Wenn Wunden nicht heilen: Lassen Sie Maden knabbern
Sylvia Schneider in Naturmedizin aktuell
vom 16. Februar 2011, 06:00 Uhr
GNL5356
Sehr appetitlich hört sich das wirklich nicht an. Doch Fliegenmaden können tatsächlich bei schlecht heilenden Wunden oft helfen, wenn alle anderen Maßnahmen versagt haben. Die Madentherapie zählt ebenso wie die Blutegeltherapie und die Knabberfischchen-Therapie zur Biochirurgie.
Maden der Goldfliegenart Lucilia serica werden häufig ärztlich verordnet, weil sie totes und krankes Gewebe fressen und auf diese Weise Wunden säubern. Davon profitieren gerade Wunden, die nicht heilen wollen und sonst unter Umständen eine Amputation zur Folge haben. Dieses betrifft besonders häufig Diabetiker mit Fußproblemen (diabetische Gangrän) oder Menschen, die sich im Krankenhaus multiresistente Erreger zugezogen haben, bei denen Antibiotika nichts mehr ausrichten können und das Immunsystem zum Erliegen kommt.
Die Madentherapie wurde bereits von den Ureinwohnern Australiens und den Mayas in Mittelamerika genutzt. Im Ersten Weltkrieg entdeckte ein britischer Feldarzt die Heilwirkung der Fliegenmaden, als schwer verwundete Soldaten nach tagelangem Transport mit Wunden voller Maden in sein Lazarett kamen. Ihre Wunden waren blitzsauber und verheilten rasch.
Als dann die Antibiotika erfunden wurden, geriet die Madentherapie für eine Weile in Vergessenheit. Da jedoch die bakteriellen Krankheitserreger zunehmend resistent gegen Antibiotika wurden, besann man sich vor etwa 20 Jahren wieder auf die hilfreichen Tierchen. Die Fliegeneier werden sterilisiert, bevor die Madenbabys schlüpfen. Nach dem Schlüpfen kommen die Maden in eine sterile Nährlösung und werden an Krankenhäuser und Ärzte versandt. Dort werden sie entweder direkt in Wunden gegeben oder in einer Art Teebeutel aus Polyvinylschaumstoff oder Gaze auf die Wunde gelegt.
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von erika (03.08. 2011 22:54 Uhr):
Die Behandlung mit Maden kann ich nur bestätigen, sie hatte bei meiner Mutter den Erfolg, dass der große Zeh nicht amputiert werden musste. Ich bin bestimmt sehr empfindlich, war immer als "Assistentin" des behandelnden Arztes dabei, aber ich fand es keineswegs eklig.
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