Wenn Freunde die Familie ersetzen

in Naturmedizin aktuell
vom


von Sylvia Schneider

Natürlich von Tag zu Tag, Einfälle und Ausfälle

Eine gute Freundin braucht jede Frau, einen guten Kumpel jeder Mann. Ein verlässlicher Freundeskreis ist heute besonders wichtig. Freundschaften erhöhen die Lebensqualität und sorgen für Ihre Gesundheit. „Eine Familie hat man, Freunde kann man sich aussuchen“, sagt der Volksmund.


Eine Reihe von Untersuchungen sprechen inzwischen dafür, dass Freundschaften bald die Familie ersetzen könnten. Das ist sicher so aber nicht ganz richtig, denn – wie auch dies der Volksmund so schön weiß: „Blut ist dicker als Wasser“. Die enge Bindung an die Familie wird sich nicht wirklich auflösen – das geht meines Erachtens gar nicht. Die Identität eines Menschen ist untrennbar mit seinen familiären Wurzeln verbunden. Aber Freundschaften und Familie schließen einander ja auch nicht aus. Warum sollte also das eine das andere ersetzen?

Doch wird der Freundeskreis in der Zukunft eindeutig noch wichtiger werden, als er das schon zuvor war: Die Familien werden immer kleiner und ihre Mitglieder leben oft in alle Winde verstreut. Immer mehr Menschen leben allein, immer mehr tun dies nicht freiwillig – insbesondere, wenn sie älter werden. Die Zahl der Single-Haushalte steigt. Darin leben zunehmend Frauen, die nicht mehr zu den ganz jungen gehören. Meist sind es jene, die ihren Partner verloren haben – sei es durch Trennung, Scheidung oder Tod. Manche sind auf der Suche nach einem neuen Partner. Andere sind sich ziemlich sicher, dass sie ihr Leben wahrscheinlich nicht mehr mit jemand anderes teilen werden. Passende Partner sind von einem gewissen Alter an Mangelware. Männer haben noch viel eher Chancen, wieder jemanden zu finden als Frauen.

Gerade Alleinlebende profitieren von einem intakten Freundeskreis

Eine Zeit lang wurde suggeriert, das Single-Dasein sei ein erstrebenswerter Zustand, weil von größtmöglicher Unabhängigkeit und Unverbindlichkeit geprägt. Doch in aktuellen Befragungen wird immer deutlicher, dass kaum ein Mensch es am Ende wirklich als beglückend empfindet, allein zu leben. Diese Freiheit ist nicht wirklich eine. Umso wichtiger wird das soziale Netz, das einen auffängt, wenn man durchhängt, sich schlecht fühlt oder tatkräftige Unterstützung braucht.

Doch stärker als Sie wahrscheinlich vermuten, funktioniert diese Wahlverwandtschaft nur, wenn das Verhältnis von Geben und Nehmen ausgewogen „gefühlt“ wird. Forscher kamen jetzt zu der verblüffenden Erkenntnis: Erwarten Sie nicht allzu viel von Ihren Freundinnen und Freunden, nehmen Sie erst einmal Ihre eigene Freundschaftsfähigkeit unter die Lupe. Nur was Sie selbst zu geben bereit sind, dürfen Sie auch von anderen erwarten.

Das klappt vor allem bei Freundschaften je länger sie andauern, je älter sie sind. Das trifft für diejenigen zu, die gemeinsam schwere Zeiten – etwa Kriegs- oder Nachkriegszeiten sowie andere Krisenereignisse –geschultert haben. Tatsächlich zeigt die Erfahrung vieler Frauen, dass sich zwei Seelen selbst dann zutiefst miteinander verbunden fühlen, wenn sie nur ab und an voneinander hören – sie empfinden „es trotzdem jedes Mal so, als hätten wir uns gerade gesehen!“

Wer ist es überhaupt wert, Freundin oder Freund genannt zu werden?

Wahre Freundschaft zeigt sich vor allem in Notsituationen. Oft sind die vermeintlichen Freunde verschwunden, wenn es ernst wird – etwa in Krisen um den Arbeitsplatz, bei finanziellen Engpässen, bei längerer Krankheit oder wenn ein Tod ins Haus steht. Viele „Busenfreundinnen“ entpuppen sich da schnell als lediglich lockere „Lebensabschnittsbegleiterinnen“. Von der echten Freundin erwarten Sie, dass Sie sie in allen Lebenslagen selbstlos begleitet. So wie die Freundin unserer NA-Leserin Margaret E. (43), die ihre Kinder bei sich aufnahm, als Margaret sich wegen einer Krebserkrankung einer Chemotherapie unterziehen musste. „Ohne meine Freundin hätte ich das nie überstanden. So schlecht es mir auch ging, ich wußte immer, meine Kids sind bei ihr gut aufgehoben.“ Befreundet sind sie allerdings auch schon seit 34 Jahren, seit sie gemeinsam die Schulbank drückten.

Je älter Sie werden, umso wählerischer gehen Sie mit Ihren Freundschaften um

Enge Freundschaften – so eine australische Studie – erhöhen die Lebenserwartung um bis zu 22 %. Das klingt gut und wahr. Doch ein bedenkenswerter wissenschaftlicher Einwand aus der Schweiz lautet: Haben Menschen eine höhere Lebenserwartung, weil sie enge Freunde haben? Oder haben sie ein inktaktes Freundschaftsnetz, weil sie gesund und fit sind? Haben ältere und kränkelnde Menschen die gleichen Chancen auf eine verlässliche soziale Umgebung? Das hieße: Freundschaften sind die Folge von guter Gesundheit und nicht umgekehrt. Sicher ist soviel: Hat ein Mensch Freunde, ist er auf jeden Fall besser dran. Wird jemand krank und muss gepflegt werden, sind es aber doch seltener die Freunde, die dies übernehmen. Dann treten familiäre Pflichtgefühle wieder in den Vordergrund.

Zum Schluss doch nun die wirklich gute Nachricht: Je älter Sie werden, umso freundschaftsfähiger werden Sie. Zwar sind Sie dann „Fast-Food-Freundschaften“ nicht mehr sehr zugeneigt, sortieren mehr die Spreu vom Weizen, doch was dann übrig bleibt, ist wunderbar und bereichernd, sollte gehegt und gepflegt werden. Die meisten Menschen haben am Ende nur eine Hand voll wirklich guter Freunde, was aber durchaus ausreicht. Da die Menschen heute allgemein flexibler geworden sind, gelingt es sogar noch, spätere Freundschaften zu finden.

Wie sehen Sie das?

P. S. : Selbst in einer guten Freundschaft muss es übrigens nicht immer um den Sinn des Lebens, die Beschwernis des Alltäglichen gehen. Auch die Leichtigkeit des Seins kann Ihre Freundschaft bereichern. „Freunde sind wie Gärten, in denen man sich ausruhen kann“, fand der französische Dichter Antoine de Saint-Exupery. Gärten sind da, wenn man sie braucht. Und Freunde auch.


von
Sylvia Schneider

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