Wetterfühligkeit: Neue Therapien, die Ihnen durch Höhen und Tiefen hel
Sylvia Schneider in Täglich Gesund zum Thema Naturheilkunde
vom 6. August 2008, 16:00 Uhr
GNL5223
Plötzliche Wetterumschwünge, starke Temperaturschwankungen, schwülwarmes Wetter oder Fön: Wetterfühlige können nicht schlafen, sind müde, haben Atemprobleme und Kopfweh, fühlen sich schlapp und lustlos und spüren, wie ihr Kreislauf rebelliert. Egal zu welcher Jahreszeit: Wenn das Wetter Kapriolen schlägt, ist für Wetterfühlige Leiden angesagt. Wetterfühligkeit gilt nicht als Krankheit, deshalb wird den Betroffenen häufig unterstellt, sie würden sich bloß anstellen. In Studien konnte allerdings jetzt nachgewiesen werden, dass extreme Hitze oder Kälte zu einem Anstieg der Krankheitsrate und der Todesfälle führt. Forscher haben eine bis zu 18 Prozent höhere Sterblichkeitsrate bei extremen Wetterlagen registriert. Etwa 54 Prozent der Deutschen reagieren auf bestimmte Wetterlagen mit Krankheitssymptomen, so lauten die neuesten Zahlen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, ältere stärker als jüngere. Die Probleme mit dem Wetter werden weiter zunehmen, sagen Experten aus der Schweiz. Denn die zu erwartende Klimaerwärmung wird noch mehr Wetterlagen mit sich bringen, die den Wettersensiblen zu schaffen machen werden.
Wetterfühlige sind keine Hypochonder
Dass Wetterfühlige keine Hypochonder sind, konnten Untersuchungen des Münchner Bio-Meteorologen Prof. Peter Höppe nachweisen: Die Wetterfühligen waren über eine längere Zeit aufgefordert, akribisch Protokoll über ihr Befinden zu führen. Diese Aufzeichnungen wurden mit den Wettervorhersagen des Deutschen Wetterdienstes verglichen. Bei zwei Dritteln der Testpersonen stimmten die Angaben mit denen des Wetterdienstes überein. Bio-Meteorologen stießen auf 22 Krankheitsbilder, die bei speziellen Wetterlagen verstärkt auftreten: Wenn sich anrückende Warmluft über ein Zwischenhoch schiebt und es tagelang regnet, häufen sich Migräne, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Herzbeschwerden und Asthma. Prallt eine Kaltfront gegen warme Luftmassen, fällt die Temperatur abrupt.
Feuchte Kälte trifft Rheumatiker besonders hart. Im Zentrum eines Tiefdruckgebietes treten vermehrt Herz- und Atemwegsprobleme sowie Gelenk- und Phantomschmerzen auf. Bei Luftdruckschwankungen - etwa wenn zwei unterschiedliche Luftschichten gegeneinander reiben, häufen sich Unfälle, steigt der Blutdruck und sinkt die Leistungsfähigkeit. Schwülwarmes Wetter macht gereizt, Nebel und hohe Luftfeuchtigkeit fördern Bronchitis und Atemwegsbeschwerden.
Ihr Organismus kann sich nicht schnell genug an Wetterwechsel anpassen
Zunächst einmal ist die Reaktion auf das Wetter allerdings eine ganz wichtige Anpassungsleistung Ihres Organismus. Er reagiert ununterbrochen auf seine Umgebung mit Wärmeaufnahme und -abgabe, um seine Körpertemperatur zu regulieren. Das bemerken wir jedoch normalerweise gar nicht. Erst wenn wir schwitzen oder frieren wird uns dies bewusst. Schwankungen in der Stimmung und im Wohlbefinden bringen wir nicht immer mit dem Wetter in Verbindung. Das gilt jedenfalls für diejenigen, die nicht besonders wetterfühlig sind.
Unter Wetterfühligkeit leiden Frauen, deren vegetatives Nervensystem eine niedrigere Reizschwelle hat. Sie nehmen die Reaktion Ihres Körpers auf Wetter und Klimaschwankungen verstärkt wahr und reagieren mit spürbaren Symptomen wie Müdigkeit, Kopfdruck oder Konzentrationsschwäche. Sie empfinden ihren Organismus als überlastet. Etwas Ähnliches erleben wetterempfindliche Menschen. Sie haben durch Krankheiten oder Verletzungen bereits einen geschwächten Organismus, der bei Wetterwechsel und Klimaschwankungen die Anpassungsleistung nicht mehr erbringen kann. Bestehende chronische Erkrankungen werden aktiviert oder verstärkt. Neben Kopf- und Narbenschmerzen stellen sich die so genannten Phantomschmerzen ein, bei denen ein amputiertes Körperteil schmerzt, obwohl es gar nicht mehr da ist. Bei anderen chronisch Kranken kommt es zu Schüben - etwa bei Herzpatienten, Rheumatikern, Asthmatikern und Menschen, die Operationen hinter sich haben und bei bestimmten Wetterbedingungen unter Narbenschmerzen leiden.
Die Beschwerden der wetterempfindlichen kranken Menschen erreichen relativ rasch Krankheitswert. Die klassischen Empfehlungen bei Wetterfühligkeit lauten: Kreislauf abhärten und den Körper trainieren. Das wirkt bei etwa 80 Prozent aller Betroffenen zumindest erleichternd. Das Zentrum für Wetterfühligkeit in Bad Füssing bietet eine speziell für Wetterfühlige entwickelte neuartige dreiwöchige Kur an: die Wetter-fit-Wochen". Sie kostet je nach Saison zwischen 1.700 und 2.100 Euro und muss in der Regel aus der eigenen Tasche bezahlt werden. Fragen Sie auf alle Fälle vorher bei Ihrer Krankenkasse nach. Durch Bäder in den Thermalschwefelbecken, Heilgymnastik, Ausdauersport, Massagen und Kneippanwendungen, kombiniert mit schmerzlindernden Verfahren wie Akupunktur und Magnetfeldtherapie, leichter ausgewogener Kost, Pflanzenheilmittel und Entspannungstraining, wird der Organismus der teilnehmenden Frauen abgehärtet und wetterfest gemacht. Nach drei Wochen sind Kreislauf, vegetatives Nervensystem und Immunsystem so stabilisiert, dass der Organismus Wetterreize ohne Krankheitsgefühl verkraftet, sagt Chefarzt Dr. Wolfgang Greul.
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