 und 2 hatten. Als die Daten analysiert wurden, zeigte sich, dass die Krebsrisiken noch viel höher waren, als sich in den ersten Versuchen gezeigt hatte:
- Ein lebenslanges, um 82 % erhöhtes Brustkrebsrisiko bei jenen mit einer Mutation an jedem Gen.
- Ein lebenslanges, um 54 % erhöhtes Eierstockkrebs-Risiko bei jenen mit einer BRCA1-Mutation.
- Ein lebenslanges, um 23 % erhöhtes Eierstockkrebs-Risiko bei jenen mit einer BRCA2-Mutation.
Diese Risiken sind alle beträchtlich höher als jene von Frauen, die keine Änderungen an BRCA1 und BRCA2 haben. Die Forscher stellten auch fest, dass Sport und normales Gewicht im Jugendalter mit einer Verzögerung beim schließlichen Beginn des Brustkrebses in Verbindung gebracht werden können. Von der UW Studie wurde Ende letzten Jahres in verschiedenen wissenschaftlichen Zeitschriften berichtet. In einem begleitenden Artikel äußerten sich die genetischen Forscher dahingehend, dass diese Ergebnisse die Wichtigkeit für Frauen unterstreichen, bei Mutationen an diesen Genen geeignete Methoden zu ergreifen.
Aufgrund dieser Studie kann sich jede Frau, in deren Familie Brust- oder Eierstockkrebs auftraten, durch einen genetischen Test darüber aufklären lassen, ob ihre BRCA1 und 2 Gene mutiert sind.
Einen genetischen Test aufzustellen, ist ziemlich leicht. Wenn Ihnen erst einmal Blut abgenommen worden ist, kann Ihr Arzt es in ein Labor geben, dass qualifiziert dafür ist, einen genetischen Test durchzuführen. Aber andere Faktoren können schwierig sein. Genetische Tests sind zum Beispiel in bestimmten Fällen teuer, und die Kosten werden nicht von allen Krankenversicherungen gedeckt. Weiterhin könnte ein positiver Test die Gebühren bestimmter Versicherungen steigern (zumindest bei uns in Amerika), also kann es sein, dass Menschen nicht wollen, dass ihre Versicherungsgesellschaft die Ergebnisse des Tests kennt oder dass die Versicherungen gar nicht erst erfahren sollen, dass man sich testen lassen will.
Die UW Forscher stellten auch fest, dass Frauen mit einer BRCA1 oder 2-Mutation, die vor 1940 geboren wurde, ein 24 %iges Risiko für eine Entwicklung von Brustkrebs mit 50 Jahren hatten. Aber Frauen, die nach 1940 geboren wurden, und die eine Mutation in einem der Gene zeigten, hatten ein 67 %iges Risiko, mit 50 Jahren an Brustkrebs zu erkranken.
Diese Ergebnisse zeigen, dass auch Umwelt- und Lebensstilfaktoren einen starken Einfluss auf das Brustkrebsrisiko haben. Zum Beispiel können Frauen mit Genmutationen ihr Risiko reduzieren, wenn sie regelmäßig Sport treiben und ihr Gewicht auf einem normalen Niveau halten, keinen Alkohol trinken und nicht rauchen.
Außerdem berichtete eine Laborstudie aus dem Jahr 2002, dass eine Ernährung mit vielen Omega-3-Fettsäuren helfen kann, die Schutzwirkung von BRCA1 und 2 zu unterstützen. Dies ist auch das Ergebnis vorhergehender Forschungen, die zeigen, wie Omega-3-reiche Ernährung das Wachstum von Krebszellen reduzieren kann, während eine Diät mit einer Fülle von Omega-6-Fettsäuren Krebszellwachstum ermutigen kann.
Der Vorteil einer gesteigerten Omegas-3-Fettsäuren-haltigen Ernährung kennen Sie ja aus früheren Newslettern. Und weitere Forschung hat gezeigt, dass das so genannte Phytonährstoffe aus frischen Früchten und Gemüse auch Schutz vor Brustkrebs gewährleisten können. Ganz gleich also, was Ihre Familiengeschichte oder Ihr genetisches Profil ergibt, es gibt immer auch einige Risikofaktoren, die Sie selber kontrollieren können.