Widerstehen Sie dem Diktat der Schlankheitsmafia
Helmut Erb in Fit in 8 Minuten
vom 5. Januar 2010, 05:00 Uhr
GNL5356
"sie isst doch wie ein Spatz, nun bleibt doch mal gerecht", sagt meine Frau immer, wenn es in der Familie um unsere Cousine Suse geht. Suse ist etwas vollschlank und hat meines Erachtens für eine Frau in ihrem Alter auf jeden Fall die richtige Figur. Doch im Familien-, Freundes- und Kollegenkreis ist Suse nur „die Dicke". Sie erntet mit schöner Regelmäßigkeit Unverständnis für ihre Figur. Jeder sagt ihr, dass sich nur an den Rippen absetzt, was als Kalorien durch den Mund hineingeht. Und dass sie auf der ganzen Linie versagt, weil sie das nicht in den Griff bekommt. Gut, sie hat im heute üblichen Sinne keine Model-Figur - es sei denn im bunten und lustigen Haufen der Dove-Frauen. Doch ist sie vor allem glücklicherweise auch nicht einer jener Hungerstecken, die ich beipielsweise am vorgestrigen Sonntag bei dem Sender Viva unter dem Titel „Die 20 bekanntesten magersüchtigen Celebrities" sah, die vor allem für die Unterwäsche-Firma „Victorias Secrets" laufen. Für mich sind das Gespenster, die eigentlich nur zwei Dinge brauchen: Etwas Ordentliches zu essen und einen Psychiater.
Ehrabschneidenden Spott haben jedoch weder sie noch unsere Cousine Suse nicht verdient - wer hat das schon? Denn meiner Meinung nach scherzt man weder über Gewicht noch Aussehen anderer Menschen. Keiner macht beispielsweise in unserer Familie Witze über Rita, die sich in den vergangenen Jahren zu einem Abklatsch ihrer selbst herunter gemagert hat. Ihre Halsschlagadern treten hervor wie Schiffstaue und ihr straff gehungertes Kinn ragt einsam in die Luft. Rita ist im Gegensatz zu Suse andauernd krank. Doch irgendwie finden das alle eher normal. Das scheint genauso normal wie das neue Konzept der Frauenzeitschrift „Brigitte", in dem auf Models zugunsten scheinbar normaler Frauen verzichtet und im gleichen Atemzug eine neue Diät angeboten wird.
Wenn meine Frau sage "Rita isst wirklich mal gerade genug, um ausreichend mit Nährstoffen versorgt zu sein", schauen sie alle mitleidig an. Dafür wissen wir beide, wo Suse und viele andere Frauen der Schuh drückt: Sie hat einen Job, bei dem sie manchmal 10 bis 12 Stunden fast ohne Unterbrechung sitzt. Sie hat im Alltag kaum Möglichkeiten, zusätzlich Kalorien zu verbrennen und etwas abzuspecken. Sie isst nicht zu viel, sie bewegt sich zu wenig. Bewegungsmangel mündet dann wiederum schneller in weiterem Übergewicht als bei Männern, die eher Zeit für Fett schmelzenden Sport finden - vor allem wenn sie eine fleißige Partnerin haben, die währenddessen den Haushalt alleine "wuppt". Irgendwann ist dann zudem noch der Punkt erreicht, an dem sie sich wegen ihres Gewichts gar nicht mehr zum Sport trauen - selbst wenn Zeit wäre. Ein Teufelkreis.
Mein Rat an Suse: Beweg dich, wo es nur geht - aber lass dich vor allem nicht von wohlmeinenden Menschen kirre machen. Vielleicht habn Sie und unsere Suse ja Lust, bei meinem Fit-in-8-Minuten-Frühjahrsprogramm mitzumachen. Es ist im Baukastensystem aufgebaut und für jeden ist das Richtige dabei. Und das eine oder andere Pfündchen geht dabei natürlich auch baden. Seien Sie gespannt! In den nächsten Tagen geht es los!
Machen Sie es besser!
Ihr
Helmut Erb
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Karin (05.01. 2010 08:01 Uhr):
Besser könnte es keiner gesagt haben!!!!!!! Vielen Dank, sehr ermutigend, aber auch ehrlich.
Antworten - Kommentar von Ernährungs Fachberater Paringer (05.01. 2010 08:46 Uhr):
haben Sie ihr Mail nicht gelesen??? Sie machen genau das GLEICHE wie die Zeitschrift Brigitte. Was kommt nach Ihrem Text ? Natürlich die Aufforderung sofort mit einer DIÄT zu beginnen !! MfG Paringer
Antworten - Kommentar von Paul Hoehn (05.01. 2010 09:47 Uhr):
Ich bin gespannt auf dieses Baukastensystem ob man wirklich seine Kondition nach und nach aufbauen - und ein paar Kilo verlieren kann.
Antworten - Kommentar von Helga von Schaewen (05.01. 2010 10:18 Uhr):
locker geschrieben, ohne Anklage- die ohnehin meist das Gegenteil bewirkt- trifft genau den Kern.Da wartet man gern auf das Frühjahrsprogramm.
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