Was ein Heilpraktiker darf und nicht darf

in Naturmedizin aktuell zum Thema Alternative Medizin
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Der Spielraum der Heilpraktiker ist relativ groß. Sie dürfen beispielsweise einiges, was nicht einmal eine Krankenschwester darf -  zum Beispiel in eine Vene spritzen oder Knochenbrüche behandeln. Sie können nahezu alle Diagnose- und Heilverfahren einsetzen. Sie dürfen sogar operieren und eine Klinik leiten. Ein Heilpraktiker kann für alles verantwortlich gemacht werden, was er tut.

Das sind ihre Grenzen

Heilpraktiker dürfen:

  • nicht über die Krankheiten ihrer Patienten sprechen, denn sie unterliegen der Schweigepflicht, wenngleich diese deutlich weniger streng gefasst ist als bei Ärzten
  • keine meldepflichtigen Infektionskrankheiten behandeln wie Diphterie, Masern, Tuberkulose oder Virushepatitis, außerdem keine sexuell übertragbaren Krankheiten, keine Krätze, Malaria, Mumps, Röteln oder Windpocken
  • keine Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten behandeln
  • keine Geschlechtsorgane untersuchen oder behandeln
  • keine Geburtshilfe leisten
  • keine verschreibungspflichtigen Medikamente oder Betäubungsmittel verordnen
  • keine Totenscheine ausstellen.



Wie Sie einen guten Heilpraktiker finden

Mundpropaganda ist hier wohl die sicherste Quelle. Allerdings müssen Sie dann immer noch selbst feststellen, ob Ihnen die empfohlene Person auch zusagt, ob also die Chemie zwischen Ihnen stimmt. Sie sollten sich ernst genommen fühlen und echte Anteilnahme spüren. Die Mitgliedschaft in einem der Berufsverbände ist zwar keine Qualitätsgarantie, aber doch ein Zeichen dafür, dass der Therapeut seinen Beruf und die Weiterbildung ernst nimmt. Fragen sie ihn danach.

Tritt ein Heilpraktiker großspurig und gurumäßig auf, sollten Sie besser einen Bogen um ihn schlagen. Bei den Behandlungsmethoden sollte sie oder er sich auf etwas spezialisiert haben - wie beispielsweise Traditionelle Chinesische Medizin. Denn um ein ganzheitliches Naturverfahren wirklich zu beherrschen, braucht man eine gründliche Ausbildung und eine Menge Erfahrung. Bietet er zu vieles an, kann er zu wenig und hat Ihnen wenig zu bieten.

Checken Sie Ihren Heilpraktiker

Pluspunkte für Ihren Heilpraktiker:

  • Er wird Ihnen von vertrauenswürdigen Personen sehr ans Herz gelegt.
  • Er nimmt beim ersten Termin eine sehr gründliche Untersuchung vor.
  • Er zeigt Ihnen, dass er ausreichend Zeit für Ihre Fragen und Probleme hat.
  • Er erklärt Ihnen den Sinn und Zwecke der Heilverfahren, die er Ihnen vorschlägt. Er zeigt Ihnen ebenfalls Alternativen auf.
  • Er beschränkt sich auf eine überschaubare Zahl von Heilverfahren, in denen er wirklich fortgebildet ist, und bietet Ihnen keinen großen Gemischtwarenladen an.
  • Er legt Ihnen auch die Grenzen der jeweiligen Heilmethode dar, er kennt aber auch die Grenzen seiner eigenen Möglichkeiten.
  • Er fragt nach, ob Sie bereits schulmedizinisch behandelt werden und interessiert sich für die ärztliche Diagnose.
  • Er rät Ihnen nicht dazu, ärztlich verordnete Medikamente abzusetzen.
  • Er verweist Sie an einen Arzt, wenn sich die Krankheit nicht heilpraktisch behandeln lässt, wenn sie sich verschlimmert oder seine Maßnahmen keinen Erfolg bringen.
  • Er arbeitet nicht mit nachgewiesen untauglichen Methoden.
  • Ratschläge zur Lebensführung, Bewegung, Ernährung und Krankheitsvorsorge sind für ihn selbstverständlich.
  • Ihr Gesundheitszustand bessert sich nach einer Weile wirklich.
  • Die Honorarforderungen halten sich im überschaubaren Rahmen und orientieren sich am „Gebührenverzeichnis für Heilpraktiker", das die Heilpraktikerverbände in Deutschland festgesetzt haben.
  • Er bespricht seine Honorierung für der Behandlung mit Ihnen und lotet mit Ihnen gemeinsam aus, ob Ihre Krankenkasse eventuelle die Kosten übernimmt.
  • Seine Räumlichkeiten sind hell und freundlich.
  • Er bildet sich fort und ist Mitglied in einer berufsständischen Organisation.


Minuspunkte für Ihren Heilpraktiker:

  • Er macht marktschreierisch für sich Reklame.
  • Er verspricht Ihnen, Sie zu heilen.
  • Er hüllt sich in mystische Geheimnistuerei.
  • Er führt teure Behandlungen auch dann weiter, wenn sie nach 3 bis 5 Sitzungen keinen spürbaren Erfolg gebracht haben.
  • Er will ihnen irgendetwas außer seiner eigenen Dienstleistung verkaufen - seien es Geräte, eine teure Spritzenkur oder andere Dinge.
  • Er fertigt alle Patienten nach demselben Behandlungsschema ab.
  • Sie gewinnen den Eindruck, er schaut zuerst auf seinen Geldbeutel anstatt auf Ihre Gesundheit.


von
Sylvia Schneider

Erfahren Sie hier mehr zu Sylvia Schneider - aus dem Redaktionsteam von FID Gesundheitswissen.

 
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Kommentar von Ingo

Natürlich darf ein HP Geschlechtsorgane untersuchen oder behandeln. Er darf nur keine Geschlechtskrankheiten behandeln. Was sich an den Geschlechtsorganen abspielt muss nicht immer eine Geschlechtskrankheit sein.

Antworten
Antwort von Evelyn Müller:

Und sehr wohl auch die Untersuchung der Prostata beim Mann (rektal).