Wenn Ihr Immunsystem außer Rand und Band gerät
Sylvia Schneider in Naturmedizin aktuell
vom 13. Januar 2012, 06:00 Uhr
GNL5356
Normalerweise verfügt Ihr Körper über ein gut funktionierendes Abwehrsystem, das Sie vor Angreifern schützt. Doch bei einer Allergie entgleist Ihr Schutzmechanismus in mehreren Schritten:
Der erste Kontakt: Trifft ein Allergen auf Ihren Organismus, stürzen sich - sofern Sie „das Zeug" zum Allergiker haben - als erstes die Fresszellen (Makrophagen) auf einen bestimmten Eiweißstoff und zerlegen ihn in kleinere Teile. Dann „zeigen" die Makrophagen ihren Kollegen die vermeintlich feindlichen Teilchen, damit sie ihrerseits in Aktion treten können. Die weißen Blutkörperchen mit ihren T-Lymphozyten beispielsweise schütten eine Alarmsubstanz aus, das Interleukin. Daraufhin schrillen bei anderen Kampfeinheiten die Alarmsirenen. Die B-Lymphozyten etwa bilden nun Antikörper. Eine regelrechte Abwehr-Truppe formiert sich. Zu ihr gehören als Elitekämpfer die Immunglobulin-E-Antikörper (IgE), die die Eindringlinge höchstpersönlich festhalten können. Bis der ganze logistische Abwehrprozess abgeschlossen ist, ist das ursprüngliche Allergen allerdings längst über alle Berge. Die Truppe baut sich dennoch weiter auf. Es werden immer mehr Kampfmittel bereitgestellt - für den Fall, dass der Feind wieder auftaucht.
Der zweite Kontakt: Irgendwann - Wochen, Monate, sogar Jahre später - kommt es dann wieder zum Kontakt mit dem nach wie vor harmlosen Allergen - eine Nuss, ein paar Pollen, ein wenig Nickel, ein Tierhaar, ein Stückchen Sellerie, ein Pfirsich, ein Glas Milch - schon bricht der Krieg erneut aus und wir erbitterter geführt als beim ersten Mal. Es werden Histamin und andere Entzündungen verursachende Substanzen in großen Mengen ausgeschüttet. Ihr Körper bekämpft sich jetzt gewissermaßen selbst. Die allergischen Reaktionen können mit der Zeit immer heftiger werden.
Nun werden die allergischen Reaktionen ausgelöst:
- Erweiterung der kleinen Blutgefäße: Die Entzündungsstoffe führen dazu, dass das Gewebe - etwa Ihre Haut oder Ihre Schleimhäute - anschwillt, rot und warm wird.
- Die glatte Muskulatur zieht sich zusammen: Je nachdem, wo Ihre Allergie „zuschlägt", ziehen sich die Muskeln zusammen - etwa in den Bronchien oder im Darm. Es kommt beispielsweise zu asthmatischen Anfällen oder zu Durchfall.
- Immunzellen greifen das Gewebe an: Bei einer normalen Reaktion töten die nun auf den Plan gerufenen Immunzellen die eingedrungenen Erreger ab, doch in diesem Fall schädigen sie das eigene Gewebe und verstärken die Entzündungsreaktionen.
- Juckreiz setzt ein: Das ausgeschüttete Histamin und andere Botenstoffe setzen Stoffe frei, die Juckreiz verursachen.
- Die Schleimdrüsen werden aktiv: Bei einer Pollenallergie setzen die Symptome des Heuschnupfens ein, die Nase läuft, der Niesreiz quält. Bei allergischem Asthma bilden die Drüsen der Bronchialschleimhaut vermehrt Schleim, der das Atmen behindert.
- Der Kreislauf wird in Mitleidenschaft gezogen: Es kommt zu Schwindelgefühlen, Ohnmachtsanfällen und unter Umständen zum lebensgefährlichen anaphylaktischen Schock, bei dem der Kreislauf zusammenbricht.