Wenn Ihre Blutfett-Werte trotz Behandlung nicht sinken wollen …
Dr. Dietmar Kowertz in Täglich Gesund
vom 13. Juli 2011, 16:00 Uhr
GNL5356
Die meisten Menschen mit erhöhten Blutfettwerten bekommen diese durch entsprechende Ernährung, viel Bewegung und gegebenenfalls mit blutfettsenkenden Medikamenten, z.B. Statinen, in den Griff. Sie können auf diese Weise die Risiken einer Arteriosklerose erfolgreich reduzieren. Doch bei vielen Betroffenen reichen diese Standard-Therapien nicht aus. Sie leiden möglicherweise unter einer angeborenen Hypercholesterinämie mit stark erhöhten LDL-Cholesterinwerten von 250 bis zu 1.000 mg/dl (Normalwertbereich LDL: unter 160 mg/dl bzw. unter 4,2 mmol/l). Andere vertragen die Medikamente, die sie einnehmen müssen, nicht, denn diese verursachen in hoher Dosierung nicht selten massive Nebenwirkungen wie Kopf- und Muskelschmerzen, Gedächtnisverlust, Alpträume, Leber- und Nervenschädigungen bis hin zu lebensbedrohlichen Lähmungen der Gliedmaßen-Muskulatur.
Was viele Betroffene nicht wissen: Mithilfe eines relativ neuen „Blutwäsche"-Verfahrens, der sog. Lipid-Apherese, kann ihnen wirksam geholfen werden. Ähnlich wie bei Nierenkranken, die sich zur Entfernung von Giftstoffen aus dem Blut einer Dialyse unterziehen, kann auch das LDL-Cholesterin mittels verschiedener apparativer Verfahren aus dem Blut herausgefiltert werden.
So funktioniert die Lipid-Apherese
Die „Entfettung" des Bluts erfolgt ambulant. Dem Patienten wird Venenblut entnommen, dieses wird maschinell vom LDL-Cholesterin befreit und ihm wieder zugeführt. Die Wirkung tritt sofort ein: Während des ca. 90-minütigen Vorgangs durchlaufen etwa drei Viertel des Gesamtbluts den Reinigungsprozess - der LDL-Cholesterin-Spiegel sinkt um 75 und mehr Prozent. So kann ein Wert von 300 mg/dl mittels Apherese durchaus auf 70 mg/dl reduziert werden. Erfreulicher Nebeneffekt: Dabei sinken gleichzeitig auch die Blut-Konzentrationen des C-reaktiven Proteins und des Fibrinogens, zwei Substanzen, die als Risikofaktoren für Blutgerinnsel, Thrombose und Embolie gelten.
Auch berichten viele Patienten, dass sie seit der Lipid-Apherese-Anwendung wesentlich weniger unter Symptomen von Herz-Kreislauf-Problemen leiden, etwa Durchblutungsstörungen in den Beinen oder Brustschmerzen.
Da die Lipid-Apherese zwar die Symptome lindert, aber nicht die Ursachen der erhöhten Blutfettwerte abstellen kann, steigen die LDL-Werte nach der Behandlung wieder an. Patienten, bei denen die Apherese die beste und einzige Option ist, müssen daher die Behandlung regelmäßig wiederholen, üblicherweise alle zwei Wochen, notfalls sogar lebenslang.
Fazit: Wenn bei Ihnen überhöhte LDL-Cholesterinwerte festgestellt werden und Sie trotz Änderungen in der Lebensführung und Einnahme von Medikamenten diese Fettstoffwechsel-Störung nicht in den Griff bekommen, oder wenn Sie die cholesterinsenkenden Medikamente nicht vertragen, sollten Sie mit Ihrem Arzt über die Lipid-Apherese sprechen. Sie können sich dadurch vor den lebensbedrohlichen Folgen (Arteriosklerose) zu hoher Blutfettwerte bewahren. Die Lipid-Apherese ist, sofern medizinisch notwendig, eine Kassenleistung. Sie kann in allen größeren deutschen Kliniken durchgeführt werden.
Die Apherese wird in ähnlicher Form übrigens auch zur Behandlung anderer Erkrankungen erfolgreich eingesetzt, z.B. zur Entfernung von aggressiven Antikörpern aus dem Blut, etwa bei Lupus erythematodes, einer Autoimmun-Erkrankung, oder einer speziellen blasenbildenden Hautkrankheit, dem Pemphigus vulgaris.
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Norbert Escher (13.07. 2011 17:30 Uhr):
Wirkt diese Behandlung auch auf erhöhte Lipoproteinwerte?
Antworten- Antwort von Johann Niedermayer (14.07. 2011 13:53 Uhr):
Empfehlung: Sehen Sie bei Dr. Rath nach, was der über Lipoprotein zu sagen weiß. Ich glaube, dass er es war, der Lipoprotein(a) entdeckt hat.
- Antwort von Johann Niedermayer (14.07. 2011 13:53 Uhr):
- Kommentar von Johann Niedermayer (13.07. 2011 18:05 Uhr):
Ist die Hypercholesterinämie wirklich eine Krankheit oder ist hohes Cholesterin bloß ein Indikator für etwas anderes aus dem Ruder Laufendes? Aus den Materialien von Dr. Rath: >Bären und andere Winterschläfer bekommen trotz Blutwerten von 400 bis 600 mg/dl keinen Herzinfarkt<. An anderer Stelle meint Dr. Rath, dass hohes Cholesterin auf einem biologischen Regelkreis beruhe. Dieser würde dafür sorgen, dass Cholesterin über den normalen Wert hinaus hergestellt wird, wenn dieses zur Reparatur lädierter Gewebe benötigt wird. Somit könnte es so richtig sein: Die Arteriosklerose wird nicht durch hohes Cholesterin verursacht, sondern lädierte Gefäßgewebe bewirken hohes Cholesterin. Ich halte es auch für möglich, dass die Fähigkeit des Organismus zur vermehrten Cholesterinproduktion bei den einzelnen Menschen verschieden stark ausgeprägt ist. Es soll ja auch Menschen geben, die normale Cholesterinwerte haben und dennoch an den Folgen der Arteriosklerose sterben. Allein daraus geht schon hervor, dass hohes Cholesterin kein Schad- bzw. Risikofaktor sein kann, sondern allenfalls ein Indikator. Die Verwendung des Wortes „Risikofaktor“ ist an sich schon ein Indikator für Ungewissheit. Es ist offensichtlich, die Medizin ist keine exakte Wissenschaft.
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